mini|Waagrecht auf einem Gestell ruhende Fasstrommel in einem chinesischen Tempel Gu (, „Trommel“) ist der Oberbegriff für chinesische Trommeln unabhängig von ihren Formen, die durch ein Präfix näher bezeichnet werden: Archäologische Funde von Bechertrommeln aus Ton, die vor dem 18. Jahrhundert v. Chr. datiert werden, stehen außerhalb der später für die chinesische Musik charakteristischen Trommeltypen. Keine Membranophone, sondern Aufschlagidiophone sind seit der zweiten Hälfte des 1. Jahrtausends v. Chr. auf Piktogrammen erkennbare Kesselgongs, die historisch als zugu („Fußtrommel“) und heute als tonggu (, „Bronzetrommel“) bekannt sind.

Fasstrommeln mit aufgenagelten Membranen:

Die jiangu () ist eine große hölzerne Fasstrommel auf einem Pfosten, deren Form seit der Mitte des 2. Jahrtausends v. Chr. aus der Shang-Dynastie überliefert ist. Die yinggu (, „Pfeilertrommel“) ist eine wie die jiangu auf einem Pfosten aufgespießte Fasstrommel für konfuzianische Rituale. Die jingu () ist die größte chinesische Fasstrommel. Die Zeremonialtrommel lagert senkrecht (mit dem Schlagfell waagrecht) in einem Gestell mit vier Füßen. Die dagu () ist eine große, ebenfalls senkrecht aufgestellte Fasstrommel, die in mehreren Orchesterformationen und in den dagu shu, den „Trommelliedern“, die zu den musikalischen Erzähltraditionen (quyi) gehören, gespielt wird. Die tanggu (), auch tonggu, ist eine mittelgroße, in einem Gestell hängende Fasstrommel, die in der Peking-Oper und einigen Perkussionsensembles verwendet wird. Die an einem Gürtel befestigte yaogu (, „Hüfttrommel“) ist eine zweifellige Fasstrommel, die zur Begleitung von Tanzliedern verwendet wird. Die kleinere huagu (, „Blumentrommel“) entspricht in Form und Verwendung der yaogu. Die shigu (, „Löwentrommel“) ist eine einfellige, senkrecht aufgestellte große Fasstrommel, die bei feierlichen Anlässen auf der Bühne den Löwentanz begleitet. Das paigu () genannte Set aus meistens fünf gestimmten Fasstrommeln ist eine Neuentwicklung des 20. Jahrhunderts.

Rahmentrommeln mit aufgenagelten Membranen:

Die biangu (, mit bian, „flach“) ist eine zweifellige Rahmentrommel, die im alten klassischen Stil nanguan gespielt wird. Die ähnlich große einfellige Rahmentrommel bangu (, „Schlag-Trommel“), auch danpigu (, „einfellige Trommel“) leitet in der Peking-Oper (als guban zusammen mit der Klapper paiban) und anderen nordchinesischen Opernstilen die Perkussionsinstrumente. Die diangu () ist eine in Zentralchina seit dem 16. Jahrhundert in der Kunqu-Oper und im kammermusikalischen Instrumentalstil Jiangnan sizhu gespielte kleine Rahmentrommel. Die shugu (, „Buchtrommel“) ist eine waagrecht auf einem Gestell montierte zweifellige Rahmentrommel, die in Nordchina erzählende Gesangsstile begleitet. Die bajiaogu (, „oktogonale Trommel“) ist eine achteckige einfellige Rahmentrommel mit einer Schlangenhautmembran bei den Bai in der südchinesischen Provinz Yunnan und bei den Mandschu im Nordosten Chinas.

Röhrentrommeln mit Schnurspannung:

Die jiegu () ist eine historische Sanduhrtrommel zentralasiatischer Herkunft mit Schnurspannung, die während der Tang-Dynastie (617–907) beliebt war und der heutigen koreanischen janggu (changgo) entspricht. Die xiyaogu, früher zhanguu (, „Stocktrommel“) ist eine große Sanduhrtrommel aus derselben Zeit ähnlich der jiegu, die mit einem Stock auf die eine und einer Hand auf die andere Membran geschlagen wurde. Eine in der frühen Tang-Dynastie eingeführte und heute verschwundene Fasstrommel mit Schnurspannung war die dalagu ().

Die meisten chinesischen Trommeln sind zweifellige hölzerne Fasstrommeln vom Typ der jiangu. Sie besitzen am Rand aufgenagelte Membranen und werden mit zwei Schlägeln auf eine Membran oder auf beide Membranen geschlagen. Sanduhrtrommeln und andere Röhrentrommeln mit Schnurspannung verweisen auf einen indisch-zentralasiatischen Einfluss ab Anfang des 1. Jahrtausends. mini|Aquarell einer die größte Fasstrommel jingu spielenden Musikerin, Ende 18. Jahrhundert

Herkunft Mehr als andere Musikinstrumente sind Trommeln seit frühesten Zeiten, also seit ihrem hypothetischen Ursprung als Erdtrommel mit dem erstmaligen rhythmischen Schlagen auf Tierhäute, in magische und religiöse Vorstellungen eingebunden. Sie wurden und werden als Königstrommeln (große Kesseltrommeln als Zeremonialtrommeln und Insignien des Herrschers in Afrika) verehrt, werden rituell zur Beschwörung von Geistern geschlagen (wie die Rahmentrommel parai in Südindien) und militärisch verwendet (persisches Kesseltrommelpaar naqqara), manche dürfen nur von einem bestimmten Personenkreis (nicht von Frauen) gesehen werden und für einige gelten bei der Auswahl des Materials und beim Bau strikte Gebote.Curt Sachs: Geist und Werden der Musikinstrumente. Reimer, Berlin 1928 (Nachdruck: Frits A. M. Knuf, Hilversum 1965), S. 53–57

Curt Sachs (1940) stellt einfellige, aus einem Baumstamm ausgehöhlte und aufrecht stehende Zylindertrommeln an den entwicklungsgeschichtlichen Beginn der verschiedenen Trommeltypen. Für den nächsten hypothetischen Schritt, diese Standtrommeln transportabel und beim Spielen tragbar zu machen, ist ein seitlicher Handgriff wie bei der kundu in Neuguinea eine geeignete Neuerung. Eine andere Entwicklung ist die unter einen Arm zu klemmende hölzerne Bechertrommel, deren Schalenform jedoch einfacher aus Ton herstellbar ist und die so zugleich als Kochgeschirr verwendet werden kann.Curt Sachs: The History of Musical Instruments. W.W. Norton & Co., New York 1940, S. 31f Den möglicherweise ältesten Hinweis auf die Existenz von Trommeln (Membranophonen) liefert eine Wandmalerei der in der Türkei ausgegrabenen Siedlung Çatalhöyük, die um 7500 v. Chr. datiert und als Jagd- oder Tanzszene interpretiert wird. Je nachdem halten die Figuren Jagd- oder Mundbögen in den Händen. Eine Figur könnte eine Doppelkonustrommel schlagen. In der Jungsteinzeit wurden allgemein außer Trommeln auch Glöckchen, Gefäßrasseln und Gefäßflöten aus Ton gefertigt.Arnd Adje Both, Michael Praxmarer: Musik in der Steinzeit: Zu den möglichen Ursprüngen der Musik und ihrer Bedeutung in der menschlichen Entwicklungsgeschichte. In: Susanne Fontaine, David Hagen, Christoph Müller-Oberhäuser (Hrsg.): Interdisziplinarität in der Disziplin – 1, 2025, S. 119–153, hier S. 125–127

Jungsteinzeit In China scheint es bereits um 7000 v. Chr. eine Art von Musik oder zumindest mehrtönige Signale (als Tierlockrufe) gegeben zu haben, denn ab dieser Zeit werden die ältesten Knochenflöten datiert, die bis zu sieben Grifflöcher besaßen. Gefäßflöten aus Ton sind in China ab etwa 4600 v. Chr. bekannt und die ältesten Tontrommeln waren ungefähr zwischen 4000 und 2000 v. Chr. verbreitet. Die Fundorte der ältesten Trommeln liegen im Gebiet der neolithischen Dawenkou-Kultur (4300–3500 v. Chr.) in der ostchinesischen Provinz Shandong. Im Gebiet der westlich gelegenen Provinzen Henan, Shanxi und Shaanxi wurden Tontrommeln aus der Zeit 3000–2000 v. Chr. ausgegraben, die aus der Longshan-Kultur stammen. Zur selben Zeit blühte in den noch weiter westlich gelegenen Provinzen Gansu und Qinghai die Majiayao-Kultur, die ebenfalls Trommeln aus Ton hervorbrachte. Wie die übrigen Tongefäße lassen sich auch die Trommeln anhand bestimmter Merkmale den jeweiligen Kulturen zuordnen. Die frühesten Trommeln stammen aus Kulturen, die noch ausschließlich in Dörfern lebten, aber bereits eine gewisse soziale Gliederung und arbeitstechnische Spezialisierung eingeführt hatten. Diese Entwicklung fand vor der ersten chinesischen Dynastie, der Xia-Dynastie (um 2000 v. Chr. – um 1600 v. Chr.), statt.Bo Lawergren, 2006, S. 109f

Als Kriterien zur Unterscheidung von Kesseltrommeln und ähnlich geformten Tonbehältern werden möglicherweise als Schalllöcher dienende Löcher am Boden des Gefäßes und Haken am Rand, an denen vielleicht die Membran befestigt war, geprüft. Bei den Trommelfunden aus der Dawenkou-Kultur besitzen die für Trommeln gehaltenen Tonschalen Durchmesser zwischen 17 und 36 Zentimetern, 15 bis 20 am Rand umlaufende Haken sowie mehrere kleine Löcher. In der Ausgrabungsstätte Wangyin am Unterlauf des Gelben Flusses in der Provinz Shandong gehörten Tontrommeln zu den Grabbeigaben von Einzelbestattungen.Bo Lawergren, 2006, S. 111f

Die jüngeren Trommeln der Longshan-Kultur waren über ein weiteres Gebiet in Zentralchina verstreut und haben praktisch alle Haken, an denen sie als Trommeln identifiziert wurden. Besonders zahlreich waren die Trommelfunde im Anfang der 1980er Jahre freigelegten Friedhof von Taosi. In neun Gräbern befanden sich Musikinstrumente: neben großen Trommeln aus Ton und Holz auch Glöckchen aus Ton und Kupfer sowie Klangsteine (qing). Die in einem Grab freigelegte Holztrommel wurde aus einem 100 Zentimeter langen Baumstamm ausgehöhlt. Ihr Durchmesser beträgt 43 Zentimeter am oberen Ende und 57 Zentimeter am unteren Ende. Das Holz war rot und mit Flecken von anderen Farben bemalt.

Das Provinzmuseum Gansu in der Hauptstadt Lanzhou beherbergt eine große Sammlung von Trommeln aus dieser westlichen Provinz. Typischerweise sind dies Bechertrommeln aus Ton mit einem Membrandurchmesser von etwa 20 Zentimetern, mehreren (sieben oder acht) Haken am Rand, um das Trommelfell einzuspannen und jeweils eine Lasche oben und unten an einer Seite. An den Laschen ließ sich vermutlich ein Band befestigen, um die Trommel beim Spielen um den Hals zu hängen, oder sie wurde dazu unter einen Arm geklemmt. Die meisten Bechertrommeln bestehen aus einem trichterförmigen Oberteil und einer zylindrischen Verlängerung, die mit einem wulstartig verbreiterten Fuß abschließt. Die Trommeln sind ungefähr 30 bis 45 Zentimeter lang. Heute kommen Bechertrommeln nur noch in Südchina in Gestalt der langen hölzernen „Elefantenfußtrommel“ (xiangjiao gu, ) bei den Dai in der Provinz Yunnan vor. Aus China stammende verwandte Bechertrommeln sind außerdem in einigen Nachbarländern in Gebrauch.Vgl. Ailin Cui, Khomkrich Karin: Comparative Study of Drum Musical Instruments in Thailand and China through Education and Literacy. In: International Journal of Education & Literacy Studies, Band 12, Nr. 4, 2024, S. 107–115 Zu diesen gehören die langen Bechertrommeln aus Holz ozi in Myanmar und klong yao in Thailand.Bo Lawergren, 2006, S. 112, 123f

Frühe Dynastien Um Natur und Geister zu beeinflussen, kommt der Musik seit frühester Zeit eine magische Bedeutung zu, die in der chinesischen Mythologie mit den Urkaisern verbunden wird. Gemäß dem Mitte des 3. Jahrhunderts v. Chr. entstandenen Lüshi chunqiu entstand die Musik zur Zeit der mythischen Urkaiser aus einer kosmischen Kraft, personifiziert als Schöpfergott Donghuang Taiyi, der auch die Welt erschuf. Musik und Tanz hatten vor allem bei Regenmacherzeremonien eine bedeutende Funktion, ebenso bei Ritualen, die vor zu viel Regen und vor Überschwemmungen bewahren sollten. In der westlichen Zhou-Dynastie (ab dem 11. Jahrhundert v. Chr.) wurde Musik besonders bei Ritualen für Geister und für die Ahnen der Kaiser gebraucht. Die Gesänge und Tänze, über die nichts weiter bekannt ist, wurden vermutlich mit seit der Jungsteinzeit bekannten Blas- und Schlaginstrumenten begleitet.Martin Gimm: China. I. Vor- und Frühgeschichte (bis 21. Jahrhundert v.Chr.). 2. Anfänge und frühe Stücke der Musik. In: MGG Online, 9. Juli 2018