mini|hochkant|Irina Rastorgueva auf der Leipziger Buchmesse 2025 Irina Rastorgueva (* 1983 in Juschno-Sachalinsk) ist eine russische Grafikerin, Autorin und Übersetzerin. Mit ihrem Sachbuch Pop-up-Propaganda wurde sie 2025 mit dem Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Sachbuch/Essayistik ausgezeichnet.

Leben Nach ihrem Studium der Philologie an der Staatlichen Universität Sachalin arbeitete sie dort von 2006 bis 2015 als Dozentin im Fach Journalistik. Sie schrieb zahlreiche wissenschaftliche Artikel über die Theorie und Geschichte der Literatur und des Journalismus des 20. Jahrhunderts. Zudem arbeitete Rastorgueva als Kulturjournalistin für diverse russische Zeitschriften und Radiosender. 2011 gründete sie das Kulturmagazin ProSakhalin. Ab 2011 engagierte sie sich für das Theater, etwa als Dramaturgin am Tschechow-Theater Sachalin und als künstlerische Produktionsleiterin des Far Eastern Theatre Forum / Theatre go round Festival in Sapporo 2015.

Seit 2017 ist sie auch als freie Dramaturgin und Regisseurin in Berlin tätig. In Berlin begann sie auch in der Berliner Zeitung, der FAZ und im Magazin Osteuropa zu publizieren. Auch ihre Hochschulkarriere setzte sie 2021 fort: Sie hielt im Wintersemester 2021/2022 gemeinsam mit Thomas Martin Vorlesungen an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg, Department Design.

Werk 2022 befasste sich Irina Rastorgueva in ihrem Buch Das Russlandsimulakrum mit der Situation in Russland unter der Herrschaft Putins. Im Deutschlandfunk erläuterte sie, warum sie den Begriff Simulakrum verwendet hat. Russland sei ein Land ohne Inhalt. Es gäbe keine Ideologie, keine demokratischen Institutionen, nichts funktioniere wirklich. Ein Rechtssystem werde nur vorgespiegelt, denn in Wahrheit stünden die Urteile schon vorher fest. „Eine ‚Militärdiktatur‘ spielt absurdes Theater“, fasste der Sender das Interview mit der Autorin in der Überschrift zusammen.

2024 erschien bei Matthes & Seitz Berlin das Sachbuch Pop-up-Propaganda: Epikrise der russischen Selbstvergiftung. Rastorgueva vertiefte ihre Analyse des Zustandes Russlands, wofür sie drei Jahre lang die russischen Medien beobachtete. Die Kremlpropaganda, so das Fazit, habe in der Regierungszeit Putins die Dimension einer eigenen Wirklichkeit angenommen. Das Werk wurde 2025 mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet. Die Jury begründete die Vergabe wie folgt:

Mit Thomas Martin übersetzte Rastorgueva Romane von Georgi Demidow aus dem Russischen.

Veröffentlichungen

Sachbücher Irina Rastorgueva, Thomas Martin (Hrsg.): Russen/Brecht. Ansichten zum politischen Theater in Russland zwischen Stalin und Putin. Verbrecher Verlag, Berlin 2019, ISBN 978-3-95732-523-5. Das Russlandsimulakrum. Kleine Kulturgeschichte des politischen Protests in Russland. Matthes & Seitz Berlin, Berlin 2022, ISBN 978-3-7518-0802-6. Pop-up-Propaganda. Epikrise der russischen Selbstvergiftung. Nachwort Thomas Martin. Matthes & Seitz Berlin, Berlin 2024, ISBN 978-3-7518-2037-0.

Übersetzungen

Georgi Demidow: Fone Kwas oder: Der Idiot. Hrsg. und Übers. aus dem Russischen von Irina Rastorgueva und Thomas Martin. Verlag Galiani Berlin, Berlin 2023, ISBN 978-3-86971-288-8. Taschenbuchausgabe: Matthes & Seitz Berlin, Berlin 2025, ISBN 978-3-7518-4521-2. Georgi Demidow: Zwei Staatsanwälte: Eine Geschichte aus dem Großen Terror. Hrsg. und Übers. aus dem Russischen von Irina Rastorgueva und Thomas Martin. Verlag Galiani Berlin, Berlin 2025, ISBN 978-3-86971-306-9.

Essays (Auswahl)

Im Käfig mit dem bösen Wahnsinnigen. Faschismus ist einfach: Russlands Machthaber entfachen auch nach innen ein Gewaltbacchanal. Zivilisten sind Feinde. In: FAZ Nr. 76, 31. März 2022, S. 12.

Weblinks

Einzelnachweise

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