mini|Spurensicherung mit Eisenspänen (Magna Brush)

Latente Fingerspuren werden durch das Einstaubverfahren oder durch die Einwirkung chemischer Substanzen sichtbar gemacht. Die Verwendung von Kontrastpulver kommt vor allem bei frischen Fingerspuren in Betracht. Sie nutzt den Umstand, dass die durch die Haut übertragenen Substanzen eine andere Adhäsionsfähigkeit besitzen als die Oberfläche des Spurenträgers. Diese Fähigkeit bleibt allerdings nicht unbeschränkt erhalten: Wasser und Fettsäure sind einem Verdunstungsprozess unterworfen, der durch äußere Faktoren (Wärme, Luftbewegung, Trockenheit) und die Beschaffenheit des Spurenträgers (raue oder poröse Oberfläche) beeinflusst wird.

Für das Einstaubverfahren stehen verschiedene Pinselarten zur Verfügung. Grundsätzlich werden nur sehr weiche Pinsel verwendet, z. B. der Fehhaar- und der Marabu-Pinsel. Sehr gut bewährt hat sich der Zephyr-Pinsel aus feinsten Glasfasern (mehr als 1.000 Fiber-Bündel aus jeweils über 100 einzeln behandelten Glasfasern). Seine hervorstechendsten Eigenschaften sind seine Fähigkeit, ausreichende Pulvermengen auf-zunehmen und festzuhalten, seine lange Lebensdauer und die Tatsache, dass die Faserenden durch den Gebrauch zunehmend weicher werden. Chemische Verfahren werden vor allem bei älteren Fingerspuren verwendet. Die Mittel führen bei den noch vorhandenen Schweißsubstanzen zu einer chemischen Reaktion und lassen die Spur optisch sichtbar werden.

Auch andere Fettabdrücke wie zum Beispiel von der Stirn oder einem Ohr können so sichtbar gemacht werden. Anhand dieser Abdrücke kann man den Täter zwar nicht eindeutig identifizieren, aber so lässt sich der Tathergang rekonstruieren und nach Orten für weitere Spuren suchen. Die Wahl des Mittels für die Spurensicherung hängt von den Umständen des Einzelfalles ab.

Rußpulver Rußpulver: Gebräuchlichstes Mittel zur Sichtbarmachung latenter Fingerspuren ist das Rußpulver. Es besteht aus pulverisiertem Kohlenstoff und besitzt gute Adhäsionseigenschaften. Das Pulver wird mit einem Einstaubpinsel oder Zerstäuber auf den Spurenträger aufgebracht, bis ein ausreichender Kontrast erreicht ist. Es kann auch auf den Spurenträger gestreut und durch Schütteln oder Rollen bewegt werden. Überschüssiges Pulver wird mit einem gesonderten Abstaubpinsel entfernt, abgeschüttelt oder abgeklopft. Die Reibung zwischen dem Einstaubpinsel und der Oberfläche des Spurenträgers ist so gering wie möglich zu halten. Die sichtbar gemachte Fingerspur wird mit einer durchsichtigen Klebefolie abgezogen und auf weißes Papier aufgeklebt (Tatortspurenkarte). Wird der erste Folienabzug zu intensiv, können ggf. weitere Abzüge gefertigt werden. Der Nachteil des Rußpulvers liegt darin, dass auf dunkelfarbigen Spurenträgern kein Kontrast entsteht. Rußpulver kann mit anderen Substanzen vermischt werden. Eine Mischung aus Ruß und Eisen(III)-oxid schmiert nicht so leicht bei feuchten Spuren, eine Mischung aus Ruß und Lycopodium eignet sich bei fetthaltigen Spuren.Nadine Hege: Der klassische und der genetische Fingerabdruck. 2006. aufgerufen am 1. Januar 2010)

Ruß – Eisenoxid: Diese Mischung besteht aus fünf Teilen Ruß und einem Teil pulverisiertem Eisen(III)-oxid. Sie hat ein höheres spezifisches Gewicht als Rußpulver und haftet etwas stärker. Durch die Beigabe von Eisenoxid erhält das Pulver eine rötlich-braune Farbe. Die Sichtbarmachung und Sicherung der Spur erfolgt in gleicher Weise wie beim Rußpulver.

Ruß – Reisstärke: Die Mischung besteht aus einem Teil Ruß und drei Teilen Reisstärke. Die Mischung ist „trockener“ als das Rußpulver, weil die Stärke die Feuchtigkeit stärker aufnimmt. Die Sichtbarmachung und Sicherung der Spur erfolgt in gleicher Weise wie beim Rußpulver.

Argentorat Argentorat ist ein silberfarbenes, industriell hergestelltes Aluminiumpulver mit sehr hohem Feinheitsgrad; es kann auch mit Eisen- oder Kupferpulver gemischt werden. Argentorat „schmiert“ leicht; dadurch kann die Spur zerstört werden. Es wird mit einem Einstaubpinsel oder Zerstäuber, besser mit dem Marabu-Zerstäuber aufgebracht. Dabei ist möglichst wenig Pulver gleichmäßig zu verteilen. Argentorat eignet sich gut für Spuren mit geringer Substanz und für ältere Spuren, weniger gut für frische und/oder feuchte Spuren. Die Beimischung von Eisenpulver oder Kupferpulver bewirkt eine Farbveränderung in bräunlich bzw. rötlich. Bei Benutzung einer schwarzen Klebefolie erscheint die Spur seitenverkehrt, sie muss deshalb fotografisch umkopiert werden.H. Horch: Argentorat. In: Archiv für Kriminologie (Kriminalanthropologie und Kriminalstatistik). Band 92–93, F.C.W. Vogel, Berlin 1933.

Cyanacrylat Die Dämpfe des Cyanacrylats (farblos) polymerisieren auf dem in den Dampfraum eingebrachten Gegenstand, d. h. sie verbinden sich mit der natürlichen Oberflächenfeuchtigkeit des Spurenträgers und der Restfeuchte der daktyloskopischen Spur. Cyanacrylat eignet sich gut für Kunststoffe aller Art, Metalle, Glanzpapier, feines Leder sowie für glatte, lackierte oder versiegelte Flächen. Es ist ungeeignet für Spurenträger, die nicht beeinträchtigt werden dürfen. Die Anwendung erfolgt in einer Bedampfungskammer. Die Substanz verfügt über eine enorme Klebekraft, ihre Dämpfe führen zu Schleimhautreizungen. Bei dem Verfahren kann ein zündfähiges Luft-Dampf-Gemisch entstehen. Die Spurensicherung erfolgt fotografisch; dazu kann die Spur zusätzlich durch Kontrastmittel angereichert werden (z. B. Manoxol Molybdän oder Gentianaviolett). Ein Folienabzug ist nur bedingt möglich (mit Schwarzfolie).Udo Amerkamp: Spezielle Spurensicherungsmethoden. Verfahren zur Sichtbarmachung von daktyloskopischen Spuren. Verlag für Polizeiwissenschaft, 2002, ISBN 3-935979-02-9. In einer neueren, pulverförmigen Variante von Cyanacrylat sind bereits Fluoreszenzmittel beigefügt. Diese Variante eignet sich besonders für den Einsatz auf weißen oder mehrfarbigen Spurenträgern.Attestor Forensics. Newsletter, PolyCyano, http://www.attestor-forensics.com/

Essigsäure Die Oxidation des Spurenträgers durch die Bedampfung mit Essigsäure bewirkt die Herausbildung einer vorhandenen Spur. Sie eignet sich gut für Kupfer, Messing, Aluminium und sonstige Metall-Legierungen. Für die Spurensuche wird Essigsäure in ein (säurefestes) Gefäß gegeben. Der Spurenträger wird dem Essigsäuredampf ausgesetzt. Die Essigsäure-Bedampfung ist ein berührungsfreies und damit spurenschonendes Verfahren. Es erfordert jedoch eine längere Untersuchungszeit, weil die Ausbildung der Oxidation abgewartet werden muss. Die Spurensicherung muss sofort fotografisch erfolgen.

Fingerspuren auf Klebebändern Rußpulver-Spülmittel-Mischung (RSM): In einem Gefäß werden 70 g Wasser, 30 g Spülmittel und 6 g Rußpulver zu einer leicht flüssigen Mischung eingerührt und mit einem feinen Fehhaarpinsel auf die klebrigen Flächen von Klebebändern, Aufkleber oder Etiketten aufgetragen. Das überschüssige Material wird unter fließendem Wasser abgespült.Heribert Freimuth: Latente Fingerspuren auf Klebebändern. In: Kriminalistik. 11/2001, S. 737.

Sticky-Side Powder™ (SSP): Sticky-Side Powder™ wird verwendet, um Fingerabdrücke von klebrigen Seiten von Klebebändern und Etiketten zu sichern. Ausgezeichnete Ergebnisse zeigten sich bei Klebeband, Klebeverbänden, plastisch-chirurgischen Bändern, klarem Kunststoffband, Verpackungs-Etiketten, Doppel-Klebeband verstärktem Packband und Kleberändern von 3M™ Post-it-Notes. Schlechte Ergebnisse wurden bei der Verwendung bei schwarzem Isolierband (aufgrund des schlechten Kontrastes), sowie einigen Papieretiketten und Klebebändern und Etiketten mit ausgetrockneten Klebstoffen. Ungefähr gleiche Mengen von Wasser, Photo-Flo 200 und SSP in einem kleinen Glas oder Becher angesetzt, es sollte eine dünne Konsistenz zu malen erreicht werden. Mittels einer kleinen Bürste oder eines Fingerabdruckpinsels wird das flüssige Gemisch auf der Klebeseite des Bandes oder Etikett aufgetragen. Nach einer Einwirkzeit von 10 bis 15 Sekunden erfolgt eine Spülung mit Wasser. Das Band kann unter fließendem Wasser gespült werden, aber die bevorzugte Methode besteht darin, es vorsichtig in einer Schale mit Wasser vorzunehmen. Ist die Lösung zu lange aufgetragen gewesen, wird es schwierig, sie zu entfernen. Eine alternative Methode für die Verarbeitung von Klebebändern und Etiketten, die nicht für den Malprozess eignet sind, ist ein Soakverfahren. SSP wird in einer Schale mit Wasser angesetzt und die Bänder mit der klebrigen Seite nach oben eingelegt. Die schwimmenden Teilchen des Sticky-Side Powder™ legen sich auf dem Band ab. Dieser Vorgang kann einige Zeit dauern, bis sich die latenten Abdrücke entwickeln. Die Sicherung erfolgt durch Fotografie der latenten Abdrücke.Sticky-Side Powder. aufgerufen am 1. Januar 2010)

Flammenruß Flammenruß eignet sich gut für Spurenträger, die keine Einstaubmittel annehmen, z. B. verchromte oder verzinkte Oberflächen und einige Kunststoffe. Für die Spurensuche werden rußerzeugende Stoffe angezündet (Kienspan, Kampfer, Kerosin, bestimmte Polyesterharze, Petroleum). Der Spurenträger wird in die Rußfahne gehalten, bis die Oberfläche verrußt ist (nicht zu dicht an die Flamme halten). Nach Abkühlung wird der Ruß vorsichtig und spurenschonend mit einer Marabu-Feder entfernt, bis die Spur kontrastreich sichtbar wird. Durchführung: In eine Abdampfschale wird ca. 40 ml Petroleum gegossen, ein Stück Papier leicht zerknüllt hineingelegt und im Abzug entzündet. In einem Abstand von ca. 10 cm wird der Spurenträger über der stark rußende Flamme hin- und herbewegt. Direkter Flammenkontakt oder eine Überhitzung sind zu vermeiden. Nach ca. 5 min erfolgt die Entwicklung der Fingerabdrücke: Durch vorsichtiges Wischen mit einem Wattebausch wird überschüssiger Ruß entfernt. Beobachtung und Auswertung: Fingerabdrücke sind nach der Entfernung des überschüssigen Rußes als schwarzes Linienmuster deutlich sichtbar. Bei der Verbrennung werden Petroleum, Heizöl oder Kerosin nur unvollständig oxidiert. Es entsteht elementarer Kohlenstoff in Form sichtbarer Rußpartikel, die sich auf der gesamten Oberfläche des Spurenträgers niederschlagen. Aufgrund der größeren Adhäsion zu den fettigen Bestandteilen der Fingerabdruckspuren bleibt der Ruß auf den Abdrücken haften und hebt diese in Form eines farblichen Kontrastes deutlich hervor. Die Sicherung der Spur erfolgt im Original (zum Schutz mit Folie abdecken), fotografisch oder durch Folienabzug.H. H. Huelke: Spurenkunde, Sicherung und Verwertung von Tatortspuren. Heidelberg/Hamburg 1977, ISBN 3-7832-0376-7.

Fluoreszierende Pulver