mini|Schreitender Buddha im Sukhothai-Stil, Wat Benchamabophit, Bangkok

Eine Buddha-Statue (, phra phuttharup) ist das plastische, meist idealisierte Abbild des Buddha. Die meisten Buddha-Statuen wurden nicht als Kunstwerk zur Dekoration geschaffen, sondern vielmehr dafür, den Betrachter an Buddha zu erinnern oder zu belehren. Die Erschaffung einer Buddha-Statue wird von Gläubigen als „gute Tat“ angesehen, wodurch sich ein positiver Einfluss auf die nächste Wiedergeburt erhofft wird.

Geschichte Zur geschichtlichen Einordnung der Buddha-Statuen siehe Artikel Buddha-Statue oder auch Artikel Buddhistische Kunst.

Ikonographie thailändischer Buddha-Statuen Im Laufe der Geschichte entwickelten sich spezielle Regeln, nach denen der Erleuchtete porträtiert werden konnte: Spezielle physikalische Charakteristika, die Mönchs-Kleidung, Gesten und Körper-Haltungen. Dies Alles wurde kodifiziert.

Die 32 Merkmale eines „Großen Mannes“

Die meisten Buddha-Statuen weisen einige ungewöhnliche Merkmale auf: manchmal ist es ein kleiner Punkt zwischen den Augen, ein andermal ist es das Bild eines Rades auf den Hand- oder Fußflächen. Meistens hat der Buddha eine Ausbuchtung oder sogar eine Flamme auf dem Kopf.

Alles dies sind Beispiele von „übernatürlichen“ Merkmalen, die in der indischen Ikonografie allen außergewöhnlichen Menschen (Mahapurusha) gemeinsam war, sei er ein Universaler Weltenherrscher (Chakravartin) oder ein Buddha.

Es werden 32 Hauptmerkmale (Sanskrit: Lakshana) und 80 Nebenmerkmale unterschieden.

Einer Legende nach soll bei der Geburt Siddhartha Gautamas der Seher Asita erschienen sein, der die 32 Merkmale an Siddharta entdeckte und ihm eine große Zukunft prophezeite.

Diese Zeichen wurden in vielen alten Texten erwähnt, sowohl in Pali als auch in Sanskrit.

Hier ist ein Zitat aus der Digha Nikaya Sutra – „Die Längere Sammlung“, einem heiligen Text der Theravada-Buddhisten, in der Übersetzung von Karl Eugen Neumannzitiert von http://www.palikanon.de/digha/d30.htm

«Zweiunddreißig, ihr Mönche, sind es der Merkmale eines großen Mannes, mit denen begabt ein solcher nur zwei Bahnen betreten kann, keine dritte. Wenn er im Hause bleibt, wird er König werden, Kaiser, ein gerechter und wahrer Herrscher, ein Sieger bis zur Mark der See, der seinem Reiche Sicherheit schafft, ... Und er wird über tausend Söhne haben, tapfer, heldensam, Zerstörer der feindlichen Heere. Dann wird er diese Erde bis zum Ozean hin, ohne Stock und ohne Stahl gerecht obsiegend, beherrschen. Wenn er aber aus dem Hause in die Hauslosigkeit zieht, wird er heilig werden, vollkommen auferwacht, der Welt den Schleier hinwegnehmen.» «Da hat, ihr Mönche, der große Mann wohlgefestete Füße: daß aber, ihr Mönche, der große Mann wohlgefestete Füße hat, das ist eben an ihm eines der Merkmale eines großen Mannes.» (Die englische Übersetzung sagt hier ... „He hath feet with level tread“, auf Deutsch: er hat Plattfüße – aber das passt so nicht in die Satz-Melodie und -Rhythmus.) «Weiter sodann, ihr Mönche: unten sind bei dem großen Manne, an den Sohlen der Füße, Räder zu sehn, mit tausend Speichen, mit Felge und Nabe und allen Abzeichen geziert: auch das, ihr Mönche, ist eben an ihm eines der Merkmale eines großen Mannes.» «Weiter sodann, ihr Mönche: schmal ist die Ferse, ...» (Die englische Übersetzung sagt hier sinngemäß „Er hat hervorstehende Fersen“, welches zum Beispiel bei dem schreitenden Sukhothai-Buddha gut zu sehen ist.) «... lang sind die Zehen, ...» (Die englische Übersetzung: „Lang sind die Finger und die Zehen, ...“) «... sanft und zart sind Hände und Füße.» «Die Bindehaut zwischen Fingern und Zehen ist breit geschweift wie ein Netz.» «Muschelwölbig ist der Rist.» «Die Beine sind schlank wie bei der Gazelle.» «Stehend kann er, ohne sich zu beugen, mit beiden Handflächen die Knie befühlen und berühren.» «In der Vorhaut verborgen ist das Schamglied.» «Gülden leuchtet der Körper, wie Gold erglänzt seine Haut. ...» «... Sie ist geschmeidig, so geschmeidig, daß kein Staub und Schmutz daran haften bleibt.» «Einzelflaumig ist die Behaarung, je einzeln ist das Flaumhaar in der Pore gewachsen.» «Nach oben gerichtet ist der Flaum, die Flaumhaare sind nach oben gewachsen, schwarz wie Augenschminke, wie Ringe geringelt, rechts herum sind sie gedreht.» «Heilig erhaben ragt die Gestalt empor, ist gar heiter anzuschauen.» - - - (Die englische Übersetzung fügt hier ein: „Er hat die sieben konvexen Oberflächen.“) «Wie beim Löwen ist der Vorderleib, mit der breiten Brust.» - - - (Die englische Übersetzung fügt hier ein: „Er hat keine Furche zwischen seinen Schultern.“) «Eine Klafter hoch ist der Wuchs, seine Körperlänge entspricht seiner Armweite, seine Armweite entspricht seiner Körperlänge.» (Die englische Übersetzung beschreibt hier: „Seine Proportionen sind die des Banyan-Baumes: seine Körperlänge entspricht ...“) «Gleichgeformt sind die Schultern, ....» «... mächtig die Ohrmuscheln, ....» «... das Kinn löwenartig.» «Die Zähne sind vollständig, ...» «... gleichmäßig gefügt, ...» «... nicht auseinanderstehend, ...» «... glänzend weiß ist das Gebiß.» «Gewaltig ist die Zunge, ...» «... heilig der Klang der Stimme, ein Ton wie Waldvogelsang.» (In der englischen Übersetzung ist der Waldvogel ein „Karavika-Vogel“.) «Tiefschwarz sind die Augen, ...» «... die Wimpern wie beim Rinde.» «Eine Flocke ist zwischen den Brauen gewachsen, weiß und weich wie Baumwolle.» (Sanskrit: Urnah) «Und es hat der große Mann einen Scheitelkamm.» (Die englische Übersetzung lautet hier sinngemäß: „Er hat einen Kopf wie ein königlicher Turban“, Sanskrit: Ushnisha)

Die verlängerten Ohrläppchen stehen nicht auf dieser Liste, obwohl der Prinz schwere Ohrringe trug, die die Form seiner Ohrläppchen dauerhaft veränderten. Ebenfalls falsch ist der populäre Glaube, dass lange Ohrläppchen ein langes Leben versprechen.

mini|Buddhastatue im Sukhothai-Stil, „die Sandelholz-Statue aufhaltend“, Wat Benchamabophit, Bangkok

Zusätzliche Merkmale der Sukhothai-Künstler mini|hochkant|Typisch für den Sukhothai-Stil: die Hand der Buddhastatue im Wat Si Chum

Die Künstler im Königreich von Sukhothai hielten sich noch an eine weitere Liste von Merkmalen, wie sie bereits seit Jahrhunderten von indischen Poeten benutzt wurde, um göttliche oder gottähnliche Wesen zu beschreiben: Ein ovaler Kopf „wie die Form eines Eis“ oder „wie die Frucht des indischen Bael-Baumes“. Geschwungene Augenbrauen „wie ein gespannter Bogen“. Eine Adlernase „wie der Schnabel eines Papageis“. Ein Kinn „wie der Kern einer Mango“ (oft durch eine elliptische Linie wie eine Haut-Falte betont). Hände „wie eine sich öffnende Lotos-Knospe“. Schultern „wie der Kopf eines Elefanten“. Arme so gewunden „wie der Rüssel eines Elefanten“. „Keine Darstellung von Knochen, Muskeln oder Adern“.

Körperhaltungen von Buddha-Statuen

Traditionell werden thailändische Buddha-Statuen nur in bestimmten Körperhaltungen (iryapatha) dargestellt (Gesten des Buddha): Sitzend Die indische oder heroische Pose (virasana): Verschränkte Beine – das eine liegt oben auf dem anderen, meistens liegt das rechte oben. Um aus dieser Haltung aufzustehen, muss lediglich das obere Bein nach unten geschwenkt werden (siehe Bild 1). Die Andamant- oder Yogi-Pose (vajrasana): Verschränkte Beine – jeder Fuß liegt auf dem jeweils anderen Oberschenkel, die Fußsohlen zeigen nach oben (siehe Bild 2). Um aus dieser Haltung aufzustehen, benötigt man die Hilfe einer Hand. (Nicht jeder kann in solch einer Position sitzen.) Die westliche (europäische) Pose (pralambanasana): So wie eine Person in einem Stuhl sitzt, die Beine hängen locker herunter (siehe Bild 5). Stehend: die Figur ist dem Betrachter zugewandt, beide Füße stehen parallel zueinander fest auf dem Boden (siehe Bild 6) Schreitend: das Körpergewicht der Figur liegt auf dem einen Bein, das andere ist etwas gebeugt, wobei die Ferse angehoben ist, um die Bewegung darzustellen (siehe Bild oben) Liegend: die Figur liegt gewöhnlich auf ihrer rechten Seite, obwohl es dazu einige Ausnahmen zu beobachten gibt. Die rechte Hand unterstützt den Kopf, während die linke Hand ausgestreckt an ihrer linken Seite liegt. Beide Füße liegen symmetrisch und parallel. Die rechte Schulter ruht auf dem traditionellen dreieckigen thailändischen Kissen (siehe Bild 11).

Handhaltungen von Buddha-Statuen miniatur|Buddha-Statuen im Meditations-Stil in Wat Suthat Die Handhaltungen (Mudra) sind ein wichtiger Bestandteil der Ikonographie. Sie stellen bestimmte Aktionen oder Ereignisse im Leben des Buddha dar. Es gibt für thailändische Buddha-Statuen diese sechs traditionellen Mudra: Es handelt sich um eine stehende oder schreitende Figur: Er hat entweder die rechte oder auch beide Hände erhoben wie ein Verkehrspolizist: Diese Handhaltung heißt „Die Angst vertreiben“ (Abhaya-mudra). Sie symbolisiert Schutzverheißung und Furchtlosigkeit (siehe Bild 6). Er hat entweder eine Hand (oder seltener beide Hände) erhoben. Sein Zeigefinger und Daumen formen einen Kreis. Diese Handhaltung heißt „Die Geste der Unterweisung“ (Vitarka-mudra), sie ist die Geste des Lehrens und Erklärens. Sein rechter Arm hängt ausgestreckt, die Handfläche zeigt nach vorne, die Finger zeigen in gerader Linie nach unten. Diese Handhaltung heißt „Die Geste der Wunschgewährung“ (Varada-mudra). Sie symbolisiert Barmherzigkeit und Freizügigkeit. Es gibt auch einige sitzende Figuren (z. B. im Wat Pho, Bangkok) mit dieser Handhaltung (siehe Bild 4). Es handelt sich um eine sitzende Figur: Er hat beide Hände locker im Schoß liegen, eine Hand liegt auf der anderen, die Handflächen zeigen nach oben. Diese Handhaltung symbolisiert die Meditation (Dhyana-mudra). Manchmal sitzt der Buddha in der Meditations-Haltung auf dem zusammengerollten Körper einer Schlange (auf Thai: Naga Brok – Buddha unter der Naga – siehe Bild 3). Seine linke Hand liegt mit der Handfläche nach oben in seinem Schoß. Seine rechte Hand liegt auf dem rechten Knie, die Finger zeigen nach unten: Diese Handhaltung symbolisiert die Niederlage des Dämonen Mara, bei der der Buddha die Erde als Zeugin für seinen Weg anrief. (Bhumisparśa-mudra – wörtlich: „Berühren der Erde“, Thai: Sadung Mara) Sie symbolisiert die Unerschütterlichkeit des Buddha (siehe Bild 1). Er hält beide Hände in Brusthöhe. Zeigefinger und Daumen jeder Hand formen einen Kreis, die Fingerspitzen der linken Hand berühren die rechte Handfläche: Diese Handhaltung heißt „Das Rad der Lehre in Bewegung setzen“ (Dharmachakra-mudra) und ist bildlich auch in jeder Darstellung des Fußabdrucks Buddhas dargestellt. Ursprünglich saßen Figuren mit dieser Handhaltung in der indischen Pose (s. vorherige Seite), später ging man dazu über, diese Handhaltung nur für Figuren in europäischer Sitzhaltung zu verwenden. Sehr selten auch bei stehenden Figuren. Bei liegenden Figuren werden traditionell keine speziellen Handhaltungen unterschieden. Allerdings befindet sich eine ungewöhnliche Ausnahme zu dieser Regel im Wat Samphao in Chiang Mai: der Buddha liegt auf seiner rechten Seite, wobei der Kopf nicht von einem Kissen, sondern von der rechten Hand gestützt wird. Der linke Arm liegt entlang seiner linken Seite und seine Hand ist dabei in der „Geste der Unterweisung“ ausgeführt.Carol Stratton: Buddhist Sculpture, Seite 217

Bildbeispiele

Typen thailändischer Buddha-Statuen Neben den bereits erwähnten Körper- und Handhaltungen gibt es bei thailändischen Buddha-Statuen noch viele weitere Arten. König Rama III. bat seinen Onkel, den Abt Prinz Paramanuchit Chinorot, Abt des Wat Pho in Bangkok, die verwirrende Vielfalt zu katalogisieren. So beschrieb Abt Chinorot vierzig verschiedene Körperhaltungen des Buddha in einer illustrierten Abhandlung, der Pathama Sambodhikatha. Aufgrund dieser Beschreibungen ließ König Rama III. später 34 Miniatur-Statuen (etwa 10 cm gemessen von Knie zu Knie) in Bronze gießen und in der Phra Karamanusorn-Halle auf dem Gelände des Wat Phra Kaeo aufstellen.