mini|Portrait Prof. Dr. Ernst Müller (Orthopäde, Chefarzt der orthopädischen Kinderabteilung am Olgahospital Stuttgart) mini|Die Olgaheilanstalt in Stuttgart um 1902, Postkarte aus dem Stadtarchiv Stuttgart, Signatur Stadtarchiv Stuttgart - 9450 - A 287/2.

Ernst Müller (* 13. Februar 1856 in StuttgartStadtarchiv Stuttgart - Sterberegister 1928 Nr. 2809; † 9. November 1928 in Stuttgart) war ein deutscher Orthopäde. Er blieb besonders in Erinnerung als Erstbeschreiber von Hüftfehlstellungen, die seit 1894 unter dem recht allgemeinen Terminus Coxa vara zusammengefasst wurden.

Leben Er studierte von 1874 bis 1880 Medizin in Tübingen und war seit dem Wintersemester 1874/75 Mitglied der Studentenverbindung Akademische Gesellschaft Stuttgardia Tübingen. Jürg Arnold: Stuttgardia Tübingen 1869–1994. Geschichte der Akademischen Gesellschaft Stuttgardia. Württembergischer Geschichts- und Altertumsverein, Stuttgart 1994, S. 356 Nach Beendigung seines Medizinstudiums in Tübingen war er bis 1888 1. Assistenzarzt unter Viktor von Bruns an der Chirurgischen Klinik der Universität Tübingen, wo er sich auch zum Privatdozenten habilitierte. Danach siedelte er als Facharzt für Chirurgie und Orthopädie nach Stuttgart über und gründete zunächst eine chirurgisch-orthopädische Privatklinik, die er aber aufgab, als er Chefarzt für Chirurgie am Olgahospital für Kinder wurde.

Noch während seiner Assistenzjahre in Tübingen beschrieb Ernst Müller 1888 als Erster Hüftfehlstellungen als Folge einer Verbiegung des Schenkelhalses als ein neues Krankheitsbild.Ernst Müller. Über die Verbiegung des Schenkelhalses im Wachstumsalter : ein neues Krankheitsbild. In »Beiträge zur klinischen Chirurgie (Mitteilungen aus den Kliniken Tübingen, Heidelberg, Zürich, Basel)«. Tübingen : Laupp, Band 4.1889, S. 137–148 Digitalisat der Rutgers University 1894 erhielt dieses Krankheitsbild durch Franz von Hofmeister, einen Kollegen an der Klinik in Tübingen,Franz von Hofmeister. Coxa vara : eine typische Verbiegung des Schenkelhalses. In »Beiträge zur klinischen Chirurgie (Mitteilungen aus den Kliniken Tübingen, Heidelberg, Zürich, Basel)«. Tübingen : Laupp, Band 12.1894, S. 245–317 Digitalisat der Universität Harvard sowie Theodor Kocher, Professor der Chirurgie in BernTheodor Kocher. Ueber Coxa vara , eine Berufskrankheit der Wachsthumsperiode. »Deutsche Zeitschrift für Chirurgie« 38.1894/95, S. 521–548 (mit zahlreichen Abbildungen) Digitalisat der Universität Harvard, die Bezeichnung Coxa vara (»verbogene Hüfte«), die eine ganze Gruppe unterschiedlicher Krankheitsbilder infolge der Verbiegung des Schenkelhalses umfasste.

Als von hoher Kenntnis des Mechanismus des normalen und pathologischen Fußes zeugend wurde die von Müller entwickelte und mit Erfolg angewandte Operation des Plattfußes gewürdigt.Eine ausführliche Beschreibung des Eingriffes inklusive ein Bericht über die damit erzielten Erfolge findet sich in Eugen Müller. Über die Resultate der Ernst Müllerschen Plattfußoperationen. (Olgaheilanstalt, Stuttgart). In Bruns' »Beiträge zur klinischen Chirurgie« Bd. 85.1913, S. 424–439, siehe auch die Rezension im »Zentralblatt für die gesamte Chirurgie und ihre Grenzgebiete« 4.1914, S. 254

Müller forschte viel zur Regeneration und zum Nachwachsen von Knochen und Muskeln, auch bei Tierenhierzu diverse Abhandlungen im »Jahrbuch des Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart«, siehe deren Würdigung im Nachruf von Max Reihlen. Ernst Müller †. »Jahrbuch des Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart« 84.1928, S. XXX-XXXIII, und kann als Vorvater der Verpflanzung von Muskeln betrachtet werden. Es wird berichtet, dass Müller einem Knaben, der sich bis dahin nur sitzend mit Hilfe der Arme fortbewegen konnte, durch etwa 10 Operationen im Lauf eines halben Jahres wieder zum Gehen verholfen habe.Max Reihlen. Ernst Müller †. »Jahrbuch des Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart« 84.1928, S. XXX-XXXIII, hier S. XXXI Digitalisat bei Google Books

Im Verhältnis zu seinen Beiträgen zu Fortschritten in der Chirurgie und Orthopädie hinterließ Müller nur ein geringes Schrifttum.siehe Max Reihlen in seinem Nachruf auf Müller im »Jahrbuch des Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart« 84.1928, S. XXX-XXXIII: Im Verhältnis zu dem, was M. auf den verschiedensten Gebieten der Chirurgie erdacht und ausprobiert hat, hat er selten zur Feder gegriffen, und was er schrieb, war kurz, so knapp wie seine Redeweise, aber was er erforscht und erprobt hatte, was er vorschlug, fand die Anerkennung der Berufensten. Digitalisat bei Google Books

Müller war von 1909 bis Oktober 1927 Chefarzt der chirurgisch-orthopädischen Abteilung des Olgahospitals für Kinder in Stuttgart.Nachruf zu Prof. Dr. med. Ernst Müller im »Schwäbischen Merkur«, Wochenausgabe für das Ausland, Nr. 46, 16. Nov. 1928, S. 5

Müller als Person

Seine auf innerer Sicherheit fußende Ruhe und unerschütterliche Gelassenheit, das ganze Wesen des Chefs wirkte wohltuend auf den gesamten Lazarettbetrieb und auf die Untergebenen, die ob Soldaten oder Schwestern an dem unscheinbaren Mann, der so zielbewußt seines Weges ging, hinauf sahen. Sein trockener Humor hat in mancher langen Geduldsprobe die sinkende Stimmung der Verwundeten wieder zu heben vermocht. Wenn aber alle seine Patienten, groß und klein, sich in seiner Fürsorge geborgen fühlten, so war es neben seinem sicheren und doch so sanften Zugreifen die persönliche Teilnahme, die er ohne Worte, aber unverkennbar, jedem entgegenbrachte, der sich ihm anvertraute.Max Reihlen. Ernst Müller †. »Jahrbuch des Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart« 84.1928, S. XXX-XXXIII, hier S. XXXI Digitalisat bei Google Books

Familie

Müller war der Sohn des Stuttgarter Prälats Gottlob Müller (1816–1897) und Maria Friederike Auguste Müller geb. Schelling. Einer seiner Brüder war der Theologe Karl Müller (1852–1940). Sein Schwiegervater war der Mediziner Reinhold Köhler (1825–1873).

Literatur

Weil (Breslau). Nachruf auf Ernst Müller. »Zeitschrift für orthopädische Chirurgie einschließlich der Heilgymnastik und Massage« 51.1929, S. 397 Digitalisat aus der Digitalen Edition der Zeitschrift in der deutschen Wikisource Max Reihlen. Ernst Müller †. »Jahrbuch des Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart« 84.1928, S. XXX-XXXIII, hier S. XXXI Digitalisat bei Google Books Nachruf zu Prof. Dr. med. Ernst Müller im »Schwäbischen Merkur«, Wochenausgabe für das Ausland, Nr. 46, 16. Nov. 1928, S. 5

Einzelnachweise

Kategorie:Orthopäde, Unfallchirurg Kategorie:Mediziner (20. Jahrhundert) Kategorie:Mediziner (19. Jahrhundert) Kategorie:Korporierter (Studentenverbindung) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1856 Kategorie:Gestorben 1928 Kategorie:Mann