Mwana Kupona binti Mshamu (* 1810 in Pate; † 1860) war eine Dichterin des 19. Jahrhunderts und Verfasserin des didaktischen Lehrgedichts Utendi wa Mwana Kupona, welches zu den bekanntesten Werken der frühen Swahili-Literatur zählt. Sie gilt in der Literaturgeschichtsschreibung als erste prominente swahilische Dichterin und behauptet mit ihrem Werk einen kanonischen Status in der traditionell männlich dominierten Swahili-Dichtung.
Leben Die Namensform Mshamu ist in bibliografischen und handschriftlichen Quellen belegt; Varianten ohne Endvokal (Msham) finden sich ebenfalls, doch führen maßgebliche Kataloge die Autorin als Mwana Kupona binti Mshamu. Sie entstammte dem Lamu-Archipel an der heutigen Nordküste Kenias (Pate/Siyu), einer Region mit ausgeprägter swahilischer Handschriftkultur. Mwana Kupona kam 1810 auf der zum heute kenianischen Lamu-Archipel gehörenden Insel Pate zur Welt, die damals dem Sultanat Sansibar unterstand.MS 53508c, manuscript, Hitchens Collection Über ihr Leben ist nur Weniges sicher überliefert; eine zentrale Quelle sind biografische Notizen, die in Form eines Fragebogens an den Enkel der Dichterin und an das Umfeld ihres Ehemanns übermittelt wurden. Demnach war sie mit dem Siyu-Herrscher Scheich Bwana Mataka verheiratet und hatte Kinder, darunter die Tochter Mwana Hashima binti Sheikh, der sie später ihr berühmtes Gedicht widmete.
Wirken Utendi wa Mwana Kupona ist ein Lehrgedicht in klassischer utenzi-Form, das einer jugendlichen Tochter mütterliche Ratschläge zu Eheführung, häuslichem Verhalten und religiösen Pflichten erteilt. Der Text ist stark religiös grundiert und entfaltet seine Ethik aus einem islamischen Wertehorizont, wobei die Forschung zugleich auf ambivalente und ironische Brechungen hinweist. Ihr Utendi entstand 1858, was der Text selbst mit der islamischen Jahreszahl 1275 datiert; die Handschriftenüberlieferung bestätigt diese Datierung. Das Werk zirkulierte zunächst in zahlreichen Handschriftenkopien in arabischer Schrift, wie erhaltene Manuskripte belegen. Eine frühe Druckausgabe erschien 1917; seitdem liegt der Text in mehreren Editionen und Übersetzungen vor. Das Gedicht fand weite Verbreitung und es existieren zahlreiche Abschriften. Trotz des scheinbar säkularen Themas ist das Werk stark religiös und sogar mystisch geprägt. Die letzten Zeilen des Gedichts sind der Autorin selbst gewidmet:
Die Autorin bezeichnet sich als trauernde Witwe, als Sünderin, die aber auf Vergebung durch Gott vertraut; sie nennt ihren Namen (Mwana Kupona Mshamu) und ihren Geburtsort Pate und endet mit der Jahresangabe 1275 (islamischer Kalender).
Rezeption Mwana Kupona wurde mit dem Utendi in die 1992 erschienene Anthologie Daughters of Africa von Margaret Busby aufgenommen. Der kenianische Autor und Dozent für Swahili-Literatur Kitula King'ei veröffentlichte 2000 ein Kinderbuch mit dem Titel Mwana Kupona: Poetess from Lamu, basierend auf der Arbeit und dem Leben von Mwana Kupona.
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