mini|hochkant=1.4|Schloss Landsberg von Südosten, 1904/1905 mini|hochkant=1.4|Das Schloss auf einer Lithografie 1860/1861 mini|hochkant=1.4|Bergfried und Herrenhaus des Schlosses (2002) Das Schloss Landsberg ist eine Schlossanlage im Ruhrtal auf dem Stadtgebiet von Ratingen, an der Stadtgrenze zu Essen, in unmittelbarer Nähe des Schlosses Hugenpoet. Es steht nahe dem Kettwiger Ortsteil Vor der Brücke etwa einen Kilometer südwestlich des Zentrums von Kettwig an der Straße nach Mülheim an der Ruhr-Mintard inmitten eines englischen Landschaftsparks mit ausgedehntem Waldgebiet.

Die Anlage geht auf eine mittelalterliche Höhenburg vom Ende des 13. Jahrhunderts zurück, die durch den Grafen Adolf V. von Berg erbaut wurde. Sie diente in jener Zeit vornehmlich zur Sicherung der nahe gelegenen wichtigen Brücke über die Ruhr, die Kettwig mit Ratingen verband. Seit spätestens 1288 gehörte die Burg den Herren von Landsberg, die ihren Stammsitz – mit einer Unterbrechung von 120 Jahren – bis 1903 besaßen.

Während des 17. und 18. Jahrhunderts mehrfach verändert, erhielt die Anlage ihre heutige Gestalt im Stil des Historismus durch den Industriellen August Thyssen, der sie 1903 erwarb und zu seinem repräsentativen Wohnsitz umgestalten ließ. Das frühere „Gut Landsberg“ wird seit diesen baulichen Veränderungen „Schloss Landsberg“ genannt. Es gehört seit 1926 einer Stiftung der Familie Thyssen. Nach wechselnder Nutzung nach dem Zweiten Weltkrieg ist es seit 1992 als Seminar- und Tagungsstätte an die thyssenkrupp AG vermietet. Daneben gehört es zu mehreren Themenrouten der Route der Industriekultur.

Beschreibung mini|Grundriss des Schlosses von 1903 Die Anlage hat einen nahezu halbkreisförmigen Grundriss und steht in etwa 65 Meter Höhe auf einem Bergsporn an der August-Thyssen-Straße. Das Schlossplateau wird an seiner West- und Nordseite von einer bis zu 13 Meter hohen Ringmauer aus Ruhrsandstein mit einem wohl früher überdachten Wehrgang, der nur noch teilweise erhalten ist, begrenzt. Ebenso wie der Bergfried gehört die Ringmauer größtenteils zu der ursprünglichen Bausubstanz des 13. Jahrhunderts. An die Ost- und Südseite des Schlossareals grenzen Gebäude, die mit Schiefer gedeckte Dächer besitzen.

Gebäude Bergfried An der Südwestecke der Schlossanlage steht der rechteckige, fast 33 Meter hohe Bergfried mit vier Geschossen und einem Zeltdach. Seine 2 bis 2,30 Meter dicken Mauern aus Ruhrsandsteinblöcken erheben sich auf einem Grundriss von 11,30 × 10,30 Metern und schließen mit einer Backsteinbrüstung auf vorkragendem Rundbogenfries ab. Die Geschosse sind durch einen hofseitigen, achteckigen Treppenturm erschlossen. Der Turm besitzt an seiner westlichen Außenseite einen Abortschacht über alle Geschosse.

Torbau An den Bergfried schließt sich an seiner Südostecke ein Torbau aus dem 17. Jahrhundert an, der im Osten an das Herrenhaus des Schlosses grenzt. Ein Gang im ersten Geschoss verbindet den Bergfried mit dem Herrenhaus. Über dem Rundbogenportal befindet sich an der Außenseite ein steinernes Allianzwappen der Familien Landsberg/Meschede. Sein Pendant an der Hofseite zeigt das Allianzwappen der Familien Landsberg/Hatzfeld und eine Inschrift erinnert an den Wiedererwerb der Anlage 1837 durch den Reichsfreiherrn Engelbert von Landsberg-Velen und Steinfurt (siehe Bewohner und Eigentümer).

Wohngebäude mini|Das Herrenhaus mit dem sich anschließenden Torbau (2020)

Wie der Torbau stammt auch das Herrenhaus in seiner Hauptsubstanz aus dem 17. Jahrhundert, wurde allerdings auf den Fundamenten eines mittelalterlichen Palas errichtet. Es präsentiert sich außen im Stil der Renaissance, der durch Umgestaltung zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit Elementen des Jugendstils kombiniert wurde. Der zweigeschossige Putzbau besitzt Eckquaderungen und zwei hohe Schweifgiebel, von denen der südliche die Jahreszahl des Baujahres 1666 trägt.

An der Nordecke des Herrenhauses ragt ein zweigeschossiger Gebäudetrakt mit Satteldach heraus. Eiserne Maueranker in Form der Jahreszahl 1655 zeigen sein Baujahr an. Hofseitig befindet sich das Rundbogenportal des Herrenhauses im Stil der Renaissance und wird von zwei Sandsteinsäulen flankiert. Der Schlussstein trägt die Jahreszahl 1903 sowie das Monogramm AT. Dem Trakt, der früher Wohnzwecken diente, schließt sich nordöstlich ein dreigeschossiges Gebäude an. Seine beiden Schweifgiebel sind quer zu denen des Herrenhauses positioniert. Die Querseiten sind durch Fenster in drei Achsen unterteilt. Hofseitig ist dem Gebäude ein halbkreisförmiger Treppenturm vorgelagert. Über die gesamte Länge des Zwischentrakts und des dreigeschossigen Gebäudes schließt sich nach Osten ein Wintergarten mit großen Rundbogenfenstern und einer Steinbalustrade an.

Remise und Stallungen Nordöstlich der Wohngebäude stehen, an die Ringmauer angelehnt, eingeschossige Bauten, die früher als Remise und Stallungen dienten. Ihr gemeinsames Satteldach besitzt hofseitig mehrere unterschiedlich geformte Dachgauben. Heute beherbergen die Bauten Wirtschafts- und Seminarräume.

Brunnen- und Rundturm Der Remisentrakt wird an seinem nördlichen Ende von einem dreistöckigen Rundturm abgeschlossen. Seine Mauern aus Ruhrsandstein sind von einer achtseitigen Schweifhaube mit Laterne bekrönt. Noch im 19. Jahrhundert wurde dieser Turm Archivturm genannt und gab damit Aufschluss über seine damalige Verwendung. Von einem kleinen Raum im Erdgeschoss führt eine Treppe in das erste Geschoss. Dessen einziger Raum wird von einem Kreuzgewölbe überspannt, das eine Bemalung aus dem frühen 20. Jahrhundert besitzt. Von dieser Etage ist der Wehrgang der Ringmauer betretbar.

Mitten im Schlosshof steht ein weiterer runder Turm aus Bruch- und Backsteinen mit stumpfem Kegeldach. Er wurde wahrscheinlich im frühen 15. Jahrhundert errichtet. In seinem Inneren mit bemaltem Kreuzgewölbe befindet sich ein 18 Meter tiefer Brunnen.

Innenräume Bergfried Das Erdgeschoss des Bergfrieds diente früher als Wohnraum, beherbergt aber seit 1928 die Familiengruft der Thyssens nach einem Entwurf des Architekten Ernst Haiger. Durch einen Eingang im Treppenturm ist die Gruft über eine kleine Vorhalle zugänglich. Ihre Wände, die von Fenstern mit Onyxscheiben unterbrochen sind, und ihr Tonnengewölbe sind mit gelblich-braunem Travertin verkleidet. Der Fußbodenbelag besteht aus Marmor, dessen quadratische Platten mit unterschiedlichen Färbungen ein Schachbrettmuster bilden. An der südlichen Stirnseite des Raumes steht die marmorne Tumba August Thyssens mit einer lebensgroßen Liegefigur aus Bronze von Ludwig Habich. Davor befinden sich, in den Boden eingelassen und mit Bronzeplatten bedeckt, die Grabstätten seiner beiden Söhne Fritz und Heinrich sowie seiner Schwiegertochter Amélie. Neben dem Grab Hans Heinrich Thyssen-Bornemiszas befindet sich in einer Wandnische die Grabstätte von Thyssens erster Enkelin Anita Gräfin Zichy-Thyssen.

Das erste Geschoss des Bergfrieds besteht aus einer ehemaligen Kapelle, die 1903 bis 1904 im Stil der Neogotik gestaltet wurde. Der 7,10 × 6,00 Meter große Raum ist 7,40 Meter hoch und wird von einem gotischen Kreuzrippengewölbe überspannt. Dieses und die Wände tragen neugotische Freskomalereien des hannoverschen Kirchenmalers Oskar Wichtendahl.

mini|Souterrainküche (1904) mini|hochkant|Flur mit Marmorportal (1904) mini|Wintergarten (1904)

Wohngebäude Obwohl die drei herrschaftlichen Wohnbauten des Schlosses von außen gut als drei separate Baukörper erkennbar sind, ist diese Dreiteilung im Inneren nicht zu bemerken. Die Räume im Erdgeschoss dienten seit 1904 der Repräsentation, während das Obergeschoss zu Wohnzwecken genutzt wurde. Die Innenausstattung ist im Stil des Späthistorismus gehalten und wurde mit Dekorationselementen nach dem Zeitgeschmack des beginnenden 20. Jahrhunderts kombiniert.

Im Keller des Herrenhauses, dessen Bausubstanz aus dem Mittelalter stammt, befanden sich bis Anfang der 1990er Jahre die Küche sowie Wirtschafts- und Lagerräume. Die Räume besitzen einen Bruchsteinsockel und werden von einer Decke mit Tonnengewölbe abgeschlossen. Heute dienen sie als Aufenthaltsraum für Seminarteilnehmer.

Im Erdgeschoss führt ein kleiner Flur mit einer Wandverkleidung aus Marmor und einem Tonnengewölbe mit vergoldeten Stuckaturen vom Portal zu einer großen Halle. Sie ist mit Kamin und halbhoher Eichenholztäfelung der Mittelpunkt der Repräsentationsräume. Von dort führt eine breite Treppe in das Obergeschoss sowie ein kleiner Flur durch ein Rundbogenportal in einen als Empfangszimmer dienenden Salon. Dieser ist im Stil des französischen Klassizismus ausgestattet. Eine niedrige Täfelung und eine Einfassung der Stuckdecke in den Farben Weiß und Gold umfassen eine Wandbespannung aus gelbem Stoff. An der Nord- und Ostwand stehen zwei große Marmorkamine.

Vom Salon ist das Speisezimmer erreichbar. Seine auffälligsten Ausstattungsstücke sind eine halbhohe Eichenholztäfelung, die im oberen Wandbereich von einer Seidenbespannung abgelöst wird, und mit reichem Schnitzwerk versehene Buffetschränke. Ein offener, stuckierter Kamin an der Nordwand ermöglichte die Beheizung des Raums.

Von der Halle führt eine Tür zum Großen Saal (auch Rittersaal genannt), der vor allem bei gesellschaftlichen Anlässen als Speisesaal genutzt wurde. Seine Wände sind mit dunkelrotbraunem Holz vertäfelt und durch reich ornamentierte Pilaster mit vergoldeten Kapitellen vertikal gegliedert. An der Südseite des Raumes steht ein Kamin aus Sandstein mit einem geschnitzten Spiegelaufsatz. Die leicht gewölbte Stuckdecke des Saals trägt drei Gemälde des Münchener Malers Ferdinand Wagner.

Über drei große Flügeltüren in der Ostwand des Großen Saals ist der Wintergarten erreichbar. Die Wände über einem Sockel aus Kalkstein sind in pompejianischem Rot gehalten und durch Messingleisten kassettiert. Durch weiße Pilaster mit Hermen und Karyatiden sind sie zusätzlich vertikal gegliedert. Neben vier großen Rundbogenfenstern sorgen drei Oberlichter mit farbigem Glas für Beleuchtung des Raums. Supraporten über den Türen zeigen antike Darstellungen.

Das Obergeschoss ist schlichter ausgestattet als die repräsentativen Räume des Untergeschosses. Arbeits- und Schlafzimmer des Schlossherrn besitzen eine kassettierte, 2/3-hohe Täfelung aus Eichenholz. Im Schlafzimmer befindet sich darüber eine textile Wandbespannung, während das Arbeitszimmer im oberen Wanddrittel eine Ledertapete und zusätzlich einen barocken Kamin von 1640 besitzt, dessen Inschrift Friedrich von Landsberg und seine Frau Katharina von Meschede als seine Erbauer ausweist.

Neben den privaten Wohnräumen August Thyssens befindet sich im ersten Stock ein Gästeappartement mit dem bekanntesten Mobiliar des Schlosses, dem sogenannten Pariser Bad; ein Bade- und Toilettenzimmer, dessen Einrichtung von einer Straßburger Firma hergestellt und auf der Weltausstellung im Jahr 1900 zu sehen war. Der Raum besitzt einen Mosaikfußboden und eine tonnengewölbte Stuckdecke. An den Längsseiten sind die Wände mit Wandfliesen verkleidet, die am Boden mit braunen und gelben Tönen beginnen und nach oben allmählich in Blau- und Türkisfarben wechseln. Gegenüber der zweiflügeligen Eingangstür befindet sich an der Stirnwand eine apsisartige Badenische. Das in den Fußboden eingelassene Badebecken aus weißem Marmor wird von gelblich-braunem Kalkstein an der Wand umrahmt und durch ein Oberlicht aus farbigem Glas beleuchtet. Alle Einrichtungsgegenstände weisen verspielte Ornamente auf, die gemeinsam mit der Farbgebung des Raums an einen Teich erinnern sollen.

Das Gästeschlafzimmer mit Blick auf die Gartenanlagen des Schlosses nimmt sich neben dem Jugendstilbad vergleichsweise bescheiden aus. Seine gesamte Ausstattung ist aus Mahagoniholz mit Bronzebeschlägen gefertigt und weist Stilelemente des französischen Empires auf. mini|Das Gärtnerhaus (2007)

Außengebäude