The Rehearsal ist eine amerikanische Doku-Comedy-Fernsehserie, die von Nathan Fielder entwickelt, geschrieben und inszeniert wurde und in der er die Hauptrolle spielt. Sie wurde am 15. Juli 2022 erstmals in den Vereinigten Staaten auf HBO ausgestrahlt und von der Kritik gelobt. In Deutschland begann die Ausstrahlung der ersten Staffel am 1. Dezember 2022 auf WOW und Sky GO. Die zweite Staffel wurde 2025 ausgestrahlt.

Handlung In The Rehearsal hilft Nathan Fielder, eine fiktionalisierte Version seiner selbst, gewöhnlichen Menschen, bevorstehende schwierige Gespräche oder Lebensereignisse zu proben. Hierfür baut er Filmsets und engagiert Schauspieler, die reale Personen verkörpern. Die Situationen können trivial sein, wie das Eingeständnis einer Lüge in Bezug auf den Bildungsweg, oder komplexer, wie die Erziehung eines Kindes. Fielder gibt aufwändige Nachbildungen realer Umgebungen in Auftrag, in denen jedes Detail nachgebildet ist, und engagiert Schauspieler, die diese Kulissen bevölkern und mit seinen Kunden verschiedene Dialogbäume Dutzende Male üben, um sie auf alle Variablen vorzubereiten. Die Informationen, die für die Ausbildung der Schauspieler und den Bau der Kulissen verwendet werden, werden oft ohne das Wissen der Probanden gesammelt, dieser Aspekt wird jedoch oft mit einem komödiantischen Effekt gespielt.

In der zweiten Staffel legt Fielder den Fokus auf komplexere gesellschaftliche und systemische Kommunikationsprobleme, vor allem in der Luftfahrt. Er analysiert unter anderem das Verhältnis zwischen Piloten und die Auswirkungen fehlerhafter Kommunikation auf die Sicherheit. Dazu baut er große Teile eines Flughafenterminal nach und inszeniert realitätsnahe Szenarien wie Flugzeugabstürze. Parallel dazu thematisiert Fielder seine sozialen Unsicherheiten.

Produktion Die Prämisse für The Rehearsal entwickelte sich aus Fielders Serie Nathan for You. In Vorbereitung auf die frühere Serie spielten Fielder und sein Team Szenarien durch, um vorherzusagen, wie reale Menschen auf seine lächerlichen Vorschläge reagieren würden – eine Übung, die sich oft als ungenau erwies. Fielder ließ sich von der Vergeblichkeit des menschlichen Drangs, die eigene Zukunft zu kontrollieren, inspirieren, was er „wirklich lustig“ fand.

Ein Teil des Humors in The Rehearsal stammt von den extravaganten Kulissen. In der ersten Folge baut Fielder ein perfektes Duplikat der Bar, in der das schwierige Gespräch des Probanden stattfinden soll. Er baut auch ein Duplikat des Hauses der Testperson, um ihr erstes Gespräch zu üben.

Am 19. August 2022 verlängerte HBO die Serie für eine zweite Staffel.

Veröffentlichung Vereinigte Staaten Die Serie wurde erstmals 2019 im Rahmen von Fielders Vertrag mit HBO angeteasert. Der Titel The Rehearsal wurde im Juni 2021 enthüllt. Im Juni 2022 wurde ein Teaser Trailer veröffentlicht, und das Veröffentlichungsdatum bekannt gegeben. Die erste Staffel wurde vom 15. Juli 2022 bis zum 19. August 2022 gesendet.

Die zweite Staffel wurde vom 20. April bis 25. Mai 2025 ausgestrahlt.

Deutschland Die komplette erste Staffel wird in Deutschland seit dem 1. Dezember 2022 bei WOW und Sky GO angeboten. Zwischen dem 2. und 16. Dezember 2022 liefen die sechs Episoden bei Sky Comedy.

Episodenliste Staffel 1

Staffel 2

Rezeption Kritiken Die Serie wurde von den Kritikern gelobt und von einigen als eine der besten neuen Serien des Jahres 2022 bezeichnet. Der Review-Aggregator Rotten Tomatoes meldete für die erste Staffel eine 95-prozentige Zustimmung mit einer durchschnittlichen Bewertung von 9,4/10 auf der Grundlage von 58 Kritikerbewertungen. Der Konsens der Kritiker auf der Website lautet: „The Rehearsal gibt Nathan Fielder freie Hand, um seine absurde Komödie bis an die Grenze zu treiben, die er sogar noch weiter überschreitet, und zwar mit todesmutiger Gelassenheit in seiner vielleicht bisher unbequemsten komischen Leistung.“ Metacritic, das einen gewichteten Durchschnitt verwendet, vergab eine Punktzahl von 86 von 100 auf der Grundlage von 23 Kritiken, was auf „allgemeine Zustimmung“ hinweist.

The Rehearsal erschien in den Jahresbestenlisten zahlreicher „Best of 2022“-Listen, unter anderem bei Far Out, IndieWire, The Ringer und ScreenCrush.

Für die zweite Staffel meldete Rotten Tomatoes eine Zustimmung von 97 %, basierend auf 39 Kritikerbewertungen. Der Konsens der Kritiker auf der Website lautet: „Keine Angst, Nathan Fielder ist hier, um die Sicherheit von Flugreisen zu verbessern und seine frustrierte Suche nach menschlichen Beziehungen in einer zweiten Staffel fortzusetzen, die genauso dreist, krass und wahnsinnig witzig ist wie die erste.“ Metacritic vergab eine Punktzahl von 87 von 100 auf der Grundlage von 21 Kritiken, was auf „allgemeine Zustimmung“ hinweist.

Analyse In der Kritik der New York Times schrieb James Poniewozik, dass „die Show einen philosophischen Kern hat: Ist es jemals möglich, eine andere Person wirklich zu verstehen?“ Alissa Wilkinson von Vox nannte die Show ebenfalls „eine ausgezeichnete Erinnerung daran, dass wir viel weniger über andere wissen, als wir glauben“, und verglich sie mit den Schriften von Leslie Jamison und Martin Buber.

Die Verwischung von Simulation und Realität in der Serie hat Vergleiche mit dem Charlie-Kaufman-Film Synecdoche, New York und dem Tom-McCarthy-Roman Remainder hervorgerufen. Die Serie wurde als geistiger Nachfolger von Nathan for You beschrieben, da beide Serien die Prämisse teilen, dass Fielder durchschnittlichen Menschen auf humorvolle Weise hilft. Vulture beschrieb Fielders „Bereitschaft, Menschen zu verarschen“ und sie in Situationen zu bringen, die sie in Verlegenheit bringen oder sie dazu bringen könnten, Dinge zu tun, die nicht ihrem Charakter entsprechen, als den roten Faden seiner Arbeit.

In einer Rezension für The New Yorker bezeichnete der Kritiker Richard Brody die Serie als unaufrichtig, da sie die „Bereitschaft, Menschen zu verarschen“ zu weit treibe. Brody behauptete, dass Fielder sich zwar darauf konzentriere, Kontrolle über seine Probanden auszuüben, sein „grausamer und arroganter Blick“ aber die komödiantischen und dramatischen Elemente der Serie überschatte.

Viele Kritiker sahen in der Show eine Kritik an der ausbeuterischen und unaufrichtigen Natur des Reality-TVs. Der Schriftsteller Israel Daramola von der Los Angeles Review of Books nannte sie „einen Kommentar zur […] inhärenten Falschheit des Reality-TVs sowie zu den Fehlern und Einschränkungen des Schauspiels als Darstellung des wirklichen Lebens“.

Die zentrale Idee der Serie, soziale Interaktionen zu proben und aufzuführen, fand bei vielen autistischen Zuschauern Anklang, die darin eine Analogie zum Masking sahen. Variety-Autor Daniel D'Addario hob die ultimative Botschaft der Serie hervor, dass „wir alle ständig etwas aufführen“.

Für Rafael Dernbach von Zeit Online probt Fielder mit Menschen belastende Lebenssituationen, um ihnen zu helfen, sich diesen Ängsten stark und vorbereitet zu stellen. Fielder simuliert mit eindrucksvoller Detailtreue verschiedene Szenarien, was zu surrealen und zugleich tiefgründigen Erkenntnissen über zwischenmenschliche Beziehungen führt. Die Serie reflektiert auf humorvolle Weise über das Streben nach Kontrolle über die eigene Zukunft und die damit verbundenen Ängste. Dernbach zieht eine Verbindung zur Philosophin Mirjam Schaub, die beschrieb, dass hinter jedem Gedankenexperiment, eine Kontrollfantasie lauere. In seinen Simulationen verdeutlicht The Rehearsal genau diese Zusammenhänge zwischen Vorstellungskraft und Experiment.

Shirley Li von The Atlantic lobt The Rehearsal als ebenso unvorhersehbar wie tiefgründig. Die zweite Staffel der Pseudo-Dokuserie, in der Nathan Fielder reale Situationen aufwendig inszeniert, um Menschen bei schwierigen Entscheidungen zu helfen, entwickle sich zunehmend zur Selbstbefragung des Machers selbst. Unter dem Vorwand, Kommunikationsprobleme unter Piloten analysieren zu wollen, inszeniert Fielder absurde, aber emotional aufgeladene Szenen – etwa, wie er das Leben von Chesley „Sully“ Sullenberger nachstellt. Dabei verschwimme der Anspruch auf Realismus mit Fielder Wunsch, ernst genommen zu werden. Die Serie sei zugleich eine Satire, ein Selbstexperiment und eine tragikomische Auseinandersetzung mit Authentizität, Verantwortung und der Frage, ob echte Hilfe ohne Ironie möglich ist. Fielders Hang zur Grenzüberschreitung kann als Teil seiner Suche nach Sinn und Selbstverständnis interpretiert werden.

Laut Frazier Tharpe von GQ zählt The Rehearsal zur besten Fernsehunterhaltung des Jahrzehnts. Besonders hervorgehoben wird die Unvorhersehbarkeit der Fernsehserie, die sich bewusst jeder narrativen Konvention entzieht. Fielder gelinge es in der zweiten Staffel, die ohnehin ambitionierte erste noch zu übertreffen – etwa durch absurde, zugleich tiefgründige Inszenierungen wie seine wochenlange Darstellung von Flugkapitän Sullenberger. Obwohl die Staffel scheinbar dem Thema Flugzeugsicherheit gewidmet ist, sei dies vor allem ein Vorwand für Fielder, persönliche Konflikte und gesellschaftliche Konstrukte zu hinterfragen. Tharpe betont Fielders Fähigkeit, aus grotesken Szenarien echte emotionale Tiefe zu schöpfen, und lobt den radikalen, oft verstörenden Stil der Serie als wegweisend für das Medium Fernsehen.

Auszeichnungen Auszeichnung Jahr Kategorie Empfänger Ergebnis Beleg Cinema Eye Honors 2022 Heterodox Award Nathan Fielder Independent Spirit Awards 2023 Beste nicht-fiktionale oder Dokumentarserie Nathan Fielder, Dave Paige, Dan McManus, Christie Smith, Carrie Kemper und Eric Notarnicola Gotham Independent Film Awards 2022 Beste Dokumentarserie Nathan Fielder, Dave Paige, Dan McManus und Christie Smith

Weblinks Offizielle Website bei HBO (englisch)

Einzelnachweise

Kategorie:Mockumentary (Serie) Kategorie:Comedy-Fernsehserie Kategorie:Fernsehserie der 2020er Jahre Kategorie:Fernsehserie (Home Box Office)