mini|Der Lindenhofbrunnen mit Brunnenhäuschen (2009) Der Lindenhofbrunnen (im Volksmund auch Hedwigbrunnen) ist ein Figurenbrunnen auf dem Lindenhof in der Altstadt von Zürich. Der erste Vorgängerbau wurde zwischen 1666 und 1668 von Hans Georg Werdmüller errichtet. Die 1910 aufgestellte Bronzefigur zeigt die Sagenfigur Hedwig ab Burghalden und ist ein Werk von Gustav Siber. Sie ist das erste moderne Frauendenkmal in der Stadt Zürich.
Geschichte Um das höhergelegene Lindenhofquartier gut zugänglich mit Trinkwasser zu versorgen, erbaute Hans Georg Werdmüller zwischen 1666 und 1668 ein aufwendiges Wasserpumpwerk: Ein an der Limmat stehendes Wasserrad pumpte Grundwasser in das Brunnenhäuschen (Wasserreservoir) am Rand des Lindenhofs, von dem aus der ebenfalls neu errichtete, von einer Löwenskulptur bekrönte Brunnen gespeist wurde.Lindenhof – steingewordene Vergangenheit. In: Neue Zürcher Zeitung. Nr. 154, 7. Juli 1982, S. 43 (online). 1731 und 1745 wurde der Brunnentrog jeweils ersetzt. 1754 entstand eine neue Sandsteinsäule, und der Löwe wurde entfernt. Die heutige Schale entstand um 1850.Konrad Escher: Der Brunnen auf dem Lindenhof. 1939, S. 82. 1868 brach das schon immer fehleranfällige Pumpwerk endgültig zusammen und wurde abgerissen. Das Brunnenhäuschen liess man stehen und funktionierte es zu einem Taubenschlag um.
Die heutige Brunnenfigur wurde von den Wasserwerken Zürich bei Gustav Siber in Auftrag gegeben. Ursprünglich war eine Germania-Figur in Stein geplant, Siber änderte jedoch sowohl Motiv als auch Material. Der bereits bestellte Sandsteinblock wurde schliesslich an Arnold Hünerwadel weitergegeben.Elizabeth Siber: Mein Grossvater Gustav Siber, Bildhauer. In: Küsnachter Jahrheft. 2016, S. 6–17, hier 14 f. (PDF). Die Statue wurde am Samstag, 25. Juni 1910, platziert, ohne die Öffentlichkeit darüber zu informieren. Die Neue Zürcher Zeitung berichtete erst fünf Tage später darüber. Die Zürcher Wochen-Chronik behauptete am 9. Juli 1910, das «Denkmal» sei «in aller Stille» aufgestellt worden, «ohne dass ein Blatt davon erfahren» habe. 1912 stellte Gustav Siber eine 60 cm hohe Bronzeversion der Statue im Kunsthaus Zürich aus, die sich heute im Privatbesitz der Familie Siber befindet. Wohl deswegen setzte sich die Fehlinformation durch, die Brunnenfigur sei erst in diesem Jahr entstanden.
Beschreibung mini|Brunnenfigur von Gustav Siber (2011) Das Brunnenbecken ist 93 cm hoch und hat einen achteckigen Grundriss von 429 auf 547 cm. Die Säule ist mit Figur etwa sechs Meter hoch.
Die Bronzestatue zeigt in etwa dreiviertel Lebensgrösse eine jener Zürcherinnen, die gemäss einer mittelalterlichen Sage die Stadt in Abwesenheit der Männer vor einem anrückenden österreichischen Heer gerettet haben sollen, indem sie sich in vollem Harnisch auf dem Lindenhof positionierten, um den Eindruck einer Befestigung zu erwecken. In Sibers historisierender Darstellung ist die Frau mittelalterlich bewaffnet, trägt Brünne und Hirnhaube und führt an der linken Hüfte ein Schwert. Sie umfasst mit beiden Händen eine Standarte mit wehendem Zürcher Wimpel.
Der verbürgte Titel der 1912 ausgestellten Statuette lautete Zürcherin vom Lindenhof. Später dokumentierte Titel der Brunnenfigur sind Lindenhöflerin und Die tapfere Zürcherin von 1292.Lindenhofbrunnen. In: Neue Zürcher Nachrichten. Nr. 293, 16. Dezember 1961, S. 1 (online). Eine Identifizierung mit Hedwig ab Burghalden erfolgte offenbar erst wesentlich später.
Siehe auch Liste der Personendenkmäler in Zürich Liste von Denkmälern für Frauen in der Schweiz
Literatur Konrad Escher: Der Brunnen auf dem Lindenhof. In: Die Stadt Zürich. Erster Teil (= Die Kunstdenkmäler des Kantons Zürich. Band 4). Birkhäuser, Basel 1939, S. 82 (online). Lindenhofbrunnen. In: Neue Zürcher Nachrichten. Nr. 293, 16. Dezember 1961, S. 1 (online). Elizabeth Siber: Mein Grossvater Gustav Siber, Bildhauer. In: Küsnachter Jahrheft. 2016, S. 6–17, hier 14 f. (PDF).
Weblinks
Der Brunnen auf dem Lindenhof auf alt-zueri.ch Brunnenfigur «Die tapferen Zürcherinnen von 1292» im Kunstbestand der Stadt Zürich Brunnenguide Kreis 1 (PDF; 1 MB), Brunnen-Nr. 14
Einzelnachweise
Kategorie:Brunnen in Zürich Kategorie:Denkmal in Zürich Kategorie:Erbaut im 17. Jahrhundert Kategorie:Kulturgut von regionaler Bedeutung im Kanton Zürich