Auf dem heutigen Gebiet der kreisfreien Stadt Oberhausen ist jüdisches Leben seit dem frühen 16. Jahrhundert nachgewiesen. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde die Gemeinde fast vollständig eliminiert. Heute existieren in Oberhausen die jüdische Gemeinde Duisburg-Mülheim-Oberhausen sowie die Liberale Jüdische Gemeinde ‚Perusch‘.
Geschichte bis 1933 Gemeinde Holten Die Existenz jüdischer Einwohner im heute zu Oberhausen gehörenden Holten lässt sich bis ins Jahr 1504 zurückverfolgen. Im Jahr 1691 wurde ein einziger Jude in Holten dokumentiert. Wahrscheinlich handelte es sich dabei um Moses Simonis, welcher am 17. Juni 1714 das Grundstück des heute noch bestehenden jüdischen Friedhofs in der Vennstraße als Erbgrabstätte für sich und seine Familie erwarb. Neben dessen Nachfahren ist ab 1773 die Existenz einer weiteren jüdischen Familie in Holten belegt.mini|Jüdischer Friedhof Holten an der VennstraßeErst ab Mitte des 19. Jahrhunderts vergrößerte sich die jüdische Gemeinde von einzelnen Familien auf insgesamt 31 Personen. Dieses Wachstum ergab sich unter anderem aus der 1853 gesetzlich beschlossenen Zusammenführung der Gemeinden Duisburg, Ruhrort, Holten und Dinslaken zu einem Synagogenbezirk. Zuvor waren diese Gemeinden Teil des Klever Rabbinats gewesen. In Holten entstand ein lebendiges Gemeindeleben, in welchem die jüdischen und christlichen Mitbürger eine harmonische Koexistenz führten. 1858 wurde schließlich eine eigene Synagoge in der heutigen Mechthildisstraße 7a eingeweiht.
1877 gelang es der Gemeinde Holten, sich vom Synagogenbezirk Duisburg abzulösen und einen eigenen Synagogenbezirk Holten zu begründen. Darin vereinigt wurden die Orte Holten, Sterkrade, Beeck, Buschhausen, Hamborn, Maxloh, Alsum und Bruckhausen.
Aufgrund des durch die Industrialisierung bedingten Anstiegs der Mitglieder in Hamborn und Marxloh verlagerte sich das Gemeindeleben um die Jahrhundertwende vor allem in diese Gebiete.
Ab 1903 wurde Religionsunterricht in Marxloh und Holten angeboten, ansonsten besuchten die Kinder der jüdischen Gemeinde die öffentlichen Schulen. 1907 erhielt die Gemeinde schließlich den Namen Synagogengemeinde Hamborn.
Mit Hilfe des Sterkrader Bürgermeisters Botho von Trotha gelang es den Holtener Juden, sich im Jahr 1911 von der Gemeinde Hamborn abzuspalten. Die Synagogengemeinde Sterkrade-Holten bestand auch nach der Eingemeindung Sterkrades nach Oberhausen im Jahr 1929 weitestgehend unabhängig von der Oberhausener Gemeinde.
In der Zeit des Nationalsozialismus wurde ein zunehmender Rückgang der jüdischen Einwohner Holtens verzeichnet. Auch das zuvor harmonische Miteinander zwischen der jüdischen Gemeinde und den restlichen Bürgern Holtens endete abrupt. Während einigen Familien die Flucht ins Ausland gelang, harrten andere bis zuletzt aus, da sie ihre Heimat nicht verlassen wollten. Mit Hermann Eggener verstarb 1941 der letzte jüdische Bürger Holtens.
Gemeinde Sterkrade Bis 1877 gehörte die jüdische Gemeinde von Sterkrade zum Synagogenbezirk Duisburg, anschließend war sie Teil des Synagogenbezirks Holten. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts stieg die Zahl der Gemeindemitglieder in Sterkrade von 38 Personen im Jahr 1867 auf 120 Personen im Jahr 1927 an. Da sie kein eigenes Bethaus besaßen, besuchten sie die Synagogen in Holten, Hamborn oder Oberhausen. Alternativ existierte in der Bahnhofstraße in Sterkrade ein Betraum im Wohnhaus der Familie Friedler mit eigener Tora. Die Gemeinde setzte sich vor allem aus zugewanderten Juden zusammen, viele davon aus Galizien.
Gemeinde Osterfeld Für die Zeit vor Beginn der Industrialisierung gibt es in Osterfeld keine Hinweise auf eine jüdische Gemeinde. Im Jahr 1891 waren die jüdischen Mitbürger Osterfelds der Synagogengemeinde Dorsten zugehörig. Erst ab der Eingemeindung nach Oberhausen im Jahr 1929 besuchten sie die Oberhausener Synagoge; zuvor orientierten sie sich nach Bottrop, da Osterfeld keine eigene Gebetsstätte besaß.
Gemeinde (Alt-)Oberhausen Die frühste Dokumentation jüdischer Familien im heutigen Oberhausener Stadtteil Alt-Oberhausen stellt eine Personenstandsliste der Jahre 1855–1873 dar. Diese Liste belegt die Existenz von mindestens zwölf Familien in Oberhausen, darunter die Familien Rosenberg, Philipps, Berg, Servos und Bein.
Ab 1872 gehörten die in Oberhausen wohnhaften Juden der Mülheimer Synagogengemeinde an, konnten jedoch früh zumindest eine eigenständige Verwaltung der Filialgemeinde Oberhausen erreichen. 1893 entstand schließlich die selbstständige Synagogengemeinde in Oberhausen. Dies wurde vor allem durch höhere Steuereinnahmen ermöglicht, die aus einer ansteigenden Mitgliederzahl resultierten. Aus diesen Gründen konnte auch der Bau der 1899 eingeweihten Synagoge in Oberhausen realisiert werden.
Im Mai 1894 zählte die Synagogengemeinde Oberhausen bereits 171 Mitglieder. Im Kontext des Gemeindewachstums gegen Ende des 19. Jahrhunderts vermehrte sich auch die Gründung jüdischer Geschäfte, was eine Entfaltung des kulturellen und wirtschaftlichen Lebens zur Folge hatte und den Kontakt zur überwiegend christlichen Bevölkerung in Oberhausen förderte. Im Zuge der Eingemeindung der Gemeinden Alstaden, Styrum und Dümpten nach Oberhausen im Jahr 1910 wurden auch die jüdischen Einwohner dieser Gebiete in die Synagogengemeinde Oberhausen aufgenommen.
Als nach dem Ersten Weltkrieg der Antisemitismus zunahm, versuchte die jüdische Gemeinde Oberhausens diesem entgegenzuwirken, indem sie unter anderem Vorträge und gemeinschaftsfördernde Veranstaltungen anbot, die zur Aufklärung und dem Rückgang von Vorurteilen dienen sollten.
Jüdische Schule Eine jüdische Privatschule gab es bereits ab 1872. Zunächst fand der Unterricht noch in einem umfunktionierten Raum eines Wirtshauses statt. Bemühungen zum Bau eines Schulgebäudes schlugen fehl. Die finanziellen Hilfsgelder der Stadt wurden 1878 ausgesetzt, woraufhin die Schule geschlossen wurde und die jüdischen Kinder stattdessen die öffentlichen Schulen besuchen mussten. Durch den Bau der Synagoge fand sich nun ein neuer Unterrichtsraum für den Religionsunterricht, eine eigene Schule für die jüdische Gemeinde existierte zu diesem Zeitpunkt dennoch nicht.
1901 erfolgte schließlich die Eröffnung einer privaten jüdischen Elementarschule dank staatlicher Zuwendungen. Ab 1909 wurde die Schule durch die Stadt Oberhausen übernommen, erhielt jedoch weiterhin auch finanzielle Mittel durch die Synagogengemeinde. Nachdem die jüdische Gemeinde 1913 ihre finanzielle Unterstützung für die Schule einstellte, hatte diese in den folgenden Jahren bis zu ihrer Schließung den Status einer öffentlichen Schule.
Aufgrund der steigenden Mitgliederanzahl der jüdischen Gemeinde in Oberhausen und der ebenso steigenden Anzahl der Schüler, entstand ein Platzmangel im Schulzimmer der Synagoge. Demzufolge wurde der Unterricht im Jahr 1935 in die Styrumer Schule verlegt. Wie lange die jüdische Schule in diesen Räumlichkeiten untergebracht war, ist heute nicht eindeutig zu klären.
Jüdische Vereine Aus der Zeit vor 1933 sind mindestens zwei jüdische Vereine in Oberhausen bekannt. Dies war zum einen der Frauenbund, welcher 1928 erstmals Erwähnung fand. Er war gemeinnützig organisiert und wurde bis 1931 von Agnes Stern, später durch Berta Münchhausen geleitet. 1929 gründete der Frauenbund einen Kindergarten für finanziell benachteiligte Kinder. Bereits am 1. Februar 1933 wurde der Kindergarten geschlossen. Der Frauenbund selbst existierte noch bis spätestens zur Flucht der Leiterin Berta Münchhausen im Jahr 1936.
Daneben gab es noch den Turn- und Sportverein Bar-Kochba, dessen Vereinsheim an der Nohlstraße 74 lag. Der Verein wurde 1927 gegründet und gehörte dem Arbeiter-, Turn- und Sportbund sowie dem deutschen Kreis des Makkabiweltverbandes an. Zu den Mitgliedern zählten 28, mehrheitlich männliche, Jugendliche. Auch dieser Verein wurde 1933 aufgelöst.
Synagoge mini|Gedenktafel für die Synagoge in der Friedensstraße
Der Bau einer Synagoge wurde mit dem Erwerb eines Grundstücks auf der Friedensstraße im Jahr 1873 beschlossen. Nachdem am 26. Juli 1898 die Bauerlaubnis erteilt worden war, folgte am 18. März 1899 schließlich die Einweihung.
Ihren Platz hatte die Synagoge auf einem kleinen Grundstück, welches sich von der Friedensstraße bis zur Styrumer Straße zog und direkt an die benachbarten Gebäude grenzte. Das rechteckige Gebäude war von einem Satteldach bedeckt. Die Westfassade, in welcher der Eingang lag, war durch mehrere Rundbogenfenster und ein darüber liegendes Rosettenfenster in drei Achsen gegliedert.
Im Inneren der Synagoge befand sich zentral der dreischiffig überwölbte Betraum, welcher durch alle Nebenräume erreichbar war. Die Synagoge besaß zudem einen Hof, der auch als Schulhof der Gemeindekinder genutzt wurde, einen Schulraum, sowie ab 1909 auch eine Frauenempore an der Nord- und Südfassade. Die Unterkellerung des Gebäudes im Bereich des Schulraums deutet auf die Existenz einer Mikwe hin, jedoch konnte dies bislang nicht nachgewiesen werden.
Von 1908 bis 1938 war Siegfried Jaeckel als Vorbeter, Prediger und Religionslehrer tätig. Da die Gemeinde keinen eigenen Rabbiner besaß, hielt der Rabbiner Dr. Manass Neumark aus Duisburg an Feiertagen und besonderen Anlässen Gottesdienste ab. Ab 1933 stand die Gemeinde unter der Leitung von Isidor Kahn. Neben der Synagoge wurde auch das Bethaus auf der Oberen Marktstraße besucht, dort kamen hauptsächlich durch aus dem Osten eingewanderte Juden zusammen.
Zeit des Nationalsozialismus Die Machtübernahme der NSDAP hatte auch in Oberhausen schwerwiegende Folgen für die jüdischen Einwohner. Zu Beginn des Jahres 1933 lebten in Oberhausen noch 581 Juden, von denen bereits 143 im darauffolgenden Jahr aufgrund der zunehmenden Repressionen die Stadt verließen.
Verdrängung aus Handel und Gewerbe Die seit der Industrialisierung blühende jüdische Geschäftswelt Oberhausens, welche sich in den Innenstädten der Stadtteile Alt-Oberhausen, Sterkrade und Osterfeld konzentrierte, war besonders stark von den Verordnungen, Boykotten und Berufsverboten durch die Nationalsozialisten betroffen. Von den hundert im Jahr 1933 in Oberhausen existierenden Geschäften und Unternehmen in jüdischem Besitz überlebte kein einziges.
Erste antisemitische Aktionen seitens der Nationalsozialisten hatte es schon vor der Machtübernahme gegeben. Im März 1933 kam es zu Besetzungen einiger bedeutender Kaufhäuser und Geschäfte, wie den Warenhäusern Tietz und Arlsberg, durch Trupps der SA und SS. Diese forderten die Oberhausener Bevölkerung zum Boykott der jüdischen Geschäfte auf. Auch die Oberhausener National-Zeitung beteiligte sich fortan an solchen Aufrufen. Mit der offiziellen Verordnung vom 1. April 1933 zum Boykott jüdischer Geschäfte weitete sich dieser auf ganz Oberhausen aus und ging mit Besetzungen und Vandalismus einher.
Zahlreiche Geschäfte wurden so nach und nach zur Schließung gezwungen, da die Kundschaft ausblieb oder die Räumlichkeiten zerstört wurden. Einige Firmen, darunter die Leonhard Tietz AG, wurden weit unter Wert an ,nicht jüdische‘ Kaufleute verkauft bzw. ,arisiert‘, woraufhin das jüdische Personal entlassen wurde. Bis Ende 1934 waren bereits 41 jüdische Firmen aufgelöst, in den darauffolgenden Jahren bis 1937 folgten mindestens 22 weitere Geschäftsaufgaben.