Dies ist ein Glossar zur historischen Phonologie des Chinesischen.
Das Glossar ist im steten Aufbau begriffen. Sein Schwerpunkt liegt auf den Bereichen der historischen Phonologie und Phonetik, den bedeutenden Schriften und Werken (wie z. B. Qieyun und Guangyun) und ihren chinesischen Verfassern (wie sie beispielsweise im Zhongguo yuyanxue yaoji jietisiehe unter Literatur aufgeführt werden), außerdem werden Sachbegriffe aufgeführt und kurz erläutert. In geringerem Umfang werden auch um die beiden Fächer verdiente westliche Gelehrte aufgeführt, wie z. B. der schwedische Gelehrte Bernhard Karlgren (GSR) oder der Österreicher Arthur von Rosthorn. Zu weiteren biographischen oder sonstigen sachdienlichen Informationen siehe die jeweiligen verlinkten Hauptartikel. Die Angaben erfolgen in der chinesischen Lateinumschrift (bei einzelnen (Sach)Begriffen auch mit Angabe der Töne), chinesischen Schriftzeichen (in einigen Fällen zusätzlich mit nachgestellter Angabe der traditionellen Zeichen) sowie weiteren Erläuterungen (in verschiedenem Umfang). Die Lautlehre des Chinesischen lässt sich auf zwei Haupttraditionen zurückführen: die eine beginnt mit dem Qieyun von 601, die andere mit dem Zhongyuan yinyun von 1324. Die erste markiert den Beginn des Mittelchinesischen, die zweite den Beginn des Altmandarin.vgl. Zhongwei Shen [沈鍾偉]: A Phonological History of Chinese. mini|Anfang des ersten Abschnitts des Shuowen tongxun dingsheng des Qing-Phonologen Zhu Junsheng (1788–1858), der die Reimgruppe 豐 fēng behandelt, beginnend mit den phonetischen Komponenten 東 dōng, 同 tōng, 彤 tōng und 中 zhōng Das in einigen Bereichen wörterbuchähnliche und weit gefasste Glossar zur chinesischen Lautgeschichte stellt überwiegend Arbeiten von der Han-Zeit bis zur Qing-Dynastie kurz vor, aber auch einige moderne, die die chinesische Sprachwissenschaft prägten – von der Systematisierung der Schrift bis zur Rekonstruktion archaischer Laute. Es verbindet Informationen aus der traditionellen chinesischen Textkritik (vgl. das Glossar) mit modernen linguistischen Ansätzen. Von der Reimanalyse der Qing-Gelehrten bis zur digitalen Nutzung von Pinyin prägten phonologische Studien die kulturelle und wissenschaftliche Geschichte Chinas und lieferten bessere Einsichten in die ältere Vergangenheit. Eine jüngere phonologische Geschichte des Chinesischen beispielsweise stammt von Zhongwei Shen (A Phonological History of Chinese, 2020).
Glossar Hinweis: Innerhalb der einzelnen Lemmata wird auch auf Stichwörter des Glossars verlinkt, insofern diese noch keinen eigenen (deutschsprachigen) Wikipedia-Artikel haben. In einigen Fällen wurden sowohl die vereinfachten als auch die traditionellen chinesischen Schriftzeichen angegeben sowie zusätzlich auch die Pinyin-Umschrift mit Tönen nachgestellt.
A Altchinesische Phonologie (). Die Erforschung der Lautsysteme vor der Han-Zeit. Chen Di (1541–1617) revolutionierte die Methode durch die Analyse von Reimen in klassischen Gedichten, um Lautwandel nachzuweisen. Seine Arbeit Maoshi guyin kao () gilt als Meilenstein Alte Siegelschrift Siegelzeichen, ein Stil der Kalligrafie, der häufig auf Siegeln verwendet wird Alt-Mandarin, eine historische Form des Nordchinesischen (Mandarin) während der Zeit des Mongolenreiches (Yuan) im 12. bis 14. Jahrhundert Ancient Chinese, ein mehrdeutiger englischsprachiger Begriff, der sich beziehen kann auf: Altchinesisch oder archaisches Chinesisch, die alte Form des gesprochenen Chinesisch Klassisches Chinesisch oder Literarisches Chinesisch, die Form, die heute in China als „Altchinesisch“ ("Ancient Chinese") bekannt ist Mittelchinesisch (Middle Chinese), die Form, die von den Tang-Dichtern verwendet wurde und in älteren englischen Texten oft als „Ancient Chinese“ bezeichnet wird
B Bi Gongchen 毕拱辰 (17. Jhd.): Yunlüe huitong 韵略汇通 / 韻略易通 (Adaption des Yunlüe yitong) Nicholas C. Bodman (1913–1997), amerikanischer Linguist, der grundlegende Beiträge zum Studium der historischen chinesischen Phonologie und der sino-tibetischen Sprachen leistete. In einer unveröffentlichten Arbeit, die er 1971 in Princeton vorstellte, schlug er ein neuartiges System mit sechs Vokalen für eine Stufe des Chinesischen vor dem Altchinesischen der frühesten Aufzeichnungen vor. Verfasser von A Linguistic Study of the "Shih Ming": Initials and Consonant Clusters. Stephen Wootton Bushell (1844–1908), Brite, erwarb die einzige noch erhaltene Handschrift des anonymen chinesischen Reimwörterbuchs Menggu ziyun 蒙古字韻 aus den 1260er Jahren des 13. Jahrhunderts (Zhongwei Shen), das in der 'Phags-pa-Schrift verfasst war. Einige Glossare wurden von Zhu Zongwen (朱宗文 Zhū Zōngwén) in seiner überarbeiteten Version von 1308 hinzugefügt, der einzigen Version, die auf uns gekommen ist (heute im Besitz des British Museum).
C Joseph-Marie Callery: Systema phoneticum scripturae Sinicae [Das phonetische System der chinesischen Schrift] / Tzǔ-sheng kang-mu 字聲綱目 [字声纲目 Zisheng gangmu]. Macao 1841 (Digitalisat: Teil I, Teil II) Y. R. Chao / Yuen Ren Chao (Zhao Yuanren 趙元任/赵元任 Zhào Yuánrèn; 1892–1982), chinesischer Linguist, Begründer der modernen chinesischen Sprachwissenschaft, Verfasser einer monumentalen Grammatik des gesprochenen Mandarin, Schöpfer der Romanisierung Gwoyeu Romatzyh. Chen Di 陳第/陈第 Chén Dì (1541–1617). Pionier der historischen Phonologie; widerlegte die Annahme, dass alte Gedichte nur durch „flexible Aussprache“ reimten. Maoshi guyin kao 毛诗古音考 / 毛詩古音考 Màoshī gǔyīn kǎo (Studien zur alten Aussprache im Maoshi) Qu Song guyin yi 屈宋古音義 Qū Sòng gǔyīn yì (Untersuchung alter Aussprachen bei Qu Yuan 屈原 und Song Yu 宋玉) Cheng Miao 程邈 Chéng Miǎo (3. Jhd. v. Chr., Qin-Dynastie). Wichtige Figur für die Entwicklung der Kanzleischrift (隸書 lìshū), die Orakelknochen- und Siegelschrift ablöste. Die zur Vereinfachung der Siegelzeichen entwickelte Schrift bildet die Grundlage für moderne Schriftformen. Chen Lanfu 陳蘭甫, siehe unter Chen Li 陳澧 (1810–1882) Chen Li 陈澧/陳澧 (1810–1882): Qieyun kao 切韵考 (kritische Rekonstruktion des Qieyun-Systems). Chen Pengnian 陈彭年/陳彭年 Chén Péngnián (961–1017) u. a.: Guangyun 广韵/廣韻/Guǎngyùn (Song-Erweiterung des Qieyun-Systems). Er überarbeitete das Qieyun zum Guangyun (1008), einem einflussreichen Reimwörterbuch mit detaillierter Klassifikation von Silben. Chuci 楚辞/楚辭 Chǔcí. Eine Sammlung von Gedichten aus der Zeit der Streitenden Reiche (475–221 v. Chr.), die die Kultur und Sprache des Staates Chu repräsentieren. Die Reime und Lexik des Chuci sind entscheidend für die Rekonstruktion des Altchinesischen, insbesondere für die Erforschung dialektaler Unterschiede zwischen Nord- und Südchina. Chunqiu 春秋 Chūnqiū (repräsentiert die Sprache von Qi / Qíyǔ 齐语) Ciquan 词诠 / 詞詮 von Yang Shuda (Zhonghua shuju, 1954). Ciyuan 辭源 / 辞源 („Quelle der Wörter“) ist ein von Lu Erkui (陸爾奎) u. a. herausgegebenes chinesisches Nachschlagewerk, das die Wörter in ihrer Bedeutung und Verwendung erklärt. Es ist Chinas erstes umfassendes Wörterbuch, das sowohl alte chinesische Alltagswörter als auch enzyklopädische Begriffe enthält. Dem Zhongguo wenzi bowuguan (Chinese Language Museum) zufolge ist es derzeit das umfangreichste Nachschlagewerk für die alte chinesische Sprache und bietet wichtige Referenzen für die Lektüre klassischer Texte und die Erforschung der klassischen Literatur und Geschichte.Chinese Language Museum / 中国文字博物馆 in Anyang (Provinz Henan)
D Dai Dongyuan 戴東原, siehe unter Dai Zhen Dai Tong 戴侗 (1200–1285), Philologe der Song-Zeit (nicht zu verwechseln mit Dai Zhen 戴震) Dai Zhen 戴震 Dài Zhèn (1723–1777). Schüler von Jiang Yong und Mentor von Duan Yucai. Er kombinierte philologische Textkritik mit phonetischer Analyse, etwa im Shenglei biao 声类表 („Tabelle der Lautklassen“) und legte den Grundstein für die systematische Rekonstruktion des Altchinesischen (Lautklassifikation). Verfasser des Kommentars Fangyan shuzheng 方言疏證 (zum Fangyan). Shengyun kao 声韵考 / 聲韻攷 Shenglei biao 声类表 / 聲類表 dengyun 等韵 / 等韻 děngyùn Klassifizierung der Vokale oder Vokalgruppen in der chinesischen Phonologie dengyun-Phonologie 等韵学 / 等韻學 děngyùnxué Dengyun tujing 等韵图经 / 等韻圖經 (1606), mit vollem Titel Chongding Sima Wen gong Dengyun tujing von Xu Xiao 徐孝 (1573–1619) Dengzi 等子 Děngzǐ, siehe unter Sisheng dengzi Ding Du 丁度 (990–1053): Jiyun 集韵 (umfassende Reimlexikographie der Nördlichen Song-Dynastie); Libu yunlüe 禮部韻略 Dong Tonghe 董同龢 Dǒng Tónghé (1911–1963), Erforscher der altchinesischen Lautentwicklung, ein Schüler des prominenten Linguisten Wang Li (1900–1986) Alexander A. Dragunov (1900–1955), sowjetischer Sinologe und Sprachwissenschaftler (“Contribution to the Reconstruction of Ancient Chinese” 1928; “A Persian Transcription of Ancient Mandarin” 1931) mini|Shuowen jiezi zhu 说文解字注 (Bd. 7) von Duan Yucai (Wanyou-wenku-Ausgabe) Duan Yucai 段玉裁 Duàn Yùcái (1735–1815), ein Schüler von Dai Zhen. Er verband Philologie und Phonologie in seinem Kommentar zum Shuowen (Shuowen jiezi zhu 说文解字注). Er nutzte das Guangyun und das Shuowen jiezi, um phonetische Reihen im Altchinesischen zu systematisieren Liushu yinjun biao 六書音均表 / 六书音韵表 Liùshū yīnjūnbiǎo, kurz: Yinjun biao 音均表 Yīnjūnbiǎo (Phonologische Übersicht) zu den Sechs Kategorien chinesischer Schriftzeichen (六书 / 六書 liùshū, mit Tabellen zur Lautklassifikation). Dunhuang-Fragment des Qieyun (mit nicht geringfügigen Abweichungen gegenüber dem Guangyun)
E Erya 尔雅/爾雅 Ěryǎ (Wörtersammlung) - Das älteste erhaltene chinesische Wörterbuch (3. Jhd. v. Chr.), das Begriffe thematisch in 19 Kapitel gruppiert, darunter der Abschnitt Shixun (释训/釋訓 „Erklärung von Ausdrücken“). Es legte den Grundstein für die lexikographische Tradition und beeinflusste spätere Werke wie das Shuowen jiezi. Erya yintu 尔雅音图 / 爾雅音圖 Ěryǎ yīntú
F Fang Jijian 方績箋 (unsicher, Name nicht eindeutig identifiziert; ggf. Fang Ji 方績) Fangyan 方言 Fāngyán von Yang Xiong 扬雄, ein Werk zu regionalen Dialekten, Vorläufer der modernen Dialektologie. Der volle Titel des Werkes lautet Youxuan da shizhe juedai yushi bieguo fangyan 輶轩使者绝代语释别国方言 „Die Erklärung von Wörtern vergangener Geschlechter und Dialekte fremder Staaten“ – Lin Yutang Fangyan diaocha zibiao 方言调查字表. Kexue chubanshe 科学出版社 1955 Fangyan shuzheng 方言疏證, Kommentar zum Fangyan von Dai Zhen fanqie 反切 fǎnqiè: Methode zur phonetischen Notation durch Kombination zweier Zeichen fanqie-Notierungen des Sun Yan und Guo Pu. Ein traditionelles Umschreibungsverfahren zur Darstellung von Aussprache, das seit der Han-Zeit (206 v. Chr.–220 n. Chr.) verwendet wird. Dabei werden zwei Schriftzeichen kombiniert: Der Anlaut des ersten Zeichens und der Auslaut des zweiten ergeben die Zielaussprache. Beispiel: 東 (dōng) wird als 德紅切 (dé + hóng = dōng) notiert. Dieses System war entscheidend für die Rekonstruktion historischer Laute. Fan Tengfeng 樊腾凤 (1601–1664): Wufang yuanyin 五方元音 (Fokus auf regionale Aussprachevarianten)
G Gaibing wuyin jiyun von Han Daozhao 韩道昭, siehe unter der Kurzbezeichnung Wuyin jiyun Gao Benhan 高本汉, der chinesische Name von Bernhard Karlgren (siehe dort). gongming 公名 gòngmíng („Gattungsname“; allgemeine Bezeichnung) bezeichnet generische Begriffe in der chinesischen Lexikographie, die in Werken wie dem Erya () kategorisiert wurden. Das Erya, eines der ältesten Wörterbücher Chinas, unterteilt Wörter in thematische Gruppen (z. B. shixun 释训, „Erklärung von Ausdrücken“). Gong Zizhen 龚自珍/龔自珍 (1792–1841), Dichter und Gelehrter, Arbeiten zur Etymologie und Phonetik Grammata Serica Recensa (Abk. GSR) von Bernhard Karlgren (Bulletin of the Museum of Far Eastern Antiquities 1957. 29: 1–332). Ein Wörterbuch des Mittelchinesischen und Altchinesischen (vom Verfasser als Ancient Chinese und Archaic Chinese bezeichnet). Gui Fu (einer der Vier großen Meister des Shuowen): Shuowen jiezi yizheng