Das Sistema de Tren Eléctrico Urbano (spanisch für Städtisches elektrisches Zugsystem), kurz SITEUR, ist das schienengebundene und elektrisch angetriebene Transportsystem des öffentlichen Personennahverkehrs in der mexikanischen Millionenstadt Guadalajara. Es besteht aktuell (Dezember 2025) aus drei Stadtbahn- und einer U-Bahn-Linie mit 56 Haltestellen auf 68,8 Kilometern Streckenlänge. Die erste Linie wurde im September 1989 in Betrieb genommen, die bisher letzte Erweiterung war die Eröffnung der dritten Stadtbahnlinie im Dezember 2025.
Geschichte mini|Streckennetz der Straßenbahn im Jahr 1905Die Geschichte der Stadtbahn begann in Guadalajara am 21. Juli 1866, als von Maultieren gezogene Wagen die erste Strecke zwischen dem Stadtzentrum und der Wallfahrtskirche Santuario de Nuestra Señora de Guadalupe am Paseo Alcalde bedienten. Es folgten weitere Linien der Tranvías de Mexicaltzingo und der Tranvía de San Pedro, die auch Vororte wie Oblatos, Los Colomos, Atemajac und Zapopan erschlossen. Ab 1905 wurden die Strecken auf elektrischen Betrieb umgestellt. Die Straßenbahnen blieben bis 1944 in Betrieb und wurden dann durch Dieselbusse ersetzt, die Teil des neu gegründeten Unternehmens Alianza de Camioneros de Jalisco waren.
Mit der Absicht, in Guadalajara ein öffentliches Nahverkehrsschienennetz zu errichten, begann man 1974 mit dem Bau der Gleisanlagen für eine Linie 1, die 1976 jedoch eingestellt wurden. Das Projekt scheiterte aufgrund der Umverteilung von Bundesmitteln. Daraufhin wurde entschieden, elektrische Oberleitungsbuslinien als Alternative einzuführen. Dazu wurde im Jahr 1982 mit dem Bau einer Unterführung an der Kreuzung der Avenida Colón und der Avenida Lázaro Cárdenas begonnen und 1984 eine Trasse für die Verlängerung des Guadalajara-Obus in Richtung Avenida Miguel López de Legazpi abgeschlossen. Nachdem keine Bundesmittel zur Finanzierung der Arbeiten bereitgestellt wurden, beschaffte sich die Regierung des Bundesstaates Jalisco Mittel durch öffentliche Schulden. So begannen am 7. März 1988 die Vorarbeiten für die Linie 1, die von Ringstraße zu Ringstraße verlängert werden sollte. Gleichzeitig sollten die Obusse aus dem Tunnel heraus verlegt werden, um den Gleisbau durchzuführen. Die Eröffnung war für Oktober desselben Jahres geplant.
Für die Herstellung der Triebwagen TLG-88 (Tren Ligero Guadalajara 1988) war das mexikanische Unternehmen Concarril verantwortlich. Die ersten Einheiten trafen im August 1988 ein und die Tests auf den bis dahin fertiggestellten Streckenabschnitte begannen kurz darauf. Im Januar 1989 war der Abschnitt zwischen den Stationen Santa Filomena und Periférico Sur fertiggestellt, so dass eine vorläufige Eröffnung stattfand. Aufgrund technischer Schwierigkeiten ermöglichte es aber nur für einige Tage einen kostenlosen Betrieb. Am 4. Februar 1989 wurden die sechs unterirdischen Stationen des Obus-Systems geschlossen, um sie für die Bahn anzupassen. Außerdem wurden zwei oberirdische Stationen (División del Norte und Colón) abgerissen und als unterirdische Stationen wiedererrichtet, wobei die Station Colón in Washington umbenannt wurde. Schließlich wurde am 1. September 1989 die Linie 1 mit einer Länge von 15,6 Kilometern und 19 Stationen, davon 12 oberirdischen und 7 unterirdischen, durch den Bundespräsidenten Carlos Salinas de Gortari im Beisein des Gouverneurs von Jalisco eingeweiht.
Anfang der 1990er Jahre wurde der Bau einer zweiten Linie angekündigt, die Arbeiten hierzu begannen am 6. Januar 1992. Dazu gehörte der Bau von 9,6 Kilometern Tunneln einschließlich der Kehr- und Abstellanlagen an den Endstationen Juárez und Tetlán, des Verbindungstunnels zur Linie 1 sowie des Anschlusstunnels zum Betriebshof und Depot in Tetlán. Das deutsche Unternehmen Siemens Verkehrstechnik lieferte die Signal-, Elektrifizierungs- und Telekommunikationssystemen für die Strecke.Stadtbahn in Guadalajara. In: ZEV Glasers Annalen 114 (1990) Nr. 1/2, S. 23. Nach zweijähriger Bauzeit wurde am 1. Juli 1994 die Linie 2 mit 10 ausschließlich unterirdischen Stationen eröffnet. Sie erhielt die Linienfarbe Grün, während die alte Linie 1 nunmehr unter der Farbe Rot geführt wurde.
Anfang August 2012 begannen die Planungen und Entwürfe für die Linie 3. Es wurden Vorstudien für die Investitionen durchgeführt und die Arbeiten begannen offiziell am 7. August 2014. Im Gegensatz zu den bisherigen Linien, die als Stadtbahn errichtet wurden, wurde die dritte Strecke als U-Bahn gebaut. Die sechsjährige Bauzeit endete am 12. September 2020 mit der Einweihung von 21,5 Kilometern Strecke mit 18 Stationen, die Linienfarbe ist Rosa. Dabei ist die Linie 3 baulich in drei Abschnitte unterteilt: zwei davon sind Hochviadukte im Norden und Süden der Strecke in den Gemeinden Zapopan und Tlaquepaque, die verbunden sind durch einen 5,3 Kilometer langen Tunnel unter dem historischen Zentrum von Guadalajara.
Im Mai 2022 begann der Bau der neuen Linie 4 (Linienfarbe Orange) mit einer Brücke über die Bahngleise an der Kreuzung mit der Avendia Adolf B. Horn Jr. Diese Strecke ist 21,2 Kilometer lang und führt von Las Juntas am südlichen Stadtrand, wo sie über ein multimodales Umsteigezentrum (CETRAM) mit dem Mi Macro Calzada verbunden sein wird, über insgesamt acht Stationen Richtung Süden nach Tlajomulco Centro. Dabei verläuft die Trasse ebenerdig und durchgehend zweigleisig parallel zur Eisenbahnstrecke Guadalajara–Manzanillo, die Fahrzeit für die Gesamtstrecke beträgt 38 Minuten. Betriebswerk und Zugdepot für diese Linie sind am südlichen Streckenende in der Stadt Tlajomulco angesiedelt. Darüber hinaus wurden in Hacienda Santa Fe Servicegleise eingerichtet, auf denen defekte Züge abgestellt und gewartet werden können, ohne dass sie in die Werkstatt zurückgebracht werden müssen. Die Linie hat keine Verbindung zum bestehenden Netz, auch wenn die dort eingesetzten 12 Gelenktriebwagen der Baureihe TEG-23 mit den anderen drei Fahrzeugtypen voll kompatibel sind. Die Strecke hat vergleichsweise große Haltestellenabstände von im Mittel 3,0 Kilometern, selbst die vergleichbar lange U-Bahn-Linie 3 kommt nur auf 1,26 Kilometern mittleren Abstand zwischen zwei Stationen. Alle Bahnsteige der Linie 4 wurden mit 120 Metern Länge errichtet, sodass in Vierfachtraktion gefahren werden kann. Die Einweihung erfolgte am 15. Dezember 2025 und die Nutzung der Linie war bis zum Jahresende gratis. Zukünftig soll noch eine neunte Haltestelle Acueducto im Norden an der gleichnamigen Avenida hinzukommen, Bauvorleistungen hierfür erfolgten bereits beim Bau der Strecke.
Strecken Chronik Eröffnungsdatum Linie Streckenabschnitt Streckenlänge Stationen1. September 198925pxPeriférico Norte – Periférico Sur15,6 km191. Juli 199425pxJuárez – Tetlán8,7 km101. Juni 201525pxPeriférico Norte – Auditorio0,9 km120. September 202025pxArcos de Zapopan – Central de Autobuses21,5 km1815. Dezember 202525pxLas Juntas – Tlajomulco Centro21,2 km8
Planungen Aktuell sind zwei Streckenverlängerungen in Planung: die Linie 1 soll im Süden um acht Stationen bis Santa Anita verlängert werden. Dabei soll die bisher ebenerdige Endstation Periférico Sur in einen neuen Tunnel von 1,8 Kilometern Länge mit einer weiteren Haltestelle Santa María Tequepexpan verlegt werden, weshalb das Projekt offiziell neun Stationen umfasst. Baustart sollte ursprünglich im Jahr 2024 sein, um die Strecke 2026 eröffnen zu können. Die Planungsleistungen wurden im Frühjahr 2024 ausgeschrieben. Die Gesamtkosten des Projektes belaufen sich auf 9,2 Milliarden Pesos, umgerechnet rund 460 Millionen Euro. Davon entfallen 3,5 Milliarden Pesos (180 Mio. EUR) auf den Tunnelabschnitt, 4,85 Milliarden Pesos (240 Mio. EUR) auf die weitere Strecke sowie eine Milliarde Pesos (50 Mio. EUR) auf acht zusätzliche Fahrzeuge.
Im Norden ist eine Verlängerung der Linie 3 von Arcos de Zapopan um fünf Stationen bis Tesistán in Vorbereitung. Am 22. April 2024 gab das Ministerium für Infrastruktur und öffentliche Arbeiten (Secretaría de Infraestructura y Obra Pública, kurz SIOP) des Bundesstaates Jalisco drei Ausschreibungen für den Ausbau der L3 bekannt, mit dem Ziel, diesen Bau dann von der neuen Regierung durchführen zu lassen.
Bauzeit Linie Streckenabschnitt Streckenlänge Stationen 2024–202625px Periférico Sur – Santa Anita8,8 km8 (plus 1 Verlegung) unbekannt25pxArcos de Zapopan – Tesistán9,2 km5
Fahrzeuge mini|Ein TLG-88 (links) und ein TEG-90 in Doppeltraktion (2023) Das Sistema de Tren Eléctrico Urbano setzt bei den Linien 1 und 2 elektrische Triebwagen aus drei Fahrzeuggenerationen ein, die untereinander kompatibel sind und in Mehrfachtraktion unterwegs sein können. Auch die neue Fahrzeugreihe TEG-23, die für die Linie 4 gebaut wurde, ist mit den drei älteren Baureihen kuppelbar. Bei allen Baureihen handelt es sich um zweiteilige Zweirichtungsfahrzeuge, die über Pantograph mit 750 Volt Gleichstrom versorgt werden.
Die Fahrzeuge der Linie 3 sind aus der Plattform Alstom Metropolis abgeleitete dreiteilige U-Bahn-Züge, die im März 2008 erstmals als Baureihe 9000 bei der Metro Barcelona zum Einsatz kamen. Die Züge werden bei der SITEUR ebenfalls über Pantograph mit 1500 Volt Gleichstrom versorgt, wobei aber keine Kettenfahrleitungen verwendet werden, sondern Deckenstromschienen. Als Zugsicherungssystem ist das Urbalis 400 CBTC von Alstom im Einsatz.
Tabelle der Baureihen Bild Typ Hersteller Baujahre Einsatzbeginn Nr. Anzahl Aufbau Länge Breite Plätze v-max(Antrieb) Einsatz 100px TLG-88 Concarril / Siemens 1988 1989 001–016 16 2-teilig 28,00 m 2,65 m 100 km/h 20px 100px TEG-90 Bombardier / Siemens 1990 1994 32 20px20px 100px TEG-15 Bombardier Transportation México 2015 2017 1050–1061 12 80 km/h 20px20px 100px Baureihe 9000 Metro Barcelona Alstom 2016 2020 3100–3117 18 3-teilig 90,00 m 2,50 m 975 90 km/h 20px 100px TEG-23 CRRC Zhuzhou Locomotive 2023–2024 2025 4001–4012 12 2-teilig 29,56 m 2,65 m 300 85 km/h 20px Stand: 17. Mai 2025
Betrieb Die drei Linien 1, 2 und 3 verkehren täglich zwischen 5:00 und 23:00 Uhr, die Linie 4 fährt täglich von 4:50 bis 23:00 Uhr. Auf der Linie 1 wird in der Hauptverkehrszeit (HVZ) alle 5:30 Minuten gefahren, ansonsten sowie an Sonn- und Feiertagen alle 9 Minuten. Die Gesamtfahrzeit für eine Strecke beträgt 32 Minuten. Die Linie 2 wird von Montag bis Samstag in der HVZ alle 4 Minuten bedient, in den übrigen Zeiten alle 9 Minuten. Sonn- und feiertags wird im 9-Minuten-Takt in der HVZ gefahren, ansonsten im 12-Minuten-Takt. Für die einfache Gesamtstrecke werden 18 Minuten benötigt. Noch stärker differenziert sind die Taktzeiten auf der U-Bahn-Linie 3, die für eine Strecke insgesamt 33 Minuten braucht: montags mit samstags bis 6 Uhr alle 12:30 Minuten, zwischen 6 und 20:30 Uhr alle 6:15 Minuten, danach wieder alle 12:30 Minuten. An Sonn- und Feiertagen wird bis 6 und ab 20:30 Uhr ebenfalls im 12:30-Minuten-Takt gefahren, dazwischen allerdings im 7:30-Minuten-Takt.
Der Fahrpreis für eine Einzelfahrt mit maximal ein Mal Umsteigen in eine andere Stadtbahn- oder U-Bahn-Linie beträgt 9,50 Pesos, umgerechnet 0,45 Euro. Mit der wiederaufladbaren Mi Pasaje-Karte kostet es die Hälfte. Für einen Umstieg in eine Buslinie von Si Tren (Obus) oder Mi Macro (BRT) wird zusätzlich ein halber Normalfahrpreis fällig, für Fahrgäste mit Mi Pasaje-Karte gibt es keinen zusätzlichen Rabatt.
Bildergalerie
Weblinks
Offizielle Website (spanisch) Offizielle Website der Línea 3 (spanisch) Guadalajara auf UrbanRail.net
Einzelnachweise
Guadalajara Guadalajara Kategorie:Spurweite 1435 mm Kategorie:Öffentlicher Personennahverkehr (Mexiko) Kategorie:Verkehr (Jalisco) Kategorie:Guadalajara (Mexiko)