mini|Das Heimdenkmal im Jahr 2019 Das Ignaz-Heim-Denkmal (auch Heimdenkmal, zur Zeit der Erstellung auch Heimmonument) ist ein 1883 eingeweihtes, von Baptist Hörbst geschaffenes Personendenkmal auf dem Heimplatz in Zürich. Es ist dem Gedenken an den Komponisten und «Förderer des Volksgesangs» Ignaz Heim (1818–1880) gewidmet.
Geschichte Als Ignaz Heim am 3. Dezember 1880 nach kurzer Krankheit starb und am 6. Dezember zu Grabe getragen wurde, war die Anteilnahme in der Stadt Zürich gross. In einem Nachruf beklagte die Neue Zürcher Zeitung, die Schweiz habe verloren. Eduard Schönenberger widmete ihm ein Sonett, das er an der Beerdigung vortrug und in dessen letztem Terzett er ihm ewigen Nachruhm prophezeite: Am 16. Dezember wurde bekannt, dass der lokale Bildhauer Baptist Hörbst die Arbeit an einer Büste des Verstorbenen aufgenommen hatte, wofür er eine Totenmaske angefertigt hatte. Am 17. Dezember kündigte der Männerchor «Harmonie» an, eine Gedächtnisfeier auszurichten. mini|Heim-Büste von Baptist Hörbst, 1881/82 Diese «Heimfeier» fand am Sonntag, den 6. März 1881, um 15 Uhr in der Tonhalle statt. Der Männerchor Zürich und die «Harmonie» sowie zahlreiche weitere Männerchöre, Frauenchöre und gemischte Chöre aus der Region Zürich trugen unter der Leitung von Gustav Weber 16 Lieder Heims vor. Auf der Bühne war Hörbsts vollendete Büste ausgestellt. Leonhard Steiner, der Präsident des Männerchors, hatte Conrad Ferdinand Meyer dazu gewonnen, eine Dichtung in Blankversen zum Anlass beizusteuern, die eine «Fräulein Binder» als personifiziertes Volkslied vortrug (). Der Nettoerlös der Veranstaltung von 1100 Franken war gemäss Programm . Einem Korrespondenten der Neuen Zürcher Zeitung schien die Idee eines öffentlichen Denkmals denn doch übertrieben:
Ein Initiativkomitee unter Vorsitz der «Harmonie» beschloss im Juli 1881 einstimmig . Es ernannte den Stadtbaumeister Arnold Geiser zu seinem Präsidenten und eine Kommission zur . Die Musikkommission der Zürcher Schulsynode versprach 500 Franken für das Projekt. Um die weiteren Geldmittel zu beschaffen, schrieb man die Schweizer Gesangsvereine an. Im September wandte sich das Komitee mit der Bitte um Spenden auch an die Öffentlichkeit. Die Kosten wurden auf 7000 bis 8000 Franken veranschlagt. Die Sammlung endete im April 1882. Zuletzt standen rund 9000 Franken zur Verfügung.Georg Kreis: Die öffentlichen Denkmäler der Stadt Zürich. 2021, S. 75.
Einweihung mini|Das Heimdenkmal zur Zeit seiner Einweihung, im Hintergrund die «Konzerthalle Pfauen» Die Einweihung fand am Sonntag, den 4. November 1883, statt. Verglichen mit den rauschenden Volksfesten, die anlässlich der Enthüllung der Denkmäler für die Zürcher Komponisten Hans Georg Nägeli und Wilhelm Baumgartner (das Nägelidenkmal auf der Hohen Promenade 1848 und das Wilhelm-Baumgartner-Denkmal auf dem Platzspitz 1891) veranstaltet wurden, nahmen sich diese Feierlichkeiten eher bescheiden aus. Immerhin sollen zugegen gewesen sein. Der Stadtpräsident Melchior Römer nahm das Denkmal im Namen der Stadt Zürich dankend in Empfang.Georg Kreis: Die öffentlichen Denkmäler der Stadt Zürich. 2021, S. 74. Die Neue Zürcher Zeitung berichtete nicht darüber.
Weitere Entwicklung mini|Der Heimplatz um 1910, im Hintergrund das 1892 errichtete Schauspielhaus Die weitere Geschichte des Denkmals ist stark mit derjenigen des es umgebenden Platzes verknüpft. Weil in seinem Norden die Turnhallen der 1842 neu erbauten Kantonsschule standen, nannte man ihn ursprünglich «Kantonsschulplatz». 1892 wurde er wegen des Denkmals in «Heimplatz» umbenannt. Im 19. Jahrhundert war er ein relativ unbedeutender peripherer Verkehrspunkt. Erst mit der Eröffnung zweier der bedeutendsten kulturellen Institutionen Zürichs, des Schauspielhauses 1901 und des Kunsthauses 1910, erhielt er seine heutige Geltung.
Im 21. Jahrhundert wurden in Anbetracht der mangelnden Bekanntheit Ignaz Heims wiederholt Stimmen laut, den Platz umzubenennen und das Denkmal zu entfernen. Im Tages-Anzeiger war 2015 etwa folgendes zu lesen:
In der Neuen Zürcher Zeitung stand 2020:
Beschreibung mini|Seitliche Ansicht des Denkmals mit dem Heim-Zitat Das Denkmal war eine Zeit lang von einer kunstvollen Umzäunung umgeben.Georg Kreis: Die öffentlichen Denkmäler der Stadt Zürich. 2021, S. 77. Das 5 Meter hohe, sich nach oben verjüngende Postament steht auf einer zweistufigen Krepis und hat einen quadratischen Grundriss von 1,65 auf 1,65 Metern. Es ist an allen vier Ecken mit Engelreliefs, ausserdem mit den Musikemblemen Lyra und Stimmgabel geschmückt.
Auf der Vorderseite des Mittelkörpers trägt ein Genius (laut Georg Kreis «ein engelähnliches Wesen») den Namenszug «Ignaz Heim». Auf der linken Seite steht (wohl in Anlehnung an das Nägelidenkmal) ein Zitat des Geehrten: Auf der rechten Seite steht die Widmung:
Die darüber thronende Büste wurde von Baptist Hörbst kurz nach dem Ableben Heims geschaffen. Gemäss Georg Kreis ist die Verwendung einer Totenmaske dafür verantwortlich, .
Siehe auch
Liste der Personendenkmäler in Zürich
Literatur Georg Kreis: Zeitzeichen für die Ewigkeit. 300 Jahre schweizerische Denkmaltopografie. Verlag NZZ, Zürich 2008. Georg Kreis: Die öffentlichen Denkmäler der Stadt Zürich. Ein Bericht im Auftrag der Arbeitsgruppe KiöR. 30. Juni 2021, S. 73–77 (PDF; 8,3 MB).
Weblinks
Ignaz-Heim-Denkmal im Kunstbestand der Stadt Zürich
Einzelnachweise
Kategorie:Denkmal in Zürich Kategorie:Bauwerk in Zürich Kategorie:Skulptur (1882) Kategorie:Kulturgut von regionaler Bedeutung im Kanton Zürich Kategorie:Büste Kategorie:Steinskulptur Kategorie:Personendenkmal eines Musikers