August Karl Stöger (* 19. Jänner 1905 in Ischl; † 18. April 1989 in Bad Ischl) war ein österreichischer Autor von Jugendbüchern, Erzählungen, Romanen und Hörspielen. Auch als Übersetzer war er tätig. In Zeitungen der 1930er und 1940er Jahre wurde er oftmals fälschlicherweise auch Karl August Stöger genannt.
Leben und Wirken Familie und Abstammung August Karl Stöger wurde am 19. Jänner 1905 als Sohn des Salinenarbeiters August Stöger (* 21. Juni 1875 in Ischl;Taufbuch Bad Ischl, tom. ?, fol. ? (Faksimile), abgerufen am 22. März 2025Trauungsbuch Bad Ischl, tom. X, fol. 152 (Faksimile), abgerufen am 22. März 2025 † 2. Jänner 1956) und dessen Ehefrau Katharina (geborene Kitzmüller; * 2. September 1879 in St. Johann am Windberg; † 9. April 1953) in Ischl geboren und am 22. Jänner 1905 auf den Namen August Karl getauft.Taufbuch Bad Ischl, tom. XV, fol. 171 (Faksimile), abgerufen am 22. März 2025 Die Familie lebte zu dieser Zeit in der zu Ischl gehörenden Ortschaft Reiterndorf; seine Eltern hatten am 11. Jänner 1904 in Ischl geheiratet. Stögers Cousin war der ebenfalls aus Ischl stammende Volksdramatiker und Theaterverleger Hermann Demel (1897–1986). Der Vater diente im Ersten Weltkrieg in der Landsturm-Infanterie und wurde im Herbst 1914 bei Lublin durch einen Handschuss verwundet. Am 2. November 1916 wurde er neuerlich verletzt, als er, mittlerweile an der italienischen Front im Einsatz, auf dem Rückweg vom Nachtdienst durch ein Schrapnell unterhalb des linken Schulterblattes verwundet wurde und sich zudem eine Streifverwundung an der linken Achsel zuzog. Ein Onkel August Karl Stögers fiel im Ersten Weltkrieg bei den Karpatenkämpfen im März 1915, während Paul Stöger, ein weiterer Onkel, als Oberlehrer in der oberösterreichischen Heimat verweilte und nicht zum Kriegsdienst eingezogen wurde. Im Jahr 1917 wurde dem Vater die kaiserliche belobende Anerkennung sowie die Bronzene Tapferkeitsmedaille zuteil.
Schulzeit und Beginn des Lehrerberufs Stöger besuchte in Bad Ischl die Volksschule und ging dann an die Bischöfliche Lehrerbildungsanstalt Linz, an der er 1923 mit Auszeichnung maturierte. Danach war er in verschiedenen Orten Oberösterreichs, vor allem im Salzkammergut, als Volksschullehrer beschäftigt. Eine der ersten Stellen war die eines Aushilfslehrers in Neukirchen bei Altmünster. Etwa 1927 fungierte er als provisorischer Schulleiter in Pramet und wurde von der oberösterreichischen Landesregierung in deren Sitzung vom 20. Dezember 1927 zum Lehrer in Viechtwang ernannt. Ende Oktober 1928 wurde er zum provisorischen Lehrer an der Knabenhauptschule Wels berufen. Rund ein Jahr später wurde er provisorischer Lehrer in Kematen. Ebenfalls 1929 legte er die Hauptschulprüfung in Deutsch, Englisch, Geschichte und Geografie ab und wirkte ab dieser Zeit als Hauptschullehrer in zahlreichen oberösterreichischen Gemeinden, darunter in Kirchdorf an der Krems, Gmunden, Ebensee, Goisern und zuletzt bis zu seiner Pensionierung 1967 in Bad Ischl. Um 1930 war er als Fachlehrer in Gmunden tätig und kam als solcher im Herbst 1931 an die Hauptschule in Grieskirchen.
Im Jahr 1932 legte er eine ergänzende „Staatsprüfung für englische Sprache“ ab und war in den 1930er Jahren zeitweise auch wieder als Volksschullehrer, unter anderem ab Februar 1935 in Pettenbach, beschäftigt. Kurz davor hatte er als provisorischer Lehrer in Berg an der Krems gewirkt. Bereits wenige Monate später wurde er von der oberösterreichischen Landesregierung zum Hauptschullehrer in Goisern bestellt, blieb der Pettenbacher Volksschule allerdings bis März 1938 erhalten. Daraufhin wechselte er als provisorische Fachlehrer an die Hauptschule von Kirchdorf an der Krems. Bereits im Juni 1938 zog er weiter nach Molln, wo er aushilfsweise eine Anstellung fand.
Heirat und Kriegsdienst in der Wehrmacht Am 2. Jänner 1936 heiratete er die aus Hallein stammende Lehrerin und Regierungsratstochter Hildegard „Hilde“ Neubauer (* 26. Juni 1904 in Nixdorf, Bezirk Schluckenau, Österreich-Ungarn;Trauungsbuch Hallein, tom. X, fol. 300 (Faksimile), abgerufen am 25. März 2025 † 19. Mai 2001 in Bad IschlHildegard Stöger auf der offiziellen Webpräsenz des Bad Ischler Bestatters Anlanger, abgerufen am 25. März 2025), bekam mit dieser den Sohn Klaus (* 17. März 1937; † 29. März 1980) und versah seinen Kriegsdienst von 1940 bis 1945 als Soldat im Zweiten Weltkrieg. In diese Zeit fiel auch die Geburt des zweiten Kindes, der Tochter Hiltraud (* 8. September 1941; † 1. Februar 1945), die früh im Alter von drei Jahren verstarb. Als Freiwilliger nahm er an Feldzügen in Polen und Frankreich teil. Im Herbst 1941 war er auf dem Fliegerhorst Wels stationiert und im Sommer 1942 diente er in der Verwaltungseinheit der Fliegerhorst-Kommandantur Schwechat. Stöger geriet in Kriegsgefangenschaft und wurde nach seiner Heimkehr mit einem Berufsverbot von 1945 bis 1949 belegt, da er aufgrund seiner frühen NSDAP-Mitgliedschaft vermutlich als „belastet“ eingestuft worden war. Anschließend unterrichtete er kurzzeitig in Kirchdorf an der Krems und in Schärding. 1951 wurde er Hauptschullehrer in Altheim und war schließlich ab den frühen 1950er Jahren wieder Hauptschullehrer in Bad Ischl.
Schriftstellerische Laufbahn Im Laufe seiner schriftstellerischen Karriere veröffentlichte Stöger zahlreiche Werke, die sich mit historischen, abenteuerlichen und pädagogischen Themen befassten. Bereits 1930 erschien Aus Oberösterreichs vergangenen Tagen. Erzählungen aus der Geschichte unseres Heimatlandes, ein Buch, das vom oberösterreichischen Landesschulrat und weiteren namhaften Experten überprüft und vom Bundesministerium für Unterricht im März 1930 zum Unterrichtsgebrauch in Volks- und Hauptschulen als Klassenlesestoff zugelassen wurde. Es folgten Erzählungen wie Die Magd und andere Geschichten aus kleiner Welt (1937), später in erweiterten Fassungen als Die Heimkehr (1943) und In den dunklen Nächten (1953) veröffentlicht. Auszüge aus Die Magd erschienen in dieser Zeit auch in zahlreichen namhaften Zeitungen aber auch Zeitschriften wie Ruf der Heimat (1. Heft, Jänner 1938) oder in Schönleitners Monatsheften (1947). Weitere frühe Werke waren Die Kranewittbrüder (1938) und Der Knecht Tobias (1942), der 1950 in einer zweiten Auflage mit anderen Erzählungen erschien.
Vor allem in den 1940er und 1950er Jahren erschienen zahlreiche Erzählungen auch in Zeitungen wie dem Völkischem Beobachter, in Die Furche bzw. Die Warte, im Linzer Volksblatt, in den Salzburger Nachrichten, in den Oberösterreichischen Nachrichten, in Die Neue Zeit (Kärnten, Klagenfurt), in der Innviertler Zeitung oder in Die Weltpresse, so etwa Mit einem Kinde (1940) Der Ahnl (1943), Der Ahnl macht Feierabend (1943), Joachim (1948), Wir werden eine Heimat haben (1948), Unvergessene Landschaft (1949), Der Tod des Dichters (1949), Das Boot ist leer… (1949), Der Pullover (1949), Das Flüchtlingskind (1949), Vor den Fenstern… (1949), Die Antwort (1949), Denn ein Mensch, der an der Grenze steht… (1949), Die klugen Freunde (1949), Das Flüchtlingsmädchen (1949; auch in 1904 1954 50 Jahre Bischöfliches Lehrerseminar Linz (1954) abgedruckt) Beitrag in Österreichischer Volkskalender 1950 und Österreichischer Volkskalender 1951, Die Entschuldigung (1950), Wo du Caius bist… (1950), Hannes und der Sonntagsanzug (1951), Die bösen, die furchtbaren Tage… (1951), Steppenweihnacht (1952), Ein Kuß zu wenig… (1953), Ich, Van Der Meulen, (1954) oder Brigitte und die Chinesen (1954).
Neben historischen Stoffen widmete sich der Autor auch Abenteuergeschichten, etwa in Der Schäfer der Costa Bianca (1944) oder Gefährlicher Sommer (1951). 1949 bearbeitete und übersetzte er Daniel Defoes Klassiker Das Leben und die Abenteuer des Robinson Crusoe. In den 1950er Jahren entstanden zahlreiche weitere Werke, darunter das gemeinsam mit Eberhard Gaßner verfasste Lehrbuch Das Aufsatzbuch (1953), die Romane Junges Blut in kalter Welt (1953) und Urlaub nach dem Süden (1954) sowie Abenteuererzählungen wie Das Rätsel der Kautschukplantage (1954), Gefahr für Manuel (1956), Pedros letzter Schuß (1956) oder Wenn die Wölfe hungern (1962). Auch spannende und geheimnisvolle Stoffe fanden Eingang in sein Werk, etwa Das unheimliche Haus (1957) oder Der Tod läuft auf sechs Beinen (1960). Mit Marsch ins Ungewisse (1972) schilderte er die gefährliche Expedition Gustav Nachtigals in die Sahara. Seine späteren Werke beschäftigten sich zunehmend mit historischen Persönlichkeiten und Ereignissen, so etwa Wüste in Flammen. Lawrence von Arabien, weißer Bruder der Beduinen (1977) sowie Erzählungen in Nachlese (1989) rundeten sein vielseitiges Schaffen ab.
NS-Mitgliedschaften, andere Funktionen und literarische Tätigkeiten im Nationalsozialismus Im wohl bekanntesten Werk des vorrangig als Prosaautor tätigen Stögers, dem Roman Die Kranewittbrüder (1938), wird das Leben einer Bauern- und Bergarbeiterfamilie geschildert. Das Werk wurde Anfang der 1940er Jahre ins Tschechische (Bratři Kranewittové, 1942) und Niederländische (Het beklemde dal, 1943) übersetzt und erschien 1948 in 2. Auflage sowie in den Jahren 1954, 1957 und 1980 in Neuauflagen bzw. Lizenzausgaben. Viele seiner weiteren Texte thematisieren das Landleben und dessen Herausforderungen für den Einzelnen. Die Haltung Stögers zum Nationalsozialismus ist Gegenstand kritischer Betrachtung. Bereits 1932 trat er der NSDAP bei, bekannte sich offen zum Regime und dürfte auch von diesem profitiert haben. Nachdem er zumindest von 1. Juni 1932 bis zum 16. September 1933 der NSDAP als Mitglied angehört hatte (Mitgliedsnummer 1.080.568), stellte er im Jahr 1934 die Zahlung der Mitgliedsbeiträge ein, was von der NSDAP üblicherweise als stillschweigende Beendigung der Mitgliedschaft gewertet wurde. Nach dem Anschluss Österreichs beantragte er am 20. Mai 1938 die neuerliche Aufnahme in die NSDAP und wurde rückwirkend zum 1. Mai desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 6.291.358).Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/43221503. Laut seinem NSDAP-Erfassungsantrag von 1938 erklärte Stöger, die Unterbrechung seiner Mitgliedschaft sei auf ein Versehen zurückzuführen. Er habe die Beiträge irrtümlich an die NSV statt an die NSDAP gezahlt und könne dies durch eine Bestätigung der Ortsgruppe Goisern belegen. Im Rahmen der Erfassungsaktion wurde er auf Empfehlung des zuständigen Hoheitsträgers wieder in die Partei aufgenommen. Seine neue Mitgliedsnummer stammte aus dem für verdiente frühere NS-Aktivisten in Österreich reservierten Kontingent.