Hans Escher (16. Februar 1918 in Wien – 23. Dezember 1993 ebenda) war ein österreichischer Maler, Grafiker und Illustrator. Er zählte zu den Wiener Realisten, einer Gegenbewegung zu den dominierenden Kunstrichtungen der Nachkriegszeit.
Herkunft und Familie Escher war der Sohn des Kaufmanns David Julius Escher (1888–1965) und dessen Frau Ella (geb. 1892). Seine Mutter stammte aus einer jüdischen Familie und emigrierte von 1938 bis 1945 ins Vereinigte Königreich.Escher, Hans. In: Werner Röder; Herbert A. Strauss (Hrsg.): International Biographical Dictionary of Central European Emigrés 1933–1945. Band 2,1. Saur, München 1983, S. 271.
Hans Escher heiratete 1940 die Uhrmachermeisterin Liese Podest, der gemeinsame Sohn Hans wurde 1956 geboren.
Leben und Werk Hans Escher erhielt bereits in seiner Jugend künstlerische Anregungen durch die Bildhauerin Elisabeth Turolt, eine Schwägerin seiner Mutter, und übte sich in figürlichen Modellen in Ton, in Aquarellen und Kreidezeichnungen. Er war Mitglied im Verband Sozialistischer Mittelschüler, im Kommunistischen Jugendverband sowie im Antifaschistischen Mittelschülerbund Österreichs (AMBÖ). Kurz vor der Matura wurde er während des Austrofaschismus im Jahr 1936 für zwei Monate verhaftet und vom Schulbesuch ausgeschlossen. Danach floh er nach Frankreich und studierte von 1937 bis 1939 Malerei an der Pariser École des Beaux-Arts bei Charles Guérin.
Nach dem Anschluss Österreichs im Jahr 1938 konnte er als Halbjude nicht nach Wien zurückkehren. Nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs war er in Frankreich von September 1939 bis April 1940 in Meslay-du-Maine interniert. Danach wurde er einer Arbeitseinheit der Französischen Armee zugeteilt und diente in Marokko und Algerien, wo er erneut interniert wurde. Nach der Landung der Alliierten Truppen in Afrika leistete er von 1943 bis 1945 Militärdienst in der britischen Armee in Nordafrika und Italien.Sammlung Belvedere: Hans Escher, abgerufen am 17. April 2025 Er dokumentierte seine Jahre im Krieg und zeichnete Stadtansichten, Landschaften und Genreszenen aus Kaffeehäusern oder Militärkantinen.
1946 kehrte Escher nach Wien zurück. Er wurde in Entnazifizierungsverfahren gegen Künstlerkollegen eingesetzt. In dieser Zeit schuf er Aquarelle und Gouachen mit Stadtveduten und Porträts. Auch arbeitete er als Gerichtssaalzeichner für Zeitungen. In Folge dieser Tätigkeit entstand die Serie Wachsfigurenkabinett (1949/50). Von 1955 bis 1959 studierte er Druckgrafik an der Akademie für angewandte Kunst in der Grafik-Klasse von Franz Herberth.
Escher sah sich als politischer Künstler; er setzte sich mit sozialen Problemen seiner Zeit auseinander. Er illustrierte die Romane „Beppo und Pule“ und „Abenteuer eines Sommers“ von Alexander von Sacher-Masoch (beide 1948), Ivan Olbrachts „Es war einmal ... 7 lustige Geschichten“ (1949) und die Aufzeichnungen des österreichischen Freiheitskämpfers Franz Sachs, „Ich glaube, ich hätte noch viel leisten können“ (um 1972). Es gestaltete 1969 einen Zyklus von Zeichnungen und Radierungen zu Jean Maitrons „Das Leben Ravachols“, mit einem Essay von Johann Muschik. Dieser Zyklus wurde von den Studentenunruhen in Paris 1968 inspiriert. „Seine Themen reichen von der Darstellung des einzelnen Menschen in seiner Isoliertheit über die Zeitsatire bis zu realistischen Bildern des großstädtischen Lebens. Später beschäftigte er sich verstärkt mit der Stillebenmalerei, die er oft mit komplexen gedanklichen Inhalten verband.“ Er schuf auch weitere Zyklen (z. B. Sacco di Roma, Zehn Bilder zum Buch Hiob) und veröffentlichte Buchrezensionen und kritische Kommentare zum Kulturgeschehen in Tages- und Wochenzeitungen.
Hans Escher starb am 23. Dezember 1993 in Wien durch Suizid. Seine Grabstätte befindet sich auf dem Baumgartner Friedhof (Gruppe 50, Reihe 10, Nr. 23).
Ausstellungen (Auswahl) Einzelausstellungen 1965: Neuer Hagenbund 1971: Vereinigung bildender Künstlerinnen 1974: 50 Radierungen 1961–1973, Galerie in der Blutgasse 1978: Galerie Zentrum 1983: Soldatenlieder, Künstlerhaus 1998: Zum 80. Geburtstag in memoriam, Kleine Galerie
Gruppenausstellungen 1979: Arbeitswelt und Kunst, Zentralsparkasse und Kommerzbank Wien 1983: Künstler spenden für das Museum Moderner Kunst in Lissabon, Österreichisches Kulturzentrum 1985: Vorkriegskinder Nachkriegskünstler, Bawag Fondation 1987: Österreichische Grafik II, Nach 1970, Vereinigung bildender Künstlerinnen 2001: Vom Blühen und Reifen, Erotisches aus Kunst und Natur, Museum auf Abruf 2003: Überwasser, Alte Schieberkammer, Museum auf Abruf 2007: exitus. tod alltäglich, Künstlerhaus 2009: Badeszenen. Ritual, Entrüstung und Verführung, Residenzgalerie Salzburg 2011: Die sechziger Jahre, Eine phantastische Moderne, MUSA 2011: The Excitement Continues. Zeitgenössische Kunst aus der Sammlung Leopold II, Leopold Museum 2025: Wirklichkeit als Haltung. Wiener Realismus nach 1950, MUSA, Wien Museum
Illustrationen für Bücher Jean Maitron: Das Leben Ravachols. Mit einem Essay von Johann Muschik. Verlag Jugend und Volk, Wien [u. a.] 1969. Ivan Olbracht: Es war einmal... 7 lustige Geschichten. Globus Verlag, Wien 1949. Alexander von Sacher-Masoch: Beppo und Pule. W. Verkauf, Wien 1948. Alexander von Sacher-Masoch: Abenteuer eines Sommers. W. Verkauf, Wien 1948. Franz Sachs: "Ich glaube, ich hätte noch viel leisten können." Aufzeichnungen eines österreichischen Freiheitskämpfers. Verlag DÖW, Wien [ca. 1972].
Mitgliedschaften 1955–1965: Neuer Hagenbund ab 1965: Wiener Secession IG Bildende Kunst
Preise, Auszeichnungen 1956: Österreichischer Graphikwettbewerb in Innsbruck 1958: Österreichischer Graphikwettbewerb in Innsbruck 1965: Theodor-Körner-Preis 1975: Preis der Stadt Wien 1975: Verleihung des Berufstitels Professor
Literatur Brigitte Borchhardt-Birbaumer, Claus Jesina: Hans Escher – engagierte Kunst. Ed. Jesina, Wien 2008,
Escher, Hans, In: Werner Röder; Herbert A. Strauss (Hrsg.): International Biographical Dictionary of Central European Emigrés 1933–1945. Band 2,1. Saur, München 1983, S. 271. Angelica Bäumer: Sieben Künstler malen Zeitgeschichte. [Illustr. Katalog der] Ausstellung Mauthausen vom 14.6.−15.11.1985, Alfons Walde, Arik Brauer, Georg Eisler, Hans Escher, Friedl Dicker, Alfred Hrdlicka, Heinrich Dussmann. Verlag Roser, Salzburg 1985. Hans Bisanz: Hans Escher. Lebensbilder der Stadt, 63. Sonderausstellung des Historischen Museums der Stadt Wien, Karlsplatz, 21. Februar bis 30. März 1980. Verlag der Museen der Stadt Wien, Wien 1980.
Weblinks
Hans Escher bei Basis wien Hans Escher auf der Website der Galerie3034
Einzelnachweise
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