Die Brut ist ein erstmals 2004 im Goldmann Verlag erschienener Kriminalroman von Thea Dorn. Kurzbeschreibung Die erfolgreiche Fernsehmoderatorin Tessa Simon gerät durch ihre Schwangerschaft in ein Dilemma, da sie fürchtet, diese könnte ihre Karrierepläne gefährden. Auf Hinwirken ihres Lebenspartners entscheidet sie sich, das Kind zu bekommen, doch die Mutterschaft bringt viele Herausforderungen und Spannungen mit sich. Als das Kind durch einen Unfall umkommt, verschleiert Tessa dessen Tod: Sie inszeniert einen Entführungsfall, was eine große polizeiliche Untersuchung auslöst, erhält am Ende des Romans aber von einem verstorbenen Fan ein fast gleich altes Kind, das als ihres ausgegeben werden kann.

Inhalt Die Talkshow-Moderatorin Tessa Simon ist im Frühherbst zu Beginn der Handlung auf einem guten Weg hin zum privaten und beruflichen Glück: Seit „einem knappen Jahr“ lebt sie in einer festen Beziehung mit dem Schauspieler Sebastian Waldenfels,Thea Dorn: Die Brut. Roman. Taschenbuchausgabe. Goldmann, München 2005. ISBN 3-442-46079-4. S. 12. seit drei Monaten in einem 300-Quadratmeter-Loft,Dorn, Die Brut, S. 10. und sie „moderierte Auf der Couch, eine der angesagtesten Talkshows, die es im deutschen Fernsehen gab. Zwar nur auf einem Regionalsender, aber dies hier war das Sendegebiet.“Dorn, Die Brut, S. 8. Der nächste Sprung auf der Karriereleiter steht bevor, als der überregionale Sender Kanal Eins ab Januar Auf der Couch übernehmen will.Dorn, Die Brut, S. 53. Einem überraschenderweise positiven Schwangerschaftstest begegnet Tessa zunächst mit Verleugnung: „Es war unmöglich. Sie konnte nicht schwanger sein. Nicht jetzt. Nicht mit der Aussicht auf Kanal Eins.“Dorn, Die Brut, S. 60. Sebastian sagt sie vorerst nichts von der Schwangerschaft, erwägt einen Schwangerschaftsabbruch und lässt die Pflichtberatung bei einem Privatarzt über sich ergehen,Dorn, Die Brut, S. 73. dem sie mitteilt: „Ich bin keine Mutter. Schon als Kind habe ich es gehasst, mit Puppen zu spielen. […] Vielleicht würde ich das Kind ja bekommen, wenn es eine Schildkröte würde. Kassiopeia habe ich mit Hingabe gefüttert“.Dorn, Die Brut, S. 74. Erst nachdem alles für den Schwangerschaftsabbruch vorbereitet ist, redet sie mit Sebastian über die Schwangerschaft, der sie bittet: „Ich will ein Kind mit dir haben.“Dorn, Die Brut, S. 85.

Tessas Produzent Attila de Winter, anfänglich fassungslos über die plötzliche „Kindermacke“Dorn, Die Brut, S. 93. seines Schützlings, meint wenig später, „dass es PR-technisch gar nicht schlecht sei, wenn Tessa auf Kanal Eins schwanger begann.“Dorn, Die Brut, S. 102. Tessas Gast bei ihrer ersten Kanal-Eins-Show am zweiten Donnerstag im Januar:Dorn, Die Brut, S. 77. „Nuala. Die schwarze Pantherin. Der deutsche Popstar des letzten Jahres.“Dorn, Die Brut, S. 115. Die Show wird, weil Nuala sich überraschend als Morbus-Hodgkin-Patientin outet und Tessa souverän doch angemessen reagiert, zum Triumph für Tessa.Dorn, Die Brut, S. 120–123. Nach Verlassen des Studios treffen Tessa und Sebastian auf den Tessa-Simon-Fan Susanne Lambertz, der gleichfalls schwanger ist, ein Autogramm und ein Zweier-Foto mit Tessa wünscht, das Sebastian mit Lambertz‘ Kamera knipst.Dorn, Die Brut, S. 127–128. Tessa genießt es, dass die Kombination aus Karriereschritt und Schwangerschaft ihr eine Titelstory für eine wichtige Populäre Illustrierte einbringt, begleitet von öffentlichem Rummel an „jeder Litfaßsäule, Plakatwand“.Dorn, Die Brut, S. 142. Weniger genießt sie die oft üblichen Begleiterscheinungen der Schwangerschaft wie anfängliche Übelkeit oder heftige Tritte des Ungeborenen, die sie in einer Stresssituation einmal damit quittiert, ihrerseits mit der flachen Hand gegen den Bauch zu schlagen.Dorn, Die Brut, S. 147. Zu den physischen Veränderungen während und nach der Schwangerschaft treten auch psychische Veränderungen, beispielsweise Anflüge von ParanoiaDorn, Die Brut, S. 146.Dorn, Die Brut, S. 168. und akustische Halluzinationen.Dorn, Die Brut, S. 171.

Die Wunschkaiserschnitt-Geburt ihres Sohnes Victor erfolgt am 5. Juni,Dorn, Die Brut, S. 150. Tessa ist generell beeindruckt von dem kleinen Kerl, am „meisten aber trafen sie seine Augen. Riesig. Blau. Wimpernlos. Und vollkommen undurchschaubar. Sie wartete auf ein Lächeln von Victor, wie sie sonst nur auf die Quoten wartete.“Dorn, Die Brut, S. 182. Im Hochsommer des zweiten Kalenderjahrs der Roman-Handlung macht Sebastian Tessa einen Heiratsantrag.Dorn, Die Brut, S. 203. „Das Fest sollte gewaltig werden. Sie hatten das Schlosshotel schon gebucht, in dem sie am letzten Oktobersamstag feiern würden. […] Sie brauchten das ganze Hotel. Mit Terrasse. Und Bootshaus. Und Strand.“Dorn, Die Brut, S. 205. Die vorübergehend wieder genesene Nuala singt auf der Hochzeit,Dorn, Die Brut, S. 230. an die sich unmittelbar die Kindstaufe anschließt, und außer einem riesigen Kuscheltier-Panther von Nuala für Victor gibt es ein Eltern-Kind-Foto für die Presse.Dorn, Die Brut, S. 231–232. Im September nimmt Tessa wieder die Arbeit bei Auf der Couch auf,Dorn, Die Brut, S. 181. die Quoten ihrer Sendung sinken jedoch ab November „kontinuierlich“.Dorn, Die Brut, S. 261. Im Schnee des folgenden Januar gibt es ein kleines Kleinfamilien-Idyll: „Sie balgten sich wie einjährige Schneeleoparden. Die Welt war in den Stand der Unschuld zurückgekehrt. Die einfachsten Dinge wurden Glück“.Dorn, Die Brut, S. 250. Doch das Idyll trügt: Sebastian gesteht Tessa gleich darauf, dass er ein Regieangebot habe.Dorn, Die Brut, S. 253. Die Aufnahmen sollen im April losgehen,Dorn, Die Brut, S. 254. und Sebastian wäre sieben Wochen weg.Dorn, Die Brut, S. 257.

Während Sebastians Abwesenheit kommt es zwischen Tessa und Victor beim Breiverzehr zu einem kleinen Eklat, so dass Tessa in einem Wutanfall das Brei-Gläschen zu Boden schleudert. Die Reaktion des Kindes: „Eine Sekunde glaubte sie, ein Lächeln in seinen Augen gesehen zu haben. Boshaft. Voll Schadenfreude.“Dorn, Die Brut, S. 273–274. Wenig später schüttelt sie ihn: „Jetzt hör endlich mit der Plärrerei auf!“Dorn, Die Brut, S. 275. Zehn Monate nach der Geburt erleidet Tessa im Backstage von Auf der Couch einen „Schwächeanfall“,Dorn, Die Brut, S. 279. fast zeitgleich eröffnet ihr ihr Produzent, dass Auf der Couch wegen zu schlechter Quoten im Sommer eventuell eingestellt werden würde.Dorn, Die Brut, S. 281. Im Hochsommer fängt Tessa im Vorfeld einer für die Zukunft von Auf der Couch entscheidenden Sendung wieder zu rauchen an.Dorn, Die Brut, S. 284. Victor schreit wegen der nächtlichen Hitze. „Heulte wie eine Sirene in an- und abschwellenden Tönen. Tessa legte ihn an ihre Schulter und wiegte ihn“,Dorn, Die Brut, S. 287. erfolglos, muss dringend die entscheidende Sendung vorbereiten. Damit Victor schläft, legt sie sich mit ihm auf die kühlere Dachterrasse, zeigt ihm während seines Einschlafens die Sterne.Dorn, Die Brut, S. 288.

Nachdem Tessa eingedöst ist, klettert das wieder erwachte Kind über einen Liegestuhl auf einen Tisch, der direkt an der Brüstung steht, greift anscheinend nach den Sternen und stürzt just in dem Moment, als Tessa erwacht, in die Tiefe.Dorn, Die Brut, S. 290. Tessa packt das tote Kind in einen großen Camping-Kühler, den Sebastian später in den Keller stellen wird, wo auch der riesige Kuscheltier-Panther gelandet ist, begibt sich mit dem Babyjogger auf ihre üblichen Jogging-Strecke, fingiert dort einen Überfall auf sich und die Entführung des Kindes.Dorn, Die Brut, S. 301–307. Die „riesige Maschinerie“ polizeilicher Ermittlungen läuft an, „eine Titanic, die niemand mehr daran hindern konnte, in See zu stechen“.Dorn, Die Brut, S. 312. Polizei weilt anfangs rund um die Uhr im Loft von Tessa und dem heimkehrenden Sebastian: Telefonie-Experten, eine Polizeipsychologin, der ermittelnde Kriminalhauptkommissar Arndt Kramer.Dorn, Die Brut, S. 316–317. Ebenso wie die Polizei und die Presse macht die Familie des Ehepaars Rummel: „Alle hatten sie inzwischen angerufen“.Dorn, Die Brut, S. 327.

Die Beziehung zwischen Tessa und Sebastian scheint sich derweil unter der Belastung aufzulösen: „Sebastian und sie waren in den letzten vierundzwanzig Stunden auseinander gefallen wie ein alter Stuhl, auf den sich jemand zu Schweres gesetzt hatte.“Dorn, Die Brut, S. 353. Ein Brief trifft ein, von dem Kommissar Kramer später annehmen wird, Tessa habe ihn selbst verfasst:Dorn, Die Brut, S. 408–409. „DU SCHLAMPE HAST DIESES KIND NICHT VERDIENT. VICTOR GEHÖRT MIR.“Dorn, Die Brut, S. 357. Kramer folgert daraus, man könne sich bei den Ermittlungen mehr „auf Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch“ konzentrierenDorn, Die Brut, S. 358. und präsentiert nacheinander zwei aufgrund der Ermittlungen grundsätzlich als Täterinnen nicht auszuschließende Frauen. Während die Zeit des Wartens auf ein Zeichen der vermeintlichen Entführerin dahinschleicht und die polizeiliche Betreuung sich nach und nach ausdünnt, geht die dank Hut und Trauerschleier unkenntliche Tessa zur Beerdigung von Nuala, die im Frühsommer verstorben ist.Dorn, Die Brut, S. 283. Unbemerkt beschatten zwei Polizisten Tessa, verlieren sie aber in der Fan-Menge.Dorn, Die Brut, S. 410. „Fünf, sechs ölig glänzende Schmeißfliegen“ umschwirren den riesigen Kuscheltier-Panther,Dorn, Die Brut, S. 375. den Nuala zu Victors Taufe geschenkt hatte und in dem nun das aus dem Camping-Kühler herausgeholte tote Kind eingenäht ist, das Tessa zu dort schon liegenden zwei Dutzend Stoffpanthern ins Grab wirft, die Nuala von ihren Fans, Angehörigen, Freunden bereits als Grabbeigabe erhalten hat.Dorn, Die Brut, S. 378.

In der folgenden Vorweihnachtszeit findet Tessa beim Verlassen ihrer Wohnung einen Buggy mit einem Kind, das dem ihrem sehr ähnlich sieht, und einem Brief ihres Fans Susanne Lambertz, in dem jene behauptet, sie hätte Victor entführt und bereue es. Der Brief endet mit dem einen Suizid ankündigenden Satz: „Beten Sie für mich, dass ich dem Höllenfeuer entkomme!“Dorn, Die Brut, S. 390. Nicht nur das Kind taucht scheinbar wieder auf, sondern für Tessa auch eine erneute berufliche Perspektive als Moderatorin einer Vermisstenshow.Dorn, Die Brut, S. 396. Kommissar Kramer allerdings präsentiert Tessa das Fan-Foto, auf dem sie schwanger neben der schwangeren und nun toten Susanne Lambertz zu sehen ist, und erzählt, dass Lambertz im August gleichfalls entbunden habe: „Es wäre interessant zu wissen, wo dieses Kind geblieben ist, nicht?“Dorn, Die Brut, S. 402–404.

In ein Märchen verpackt berichtet Kramer Tessa von seinen Ermittlungen gegen sie, die er des Kindsmordes verdächtigt. Nuala exhumieren zu lassen, um das tote Kind zu finden, scheide aus: „Die Troubadourin [=Nuala] war keine einfache, sondern die beliebteste Troubadourin im Königreich gewesen. Und der Wolf [=Kramer] hätte stärkere Beweismittel in der Hand haben müssen, damit ihm der oberste Richter erlaubt hätte, die Totenruhe der Troubadourin zu stören.“ Eine DNA-Analyse des frisch aufgetauchten Kindes und der Schein-Eltern Tessa und Sebastian sei für Kramer nicht in Frage gekommen: „Hätte der Wolf das tatsächlich tun sollen? Was hätte er davon gehabt? Vielleicht hätte er beweisen können, dass das Kind, das die Prinzessin [=Tessa] in der Winternacht […] gefunden hatte, nicht ihr Kind, sondern das Kind einer verwirrten Untertanin [=Susanne Lambertz] war, die sich getötet hat. Den Mord hätte er der Prinzessin damit jedoch immer noch nicht nachgewiesen. […] Der Einzige, der dabei ernsthaft bestraft worden wäre, wäre das andere Kind gewesen. So konnte es ein Leben als Prinz führen. Andernfalls wäre es vielleicht im Waisenhaus gelandet.“Dorn, Die Brut, S. 411.

Textanalyse