mini|Bestiary Harley MS 3244, Bestiary, 13. Jh., British Library mini|Royal Bestiary MS 12 C XIX; 1200–1210, British Library

Die Seps ist eine legendäre Schlange aus mittelalterlichen Bestiarien, die sich dadurch auszeichnet, dass sie angeblich ein extrem zersetzendes Gift hat, das ihre Beute verflüssigt.

Antike Quellen Marcus Annaeus Lucanus berichtet in seinen Pharsalia, über ihr Aussehen und die Wirkungen ihres Giftes kurz in den Zeilen 722-3, sowie ausführlich in den Zeilen 763–768:Christian Rudolf Raschle: Pestes Harenae – Die Schlangenepisode in Lucans Pharsalia (IX 587-949) – Einleitung, Text, Übersetzung, Kommentar (Studien zur klassischen Philologie, Band 130), Peter Lang, Frankfurt am Main 2001, ISBN 3-631-36666-3.

Isidor von Sevilla erwähnt im 7. Jahrhundert in seinen Etymologiae, Buch 12, 4.17:„Seps, tabificus aspis quidum momorderit hominem, statim eum consumit, ita ut liquefiat totus in ore serpentis.“ (Seps [ist] eine zersetzende aspis, die, während sie den Menschen beißt, ihn sofort aufzehrt, so dass er im Maul der Schlange ganz flüssig wird.)Die Enzyklopädie des Isidor von Sevilla – Übersetzt und mit Anmerkungen versehen von Lenelotte Müller, marixverlag, Wiesbaden 2008, ISBN 978-3-86539-177-3, S. 465.

Neuere Nennungen Im 12. Jahrhundert beschreibt das Bestiarium von Aberdeen ebenfalls die Seps als eine kleine Schlange, die mit ihrem Gift nicht nur den Körper, sondern auch die Knochen verzehrt (folio 69v). Im Bestiarium von Oxford (Ende 12., Anfang 13. Jahrhundert) findet man auf folio 82v: „Seps ist eine kleine Schlange, die mit ihrem Gift nicht nur den Körper aufzehrt, sondern auch die Knochen“.Franz Unterkircher: BESTIARIUM – Die Texte der Handschrift Ms. Ashmole 1511 der Bodleian Library Oxford in lateinischer und deutscher Sprache. Akademische Druck- und Verlagsanstalt, Graz 1986, ISBN 3-201-01310-2, S. 183.

In einem Lexikon aus dem Jahr 1721Nicholas Lemer: Vollständiges Materialien-Lexicon. Leipzig 1721, Sp. 1041. steht:

Seps Seps, seu Sepedon, ist ein Geschlecht der Schlangen, etwan drey Schuhe lang und nach Proportion dicke. Ihr Kopf ist breit, die Schnautze spitzig. Die Haut sieht aschenfarbig und manchmahl röthlicht, mit weissen Flecken, gezeichnet: sie hat vier krumme Zähne: der Schwantz ist kurtz. Sie hält sich im Gebürge Syrien auf. Ihr Biß ist gar sehr giftig und bringet das verletzte Theil gar dald zur Fäulung, darauf der Tod zu folgen pflegt, wo nicht stracks Rath geschaffet wird. Die Gegenmittel sind, daß man das Glied, das sie gebissen hat, über dem Biß gantz veste binde, wann es sich anders binden läst: der Kopf des Thieres muß zerquetscht und drauf geleget werden: und dem Patienten wird die Leber und das Hertze eingegeben, wie auch das Vipernsaltz, oder in dessen Ermangelung, Theriac. Diese Schlange führet viel flüchtig Saltz und Oel. Sie hat solche Kraft, als wie die Nattern. Seps, seu Sepedon kommt von σήψειν, putrefacere, zur Fäulung bringen, weil dieser Schlangen Biß das beschädigte Theil gar bald zur Fäulung bringt.

Percy Bysshe Shelley schreibt 1820 in Prometheus Unbound (Akt III, Szene 1):Percy Bysshe Shelley: Prometheus unbound, a lyrical drama in four acts. C. & J. Ollier, London 1820 online 2008-01-09, abgerufen 2025-04-07 ... all my being, Like him whom the Numidian seps did thaw Into a dew with poison, is dissolved

Literatur Liliane Bodson: "Les quatre acceptions zoologiques du substantif sèps" in: Rosanna Sardiello (Hrsg.): Culture classique et christianisme, Editeur Picard, Paris 2008, ISBN 978-2-7084-0814-2, S. 301–314

Siehe auch Tetradactylus seps Monsterhandbuch 4: Seps

Einzelnachweise

Kategorie:Fabeltier Kategorie:Mythische Schlange