San Marino (amtlich Republik San Marino, , Beiname ) gilt als die älteste bestehende Republik der Welt mit einer Geschichte, die der Überlieferung nach bis auf das Jahr 301 mit der Gründung durch den heiligen Marinus zurückgeht.
San Marino ist als Enklave vollständig von Italien umgeben. Als einer der sechs europäischen Mikrostaaten ist es sowohl mit einer Bevölkerung von rund 30.000 Einwohnern als auch mit einer Fläche von rund 60 km² der jeweils fünftkleinste international anerkannte Staat der Welt.
Hauptstadt ist die gleichnamige Stadt San Marino; die Amtssprache ist Italienisch. San Marino ist Mitglied der Vereinten Nationen, des Europarats und der Lateinischen Union, nicht jedoch der Europäischen Union; dennoch wird der Euro als Währung genutzt. San Marino gehört, gemessen am nominalen BIP pro Kopf, zu den reichsten Staaten der Welt und hat eine der weltweit niedrigsten Arbeitslosenquoten.
Geographie Territorium San Marino wird oft fälschlicherweise als Stadtstaat angesehen, entspricht jedoch nicht den Merkmalen eines solchen Staates. San Marino liegt bei 43°56′ Nord und 12°27′ Ost. Das Staatsgebiet hat annähernd die Form eines unregelmäßigen Fünfecks; es ist 61,19 Quadratkilometer groß. San Marino ist vollständig vom Staatsgebiet Italiens umschlossen. Die Grenze zu Italien ist 39 Kilometer lang. Der Staat grenzt fast überall an die italienische Provinz Rimini in der Region Emilia-Romagna, nur im Süden besteht auf ca. drei Kilometern eine gemeinsame Grenze mit der Provinz Pesaro und Urbino in der Region Marken.
Geologie und Geomorphologie San Marino befindet sich im Nordosten der Apenninhalbinsel auf der Ostabdachung der etruskischen Apenninen. Das zentrale Gebiet des Staates wird ungefähr in Nord-Süd-Richtung fast komplett vom steil nach Osten abfallenden, etwa sieben Kilometer langen Kalksteinrücken des Monte Titano durchzogen, der mit einer Höhe von 739 Metern die höchste Erhebung der Republik ist. Der tiefste Punkt ist der Torrente Ausa mit 55 Metern. Das Gebiet ist überwiegend hügelig.
Zwei größere Flüsse entspringen im Staatsgebiet: die Ausa und der Fiumicello. Des Weiteren durchfließen die Flüsse San Marino und Marano den Staat.
Flora Die steilen Abhänge des Monte Titano sowie die hügelige Landschaft um das Bergmassiv sind relativ dicht bewaldet und tragen die typische Mittelmeervegetation. Sie umfasst sommergrünen Laubwald mit Ahorn und Ulmen sowie immergrüne Gehölze mit Steineichen und Kiefern; im immergrünen Buschwald, der Macchie, wachsen Lorbeer-, Myrten- und Lavendelsträucher sowie Erdbeer- und Olivenbäume.
Fauna Zur Tierwelt des Staates gehören in erster Linie Arten, die als Kulturfolger des Menschen gelten und als solche auch in der näheren Umgebung von menschlichen Siedlungen anzutreffen sind. Dazu zählen Füchse, Hasen, Igel und Marder. Andere Arten wie etwa Reh und Wiesel bevorzugen als Lebensraum die deckungsreicheren Waldgebiete. Ferner ist der italienische Wolf in San Marino anzutreffen.Quelle: Die Vogelfauna ist artenreich ausgeprägt. Falken brüten in Felsnischen oder auf hohen Bäumen, an Singvögeln sind unter anderem Nachtigall, Pirol, Stieglitz, Girlitz und Hänfling vertreten.
Klima In San Marino herrscht feucht-subtropisches Klima (effektive Klimaklassifikation: Cfa), das hier durch die Höhenlage etwas kühler ausgeprägt ist als an der nahegelegenen Küste. Im Sommer liegen die Temperaturen zwischen 20 °C und 32 °C, im Winter zwischen −2 °C und 10 °C. In warmen Sommern steigen die Temperaturen auch auf 35 °C. Im Winter sinkt die Temperatur gelegentlich unter −5 °C. Dann kann es auf dem Monte Titano schneien. Der Niederschlag fällt recht gleichmäßig über das Jahr verteilt, insgesamt etwa 750 Millimeter pro Jahr.
Bevölkerung alt=Hinweistafeln bei Einfahrt nach San Marino. Oben: Geschwindigkeitsbegrenzungen in San Marino innerorts (50Km/h) und außerorts (70Km/h). Unten: Hinweis auf die Altstadt und den Monte Titano als Weltkulturerbe.|mini|367x367px|Hinweistafeln bei Einfahrt nach San Marino. Oben: Geschwindigkeitsbegrenzungen innerorts (50 km/h) und außerorts (70 km/h). Unten: Hinweis auf die Altstadt und den Monte Titano als Weltkulturerbe. mini|Blick von San Marino auf die Ausläufer des Apennin
Demografie Heute leben in San Marino 83,1 % san-marinesische und 12 % italienische Staatsbürger.
San Marino hat Einwohner (Stand: ). Davon leben in der Hauptstadt San Marino . Die größte Siedlung ist Serravalle mit Einwohnern. In Borgo Maggiore leben , in Domagnano , in Fiorentino , in Acquaviva , in Faetano , in Chiesanuova und in Montegiardino Personen. Der Frauenanteil in San Marino beträgt 50,9 %.
Dazu kommen knapp 12.800 Staatsbürger, die im Ausland leben, insbesondere in Italien, den Vereinigten Staaten, Frankreich und Argentinien (Stand: Dezember 2012).San-marinesisches Statistikamt: San Marino citizens living abroad by nation (12/2012). Abgerufen am 24. Juni 2019 (englisch; PDF; 133 kB).
Die Bevölkerungsdichte beträgt 536 Einwohner/km². Die Geburtenrate lag im Zeitraum 2000 bis 2004 bei 10,6 pro 1000 Einwohner, die Sterberate bei 6,8 pro 1000 Einwohner, sodass die Bevölkerung San Marinos auch heute noch wächst. Die Lebenserwartung bei der Geburt betrug 2016 80,7 Jahre für Männer und 86,1 Jahre für Frauen. Die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt 83,3 Jahre. Laut der Weltgesundheitsorganisation ist San Marino der Staat mit der höchsten Lebenserwartung für Männer. + Bevölkerungsentwicklung in San Marino Jahr 1828 1948 1960 1970 1986 1992 2006 2014 2018 2021 Einwohner 7.000 12.000 15.556 18.169 22.390 23.808 29.959 33.389 34.156 33.745 Quelle fehlt Quelle
Sprachen Die Landessprache ist Italienisch. Aufgrund der starken touristischen Ausrichtung des Staates spricht fast jeder Einwohner eine Fremdsprache fließend, zumeist Englisch, Deutsch oder Französisch. Vornehmlich unter älteren Generationen ist der Dialekt Romagnol verbreitet, der teilweise von dem der angrenzenden italienischen Region Marken beeinflusst ist.
Religionen mini|Basilika San Marino Das römisch-katholische Christentum ist die vorherrschende Religion in San Marino, aber nicht Staatsreligion. Das Staatsgebiet gehört zum Territorium des katholischen Bistums San Marino-Montefeltro, das ein Suffraganbistum des Erzbistums Ravenna-Cervia ist.
Obwohl die Regierung von San Marino keine Statistiken zur Größe der Religionsgemeinschaften erhebt, gibt sie weiterhin an, dass die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung römisch-katholisch ist. Zu den weiteren vertretenen Religionsgemeinschaften zählen Jehovas Zeugen, die Bahai-Religion, der Islam, das Judentum, die orthodoxe Kirche und die Waldenser. Laut einem Bericht des römisch-katholischen Hilfswerks „Kirche in Not“ aus dem Jahr 2021 zur Religionsfreiheit im Staat verteilen sich die Anteile der Bevölkerung wie folgt: 91,5 Prozent Christen, 5,6 Prozent Agnostiker, 1,9 Prozent Atheisten und 1 Prozent Angehörige anderer Religionen.
Bildung In San Marino gibt es eine zehnjährige Schulpflicht für bis zu 16 Jahren die sich in fünf Jahre Primarschule (Scuola Elementare), drei Jahre untere Sekundarschule (Scuola Media) und zwei Jahre obere Sekundarschule (Scuola Secundaria Superiore) unterteilt. Zur Erlangung der Hochschulreife muss die Schule drei weitere Jahre besucht werden. Alternativ existiert die Möglichkeit, eine zweijährige Berufsausbildung zu absolvieren.
San Marino besitzt seit 1985 eine kleine Universität, die Università degli Studi della Repubblica di San Marino. Das dazugehörige Internationale Zentrum für semiotische und kognitive Studien wurde 1989 vom berühmten italienischen Autor Umberto Eco gegründet, der bis 1995 an der Universität lehrte. Bereits vor Gründung der Universität gab es die privat initiierte, von der Regierung unterstützte Accademia Internazionale delle Scienze (Internationale Akademie der Wissenschaften San Marino), die jedoch ihre Aktivitäten später mehr ins Ausland verlegte.
Geschichte Die Geschichte San Marinos geht bis auf das 4. Jahrhundert zurück; aus den Anfängen sind hauptsächlich Mythen und Sagen überliefert.
Anfänge mini|Marinus bei seiner Arbeit als Steinhauer
Um das Jahr 300 soll gemäß der späteren Tradition Marinus, ein dalmatischer Steinhauer von der Insel Rab, als Bauarbeiter in das damals aufstrebende Rimini gekommen sein. Noch bevor im Jahr 303 unter Kaiser Diokletian die letzte Christenverfolgung im Römischen Reich begann, zog sich der Christ Marinus angeblich auf den nahegelegenen Berg Titano zurück. Nach dem Beginn der Christenverfolgungen gesellten sich, wie es heißt, weitere Verfolgte zu ihm, und so bildete sich eine erste christliche Gemeinschaft auf dem Berg. Als offizielles Gründungsdatum gilt heute der 3. September 301. Als sich die Lage im Jahr 311 mit dem Toleranzedikt von Nikomedia beruhigte, wurde Marinus gemäß der Legende von Gaudentius, dem Bischof von Rimini, zum Diakon ernannt und bekam von einer zum Christentum konvertierten römischen Patrizierin, der die Tradition den anachronistischen Namen Donna Felicissima gibt, den Berg Titano geschenkt. Nach dem Tod ihres Namenspatrons im Herbst 366 soll sich die Republik San Marino unter Berufung auf dessen legendäre letzte Worte gegründet haben: .D.h. von Kaiser und Papst als den Souveränen des Reichs und des Kirchenstaats.
mini|Blick von unten auf die Guaita-Festung mit der Stadtmauer mini|Eine der drei Burgen des Monte Titano
Unter Historikern gilt diese Geschichte als spätere Erfindung. Der erste Beleg für die Existenz einer christlichen Gemeinschaft auf dem Berg Titano stammt von Eugippius, der in seiner um das Jahr 511 vollendeten Vita Sancti Severini auch von einem Mönch auf eben jenem Berg berichtet. Spätere Dokumente wie das Feretranische Urteil aus dem Jahr 885 zeugen von einem organisierten und stolzen öffentlichen Leben. Laut dem Urteil konnten Nachbarbischöfe keine Ansprüche auf san-marinesisches Land durchsetzen.
In den ersten Jahrhunderten war die Unbekanntheit der kleinen Gemeinschaft der beste Schutz gegen ihre Feinde. Trotzdem wurde im 10. Jahrhundert mit dem Bau von Befestigungsanlagen begonnen. Bestätigungen dafür finden sich in einer Urkunde König Berengars II. aus dem Jahr 951 und einer Bulle Papst Honorius’ II. von 1126. 1371 schrieb Kardinal Anglico, dass die Stadt „auf einem sehr hohen Felsblock liegt, auf dessen Gipfel drei riesige Burgen (Torri) emporragen“. Im Laufe der Zeit wurden diese drei Burgen weiter ausgebaut und die Wasserversorgung autarkisiert, indem riesige Zisternen zum Speichern von Regenwasser in den Stein geschlagen wurden. Unterhalb des Regierungspalastes findet man noch heute Zisternen, die zwischen 1472 und 1478 geschaffen wurden.
Aufstieg der Republik Um 1200 wurde aufgrund der stetig wachsenden Bevölkerung eine Gebietsvergrößerung nötig. Zwei nahe dem Berg gelegene Castelli mitsamt Ländereien wurden daher gekauft. San Marino war bereits zu jener Zeit eine Stadtrepublik mit eigenen Gesetzbüchern. Das älteste handgeschriebene Gesetzbuch stammt von 1295. In den folgenden 300 Jahren wurden die juristischen Regelwerke immer weiter präzisiert; das sechste und letzte Gesetzbuch, das am 21. September 1600 veröffentlicht wurde, zeugt mit seinen sechs Büchern und 314 Rubriken von detaillierter legislativer Tätigkeit. Die Gesetze wurden durch einen Rat der Familienoberhäupter, den Arengo, in Auftragnahme des Volkes erlassen. So stand auf Mord und Verrat die Todesstrafe. Zum Schutz der Republik gab es schon zu jener Zeit ein gut ausgebildetes Heer. Jeder Mann im Alter zwischen 14 und 60 Jahren konnte zum Kriegsdienst herangezogen werden. 1243 wurden erstmals und in Anlehnung an das altrömische Konsularprinzip zwei „Capitani Reggenti“ für jeweils sechs Monate als gemeinsame Staatsoberhäupter gewählt. Dies ist so bis heute beibehalten worden.
Kampf um Unabhängigkeit