mini|Britische Truppen 1944 an einem der beiden Tunnel der Straße welche Maungdaw mit Buthiadaung verbindet Maungdaw (Burmesisch: မောင်တောမြို့) ist eine Stadt in Myanmar, dem ehemaligen Burma. Maungdaw wurde 2024 bekannt durch eine monatelange Schlacht zwischen den Truppen der Arakan Army (kurz AA) und der Militärregierung. Maungdaw ist ein Ort, an dem zahlreiche Kriegsverbrechen begangen wurden.Genocide Watch, 30 Dezember 2024: The Arakan Army (AA) has launched an aggressive campaign to seize control of Maungdaw, Myanmar, displacing tens of thousands of Rohingya under the pretext of civilian protection. Forced evacuations have caused shortages of food, clean water and healthcare. Hundreds of Rohingya have been killed. Stand 2025 kontrolliert die Arakan Army die Stadt.

Geographie Maungdaw liegt an der Grenze zu Bangladesch im Delta des Flusses Naf, der die Grenze zwischen Myanmar und Bangladesch bildet. In Maungdaw befindet sich einer der beiden offiziellen Grenzübergänge zwischen den beiden Ländern und wird Maungdaw Port genannt. Maungdaw wird durch die Mayu-Bergkette vom restlichen Myanmar getrennt. Zwischen 1916 und 1926 war die Stadt mit einer Eisenbahn nach Buthiadaung verbunden, das 30 Kilometer östlich im Tiefland liegt. Heute wird der ehemalige Eisenbahntunnel von einer Straße durchquert. Maungdaw bildet den nordwestlichsten Zipfel des Rakhaing-Staates und ist Hauptort des Maungdaw Township und des Maungdaw Distrikts.

Bevölkerung Mit 80 % stellten die Rohingya den größten Bevölkerungsanteil,frontiermyanmar, 8. Dezember 2016, Maungdaw: A Muslim perspective ... Muslims who identify as Rohingya easily comprise the majority of the population in Maungdaw Township, followed by a small number of Hindus and ethnic Rakhine. 15 % der Bewohner waren Arakanesen. Dazu kamen Angehörige der verschiedenen Chin-Gruppen. Viele der Rohingya flohen nach Bangladesch.

Geschichte mini|Nur in Maungdaw und Umgebung stellen die Rohingya die Mehrheit der Bevölkerung. In anderen Teilen sind sie eine Minderheit im Rakhaing-Staat, welcher von den Arakanesen dominiert wird mini|Niedergebranntes Dorf mini|Mitglieder der Arakan Army im Trainingslager der Kachin Independance Army in Laiza mini|Die AA war mit WMA-301 ausgerüstet mini|Stand 2025 ist die Grenze nach Bangladesch für Waren aus dem Land geschlossen. Das Gebiet des heutigen Maungdaw war bis 1784 Bestandteil des Arakan-Reiches. In jenem Jahr wurde es von Burma, dem heutigen Myanmar, erobert. Nach dem Ersten Anglo-Birmanischen Krieg 1824 kam das Gebiet um Maungdaw 1826 durch den Vertrag von Yandaboo unter britische Herrschaft. Maungdaw galt als abgelegen, konnte es doch nur per Schiff einfach erreicht werden. Dies änderte sich erst durch den Bau einer Eisenbahn und deren spätere Umwandlung in eine Straße.

Trotzdem wanderten in den 1830ern eine große Anzahl von Menschen aus Chittagong, dem heutigen Bangladesch, nach Maungdaw ein. Dabei muss man verstehen, dass es zur damaligen Zeit keine internationale Grenze zwischen Maungdaw und Chittagong gab. Beide Gebiete wurden von der Britischen Ostindien-Kompanie verwaltet. Nach der Eroberung des Arakan-Reiches durch die Burmesen hatte eine Massenflucht der Arakanesen nach Britisch-Indien eingesetzt. 40.000 Arakanesen wurden von den Burmesen hingerichtet. Es gab also einen Arbeitskräftemangel und höhere Löhne lockten viele Bewohner von Chittagong nach Maungdaw. Inwieweit es bereits vor der britischen Herrschaft eine bedeutende muslimische Gemeinde gab, ist unter Wissenschaftlern umstritten. Fakt ist aber, dass viele Rohingya bereits seit dem Beginn der britischen Kolonisation in Maungdaw leben.Aye Chan Kanda University of International Studies: The Development of a Muslim Enclave in Arakan (Rakhine) State of Burma (Myanmar)1

Erst mit dem Government of Burma Act 1935 entstand die heutige Grenze zwischen Indien und Burma. Davor war Maungdaw Teil von Britisch-Indien. Zum 1. April 1937 kam es zur Errichtung einer eigenen Kolonialverwaltung, die dem Burma Office in London unterstand.www.asianlii.org: Government of Burma Act 1935

Im Zweiten Weltkrieg war die Mayu-Bergkette Frontlinie zwischen den britischen und den japanischen Truppen. Die Straße spielte eine bedeutende Rolle in der Ersten Arakan-Kampagne der Briten, welche scheiterte. Sie griffen über diese Straße im September 1942 Buthidaung an und eroberten es. Die Mehrheit der Bewohner von Maungdaw unterstützte die Briten im Kampf gegen die Japaner und die burmesischen Nationalisten. In der Nacht zum 6. Mai 1943 konnte die japanische Armee Buthidaung zurückerobern. Die Briten zogen sich daraufhin nach Maungdaw zurück. Maungdaw wurde zum Frontgebiet und die Tunnel waren hart umkämpft.Burma Star Memorial Fund The Arakan Campaigns ... At the beginning of May, the Survivors of the 14th Indian Division were back behind the Maungdaw-Buthidaung line and the Japanese 55th Division was pressing them hard. In der Zweiten Arakan-Kampagne zu Beginn des Jahres 1944 war Maungdaw Ort zahlreicher Schlachten. Die zweite Arakan-Kampagne endete im April 1944 mit dem Rückzug der Japaner.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es Forderungen, Maungdaw dem neu zu schaffenden Staat Pakistan zuzuschlagen. Am 7. Januar 1947 vereinbarten General Aung San und Muhammad Ali Jinnah, dass Maungdaw Teil eines unabhängigen Burma werden sollte.The Irrawaddy: The two also discussed the demand of Muslims in Maungdaw in Arakan (now Rakhine) State that bordered East Bengal (now Bangladesh) that Maungdaw be included in what became East Pakistan. Pakistan würde keine Ansprüche auf Maungdaw erheben.

Am 4. Januar 1948 wurde Burma in die Unabhängigkeit entlassen. Maungdaw wurde Bestandteil der Republik der Union Myanmar und der Rakhine Division.

Von 1961 bis 1964 gehörte Maungdaw dem Mayu Frontier District an.The Guardian, Februar 1962 The Mayu Frontier Administrative Area Es war ein Versuch, Gebiete mit muslimischer Bevölkerung in einem Distrikt mit mehr Selbstständigkeit zusammenzufassen. Der Distrikt wurde nach der Bergkette benannt, welche Maungdaw vom restlichen Teil des Landes trennt. Der Distrikt sollte als Grundlage für einen eigenen Rohingya-Staat innerhalb der Union dienen. Der Distrikt sollte ursprünglich alle Gebiete der Rakhine Division nördlich des Kaladan umfassen. Die Pläne wurden im Februar 1964 von der neuen Militärregierung nicht weiterverfolgt. Die Rakhine-Division wurde in den Rakhine-Staat umgewandelt und Maungdaw wurde Teil des buddhistisch dominierten Unionstaates.

Mit dem neuen Staatsbürgergesetz von 1982 verloren die meisten Rohingya ihre burmesische Staatsbürgerschaft. Rechtlich wurden sie als Ausländer klassifiziert, weil sie zu keiner der 135 anerkannten Ethnien in Burma gehörten. Staatsbürgerschaft in Burma wurde mit einer Rasse verknüpft. Die meisten Bewohner von Maungdaw wurden staatenlos.Doctors Without Border: «The Rohingya: The world's largest stateless population» Die Rohingya wurden von der burmesischen Mehrheit im Land als illegale Einwanderer betrachtet. Die Regierung argumentiert: Die meisten Rohingya wären erst zwischen 1951 und 1971 von Chittagong nach Myanmar eingewandert.

2009 gründeten arakanesische Arbeiter im Kachin-Staat mit Hilfe der Kachin Independence Army (kurz KIA) die Arakan Army (kurz AA).

In den Jahren 2012 bis 2014 wurde die Umgebung von Maungdaw von der Rohingya Solidarity Organisation (kurz RSO) dominiert. Es kam zu schweren Auseinandersetzungen mit den Sicherheitskräften des Landes. Da die Mehrheit der Bewohner Rohingya waren, fanden keine Zusammenstöße zwischen den verschiedenen Ethnien wie in anderen Teilen des Rakhaing-Staates statt.frontiermyanmar: The conflict in Maungdaw differs sharply from the unrest in Rakhine in 2012 and 2014 because then it involved violence between the ethnic Rakhine and Muslim communities; in contrast, the fighting in Maungdaw has involved encounters between the security forces and militants. Die Sicherheitskräfte gingen brutal gegen die Rohingya vor. Viele Dörfer in der Umgebung der Stadt wurden niedergebrannt, die Bewohner vertrieben. Nach dem Sieg der Regierung baute diese die Stadt stark aus. Es entstanden Kasernen der Border Guard Police 5 Bataillon (kurz BGP-5) auf dem Boden eines abgebrannten Dorfes wenige Kilometer östlich der Stadt.

Am 9. Oktober 2016 wurden mehrere Posten der BGP von Mitgliedern der Arakan Rohingya Salvation Army (kurz ARSA) angegriffen. Einige der Angreifer hatten davor ein Training in Pakistan absolviert. Die Angreifer waren nur primitiv bewaffnet. Mehrere Polizeibeamte starben bei den Angriffen und die ARSA erbeutete Waffen. Die Sicherheitsbehörden reagierten mit einer umfassenden Kampagne gegen die Rohingya-Gruppen im Distrikt Maungdaw.Frontier Myanmar, 12. September 2017: As Maungdaw burns, official narrative goes up in smoke

Am 25. August 2017 starteten die Sicherheitskräfte erneut eine massive Kampagne gegen die Rohingya. 750.000 Menschen mussten nach Bangladesch flüchten.AA: According to Amnesty International, more than 750,000 Rohingya refugees, mostly women and children, fled Myanmar and crossed into Bangladesh after Myanmar forces launched a crackdown on the minority Muslim community in August 2017, pushing the number of persecuted people in Bangladesh above 1.2 million. Auslöser der Kampagne waren vermeintliche Überfälle der ARSA auf Einheiten der BGP entlang der Grenze zu Bangladesch. 30 Polizeiposten sollen angegriffen worden sein. Mindestens zwölf Polizisten sollen dabei ums Leben gekommen sein. Offiziell waren die Rohingya unerwünschte Ausländer, und sie wurden als solche von der BGP behandelt. Die ARSA rächte sich. 30.000 zusätzliche Soldaten wurden in die Region verlegt.Mohajan, Haradhan, 18. Januar 2018, Premier University, Chittagong, Bangladesh History of Rakhine State and the Origin of the Rohingya Muslims, Seite 18 Die zivile, demokratisch gewählte Regierung schaute zu bzw. unterstützte das harte Vorgehen des Militärs. Viele weitere Dörfer in der Umgebung der Stadt wurden abgebrannt und entvölkert.

Die Commission for International Justice and Accountability (kurz CIJA) stellte dagegen fest, dass in internen Dokumenten der Sicherheitsbehörden 18 versuchte Überfälle auf Posten der BGP dokumentiert worden waren. Die Angriffe erfolgten am 25. August 2017 mit selbstgebauten Bomben und Waffen, und in internen Dokumenten der BGP waren keine Todesopfer unter den Sicherheitskräften verzeichnet. Die CIJA geht davon aus, dass die Operation gegen die Rohingya lange davor geplant war und die Überfälle zur Rechtfertigung der Operation dienten.Reuters: A log of army activities compiled by military authorities and obtained by CIJA records 18 attacks that morning by “Bengali insurgents,” starting with several explosions from handmade bombs. The log doesn’t record the deaths of any members of the security forces... The next morning, the burning of Rohingya villages began. The log describes “arson attacks” in the Rakhine township of Maungdaw, with lists of houses, shops, mosques and Arabic language schools destroyed. Die CIJA geht davon aus, dass rassistische Gründe bei der Operation eine Rolle gespielt haben und keine Sicherheitsprobleme. Die Muslime sollten aus Maungdaw Township vertrieben werden. Bei den Angriffen auf die BGP hätte es sich um eine False-Flag-Operation der myanmarischen Geheimdienste gehandelt. Die BGP war nach Aussagen der CIJA 2013 gegründet worden, um die Rohingya aus Myanmar zu vertreiben.

Am 11. November 2019 verklagte Gambia Myanmar wegen der Vorfälle um den 25. August 2017 in Maungdaw Township vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag.UN Independant Investigative Mechanism For Myanmar: ICJ – The Gambia v. Myanmar Die Anschuldigung lautete auf Völkermord.