mini|Flagge der Ayyubiden Die Ayyubiden (; oder ) waren eine sunnitisch-muslimische Dynastie kurdischerV. Minorsky: Studies in Caucasian History: I. New Light on the Shaddadids of Ganja II. The Shaddadids of Ani III. Prehistory of Saladin In: Cambridge Oriental Series, Band 6 (CUP Archive, 1953) Herkunft, die von 1171 bis 1254 in Ägypten herrschte. Seitenlinien der Ayyubiden herrschten in Teilen Syriens bis 1341. Benannt ist die Dynastie nach Nadschmuddin Ayyub, dem Vater Saladins.
Geschichte mini|Das Reich der Ayyubiden (1171–1246) in seiner größten Ausdehnung mini|Im Namen des Ayyubiden al-Adil geprägte Münze
Mit dem Niedergang der Fatimiden in Ägypten begannen verstärkte Angriffe der Kreuzfahrer des Königreichs Jerusalem. Gegen diese riefen die Fatimiden die Zengiden zur Hilfe, die Syrien beherrschten. Diese entsandten Truppen unter Schirkuh nach Ägypten, der sich zum Wesir ernennen ließ. Nach seinem Tod wurde sein Neffe Saladin 1169 Wesir. Er beseitigte 1171 die Dynastie der ismailitischen Fatimiden-Kalifen und begründete die Dynastie der Ayyubiden.
Unter Saladin (1171–1193) wurde Ägypten reorganisiert und die Wirtschaft durch die Förderung von Landwirtschaft und Handel weiter gestärkt, um die Kreuzfahrer aus Jerusalem und Palästina vertreiben zu können. Bis 1181 wurde die Herrschaft über Syrien, Obermesopotamien, den Jemen und Nubien ausgedehnt, sodass Saladin den Großteil des arabischen Kernlandes regierte. Nach Festigung der Herrschaft besiegte er die Kreuzfahrer am 4. Juli 1187 in der Schlacht bei Hattin nahe Tiberias entscheidend und eroberte Jerusalem. Im nun folgenden Dritten Kreuzzug konnten die Kreuzfahrer zwar einige Küstenstädte (darunter Akkon) zurückerobern, doch die Wiedereinnahme Jerusalems gelang ihnen zunächst nicht.
Da Saladin vor seinem Tod das Reich geteilt hatte, kam es unter seinen Nachfolgern zunächst zu Machtkämpfen, bei denen sich al-Adil I. (1200–1218) gegen al-Mansur (1198–1200), den minderjährigen Sohn al-Aziz’ (1193–1198), durchsetzen konnte. Zwar teilte auch al-Adil das Reich vor seinem Tod, doch konnte sein Nachfolger al-Kamil (1218–1238) den Kreuzzug von Damiette (1217–1221) in Ägypten abwehren und den Kreuzzug Friedrichs II. (1228–1229) durch Verhandlungen mit dem Kaiser beenden, bei denen das unbefestigte Jerusalem abgetreten wurde. Kurz vor seinem Tod konnte sich al-Kamil auch in Syrien durchsetzen.
Nach dem Ausbruch dynastischer Machtkämpfe gelang es as-Salih (1240–1249), weite Teile des Ayyubidenreichs wieder zu vereinigen, auch wenn Nordsyrien, Obermesopotamien und der Jemen endgültig verloren gingen. Ebenso konnte er 1244 Jerusalem endgültig von den Kreuzfahrern erobern.
Unmittelbar nach der Abwehr des Sechsten Kreuzzugs (1249–1254), der auf Ägypten abgezielt hatte, fiel der letzte Ayyubide Turan Schah einer Verschwörung der türkischen Mamluken im Heer zum Opfer, als er deren Einfluss einschränken wollte. Bis 1257 führte nun dessen Stiefmutter Schadschar ad-Dur als Regentin die Regierung, wobei sie den Mamlukenführer Aybak heiratete. Dieser erhob sich als al-Malik al-Muizz 1252 zum Sultan, beendete die Dynastie der Ayyubiden in Ägypten und begründete das Mamlukenreich (1252–1517).
Seitenlinien der Ayyubiden herrschten in Damaskus und Aleppo noch bis 1260, in Homs bis 1262 und in Hama bis 1341. Daneben gab es auch noch ayyubidische Herrscher in Hasankeyf (Hisn Keyfa), die dort bis in das 15. Jahrhundert ansässig blieben und erst von den Aq Qoyunlu beseitigt wurden.
Im Gegensatz zu den Fatimiden und den folgenden Mamluken regierten die Ayyubiden keinen Zentralstaat. Vielmehr wurden die Söhne des Herrschers und andere Seitenzweige der Dynastie an der Verwaltung des Reiches beteiligt. Dies führte allerdings nach dem Tod eines Herrschers immer wieder zu Kämpfen um die Einheit des Gesamtreichs.
Architektur mini|Der Al-Azhar-Park in Kairo (Ayyubidische Architektur)
Die Architektur der Ayyubidenzeit ist geprägt von alten regionalen künstlerischen Traditionen, vermischt mit Stilelementen iranischen Ursprungs und den weitreichenden Erfahrungen, die man der Kreuzfahrer-Architektur entlehnt hat.
Die letztgenannte Komponente spiegelt sich eindrücklich in der militärischen Zwecken dienenden Baukunst, wie dem hervorragendsten Werk, der Zitadelle von Aleppo. Die besondere Baukunst äußert sich durch einen großen, nackten und scharfkantigen – in den Hang zurückgesetzten – Baukörper, durch welchen ein mächtiger Torbogen Zugang zur Zitadelle bietet. Über eine Brücke findet dieses Monument Anschluss an den Haupteingang, einen Vorbau mit Treppe.
Bedeutend ist auch die – durch die orthodox religiöse Einstellung des Saladin – vorangetriebene Errichtung zahlreicher religiöser Stiftungen, wie Medresen, verteilt auf Städte wie Aleppo, Damaskus und das ägyptische Kairo. Beispiele sind die al-Zahiriyya-, die Firdaus- und die al-Salihiyya-Medresen.
Die ayyubidische Architektur konzentrierte sich außerdem auf Außengestaltungen, wie Toranlagen (Portale) und Außendekorationen (Nischen als Gliederungselemente, Stalaktitenmotive (Muqarnas) und polychrome Steinkompositionen).Umberto Scerrato: Islam – Monumente Großer Kulturen, S. 86–89.
Herrscher der Ayyubiden Herrscher in Ägypten 1171–1193: an-Nasir Yusuf (Saladin) 1193–1198: al-Aziz Uthman, dessen Sohn 1198–1200: al-Mansur Muhammad I., dessen Sohn 1200–1218: al-Adil Abu Bakr I. (Saphadin), Bruder Saladins 1218–1238: al-Kamil Muhammad I., dessen Sohn 1238–1240: al-Adil Abu Bakr II., dessen Sohn 1240–1249: as-Salih Ayyub, dessen Halbbruder 1249–1250: al-Muʿazzam Turan Schah, dessen Sohn 1250–1254: al-Aschraf Musa, Urenkel von al-Kamil Muhammad I.
Herrscher in Damaskus 1174–1193: an-Nasir Yusuf (Saladin) 1193–1196: al-Afdal Nur, dessen Sohn 1196–1218: al-Adil Abu Bakr I. (Saphadin), Bruder Saladins 1218–1227: al-Muʿazzam ʿĪsā, dessen Sohn 1227–1229: an-Nasir Dawud, dessen Sohn 1229–1237: al-Aschraf Musa, dessen Onkel 1237–1237: as-Salih Ismail, dessen Bruder 1237–1238: al-Kamil Muhammad I., dessen Bruder 1238–1238: al-Adil Abu Bakr II., dessen Sohn 1238–1239: as-Salih Ayyub, dessen Halbbruder 1239–1245: as-Salih Ismail (2. Mal) 1245–1249: as-Salih Ayyub (2. Mal) 1249–1250: al-Muʿazzam Turan Schah, dessen Sohn 1250–1260: an-Nasir Yusuf, Urenkel Saladins
Emire in Aleppo 1183–1186: al-Adil Abu Bakr I. (Saphadin), Bruder Saladins 1186–1216: as-Zahir Ghazi, Sohn Saladins 1216–1236: al-Aziz Muhammad, dessen Sohn 1236–1260: an-Nasir Yusuf, dessen Sohn
Emire in Hama 1178–1191: al-Muzaffar Umar I., Neffe Saladins 1191–1221: al-Mansur Muhammad I., dessen Sohn 1221–1229: an-Nasir Kilidsch Arslan, dessen Sohn 1229–1244: al-Muzaffar Mahmud, dessen Bruder 1244–1284: al-Mansur Muhammad II., dessen Sohn 1284–1299: al-Muzaffar Umar II., dessen Sohn 1310–1331: al-Mu'ayyad Abu l-Fida (Chronist), Enkel von al-Muzaffar Mahmud 1331–1334: al-Afdal Muhammad III., dessen Sohn
Emire in Homs 1164–1169: Asad ad-Din Schirkuh I., Onkel Saladins 1178–1186: Nasir ad-Din Muhammad, dessen Sohn 1186–1240: al-Mudschahid Schirkuh II., dessen Sohn 1240–1246: al-Mansur Ibrahim, dessen Sohn 1246–1248: al-Aschraf Musa, dessen Sohn 1248–1260: an-Nasir Yusuf, Urenkel Saladins 1248–1263: al-Aschraf Musa (2. Mal)
Emire in Karak 1188–1218: al-Adil Abu Bakr I. (Saphadin), Bruder von Saladin 1218–1227: al-Muʿazzam ʿĪsā, dessen Sohn 1227–1248: an-Nasir Dawud, dessen Sohn 1250–1263: al-Mughīth ʿUmar, Sohn von al-Adil Abu Bakr II.
Emire in Jemen siehe dazu: Ayyubiden (Jemen) 1173–1179: al-Muʿazzam Turan Schah, Bruder von Saladin 1179–1197: al-Aziz Tughtegin, dessen Bruder 1197–1202: al-Mu'izz Ismail, dessen Sohn 1202–1214: an-Nasir Ayyub, dessen Bruder 1214–1215: al-Muzaffar Sulaiman, Urgroßneffe Saladins 1215–1229: al-Mas'ud Yusuf, Sohn von al-Kamil Muhammad I.
Emire in al-Dschazira siehe dazu: Ortoqiden 1185–1193: an-Nasir Yusuf (Saladin) 1193–1200: al-Adil Abu Bakr I. (Saphadin), dessen Bruder 1200–1210: al-Wahad Ayyub, dessen Sohn 1210–1220: al-Aschraf Musa, dessen Bruder 1220–1247: al-Muzaffar Ghazi, dessen Bruder 1247–1260: al-Kamil Muhammad, dessen Sohn
Emire in Hisn Keyfa 1232–1239: as-Salih Ayyub, Sohn von al-Kamil Muhammad I. 1239–1249: al-Muʿazzam Turan Schah, dessen Sohn
(nicht komplett)
Stammbaum (Auszug) Als Sultane von Ägypten amtierende Personen sind fett unterlegt.
Trivia Die in der Türkei lebenden Ayyubiden tragen heute den Familiennamen Eyüboğlu (Ayyubs Sohn).
Siehe auch Architektur im Jemen
Literatur Ulrich Haarmann: Geschichte der Arabischen Welt. Herausgegeben von Heinz Halm. 5. Auflage. C. H. Beck, München 2004, ISBN 3-406-47486-1 (Beck’s historische Bibliothek). Peter Malcolm Holt: The age of the Crusades. The Near East from the eleventh century to 1517. 7. Auflage. Longman, London u. a. 1996, ISBN 0-582-49303-X (History of the Near East). Richard Stephen Humphreys: From Saladin to the Mongols. The Ayyubids of Damascus, 1193–1260. State University of New York Press, Albany, 1977, ISBN 0-87395-263-4. Giuseppe Ligato: La croce in catene. Prigionieri e ostaggi cristiani nelle guerre di Saladino. 1169–1193. Fondazione Centro Italiano di Studi sull’Alto Medioevo, Spoleto 2005, ISBN 88-7988-092-6 (Istituzioni e società 5). Henri Massé: ʿImâd ad-Dîn al-Iṣfahânî (519–597 / 1125–1201). Conquête de la Syrie et de la Palestine par Saladin (al-Fatḥ al-qussî fî l-fatḥ al-Qudsî). Paul Geuthner, Paris 1972 (Documents relatifs à l’Histoire des Croisades publiés par l’Académie des Inscriptions et Belles-Lettres 10, ).
Kenneth M. Setton (Hrsg.): A History of the Crusades. Band 2: The later Crusades, 1189–1311. Kapitel 20: The Aiyubids. University of Wisconsin Press, Madison 1969, S. 693–714 (digicoll.library.wisc.edu).
Weblinks
Einzelnachweise
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