Henry Fonda for President ist ein essayistischer Dokumentarfilm von Alexander Horwath aus dem Jahr 2024. Der Film wurde auf der Berlinale 2024 in der Sektion Forum uraufgeführt und in der Folge auf mehreren internationalen Festivals ausgezeichnet. In der jährlichen Kritikerumfrage der britischen Filmzeitschrift Sight & Sound wurde er unter die „Besten Filme 2024“ gewählt.

Handlung und Form Der dreistündige Essayfilm verschränkt zwei Erzählstränge: Im Mittelpunkt steht der US-amerikanische Filmschauspieler Henry Fonda (1905–1982). Ausgehend von dessen Leinwand-Persona und seiner Lebensgeschichte entwirft Alexander Horwath ein gedankliches Panorama der Vereinigten Staaten von Amerika, von der Ankunft der niederländischen Fonda-Vorfahren im 17. Jahrhundert bis zur Gegenwart.

Der Film enthält sowohl aktuelle Aufnahmen aus den USA als auch vielfältiges Archivmaterial: Filmausschnitte, historische Film- und Tondokumente, Gemälde, Fotografien. Gedreht wurde an Schauplätzen wie Albany, Omaha, Grand Island, New York, Tuckahoe, New Salem, Tombstone, Fort Apache, Fonda, NY u. a. Geschichte, Populärkultur, Politik und Horwaths Überlegungen, die er in einem ausführlichen Voice-over-Text darlegt, verknüpfen sich zu einer weit ausgreifenden und zugleich persönlichen Erzählung. Als zweite Kommentarstimme dienen Originaltöne aus einem langen Interview, das der Journalist Lawrence Grobel 1981 mit Henry Fonda geführt hat.

Henry Fonda for President beginnt mit einer Jugenderinnerung des Filmemachers an Paris im Sommer 1980. Zur selben Zeit finden in Moskau die olympischen Spiele statt; in Detroit wird Ronald Reagan zum Kandidaten der Republikanischen Partei für das Amt des US-Präsidenten gekürt; in New Hampshire dreht Henry Fonda seinen letzten Film.

Zwei Film- bzw. TV-Dokumente mit Fonda und Reagan beleuchten zwei verschiedene Weisen, die Vereinigten Staaten von Amerika zu betrachten, als „God’s Own Country“ oder als Schauplatz sozialer Kämpfe. Es folgt ein großer Rücksprung ins Jahr 1651, in die Niederlande. Eine doppelte Migrationsgeschichte nimmt ihren Lauf, die Geschichte eines Mannes und seiner Familie – und die Geschichte der USA, einer Nation in Bewegung. Henry Fonda bahnt der Erzählung den Weg: Alle Stationen dieser Reise durch das Land und dessen Geschichte sind mit ihm verbunden – mit seinem Leben und dem seiner Vorfahren; mit seiner Arbeit als Schauspieler und seiner öffentlichen Person; mit den Kinofiguren, die er darstellte. In ihnen fokussierte er sich selbst, aber auch das Land, aus dem alle diese Gesichter herrühren.

Hintergrund Henry Fonda for President ist der Debütfilm des Autors und Kurators Alexander Horwath. Er verfolgt darin sowohl die reale Geschichte der USA und ihres Demokratiemodells wie auch die Imaginationen des Kinos und der Populärkultur, die das historische (Selbst-)Bild des Landes und dessen politische Debatten geprägt haben: „Die politischen Kräfte in einer Gesellschaft sind nicht nur an den offiziellen Orten abzulesen, sondern auch – oder gerade – an ihrem ‚Dream Life‘, wie es Norman Mailer genannt hat, ‚ein unterirdischer Strom wilder, einsamer und romantischer Wünsche‘. Im 20. Jahrhundert hat man vom Kino viel über diese Imaginationen erfahren.“

Als Ankerfigur dieses filmischen Essays über die USA dient dem Autor der Schauspieler Henry Fonda: „Dank seiner Familiengeschichte, seiner persönlichen Konflikte, Schwächen und Überzeugungen, seiner Filme und seines besonderen Vermögens als Darsteller fungiert Fonda auch ein bisschen wie ein Zoom-Objektiv, das mittels variabler Brennweite verschiedenste Dimensionen der Geschichte und des Lebens in Amerika einfängt. Manchmal nur die Umrisse, manchmal die genauesten Details. (…) [Der Film] ähnelt vielleicht einer Doppelhelix: zwei auf- oder absteigende Hauptstränge in spiralisierender Bewegung – die Biografie eines Komposits namens ‚Henry Fonda‘ und die ‚Biografie‘ der Vereinigten Staaten von Amerika.“

In Fonda sieht Horwath eine besondere Form von Autorschaft verkörpert: „Ich glaube, dass mit der speziellen Kunstform des Kinos, des Spielfilms, eine multiple Autorschaft einhergeht. Es gibt einzelne, prägende Figuren in den unterschiedlichen Metiers, Drehbuch, Kamera und eben auch Schauspiel, die sich mit einer konsistenten Gestaltungskraft so in die Werke einbringen, dass sie eine Signatur ähnlich der Regie entwickeln. Bei Fonda bin ich mir sicher, dass der Akteur auch ein ‚Auteur‘ ist.“

Der Blick des Films auf die USA wird als ein Blick von außen kenntlich gemacht: „Es war mir wichtig, diese Perspektive auf die USA klar auszuschildern – als eine Sicht, die ‚von anderswo‘ herkommt. Daher gab es auch nie die Idee, eine rein englische Sprachfassung zu machen. Neben Fonda, der natürlich im englischen Original zu hören ist, gibt es eine zweite, deutsche Stimme aus dem Off. Der da spricht, also ich, ist von der europäischen Geistesgeschichte geprägt. Er hat zwar seit seiner Jugend ein offensichtliches Interesse für Amerika entwickelt, aber was er darüber vermitteln kann, tut er mit den Werkzeugen, die ihm gegeben sind.“

Der Film entstand mit Unterstützung des Bundesministeriums für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport sowie der Kulturabteilung der Stadt Wien, Nordmedia und in Zusammenarbeit mit Arte.

Die Uraufführung fand am 19. Februar 2024 im Berliner Delphi-Kino im Rahmen der Berlinale statt. Der Film wurde für den Dokumentarfilmpreis der Berlinale nominiert und lief in der Sektion Forum. In der Folge wurde er auf rund 40 internationalen Filmfestivals, Stand März 2025, präsentiert und mehrfach ausgezeichnet.

Seinen Kinostart erlebte der Film im Jahr 2025 in Österreich am 10. Januar, in Deutschland am 30. Januar und in den USA am 3. April. Die deutlich kürzere, 56 Minuten lange TV-Version, Henry Fonda – Der Präsident der Namenlosen, wurde am 3. November 2024 und am 17. Februar 2025 auf Arte ausgestrahlt.

Rezeption In den deutschsprachigen Zeitungen und Fachzeitschriften erlebte der Film nach seiner Uraufführung auf der Berlinale insgesamt eine starke und positive Rezeption. Auch von der internationalen Kritik wurde der Film anlässlich seiner Premiere und im Zuge der folgenden Filmfestivals positiv wahrgenommen. In der jährlichen Kritikerumfrage der britischen Zeitschrift Sight & Sound wurde Henry Fonda for President unter die „Besten Filme 2024“ gewählt. In der internationalen Kritikerumfrage des argentinischen Fachmediums Con los ojos abiertos nahm er Platz 1 unter den „Debütfilmen des Jahres“ und Platz 7 unter den „Filmen des Jahres“ ein. Im US-amerikanischen Magazin Film Comment rangiert der Film auf Platz 16 des Polls „Best Films of 2025“.

Auszeichnungen 2024: Special Jury Prize beim BAFICI – Buenos Aires International Independent Film Festival in der der Sektion Avant-Garde & Genre 2024: Chantal Akerman Award beim Jerusalem Film Festival 2024: Time of History Special Award beim Valladolid International Film Festival – SEMINCI 2024: Publikumspreis beim Festival I mille occhi in Triest 2024: Special Award der offiziellen Jury beim Festival Cineuropa, Santiago de Compostela 2025: Diagonale-Preis Schnitt für die beste künstlerische Montage Dokumentarfilm (Michael Palm)https://www.diagonale.at/preise-schnitt-25/

Weblinks

Henry Fonda for President bei Mischief Films Henry Fonda for President bei Medea Film Factory Henry Fonda for President bei Sixpackfilm Weltvertrieb

Einzelnachweise

Kategorie:Filmtitel 2024 Kategorie:Dokumentarfilm Kategorie:Österreichischer Film Kategorie:Deutscher Film