Die St. Georgskirche ist eine Pfarrkirche im galiläischen Maʿalot-Tarschiha im Nordbezirk (Israel). Das Kirchengebäude ist Gebetsstätte von über tausend Gemeindegliedern der örtlichen griechisch-katholischen Pfarrei der melkitischen Erzeparchie Akko, Haifa, Nazareth und ganz Galiläa in Israel. Das gegenwärtige Kirchengebäude wurde Mitte der 1890er Jahre geweiht.
Namen der Kirche Die Namen der Kirche lauten in den Landessprachen und auf . In der Erzeparchie ist in Kirchennamen für (Georgios, der Heilige) die arabische Namensvariante Ǧīwurǧiyūs () vorherrschend neben der sonst üblichen förmlichen Variante Ǧāwurǧiyūs (). Als Rufnamen sind die Kurzformen Ǧūrǧ () und Ǧirǧis/Ǧiryis () beliebter. Die über 550 Jahre alte griechisch-orthodoxe Kirche gleichen Patroziniums am Ort“ترشيحا”, auf: Zochrot; abgerufen am 25. April 2025. trägt vollständig das Doppelpatrozinium (Kirche der Heiligen Georgios und Sophronius von Jerusalem). In diesem Kirchennamen ist Ǧāwurǧiyūs die genutzte Namensvariante. Umgangssprachlich ist für das orthodoxe Kirchengebäude in Tarschicha auch die in aramäischer Tradition stehende Bezeichnung gebräuchlich.ʿAmmiram Oren (), (17. März 2021), auf: עמירם במשעולי ישראל; abgerufen am 5. Februar 2025.
Lage Die Kirche befindet sich im Zentrum des Ortsteils Tarschicha im Südwesten der Stadt Maʿalot-Tarschiha. Durch Vereinigung der beiden Städte, wie im Namen erkennbar, 1963 erfolgt, verfügt die Stadt über zwei zentrale Bereiche. St. Georg liegt in der Straße Schāriʿ al-Kanāʾis 5 (, ) nur 40 Meter östlich des melkitischen Gemeindezentrums in derselben Straße. Die griechisch-orthodoxe Prophet-Elija-Kirche (Die Kirche entstand von 1903 bis 1913 auf den Ruinen einer 800 Jahre alten Kreuzfahrerkirche. Vgl. ʿAmmiram Oren (), “” (17. März 2021), auf: עמירם במשעולי ישראל; abgerufen am 5. Februar 2025. Die erste Messe wurde zum orthodoxen Fest der Kreuzerhöhung am 27. September 1914 gefeiert. Vgl. ʿAmmiram Oren (), “” (7. September 2023), auf: עמירם במשעולי ישראל; abgerufen am 5. Februar 2025.) und ihr kleiner Vorgängerbau der Heiligen Georg und Sophronius liegen in einer Seitenstraße nur 120 Meter entfernt. Die Altstadt Tarschichas ist ein gewachsenes, heterogen bebautes Viertel mit unregelmäßigem Straßennetz, auch ihrer Lage auf 492 Meter HöheVictor Guérin, Description Géographique Historique et Archéologique de la Palestine: 3 Teile in 7 Bänden, Paris: L’Imprimerie Nationale, 1868, 1869, 1874, 1875 und 1880, Teil 3 ‹Galilée›: 2 Bde., Bd. 2 1880, S. 63. am Nordhang des 614 Meter hohen Har Meʿonah geschuldet.
Geschichte ʿAmmiram Oren erwähnt, eine frühere melkitisch-katholische Kirche sei 1836 erbaut während der ägyptischen Besatzungszeit (1833–1841) der Levante zwischen Erstem und Zweitem Ägyptisch-Osmanischen Krieg, bevor das Osmanische Reich seine Herrschaft in dieser Küstenregion wieder herstellen konnte. Der US-amerikanische Missionar William McClure Thomson notierte zu seinem Treffen mit Scheich Ali al-Maghribi 1838, dieser habe den Anteil der Christen auf ein Fünftel der Einwohner Tarschichas geschätzt. Das Erdbeben in Galiläa 1837 zerstörte in der ganzen Region Gebäude. Vermutlich traf es auch die Kirche der katholischen Melkiten Tarschihas, denn nach zwei Jahren Erholung von den Schäden ersuchte die Pfarrgemeinde am 17. Januar 1839 Ibrahim Pascha um eine Baugenehmigung für ihre bestehende Kirche, sie zu erweitern und zu erneuern, die er drei Monate später erteilte.Der libanesische Historiker Asad bin Ǧibrāʾīl Rustum Muǧāʿiṣ wertete dazu zwei Urkunden vom 17. Januar und 3. April 1839 in seiner Sammlung aus, Dokument Nr. 5653, vgl. (10. Oktober 2010), auf: , abgerufen am 17. Februar 2025. Unklar ist, ob die Kirche nachhaltig wiederhergestellt wurde. Die 500 Christen am Ort, bis auf wenige orthodoxe in der Mehrheit katholische Melkiten, lebten in den 1870er Jahren in einem der vier Viertel Tarschichas, die nach Herkunft der Bewohner geschieden waren.Victor Guérin, Description Géographique Historique et Archéologique de la Palestine: 3 Teile in 7 Bänden, Paris: L’Imprimerie Nationale, 1868, 1869, 1874, 1875 und 1880, Teil 3 ‹Galilée›: 2 Bde., Bd. 2 1880, S. 64.
Ein Baudatum, 1865, liefert eine Inschrift am Nordportal der Kirche, wohl das Jahr des Baubeginns. Bauliche Probleme, es ist von einem Einsturz die Rede, verzögerten den Abschluss der Arbeiten. Die Gemeinde bat Agapius Doumani (, 1812–1893; ab 1864 Bischof von Akko) um Hilfe, der sie gewährte und ferner den in Tyrus bekannten Architekten Nach dem Tod seiner ersten Frau Haloun () heiratete Ġarzūzī die aus Tarschicha gebürtige Warda Sulaiman al-Nahhas () und blieb am Ort. für den Bau gewann.NN, (18. Oktober 2010), auf: , abgerufen am 17. Februar 2025. Von seinem Besuch in den 1870er Jahren berichtet Victor Guérin von einer alten melkitisch-katholischen Kirche in beklagenswertem Zustand, während sich die neue unter geflissentlicher Aufsicht des Bischofs im Bau befand, um die Bauarbeiter anzutreiben. Bischof Agapius lobte 1888 den Bau als größte aller Dorfkirchen seiner Eparchie. Es war erst der nächste, 1894 eingeführte Bischof von Akko, Athanasius Sabbagh (, 1862–1899), der die Kirche weihte.
Lucien Gautier berichtete von seinem Besuch 1899, dass es bloß 30 christliche Orthodoxe im Dorf gebe, die anderen Christen waren katholische Melkiten. Der maronitische Jesuitenpater Ferdinand Tutal (; 1887–1977) besuchte Tarschicha 1921 und berichtete in Al-Machriq, dass etwa 300 melkitische Katholiken und 150 christliche Orthodoxe am Ort lebten. Mit dem wirtschaftlichen Aufstieg unter britischer Herrschaft seit 1918 verdreifachte sich die Bevölkerung Tarschichas von etwa 1.880 Personen 1922 auf 5.700 Menschen im Jahre 1948, wobei die Zahl der Christen im Zuge dieser Entwicklung nicht vergleichbar mitwuchs. Die gewerbliche Entwicklung Tarschichas, seinerzeit Zentrum kleingewerblicher Klingen- und Messerproduktion, abgeleitet auch moderner Waffenherstellung, daher bekannt für seine Büchsenmacher, konnte den zahlreichen Angehörigen der nachwachsenden Generationen aber keine Verdreifachung der Beschäftigung bieten, von denen manche sich Bewegungen anschlossen, die ihnen Schuldige dieser Entwicklung nannten und Aussicht auf gewaltsame Umverteilung von deren Positionen in Aussicht stellten. Tarschicha war ein bedeutender Ausgangspunkt von Gewalt gegen Briten und jüdische Palästinenser im Großen Arabischen Aufstand (1936–1939), seinerzeit weltweit größte Erhebung gegen eine britische Kolonialverwaltung.
Die UNO, an die Großbritannien, der Gewalt im Lande überdrüssig, seinen Mandatsauftrag zurückgab, sah angesichts dieser Gewalt keine Chance für Erfüllung der Mandatsbestimmungen einer sicheren jüdischen Heimstatt und einer arabischen Unabhängigkeit in der Ein-Staat-Lösung und beschloss im November 1947, einen Plan, das Mandatsgebiet im Mai 1948 zu teilen. Die vorgeschlagene Aufteilung lehnte die arabisch-palästinensische Seite weithin ab – darin unterstützt von arabischen Nachbarstaaten und deren Armeen – und setzte lieber aufs gemeinsame Waffenglück statt auf den UN-Plan oder eine andere Einigung mit der Gegenseite. Das Ergebnis dieses am 15. Mai 1948 selbst begonnenen Kriegs gegen Israels Unabhängigkeit ums Ganze sagte der arabischen Seite nicht zu, als es nur gut 22 % des ehemaligen Mandatsgebiets in ihrer Hand beließ.
Die unterlegenen arabischen Streitkräfte und mit ihnen die meisten zivilen Einwohner verließen am 27. Oktober 1948 Tarschicha, die Soldaten und viele muslimischen Einwohner gen Libanon, viele Christen in benachbarte Dörfer. Als drei Tage später die Streitkräfte Israels am 30. Oktober 1948 das Dorf einnahmen, fanden sie dort nur etwa fünfzig ältere Männer und Frauen vor, die mit Schwester Mary Louise Haddad im Konvent an St. Georg ausharrten. Im Schutz der Dunkelheit schlichen viele geflohene Einwohner ins Dorf zurück, so dass die Zahl der Einwohner bis Ende 1948 auf etwa 700 Personen anstieg, viele von ihnen Christen, aber auch Muslime. In die leeren Häuser quartierte die israelische Regierung mittellose Flüchtlinge vor allem aus Rumänien ein, bis September 1949 etwa 130 Familien (540 Personen), ihr Viertel nannte man Meʿonah, der benachbarte agrarische Moschav Meʿonah entstand 1951. Tarschicha, die 1957 gegründete Entwicklungsstadt Maʿalot und das Viertel Meʿona wurden 1963 zu Maʿalot-Tarschicha vereint und erhielten 1995 Stadtrecht. Im Jahre 2022 lebten etwa 2.250 Christen in Maʿalot-Tarschicha, davon etwa 1.200 katholische Melkiten, 600 griechisch Orthodoxe, 250 MaronitenAttacks on Christians in Israel and East Jerusalem, 2023 Annual Report, Jerusalem: / / Rossing Center for Education and Dialogue, 2024, S. 29; abgerufen am 27. April 2025. und um 120 Anglikaner.“Diocesan Parishes”, Abschnitt ‹Christ the King, Tarshiha› (2021), auf: Diocese of Jerusalem: Episcopal Chruch in Jerusalem and the Middle East; abgerufen 1. Januar 2024. Die Pfarreien der Erzeparchie folgen für die kirchlichen Feiertage einenteils dem Gregorianischen Kalender und anderenteils dem Julianischen Kalender. In Maʿalot-Tarschicha bestimmen Altkalendarier die Datierung.“” (14. April 2020), auf: (Griechisch-melkitisch-katholische Metropolie Galiläa: Offizielle Medien-Website); abgerufen am 2. Oktober 2024.
Gebäude Die Kirche ist ein geosteter Bau leicht von Nordwest nach Südost aus der Ost-West-Achse gerückt der sich 20 Meter südlich parallel zur Adresse gebenden Straße Schāriʿ al-Kanāʾis 5 (, ) erstreckt. Etwa 15 Meter vor der Westfassade verläuft eine Seitenstraße, der Raum zwischen Kirche und Straßen bildet einen über Manns hoch ummauerten Hof. Geschlossene Höfe sind typisch für Kirchen, die in osmanischer Zeit entstanden, um Kirchgängern einen geschützten Raum vor Betreten und nach Verlassen der Kirche zu bieten, in dem sie vor Verspottung oder Anfeindungen durch Muslime abgeschirmt blieben. Daher verfügt die Kirche über keinen direkten Zugang von der Straße, sondern Zutritt besteht nur über den Hof, der durch zwei Tore, eins je zu beiden anliegenden Straßen, erschlossen ist. Das Haupttor befindet sich am Schāriʿ al-Kanāʾis an der Ecke mit besagter von Süden einmündender Seitenstraße.
Das Parochialgebäude Antusch (), das unter dem Episkopat von Bischof Griguri Hajjar (, 1875–1940; ab 1901 Bischof von Akko) erbaut wurde, bildet von der Straße bis direkt an die Kirche die Ostseite im ummauerten Hof. Zur Straße befinden sich unten das Pfarrbüro und oben die Pfarrwohnung, im übrigen Parterre befand sich über 30 Jahre lang die kirchliche Grundschule, im ersten Stock zur Kirche hin ein Konvent der Sœurs des Sacrés Cœurs de Jésus et de Marie (, , S.S.C.C.; eine in Krankenpflege und Bildung engagierte Kongregation, 1872 in Castellammare di Stabia gegründet).ʿAmmiram Oren (), “” (7. September 2023), auf: עמירם במשעולי ישראל; abgerufen am 5. Februar 2025. Der Konvent blieb und die Schwestern (2024: zwei Personen) arbeiten ihrem Auftrag entsprechend in der Ausbildung und Krankenbetreuung der Parochianen. Gleich jenseits der Seitenstraße erstreckt sich im Schāriʿ al-Kanāʾis 7 / 7a das weitläufige melkitisch-katholische Gemeindezentrum. Die Südseite des Hofes bildet wieder eine Mauer.
Zum Bau St. Georgs schrieb Bischof Agapius Doumani 1888: „Die Kirche ist neu und die größte, die wir in den Dörfern gebaut haben. Sie ist 18 x 12 Meter lang.“ Die Kirche hat keine Kuppel, sondern ist flach gedeckt. Einzig ein Glockenturm auf der nördlichen Außenmauer erhebt sich darüber, etwas östlich vom Nordportal. Es ist dem Haupttor zum Hof am nächsten gelegen. Über diesem Portal ziert ein kleines Maßwerksfenster in Form eines Kruckenkreuzes die Fassade, rechts oberhalb der Nordtür prangt eine Reliefplatte auf der Außenmauer, die Georg reitend mit Lanze als Drachentöter darstellt. In die Schwelle des größeren Westportals sind drei Kreuze eingraviert.
mini|Blick von Westen durch den Kirchenraum, 2024