Samuel Sidney Wineburg (* 1958 in Utica) ist ein emeritierter US-amerikanischer pädagogischer und kognitiver Psychologe. Er hat die Margaret Jacks Professur für Pädagogik, Geschichte & American Studies an der Stanford University inne.
Wineburg wurde seit den 1990er Jahren zu einer maßgeblichen Stimme in der Forschung über historisches Denken und Geschichtsunterricht. Seine Arbeit schloss die Lücke zwischen dem kritisch-deutenden Vorgehen der Historiker und dem schulischen faktenorientierten Arbeiten der Schüler. In jüngerer Zeit hat er sich dem Umgang mit digitaler Information gewidmet.
Leben Sam Wineburg wuchs in Utica in einer reformjüdischen Familie auf. Er besuchte die Brown University bei Jacob Neusner, der ihm zu einem Studium in Israel und einem Kibbuzaufenthalt riet. Nach der Rückkehr wechselte er an die University of California, Berkeley, wo er einen Abschluss in Religionsgeschichte ablegte. Den Ph. D. in Psychologie erwarb er an der Stanford University 1990 bei Lee Shulman.
Forschung Wineburg legte die Grundlage für die empirische Forschung über historisches Denken in den USA. Während Historiker Quellen analysieren und die Motive des Autors untersuchen, bleiben Schüler in Geschichte auf die Aufgabe, die Fakten zu suchen, beschränkt. Nach Wineburg kann der Bruch zwischen Schule und akademischer Bildung durch drei heuristische Wege des historischen Denkens angegangen werden: Quellen benutzen, sie kontextualisieren und geprüft bestätigen. Er definiert Heuristik als „sense-making activities [that] help their user resolve contradictions, see patterns and make distinctions among different types of evidence“ [sinnstiftende Aktivitäten, die ihren Benutzern helfen, Widersprüche aufzulösen, Muster zu erkennen und zwischen verschiedenen Evidenzarten zu unterscheiden].
Wineburgs Ansatz wurde wegen zu großer Fixierung auf akademisches Denken kritisiert: „overemphasis on a disciplinary form of knowledge more attuned to academic education than to the broader educational context and its attention to civic republicanism and the sociocultural milieu in which history learning takes place“ [Überbetonung einer disziplinären Wissensform, die eher auf die akademische Ausbildung als auf den breiteren Bildungskontext abgestimmt ist, und ihre Aufmerksamkeit auf den bürgerlichen Republikanismus und das soziokulturelle Milieu, in dem das Geschichtslernen stattfindet]. Schwächere Schüler könnten die kritischen Leistungen im Umgang mit Quellen oft nicht erbringen.
Zur sogenannten digitalen Intelligenz der Jugendlichen äußerte sich Wineburg zweifelnd, vielmehr könnten sie allzu häufig wahre von falschen Aussagen im Netz oder zwischen Nachrichten und Werbung nicht unterscheiden. Auch an die erhoffte demokratisierende Wirkung des Internets glaubt er nicht mit Hinweis auf die starken Manipulationsmöglichkeiten über Fake News sogar durch Einzelne.
Wineburg war Mitbegründer der Stanford History Education Group 2002 und wurde Mitglied der National Academy of Education 2015.
Weblinks
Einzelbelege
Kategorie:Geschichtsdidaktiker Kategorie:Pädagogischer Psychologe Kategorie:Hochschullehrer (Stanford University) Kategorie:US-Amerikaner Kategorie:Geboren 1958 Kategorie:Mann