mini|Ford Sierra RS Cosworth von 1986 mini|Armin Hahnes Sierra RS500 aus der DTM Der Cosworth YB ist ein von Cosworth für Ford entwickelter 2-Liter-Ottomotor mit Turboaufladung für Serienfahrzeuge und für den Motorsport.

Der Motor wurde von 1986 bis 1996 im Sierra RS Cosworth, im Sierra RS500 und im Escort RS Cosworth verwendet.

Entstehungsgeschichte In den frühen 1980er Jahren stellten Keith Duckworth und Jack Field Überlegungen zu ihrem Geschäft mit Kleinserienherstellern und im Bereich der Motorumbauten an.Graham Robson: Cosworth – The Search for Power; Kapitel 11, S. 233 ff. Der BD war veraltet, Motorblöcke von Ford standen für diesen Motortyp auf Dauer nicht zur Verfügung und die Herstellung des Zylinderkopfes war teuer. Deshalb sollte für den weit verbreiteten Motorblock des Ford OHC (auch als „Pinto“ bekannt) ein freisaugender Zylinderkopf mit 16 Ventilen und zwei obenliegenden Nockenwellen entwickelt werden. Zielgruppe waren Privatleute und einige der ausgewählten Ford-RS-Händler mit einer Produktion von etwa 200 Einheiten im Jahr. Eine ähnliche Idee mit einem Zylinderkopf für den OHC-Motor hatten in den 1970er Jahren bereits Holbay und Brian Hart Ltd., diese Projekte wurden jedoch nicht weiterverfolgt. 1983 wurden die ersten – vermutlich als YAA bezeichneten – Prototypen gefertigt. Zufällig kam es zu dieser Zeit zu einem Treffen zwischen Stuart Turner und Cosworth. Turner war neuer Motorsportchef von Ford in Europa und wollte mit Cosworth über die Entwicklung eines neuen Formel-1-Motors verhandeln. Zudem wollte Turner – nachdem der Ford C 100 und die Entwicklung des Ford Escort RS1700T in der Endphase eingestellt worden waren – die so entstandene Lücke mit neuen Projekten füllen. Turner überzeugte Jim Campolongo und Ed Blanche – damals Vorstandsmitglieder bei Ford of Europe – von einem Besuch bei Cosworth in Northampton, um über die Entwicklung eines neuen Formel-1-Motoros zu sprechen. Dort entdeckten sie einen der bereits fertig aufgebauten Prototypen. Bei einem anschließenden Ploughman’s Lunch in einem Pub soll Turner vorgeschlagen haben, den Motor mit Turbolader in einen Sierra zu bauen. Denn es wäre nicht möglich, dass sie damit bei Rundstreckenrennen hätten besiegt werden können.

1983 wurden die Verträge abgeschlossen, die den Bau von 15.000 YB-Motoren durch Cosworth vorsahen. In die abschließende Entwicklung des YB flossen die Vorgaben der FIA für die Gruppe A ein, damit die Motoren ohne größeren Aufwand für den Renneinsatz modifiziert werden konnten. Ende 1983 wurden die ersten Motoren gebaut, von Anfang an problemlos liefen. Geoff Goddard soll sogar gesagt haben, dass es nicht das Problem war die geforderten 147 kW (200 PS) zu erreichen, sondern die Leistung auf 200 PS zu reduzieren. Da der Bau von etwa 5000 Motoren pro Jahr weit unter den Stückzahlen lag, mit denen ein großer Hersteller wie Ford Motoren kosteneffizient selbst herstellen konnte, wurde Cosworth nicht nur mit der Entwicklung, sondern auch mit der Herstellung der YB-Motoren beauftragt. Zu diesem Zweck und mit der finanziellen Unterstützung von Ford als Sicherheit baute Cosworth im etwa zehn Meilen vom Unternehmenssitz entfernten Wellingborough eine Produktionsanlage auf, die im November 1985 offiziell durch den Duke of Kent eröffnet wurde. Ab Anfang 1986 wurden 20 Motoren täglich fertiggestellt. Die Zylinderköpfe wurden in Worcester gegossen, die Motorblöcke von Ford geliefert und Cosworth stellte in Northampton weitere Teile für die Endfertigung in Wellingborough her.

Die Regularien der Gruppe A erlaubten sogenannte „Evolutionsmodelle“, von denen 500 Stück hergestellt werden mussten. Deshalb wurde bei Ford von vornherein die Produktion von zusätzlichen Einheiten eingeplant und insgesamt über 5500 Stück des Sierra RS Cosworth gebaut. 500 gleiche Fahrzeuge wurden für einige Monate eingelagert, um sie später entsprechend umzubauen. Diese Arbeiten führte Tickford in der Nähe von Coventry durch. Dabei wurden auch die YBB-Motoren durch die überarbeiteten und verstärkten YBD-Motoren mit größeren Turboladern ersetzt.

Nach der Fertigstellung der ursprünglich vereinbarten 15.000 Motoren baute Cosworth weitere Einheiten für den Sierra RS Cosworth, den Sierra RS Cosworth 4×4 und den Escort RS Cosworth. Für die Serienfertigung wurden in Wellingborough fast 40.000 YB fertiggestellt. Zusätzlich dürften weitere Motoren oder Einzelteile als Ersatzteile, vor allem für den Motorsport, hergestellt worden sein.

Beschreibung mini|Zahnriemen und Nockenwellenräder eines Cosworth YB Der Cosworth YB ist ein mit Turbolader aufgeladener Vierzylinder-Ottomotor mit zwei obenliegenden Nockenwellen und vier Ventilen pro Zylinder. Der Motor wurde Anfang der 1980er Jahre von Cosworth in Eigenregie als Saugmotor konstruiert und ab 1983 für den Einsatz des Ford Sierra RS Cosworth im Motorsport der Gruppe A weiterentwickelt. Der Motorblock wurde vom Ford OHC von 1970 übernommen und entsprechend angepasst. Der Zylinderkopf ist eine Neuentwicklung, um den in den späten 1960er Jahren entworfenen Cosworth BD zu ersetzen.

Die zwei Nockenwellen werden über einen Zahnriemen angetrieben, die Nebenaggregate und die Wasserpumpe über zwei Keilriemen.

Aus einer Bohrung von 90,8 mm und einem Hub von 77 mm ergibt sich für den Serienmotor ein Hubraum von 1993 cm³.

Motorblock Vom Ford OHC wurde nur der „nackte“ Grauguss-Motorblock übernommen, die restlichen Teile wurden für den Einsatz im Motorsport und zu erwartende Motorleistungen über 300 PS modifiziert. Dazu zählen eine geänderte Kurbelwelle, Stahlpleuel, Schmiedekolben,Ford Cosworth YB engine guide auf fastcar.co.uk, abgerufen am 5. April 2025 geänderte und verstärkte Öl- und Wasserpumpen sowie eine angepasste Ölwanne.

Die Motorblöcke der Fahrzeuge mit Hinterradantrieb (YBB, YBD) sind sogenannte 205er-Blöcke, erkennbar an der eingegossenen Nummer 205 außen am Block. Für den Einsatz im Sierra RS500 wurde der Motorblock verstärkt. Mit dem Sierra RS Cosworth 4×4 wurden die sogenannten 200er-Blöcke eingeführt, die – ähnlich wie beim YBD des Sierra RS500 – verstärkt sind. Diese Motorblöcke haben dickere Zylinderwände und sind im Bereich der Zylinderkopfschrauben verstärkt, um den Einbau von langen Stehbolzen zu ermöglichen und eine höhere Festigkeit bei Motorleistungen weit über 400 PS zu bieten. Auch die späteren Escort RS Cosworth erhielten diese Motorblöcke.

Zylinderkopf Der Zylinderkopf aus Leichtmetall ist eine Neuentwicklung und anders als beim BD einteilig. Die zwei obenliegenden Nockenwellen werden über einen Zahnriemen angetrieben, der Ventilspielausgleich ist hydraulisch. Pro Zylinder hat der Cosworth YB vier Ventile.

Der Ventildeckel – außer am YBP – gibt einen deutlichen Hinweis auf den Entwickler bzw. den Hersteller des Motors und trägt die Aufschrift „DOHC 16-V Turbo Ford Cosworth“.

Turbolader Je nach Modell werden unterschiedliche Turbolader von Garrett verwendet. Der von Cosworth für die Prototypen verwendete geschweißte Rohrkrümmer wurde für die Serienfertigung des Motors durch einen Gusskrümmer ersetzt. Der Turbolader sitzt neben dem Zylinderkopf oberhalb des Krümmers, was beim Motorsporteinsatz des Sierra und später des Escort RS Cosworth den Tausch des Turboladers bei einem Defekt erheblich erleichtert. Alle Modelle haben einen Ladeluftkühler. Die Serienmotoren werden mit einem Ladedruck von 0,7 bis 1,1 bar betrieben.

Motorsteuerung Für die Motorsteuerung fiel die Entscheidung bei Ford zugunsten eines Steuergeräts des italienischen Herstellers Weber-Marelli und gegen den Mitbewerber Bosch. Ausschlaggebend war, dass Ford neben Ferrari exklusiver Kunde bei Weber-Marelli wurde und mit deren Mitarbeitern eng zusammenarbeiten konnte.

Für die letzte Serie des Escort RS Cosworth baute Ford – wegen strengerer Abgasvorschriften und für eine bessere Fahrbarkeit der Autos im Alltag – die eigene Ford EFI-Motorsteuerung ein.

Verwendung (Serienfahrzeuge) mini|Cosworth YB mit Turbolader YBB Alle YBB haben einen roten Ventildeckel. Der Motor verfügt über einen Garrett-T3-Turbolader und leistet bei 0,7 bar Ladedruck 150 kW (204 PS) bei 6000/min und 270 Nm bei 4500/min. Die Ford-internen Motorcodes für den YBB sind N5A bis 1987 und N5B ab 1988.Ford Service Technische Daten 08/99; CG366/de

1986 und 1987 Der YBB wurde ab 1986 im Ford Sierra RS Cosworth eingebaut. Von dem Fahrzeug wurden 5545 Einheiten1987 Ford Sierra Cosworth sets new world record auf cardealermagazine.co.uk, abgerufen am 4. April 2025 gebaut, um die geforderte Stückzahl für die Einstufung in die Gruppe A im Motorsport zu erreichen. 500 dieser Fahrzeuge wurden bei Tickford zum Sondermodell Sierra RS500 umgebaut, diese Fahrzeuge waren mit dem YBD ausgerüstet.

Der Sierra Cosworth wurde 1986 und 1987 ausschließlich als dreitürige Limousine angeboten. Neben Motor und Getriebe wurde auch der Rest des Fahrzeugs für den Einsatz im Motorsport verändert. Exklusiv für den Sierra Cosworth gab es einen großen Heckspoiler, geänderte Stoßfänger vorn und hinten, in Wagenfarbe lackierte Radhausverbreiterungen und Seitenschweller aus Kunststoff, Lüftungsschlitze in der Motorhaube, einen geänderten Kühlergrill und Leichtmetallräder mit Niederquerschnittsreifen.

1988 bis 1990 Etwa ein Jahr nach Einführung der zweiten Baureihe des Sierra wurde auch ein neuer Sierra RS Cosworth vorgestellt. Dieses Fahrzeug war ausschließlich als viertürige Stufenhecklimousine erhältlich und sollte als Topmodell der Baureihe und geräumiges Fahrzeug eine breitere Käuferschicht ansprechen als der erste Sierra RS Cosworth mit nur zwei Türen. Das Fahrzeug hat weiterhin exklusive, in Wagenfarbe lackierte Stoßfänger vorn und hinten und 15 Zoll große Leichtmetallräder als Serienausstattung. Die Kotflügelverbreiterungen wurden nicht mehr angeboten, jedoch sind die Fahrzeuge auch mit Seitenschwellern ausgestattet.

Motor und Antriebsstrang wurden unverändert vom Vorgänger übernommen. Vom Sierra RS Cosworth der zweiten Baureihe mit Hinterradantrieb wurden etwa 13.140 Einheiten als Links- und Rechtslenker im belgischen Ford-Werk in Genk gebaut.Sierra Cosworth auf thefordsierra.tripod.com, abgerufen am 4. April 2025 Die Motoren wurden bei Cosworth in England produziert und in Genk eingebaut.

YBD mini|YBD eines Siera RS500 mini|YBD in einem Sierra RS500 Der YBD hat wie der YBB einen roten Ventildeckel. Diesen Motor gab es exklusiv im auf 500 Einheiten limitierten Sondermodell Sierra RS500. Technisch unterscheidet sich der YBD vom YBB in einigen wichtigen Details.The Homologators – The Sierra Cosworth and RS500 auf carandclassic.com, abgerufen am 4. April 2025 Der Motorblock des YBD ist mit dickeren Zylinderwänden etwas verstärkt. Der Garrett-T4-Turbolader ist größer als der T3 des YBB und auch der Ladeluftkühler ist größer. Zudem wurden Öl-, Wasser- und Kraftstoffpumpe, die Ölkühlung und die Luftansaugung verbessert und orange eingefärbte Luftschläuche eingebaut. Die wichtigste Änderung erfolgte an der Ansaugbrücke des YBD. Am Luftsammler sind vier zusätzliche Weber IW025-EinspritzventileFord Sierra Cosworth RS500 auf supercarnostalgia.com, abgerufen am 4. April 2025 vorhanden, die jedoch im Serienfahrzeug nicht angeschlossen sind. Im Motorsport sollen sie eine noch bessere Gemischbildung bewirken und vor allem bei Maximalleistung ausreichend Kraftstoff zur Verfügung stellen.

Die Leistung des Serienmotors wird mit 224 bhp statt 201 bhp angegeben, das sind etwa 15 kW (20 PS) mehr als beim YBB. Das Drehmoment liegt mit 277 Nm auch etwas höher als beim YBB.Ford Sierra RS500 auf radical-mag.com, abgerufen am 4. April 2025

Der YBD wurde exklusiv im Sierra RS500 angeboten. Die Fahrzeuge wurden als Sierra RS Cosworth im Ford-Werk in Genk produziert und dann von Tickford zum RS500 umgebaut. Abgesehen vom Motor unterscheidet sich der RS500 nur in kleinen Details vom „normalen“ Sierra RS Cosworth.

YBG/YBJ