mini|270px|Luftbild von Kirch-Göns im Spätsommer 2005, aus Südwesten Kirch-Göns liegt im hessischen Wetteraukreis und ist der nördlichste Stadtteil der Stadt Butzbach mit etwa 1400 Einwohnern. Der Nachbarort von Kirch-Göns ist Pohl-Göns.

Ortsgeschichte Mittelalter Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Mark Göns in dem berühmten Kopiar Lorscher Codex des Klosters Lorsch am 19. Januar 777: „... in pago Logenehe in Gunniser marca mansum I et hubam unam ...“Karl Glöckner: Codex Laureshamensis = Arbeiten der historischen Kommission für den Volksstaat Hessen. Darmstadt 1929. Band 3: Kopialbuch; Die übrigen fränkischen und die schwäbischen Gaue, Güterlisten, späte Schenkungen und Zinslisten, Gesamtregister, Fotomechan. Nachdruck der Ausgabe von 1936, Darmstadt. Hessische Historische Kommission 1963. = CL III, Nr. 3071 = CL III 3693, S. 188 f. Insgesamt gibt es zehn Privatschenkungen im Gebiet der Gönser Mark zwischen 777 und 817 an das Kloster Lorsch, die aber nicht näher lokalisiert werden. „... In Logenehe in Gunnuser marca ...“ heißt es 779.CL III 3080 = CL III 3698 b Die Reihe der Übertragungen an das Kloster Lorsch endet 817: „... in pago Logenehe in uilla Gunniesen ...“ (Im Lahngau im Dorf Göns)CL III 3070 = CL III 3730 b. Hier wird erstmals die Siedlungsform uilla erwähnt. Folgende Namensform wird im Jahr 789 ebenfalls genannt: „... in pago Logenehe in uilla Gunnissere marca ....“CL III 3075 = CL III 3730 b. Bis ins 12. Jahrhundert sind die Göns-Orte nicht eindeutig zu unterscheiden, da die differenzierenden Beinamen fehlen. Erstmals wird mit Kirch-Göns zwischen 1145 und 1153 eine konkret bestimmbare Siedlung der Göns-Siedlungen erwähnt: „... predia (Anwesen) in Kirchunnesse ...“ Dieser Vorgang ist überliefert in der Kopie einer päpstlichen Urkunde.Arthur Wyss: Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei Hessen. Band 1 - 3. Leipzig 1879 - 1899. Band 3, Nr. 1335, S. 310. Der Ortsname verweist auf die „... zentrale Stellung innerhalb der Kirchenorganisation der Gönser Mark ...“Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 141.

Vermutlich 1015 schenkte Kaiser Heinrich II. dem Kloster Michelsberg zu Bamberg zahlreiche königliche Höfe, so auch einen Teil des Reichsgutes in Gunddissa.MGH, Dipl. Heinrich II, Nr. 366.

Neuzeit 1541 wurde mit dem ersten evangelischen Pfarrer Ebert die Reformation eingeführt.

Kirch-Göns gehörte zu dem Teil des Amtes Hüttenberg, einem nassauisch-hessischen Kondominat, der bei der Teilung von 1703 an die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt fiel. Hier gehörte es zum hessischen Amt Hüttenberg.L. Ewald: Beiträge zur Landeskunde. In: Grossherzogliche Centralstelle für die Landes-Statistik (Hrsg.): Beiträge zur Statistik des Grossherzogthums Hessen. Jonghaus, Darmstadt 1862, S. 54.

1803 fasste die Landgrafschaft ihre nördlich des Mains gelegenen Gebiete in dem Fürstentum Oberhessen (später: Provinz Oberhessen) zusammen, wo nun auch Kirch-Göns lag. 1806 wurde die Landgrafschaft von Napoleon zum Großherzogtum Hessen erhoben. Dieses führte 1821 eine Verwaltungsreform durch, in der das Amt Hüttenberg aufgelöst wurde. Übergeordnete Verwaltung war nun der Landratsbezirk Gießen, zuständiges Gericht das Landgericht Gießen.

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Kirch-Göns:

Kirch-Göns gehörte zum Gebiet des Gemeinen Rechts, das hier ohne die Überlagerung von Partikularrecht galt. Dieses behielt seine Geltung auch während der Zugehörigkeit zum Großherzogtum Hessen im 19. Jahrhundert, bis es zum 1. Januar 1900 von dem einheitlich im ganzen Deutschen Reich geltenden Bürgerlichen Gesetzbuch abgelöst wurde.Arthur B. Schmidt: Die geschichtlichen Grundlagen des bürgerlichen Rechts im Großherzogtum Hessen. Curt von Münchow, Giessen 1893, S. 100, Anm. 6 und S. 9, 11.

Hessische Gebietsreform (1970–1977) Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde die Gemeinde Kirch-Göns, am 1. August 1972 kraft Landesgesetz mit weiteren Gemeinden, in die Stadt Butzbach eingegliedert. Für Kirch-Göns wurde wie für die übrigen Stadtteile ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher eingerichtet.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Kirch-Göns angehört(e):

1017: Heiliges Römisches Reich, Lahngau, Grafschaft des Grafen Gerlach (in pago Logenahi in comitatu Gerlachi comitis) 14. Jahrhundert: Heiliges Römisches Reich, Amt Hüttenberg (Kondominium: Grafschaft Nassau und Landgrafschaft Hessen) ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Amt Hüttenberg (Kondominium: Grafschaft Nassau und Landgrafschaft Hessen-Marburg)Die Zugehörigkeit des Amtes Hüttenberg anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: , und 1604–1648: hessischer Anteil strittig zwischen Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Landgrafschaft Hessen-Kassel (Hessenkrieg) ab 1604: Heiliges Römisches Reich, Amt Hüttenberg (Kondominium: Grafschaft Nassau-Weilburg und Landgrafschaft Hessen-Darmstadt) ab 1703: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberfürstentum Hessen, Amt Hüttenberg ab 1806: Großherzogtum Hessen,Infolge der Rheinbundakte. Fürstentum Oberhessen, Amt Hüttenberg ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Hüttenberg ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk GießenTrennung zwischen Justiz (Landgericht Gießen) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg ab 1837: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Gießen ab 1840: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Friedberg ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Friedberg ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Friedberg ab 1867: Norddeutscher Bund,Der Norddeutsche Bund war der erste deutsche Bundesstaat unter der Führung Preußens. Er war die geschichtliche Vorstufe des Deutschen Reichs. Infolge des Deutschen Krieges wurde die Provinz Oberhessen dort zwangsweise Mitglied. Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Friedberg ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Friedberg ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Friedberg ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis FriedbergIm Zuge der Gebietsreform 1938 wurde die Provinz Oberhessen aufgelöst. ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Friedberg ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Friedberg ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Friedberg ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Wetteraukreis, Stadt Butzbach

Gerichte Seit Ende des 14. Jahrhunderts lag Kirch-Göns im Bezirk des Gerichts Hüttenberg. In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für das Fürstentum Oberhessen (ab 1815 Provinz Oberhessen) wurde das „Hofgericht Gießen“ eingerichtet. Es war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch weiter durch die Ämter, hier das Amt Hüttenberg ausgeübt.

Mit Bildung der Landgerichte im Großherzogtum Hessen war ab 1821 das Landgericht Gießen das Gericht erster Instanz. Die zweite Instanz war weiter das Hofgericht Gießen. In der erstinstanzlichen Rechtsprechung wechselte die Zuständigkeit: 1827: Stadtgericht Gießen; zweite Instanz: Hofgericht Gießen 1840: Landgericht Butzbach; zweite Instanz: Hofgericht Gießen 1879: Amtsgericht Butzbach; zweite Instanz: Landgericht Gießen 2005: Amtsgericht Friedberg; zweite Instanz: Landgericht Gießen

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Kirch-Göns 1386 Einwohner. Darunter waren 36 (2,6 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 252 Einwohner unter 18 Jahren, 525 zwischen 18 und 49, 270 zwischen 50 und 64 und 336 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 531 Haushalten. Davon waren 153 Singlehaushalte, 165 Paare ohne Kinder und 173 Paare mit Kindern, sowie 30 Alleinerziehende und 9 Wohngemeinschaften. In 120 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 339 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Einwohnerentwicklung • 1806: 419 Einwohner, 84 Häuser • 1829: 482 Einwohner, 86 Häuser • 1867: 639 Einwohner, 106 bewohnte Gebäude • 1875: 616 Einwohner, 112 bewohnte Gebäude

Historische Religionszugehörigkeit • 1829: 466 evangelische (= 96,68 %), 16 jüdische (= 3,32 %) Einwohner • 1961: 991 evangelische (= 77,12 %), 273 katholische (= 21,25 %) Einwohner

Eine jüdische Gemeinde konnte sich nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr entwickeln. In Kirch-Göns erinnern noch der jüdische Friedhof sowie an der Hauptstraße 36 vier Stolpersteine an die ehemals jüdische Bevölkerung.

Politik mini|Feier 875 Jahre Ortsteil Kirch-Göns am 22. März 2025, Begrüßung durch den Butzbacher Ehrenbürgermeister Michael Merle, i. R. mini|Kirch Gönser Gospelchor “Let it shine” an der 875 Jahrfeier. Im Hintergrund das offizielle Wappen des Ortsteils Kirch-Göns. Bei der Kommunalwahl am 15. März 2026 entfielen auf die CDU 1.636 Stimmen (50,42%), auf die SPD 1.609 Stimmen (49,58%). Durch die 27 Stimmen mehr, verteilen sich 3 der 5 Sitze im Ortsbeirat Kirch-Göns auf die CDU und 2 Sitze auf die SPD.

Mit 706 Stimmen konnte William Thum (SPD) mit großem Vorsprung vor Stefan Euler (CDU, 521 Stimmen) die meisten Voten auf sich vereinen.

Nach seiner Wahl in den Magistrat der Stadt Butzbach, legte Stefan Euler sein Mandat im Ortsbeirat am 29. Mai 2026 nieder. Für ihn rückte Dr. Sven Weber (CDU) in das Gremium nach.

Damit ergibt sich für den Ortsbeirat Kirch-Göns folgende Zusammensetzung:

Stefan Schepp   CDU   Ortsvorsteher

Nils Henkel   CDU   stellv. Ortsvorsteher / Schriftführer

Dr. Sven Weber  CDU  Mitglied

William Thum   SPD   Mitglied

Monika Sperzel   SPD   Mitgliedmini|Jubiläumsfeier am 31. August 2025 im Festzelt neben der Mehrzweckhalle

Wappen Das Wappen wurde am 8. September 1969 durch das Hessische Innenministerium genehmigt.

Blasonierung: „In Rot über zwei gekreuzten goldenen Schwertern ein silberner Kirchturm mit goldener Tür und romanischem Doppelfenster, bekrönt von einem rechtsgewendeten Hahn über einem rhombisch gefassten Turmkreuz.“

Kulturdenkmäler

Wirtschaft und Infrastruktur Bekannt war der Ortsteil vor allem unter den in Deutschland stationierten US-amerikanischen Soldaten, da sich hier die große Ayers-Kaserne mit bis zu 6500 Soldaten befand, die 1997 geschlossen wurde. Im Jahre 2003 wurde das 104 Hektar große Gelände von einer international tätigen Spedition aus dem benachbarten Niederkleen übernommen. Das Gelände erhielt den Namen Magna Park und entwickelte sich zu einem Logistikpark mit Niederlassungen von u. a. UPS, Bosch und Lidl.

Verkehr:

In Kirch-Göns (Bahnhofsbezeichnung: Kirch Göns) halten Regionalbahnen der Main-Weser-Bahn (Frankfurt–Gießen–Kassel). Die Bundesstraße 3 führt als Ortsumgehung am Ort vorbei und geht beim vier Kilometer entfernten Lang-Göns nahtlos in die beginnende Bundesautobahn 485 über.

Infrastruktur: Kirch-Göns hat in den letzten Jahren wichtige Infrastruktur verloren (keine Metzgerei, keine Bäckerei), hingegen seit Mai 2021 ein neues Feuerwehrhaus erhalten. Zudem ist eine gut ausgestattete Mehrzweckhalle vorhanden, die neben Sportveranstaltungen auch für Konzerte benutzt wurde.

In Kirch-Göns gibt es die Gönser Grundschule sowie einen Kindergarten.

Literatur