Der Bahnhof Bleicherode Ost ist eine Betriebsstelle der Bahnstrecke Halle–Hann. Münden in der Kleinstadt Bleicherode im thüringischen Landkreis Nordhausen.

Lage links|mini|Lage des Bahnhofes Der Bahnhof befindet sich etwa zwei Kilometer östlich von Bleicherode an der Bahnstrecke Halle–Hann. Münden bei Streckenkilometer 115,41. Das Terrain des Bahnhofes liegt im Wippertal auf einer Höhe von ungefähr 226 m ü. NN, unmittelbar südlich des Bahnhofes mündet die Bode in die Wipper. Die Halde des ehemaligen Kaliwerkes Bleicherode bildet eine deutliche Landmarke westlich des Bahnhofes. Die nächsten Bahnhöfe entlang der Halle-Kasseler-Bahn sind Gebra (Hainleite) im Südwesten und Wipperdorf im Osten. Zu erreichen ist der Bahnhof über die Landesstraße 1035, die unmittelbar am Bahnhof vorbeiführt.

Geschichte Da sich die Stadt Bleicherode und die Magdeburg-Köthen-Halle-Leipziger Eisenbahn-Gesellschaft zunächst nicht auf einen stadtnahen Standort für den Bahnhof einigen konnten, wurde er schließlich weiter entfernt vom Stadtzentrum geplant. Im Jahr 1867 wurde der zunächst eingleisige Streckenabschnitt von Nordhausen bis Arenshausen mit dem Bahnhof Bleicherode dem Verkehr übergeben. Mit dem Bau der Kanonenbahn um 1880 wurde die Strecke Halle–Hann. Münden auch um Bleicherode zweigleisig ausgebaut. Nachdem ab 1899 im unmittelbar westlich gelegenen Bergwerk Bleicherode Kalisalze abgebaut wurden, baute man direkt vom Bahnhof ein Anschlussgleis zum Werksgelände, wo ein separates Gleisnetz entstand.

Im Oktober 1908 wurde die Neubaustrecke von Bleicherode nach Großbodungen in Betrieb genommen. Damit erhielt die Stadt einen eigenen Bahnhof Bleicherode Stadt und der bisherige Bahnhof wurde in Bleicherode Ost umbenannt. Östlich des Bahnhofes wurde die Überlandzentrale Südharz Bleicherode, welche die Elektroenergieversorgung im südwestlichen Harzvorland übernahm, errichtet. Die Überlandzentrale wurde mit einem weiteren Anschlussgleis erschlossen.

Im Jahr 1946 wurde das zweite Gleis der Bahnstrecke in der sowjetischen Besatzungszone als Reparationsleistung abgebaut. Mit dem Bau der Bahnstrecke zum Zementwerk Deuna wurde es 1972 wiederaufgebaut. In den Folgejahren erfolgte auch die Elektrifizierung der Bahnstrecke von Halle bis nach Leinefelde.Paul Lauerwald: Die Eisenbahn im Eichsfeld. Eichsfelddruck Heiligenstadt 1988, S. 23 2001 wurde der letzte Teilabschnitt der zuletzt bis Großbodungen betriebenen Bahnstrecke Bleicherode–Herzberg stillgelegt und anschließend abgebaut.

Von wann bis wann die Bahnmeisterei Bleicherode bestand, ist nicht bekannt.

Eisenbahnunfall vom 21. September 2011 Am 21. September 2011 um 20:24 Uhr kam es zu einem schweren Eisenbahnunfall im Bahnhof Bleicherode Ost. Dabei fuhr auf Gleis 1 der Güterzug DGS 91117 auf den noch im Bahnhofsbereich befindlichen Güterzug DGS 91117 auf. Während es zu erheblichem Sachschaden kam (geschätzt 7–8 Millionen Euro), kam es glücklicherweise nur zu geringen Personenschäden; lediglich der Lokomotivführer des auffahrenden Güterzuges wurde leicht verletzt.

Unfallhergang mini|Ausgebrannte Lokomotive 189204 im Werk Dessau (2014) Gegen 20:19 Uhr fuhr der DGS 95443 (von Großkorbetha nach Weil am Rhein mit der Zuglokomotive der Baureihe 185) aus Richtung Wipperdorf nach Gleis 1 in den Bahnhof Bleicherode Ost ein und kam am haltzeigenden Ausfahrsignal L zum Stehen. Die Ausfahrt Richtung Sollstedt war noch nicht möglich, da der folgende Streckenabschnitt noch durch den davorliegenden Regionalzug RB 16652 (Nordhausen–Leinefelde) belegt war. Nach kurzer Wartezeit gelangte das Ausfahrsignal in Fahrtstellung und der DGS 95443 fuhr wieder an.

Zwischenzeitlich fuhr der folgende DGS 91117 (von Merseburg nach Ludwigshafen BASF), bespannt mit der Zuglokomotive 189 204 von MRCE Dispolok, auf den Bahnhof Bleicherode Ost zu. Da es im Bahnhof keine selbsttätigen Gleisfreimeldeanlagen gibt, musste der von Fahrzeugen freie Zustand des Fahrweges durch das Stellwerkpersonal per Augenschein geprüft werden. Zum Unfall kam es, als wegen unzureichender optischer Fahrwegprüfung durch den Fahrdienstleiter auf Stellwerk B2 und den Weichenwärter auf Stellwerk W1 das Einfahrsignal A für den Güterzug DGS 91117 auf Fahrt gestellt wurde und der Güterzug somit mit 98 km/h in den noch vom Güterzug DGS 95443 besetzten Gleisabschnitt einfuhr. Der Lokomotivführer des auffahrenden Güterzuges konnte noch eine Schnellbremsung einleiten, als er bemerkte, dass er in ein besetztes Gleis fuhr, aber den Zusammenstoß nicht mehr verhindern. Letztendlich stieß der DGS 91117 mit einer Fahrgeschwindigkeit von 81km/h mit dem anfahrenden DGS 95443 zusammen, der zum Zeitpunkt des Zusammenstoßes auf 33km/h beschleunigt hatte. Durch den Zusammenstoß wurde der DGS 95443 ruckartig auf 46km/h beschleunigt.

Die letzten Wagen des DGS 95442, die Zuglokomotive des auffahrenden Güterzuges und die beiden ersten Wagen entgleisten, die Lokomotive und zwei mit Benzin beladene Kesselwagen wurden beschädigt und gerieten in Brand.

Ausstattung Zum Gebäudebestand gehörten das zweigeschossige Empfangsgebäude mit einem Fahrdienstraum, einer Gepäckannahme, Warteraum und angrenzend der Güterschuppen. Im Jahr 1944 hatte der Bahnhof insgesamt 15 Gleise, davon drei Bahnsteig- und zwei Ladegleise. Zum Güterbahnhof gehörten eine Ladestraße, eine Laderampe, ein Lademaß und eine Gleiswaage für Güterwagen. Für den Bahnbetrieb gab es einen Lokschuppen und eine Drehscheibe. Auf beiden Bahnhofsköpfen gibt es je ein mechanisches Stellwerk der Bauform Jüdel: B2 (früher Bw) und W1 (früher Bo).Stellwerke Bleicherode Ost auf der Internetseite stellwerke.info

Nur der Hausbahnsteig ist stufenfrei erreichbar, der Zugang zum Inselbahnsteig führt durch einen Personentunnel. Beide Bahnsteige verfügen über eine Überdachung. Weiterhin gibt es am Bahnhof Zugzielanzeiger, Lautsprecheranlagen, eine kontrastreiche Wegeleitung und Treppenstufenmarkierung.Bahnhof Bleicherode Ost auf bahnhof.de, abgerufen am 22. Mai 2025.

Verkehr Der Bahnhof Bleicherode Ost wird von folgenden Linien des Schienenpersonennahverkehrs bedient:

Linie Linienverlauf Takt EVU RE 8 Kassel-Wilhelmshöhe – Eichenberg – Leinefelde – Bleicherode Ost – Nordhausen – Sangerhausen – Halle (Saale) Hbf 120 min Abellio Rail Mitteldeutschland RE 9 Kassel-Wilhelmshöhe – Eichenberg – Leinefelde – Bleicherode Ost – Nordhausen – Sangerhausen – Halle (Saale) Hbf 120 min Abellio Rail Mitteldeutschland RB 57 Heilbad Heiligenstadt – Leinefelde – Bleicherode Ost – Nordhausen (– Sangerhausen) Abellio Rail MitteldeutschlandStand: 14. Dezember 2025

Literatur Paul Lauerwald: Bleicherode Ost. In: Oliver Strüber [vorm. Erich Preuß] (Hrsg.): Das große Archiv der deutschen Bahnhöfe (= 96. Ergänzungsausgabe). GeraMond Verlag, München 2011, (1 Bl., 4 S.).

Weblinks

Bahnhof Bleicherode Ost auf der Internetseite arcinsys.hessen.de Video vom Bahnhof auf youtube

Einzelnachweise

Bleicherode Bleicherode Kategorie:Bauwerk in Bleicherode