mini|Die 1882 erbaute Mastodon der Central Pacific Railroad, ihr Name diente als Bezeichnung für alle Lokomotiven mit der Achsfolge 2’D Als Mastodon oder auch Twelve-Wheeler werden vor allem im nordamerikanischen Sprachgebrauch Dampflokomotiven mit der Achsfolge 4-8-0 nach der Whyte-Notation, die der deutschen Bauartbezeichnung 2’D entspricht, bezeichnet. Sie besitzen ein vorauslaufendes zweiachsiges Drehgestell und vier gekuppelte Achsen. Ursprünglich wurden sie vorwiegend als Güterzuglokomotiven und für den Einsatz auf Strecken mit schwierigen Steigungsverhältnissen gebaut. Im Laufe der Entwicklung entstanden Lokomotiven dieser Achsfolge auch als Mehrzweck-, Personenzug- und Schnellzuglokomotiven. Überwiegend wurden Schlepptenderlokomotiven mit dieser Achsfolge gebaut, in geringem Umfang auch Tenderlokomotiven. Die Bezeichnung Mastodon wird gelegentlich auch für Dampflokomotiven mit der sehr selten verwendeten Achsfolge 2’E verwendet, die in Nordamerika nach der einzigen dort jemals erbauten Lokomotive dieser Achsfolge auch als El Gobernador bezeichnet wird.

Geschichte mini|Die 1855 erbaute Centipede der B&O war die erste Lokomotive der Achsfolge 2’D Die erste Lokomotive mit einem Vorlaufgestell und vier Kuppelachsen war die ab 1855 für die Baltimore and Ohio Railroad (B&O) gebaute Centipede. Zunächst war sie mit einem vorne liegenden Führerstand ausgeführt, einige Jahre später wurde sie in eine Camelback-Lokomotive umgebaut. Das Einzelstück blieb immerhin fast 20 Jahre im Dienst, fand aber zunächst keine Nachfolger.

Erst 1882 entstand mit der Lokomotive Nr. 229 der Central Pacific Railroad (CP) die nächste 2’D-Lokomotive. Sie erhielt von den CP-Eisenbahnern inoffiziell die Bezeichnung Mastodon, offiziell verwendete die CP für die Achsfolge die Bezeichnung Twelve-Wheeler. Beide Namen wurden in der Folgezeit in den USA zur Bezeichnung dieser Achsfolge verwendet, in Europa setzte sich in den Ländern, die ebenfalls Lokomotiven dieser Achsfolge beschafften, eher die Bezeichnung Mastodon durch. Bei Testfahrten auf der Strecke der Central Pacific in der Sierra Nevada zeigte sich die Maschine deutlich leistungsfähiger als die bislang eingesetzten Ten-Wheeler und American-Lokomotiven, so dass 20 weitere Exemplare in Auftrag gegeben wurden. Die Mastodon blieb über 50 Jahre im Dienst und wurde erst 1935 ausgemustert. In den Folgejahren beschafften die CP und die sie inzwischen beherrschende Southern Pacific Railroad (SP) diverse weitere Lokomotivklassen dieser Achsfolge, insgesamt über 100 Stück.

In den USA fand die Achsfolge letztlich relativ wenig Verbreitung. Außer der CP/SP beschafften nur wenige Bahngesellschaften Mastodon-Lokomotiven. Zu diesen zählte die Norfolk and Western Railroad (N&W), die ab 1908 mehrere Serien erhielt. Bei der N&W wurden sie als Mollies bezeichnet und blieben bis in die 1950er Jahre im Dienst. Bei anderen Bahngesellschaften wurden sie bereits in den 1930er und 1940er Jahren ausgemustert.

Außerhalb der USA und Nordamerika kam die Achsfolge erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts zum Einsatz. Weite Verbreitung fand sie ab 1892 in Südafrika und in den Folgejahren auch in anderen britischen Kolonien in Afrika. 1894 folgten mit der Lieferung von Mastodon-Lokomotiven für die Central do Brasil die ersten Lokomotiven dieser Achsfolge in Südamerika; bis 1949 erhielten auch Bahngesellschaften in Argentinien, Peru und Kolumbien 2’D-Lokomotiven.

In Europa kam die erste Serie von 2’D-Lokomotiven mit den Gebirgslokomotiven der späteren Gruppo 750 ab 1902 bei der Rete Mediterranea in Italien zum Einsatz. Die 40 beschafften Maschinen waren vor allem für den Einsatz auf den Steilrampen der beiden Strecken über den Giovipass vorgesehen. In den Folgejahren bis zum Ersten Weltkrieg beschafften auch Bahngesellschaften in Frankreich, Norwegen und Spanien Lokomotiven dieser Achsfolge. Während des Krieges folgte Österreich. In der Zwischenkriegszeit kamen mit Ungarn, Polen, Schweden, der Sowjetunion und der Türkei weitere Länder dazu. Große Stückzahlen wurden jedoch nur in Spanien, Ungarn und Frankreich in Dienst gestellt, in den übrigen europäischen Ländern erreichten die Stückzahlen mit Ausnahme der 100 Exemplare der sowjetischen Reihe М lediglich zweistellige Werte.

Tenderlokomotiven in dieser Achsfolge blieben selten. In Europa beschafften Bahngesellschaften in Frankreich, Großbritannien und Irland kleinere Stückzahlen solcher Maschinen, die in der Regel für schwere Rangierdienste vorgesehen waren, wie beispielsweise die Klasse X der britischen North Eastern Railway (NER).

Mastodon-Lokomotiven in ausgewählten Ländern Deutschland Lokomotiven dieser Achsfolge wurden von deutschen Bahngesellschaften nicht beschafft, weder als Schlepptender- noch als Tenderlokomotive. Zwischen 1938 und 1945 ordnete die Deutsche Reichsbahn (DR) jedoch Lokomotiven österreichischer und polnischer Herkunft als Baureihe 33 in ihren Bestand ein. Von 1948 an setzte die DR in der SBZ bis 1950 in der Reichsbahndirektion Schwerin einige nach dem Krieg in der SBZ verbliebene Exemplare der ungarischen Reihe 424 vor Personen- und Schnellzügen ein. Die Lokomotiven erhielten keine deutschen Betriebsnummern und wurden nicht in den Bestand der DR aufgenommen. Mitte 1950 wurden sie nach Ungarn zurückgegeben.

Österreich mini|Lokomotive 33.102 der ÖBB als Museumslokomotive 1999 in Wien Westbahnhof Die ersten österreichischen Mastodon-Lokomotiven beschaffte 1915 die private Südbahngesellschaft (SB). Die zwei Exemplare der Reihe 570 waren als Schnellzuglokomotiven für die diversen Rampenstrecken der Südbahngesellschaft im Alpenraum vorgesehen, so etwa auf der Semmeringbahn oder der Strecke zwischen Laibach und Triest. Auch die Kaschau-Oderberger Bahn (KsOd) beschaffte Lokomotiven dieses Typs, der sich bei der Südbahn jedoch nicht so recht bewährte, weshalb keine größere Serie folgte. Nach dem Krieg dienten die 570er als Vorbild für die Reihe 113 der BBÖ, die sich deutlich besser bewährte, so dass die letzten Exemplare in Österreich bis 1968 im Dienst blieben. Einige Exemplare der Reihe 113, die nach dem Zweiten Weltkrieg ihre zwischenzeitliche deutsche Bezeichnung als Baureihe 33.1 behielt, kamen 1945 nach Jugoslawien und wurden von den dortigen Staatsbahnen JDŽ als Baureihe 10 eingeordnet. Nach dem Vorbild der Reihe 113 erhielt ab 1925 auch die polnische Staatsbahn PKP mit der Reihe Os24 insgesamt 60 fast baugleiche Lokomotiven.

SB 570, Baujahr 1915, 2 Stück KsOd It, Baujahr 1917, 5 StückNach Verstaatlichung der KsOd ab 1921 als Reihe 455.0 bei der Tschechoslowakischen Staatsbahn ČSD BBÖ 113, Baujahre 1923–1928, 40 Stück

Frankreich mini|Lokomotive 4703 der von André Chapelon entworfenen Umbauten der Reihe PO 4700 Bereits 1904 entstanden erste Lokomotiven dieser Achsfolge in Frankreich, allerdings als Tenderlokomotiven. Für die Chemin de Fer de Petite Ceinture lieferte die Société Alsacienne de Constructions Mécaniques in Belfort fünf schwere Lokomotiven für die Bespannung von Übergabezügen zwischen den verschiedenen, über die petite Ceinture erreichbaren Pariser Güter- und Rangierbahnhöfen.steamlocomotive.com: Grand Ceinture 4-8-0 Locomotives in France (Locobase 8912), abgerufen am 2. Juli 2025 Ab 1914 beschaffte auch die südfranzösische Chemins de fer du Midi (MIDI) Tenderlokomotiven dieser Achsfolge für den Einsatz auf der anspruchsvollen Ligne des Causses im Zentralmassiv.steamlocomotive.com: Midi 4-8-0 Locomotives in France (Locobase 20283), abgerufen am 2. Juli 2025 Schlepptenderlokomotiven für den schweren Güterverkehr entstanden ab 1907 in einer großen Serie für die Paris-Lyon-Méditerranée (PLM).steamlocomotive.com: Paris-Lyon-Mediterrannee 4-8-0 Locomotives in France (Locobase 11453), abgerufen am 2. Juli 2025 Die bekanntesten französischen 2’D-Lokomotiven waren Umbauten von Schnellzuglokomotiven aus Pacifics, die nach einem Entwurf von André Chapelon ab 1932 entstanden, zunächst für die Chemin de fer de Paris à Orléans (P.O.).steamlocomotive.com: Paris-Orleans 4-8-0 Locomotives in France (Locobase 11453), abgerufen am 2. Juli 2025 Ab 1940 entstanden weitere Exemplare für die nunmehrige Staatsbahn SNCF als Reihe SNCF 240 P für den Einsatz vor allem auf der Ligne imperiale zwischen Paris und Lyon. Obwohl die Lokomotiven zu den leistungsfähigsten französischen Schnellzugdampflokomotiven gehörten, wurden sie bereits kurz nach der durchgehenden Elektrifizierung ihrer Einsatzstrecke ausgemustert. Auch die übrigen französischen Mastodon-Lokomotiven beendeten ihren Dienst spätestens Anfang der 1950er Jahre.

Ceinture 4.001–4.005, Baujahr 1904, 5 StückTenderlokomotiven PLM 4701–4982, Baujahre 1907–1910, 282 Stück Midi 4301, Baujahre 1913–1922, 18 StückTenderlokomotiven PO 4700, Baujahre 1932–1933, 12 StückUmbauten aus Pacifics der Reihe PO 4500 SNCF 240 P, Baujahre 1940–1941, 25 StückUmbauten aus Pacifics der Reihe PO 4500

Norwegen mini|Museumslokomotive Nr. 411 der Type 26c im Jahr 1982 Die anspruchsvollen, durch gebirgiges Terrain führenden Hauptstrecken in Norwegen wie etwa die Bergensbane oder die Dovrebane stellten hohe Anforderungen an die Leistungsfähigkeit der eingesetzten Lokomotiven. Zur Vermeidung der bislang erforderlichen Vorspannlokomotiven für die Schnellzüge auf der Bergensbane beschafften die Norges Statsbahner (NSB) 1910 ihre ersten 2’D-Schlepptenderlokomotiven. Die Type 26 wurde von der Schweizerischen Lokomotiv- und Maschinenfabrik (SLM) entwickelt. Zunächst als Vierlings- und später als Verbundlokomotiven gebaut, zeigten sie sich sehr leistungsfähig und blieben bis zum Ende des Dampfbetriebs der NSB im Jahr 1970 im Dienst. Ab 1915 folgte die verstärkte Type 31, die ebenfalls bis zum Ende der Dampfzeit eingesetzt wurde.steamlocomotive.com: NSB 4-8-0 Locomotives in Norway (Locobase 1737/38, 4078/79), abgerufen am 2. Juli 2025

NSB Type 26, Baujahre 1910–1924, 22 Stück3 Stück Type 26a (mit Vierlingstriebwerk), 2 Stück Type 26b (mit Vierlingstriebwerk), 17 Stück Type 26c (mit Verbundtriebwerk) NSB Type 31, Baujahre 1915–1926, 27 Stück4 Stück Type 31a (mit Vierlingstriebwerk), 23 Stück Type 31b (mit Verbundtriebwerk)

Schweden mini|Museumslokomotive Nr. 1742 der Reihe E10 im Jahr 2006 in Gävle Als erste schwedische Bahngesellschaft beschaffte die Privatbahn Halmstad–Nässjö Järnvägsaktiebolag (HNJ) ab 1931 beim einheimischen Hersteller Nydqvist och Holm (NoHAB) mit der Reihe Mb Schlepptenderlokomotiven mit der Achsfolge 2’D. 1945 gingen die Lokomotiven mit der Verstaatlichung der HNJ als Reihe E9 in den Besitz der Staatsbahn Statens Järnvägar (SJ) über und beeindruckten die dort Verantwortlichen mit ihrer Leistungsfähigkeit so sehr, dass die SJ mit der Reihe E10 weitere Mastodon-Lokomotiven für den schweren Güterverkehr beschafften. Beide Reihen blieben bis Anfang der 1970er Jahre in Schweden im Plandienst. HNJ Mb, Baujahre 1931–36, 6 StückDie 1936 beschafften Lokomotiven wurden als Reihe G12 bezeichnet, die SJ führte nach der Verstaatlichung der HNJ alle Exemplare als Reihe E9 SJ E10, Baujahr 1947, 10 Stück

Spanien mini|Museumslokomotive 240.2244 der ursprünglich von der MZA beschafften RENFE-Reihe 240.2241 in Alcázar de San Juan