mini|hochkant|Die Kirche der Herabkunft des Hl. Geistes auf die Apostel in Ruma (März, 2018) Die Kirche der Herabkunft des Hl. Geistes auf die Apostel (serbisch: Црква Сошествија oder Силаска Светог Духа на апостоле, Crkva Sošestvija oder Silaska Svetog Duha na apostole), auch unter den Namen Grčka crkva (Griechische Kirche), Crkva Svetog Duha (Heilig-Geist-Kirche) und Crkva Svih Svetih (Allerheiligenkirche) bekannt, in der Stadt Ruma, ist eine serbisch-orthodoxe Kirche im nordwestlichen Serbien.

Das von 1836 bis 1905 erbaute Kirchengebäude ist der Hl. Dreifaltigkeit unter dem Patrozinium des Feiertages der Herabkunft (Ausgießung) des Hl. Geistes auf die Apostel geweiht und ist die Pfarrkirche der Pfarreien I und II zur Kirche der Herabkunft des Hl. Geistes auf die Apostel der Stadt Ruma im Dekanat Ruma der Eparchie Srem der Serbisch-Orthodoxen Kirche. Die Kirche ist zudem die orthodoxe Hauptkirche von Ruma und Sitz des Dekanats Ruma.

Das jüngste und dekorativste Kirchengebäude, der drei historischen orthodoxen Kirchen der Stadt, besitzt als unbewegliches Kulturgut den Status eines Kulturdenkmals von großer Bedeutung und steht unter staatlichem Schutz. Das Gotteshaus gilt als Meisterwerk eklektischer Baukunst.

Lage Die Stadt Ruma liegt in der Landschaft des Srem im westlichen Teil der autonomen Provinz Vojvodina. Das Stadtzentrum von Ruma wird oft als das Herz des Srem bezeichnet.

Die Kirche der Herabkunft des Hl. Geistes auf die Apostel oder kurz Heilig-Geist-Kirche, steht im Stadtzentrum an der Hauptstraße, der Glavna Ulica. Die genaue Adresse der Kirche lautet Glavna Ulica Nr. 159. Nahe bei der Kirche stehen unter anderem, die römisch-katholische Kreuzerhöhungskirche, der Stadtmarkt, der große Stadtplatz, eine Postfiliale, das Café Pod Lipom, ein Kindergarten, die Grundschule Jovan Jovanović Zmaj, die Stadtbibliothek Atanasije Stojković und das Gerichtsgebäude.

Im großen, dekorativ hergerichteten und umzäunten Kirchhof, mit einem großen Eingangstor an der Südseite und zwei kleineren Nebentoreingängen an der Westseite, stehen neben der Kirche, das große Pfarrhaus, die Grabkapelle der Familie Maksimović mit unterirdischer Krypta, die Kapelle Hl. Stefan Dečanski mit großen Kirchbrunnen (in dem eine steinerne Abbildung der Ikone der Muttergottes von der lebenspendenden Quelle dargestellt ist), ein kleines überdachtes Gebäude zu Kerzenentzünden, ein kleiner Kirchladen, ein großer Kirchladen mitsamt Räumlichkeiten zum Kerzenentzünden, ein zweiter Kirchbrunnen, drei Fahnenständer, Blumenbeete, eine überdachte Informationstafel, Sitzbänke und Bäume.

An der Süd-, Nord- und Westseite befinden sich kleinere Parkplätze. An der Ostseite grenzen direkt an den Kirchhof Wohnhäuser. An dem Gebäude, das zur Hauptstraße steht, wurde 2021, ein Mural des Patriarchen Irinej, angebracht.

Geschichte Vorgeschichte zum Kirchenbau mini|hochkant|Blick auf die Westfassade der Kirche Die Siedlung Ruma wird erstmals im türkischen Defterregistern von 1566/67 erwähnt, als Dorf mit 49 Häusern, einer mittelalterlichen Kirche und drei Priestern.

Die Kirche der Herabkunft des Hl. Geistes auf die Apostel ist die dritte heute noch stehende historische orthodoxe Kirche der Stadt. Das älteste Kirchengebäude ist die Kirche der Überführung der Reliquien des Hl. Nikolaus aus dem Jahre 1758. Das zweite Gotteshaus, die Christi-Himmelfahrts-Kirche, wurde 1761 erbaut. Beide Kirchen sind Kulturdenkmäler von großer Bedeutung und stehen im östlichen Stadtgebiet.

Die dritte orthodoxe Kirche in Ruma wird bereits Ende des 18. Jahrhunderts erwähnt, damals war das hölzerne Gotteshaus, erbaut um 1750, allerdings aus Kiefernbrettern zusammengesetzt, baufällig und einsturzgefährdet. Der genaue Standort dieser Kirche, ist unbekannt, jedenfalls stand diese Kirche nicht am Standort der heutigen Kirche im Stadtzentrum.

In den 1780er Jahren kauften zahlreiche orthodoxe Kaufleute Häuser im Stadtzentrum. Da die Holzkirche sowie die beiden Kirchen im östlichen Stadtgebiet weit von ihren Wohnorten entfernt waren, wollten die wohlhabenden Kaufleute ein neues Gotteshaus im Stadtzentrum erbauen.

Die Geschichte der Kirche der Herabkunft des Heiligen Geistes auf die Apostel in Ruma beginnt Ende des 18. Jahrhunderts, genauer gesagt im Jahr 1787, als Kaufleute aus Ruma eine Anfrage an den damaligen Metropoliten der Metropolie Karlovci, Mojsije, schickten, um eine Empfehlung für die Erteilung einer Genehmigung zum Bau einer dritten orthodoxen Kirche aus festem Material zu erhalten.

Zur Begründung hieß es, die beiden bestehenden orthodoxen Kirchen seien „am Rande der Stadt und daher im Winter nur schwer zu erreichen.“ Aus heutiger Sicht klingt dies als vorgeschobene Ausrede, da die beiden älteren Kirchen in einem Umkreis von kaum einem halben Kilometer um die Kirche der Herabkunft des Hl. Geistes auf die Apostel, stehen und die wahren Gründe für den Bau einer dritten Kirche vielleicht in der Demonstration der Überlegenheit der wachsenden serbischen Bevölkerung gegenüber der ehemals dominierenden deutschen Bevölkerung, zu suchen sind.

Dies wird noch deutlicher, wenn man bedenkt, dass ein Vierteljahrhundert zuvor der Bau der Christi-Himmelfahrts-Kirche als zweites orthodoxes Kirchengebäude aus festem Material in Ruma kaum genehmigt wurde, da die damaligen österreichischen Behörden der Ansicht waren, ihr Standort sei zu nahe an der katholischen Kirche der Stadt, und dass für den Bau der dritten Kirche, ein noch näherer Standort zum katholischen Gotteshaus (in direkter Nachbarschaft), gewählt wurde.

1792 wurden erste Schritte zum Bau einer Backsteinkirche unternommen. Die Metropolie Karlovci erteilte die Genehmigung für den Bau einer dritten neuen Kirche im Zentrum von Ruma, doch dann traten verschiedene Hindernisse auf, obwohl die Baumaterialien fast gesichert waren. Zuerst der Österreichisch-Türkische Krieg, dann die nahe große Pestepidemie und administrative Hindernisse.

Auch gab es Einwände, dass die Kirche zu nahe an der katholischen Kirche stehen würde und dass sie nicht von den Serben, sondern von der kleinen Anzahl an griechischen und walachischen Kaufleuten, die von der Bevölkerung Rumas, Cincari (Zinzaren), genannt wurden, in der Stadt erbaut werden sollte. Daraufhin folgte eine Petition von 114 prominenten Bürgern Rumas, darunter Atanasije Stojković, der damals bereits Doktor der Physik war, und dem Maler Jovan Pantelić. All dies verzögerte den Bau der dritten orthodoxen Kirche in Ruma erheblich.

Die Allerheiligenkirche Nach zahlreichen Schwierigkeiten und Herausforderungen durch die damaligen Behörden und jahrzehntelangem Drängen, erhielten die Serben und Zinzaren erst mit der Ankunft des Grafen Petar Pejačević im Jahr 1833, die Erlaubnis, die Backsteinkirche zu bauen. Allerdings unter der Bedingung, dass die neue orthodoxe Kirche die katholische nicht überragen dürfe.

Mit dem Projekt für den Bau der heutigen Kirche der Herabkunft des Hl. Geistes auf die Apostel, wurde der Baumeister Matijas Frelich aus Novi Sad betraut, der sich verpflichtete, den Kirchenbau innerhalb von vier Jahren abzuschließen. Das Gotteshaus wurde in den Baudimensionen 16 Ellen und zwei Fuß lang, 6 Ellen hoch und 5 Ellen breit erbaut. Der Schätzung zufolge sollte der Bau 14.445 Forint und 33 Silberkreuzer kosten.

Den Baubeginn markierte die Grundsteinlegung und die Weihung der Kirchenfundamente am 24. Mai 1836. Das Gotteshaus wurde zuerst dem Patronat der Allerheiligen geweiht. Daher rührt der Name Allerheiligenkirche für das Gotteshaus. Bereits im ersten Baujahr, konnte die Kirche dank der großzügigen finanziellen Zuwendungen der reichen Kaufmannsgemeinde der Zinzaren, bis zum Dach ausgebaut werden, weshalb die Kirche bis heute im Volksmund, Grčka crkva, genannt wird. Der Name Griechische Kirche ist bis heute zugleich der populärste Name der Kirche geblieben. Das Gotteshaus wurde im klassizistischen Geist, mit erheblichem Anteil an Stilelementen des Barock, konzipiert.

Da die anfänglichen Geldmittel jedoch schnell aufgebraucht waren, wurde der Bau im folgenden Jahr eingestellt und das Kirchenschiff mit einem improvisierten Schindeldach gedeckt. Die gesamte Baustelle stand für die nächsten zwei Jahre still. Danach wurden die Arbeiten, hauptsächlich aufgrund von einem Mangel an finanziellen Mitteln, langsam, mühsam und sporadisch mit einem Wechsel mehrerer verschiedener Baumeister fortgesetzt. Das größte Kollateralopfer dieser Arbeitsdynamik war die große hölzerne Ikonostase, die vom berühmten Holzschnitzmeister, Georgije Dević, aus der Stadt Bačka Palanka hergestellt und 1851 in einer solch unvollendeten Kirche aufgestellt wurde und bald darauf aufgrund der Witterungseinflüsse völlig verfiel. Das Gotteshaus verblieb die nächsten Jahrzehnte in diesem Zustand.

Heutige Kirche der Herabkunft des Hl. Geistes auf die Apostel Ktitor-Familie Maksimović mini|hochkant|Die Grabkapelle der Familie Maksimović Aufgrund eines tragischen Umstandes, wurde der Kirchenbau erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts, fertiggestellt. Die reiche Kaufmannsfamilie Maksimović, eine der bedeutendsten Familien in Ruma seit der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert, ist vor allem für die Renovierung, Fertigstellung und die heutige Monumentalität der Kirche verantwortlich. Ihr einziges Kind, die 21-jährige Tochter, Vera, besuchte einen Ball in Wien und starb dort im Januar 1902. Die genaue Todesursache ist unbekannt geblieben. Danach vermachten Vasa und Marija Maksimović ihr gesamtes Vermögen der Kirche. Dies ermöglichte die Arbeiten zur Renovierung des Kirchengebäudes sowie die Teilnahme zweier außergewöhnlicher Schöpfer dieser Zeit: Hermann Bollé und Uroš Predić.

Die Familie Maksimović wurde, dank ihrer großzügigen Spende und Hilfe an der Fertigstellung des Gotteshauses, als Ktitorenfamilie der Kirche angesehen und die Kirchengemeinde gestattete den Bau einer unterirdischen Familiengruft und einer oberirdischen Grabkapelle, beim bzw. unter dem Altarbereich des Kirchengebäudes. Da die Familie, mit dem frühen Tod ihres einzigen Kindes, ohne einen Erben zurückgeblieben war, übernahm die Kirche aus Dankbarkeit, die Familienslava der Maksimovićs, und änderte somit das Patronat von den Allerheiligen zu der Herabkunft des Hl. Geistes (Hl. Trinität). Die sterblichen Überreste der Tochter und der Eltern des Vasa Maksimović wurden in die fertige Grabkrypta überführt und auch Vasa und Marija Maksimović, wurden nach ihrem Tod, in der Krypta bestattet.

Der Architekt Hermann Bollé Mit der Rekonstruktion und dem Weiterbau der bestehenden, unvollendeten Kirche wurde der österreichische Architekt Hermann Bollé betraut, ein bekannter und anerkannter Restaurator architektonischer Denkmäler, der zu dieser Zeit zufällig in Ruma lebte. 1902 entwarf er den dazugehörigen Projektplan. Die Arbeiten unter der Leitung von Bollé, begannen 1903 und 1905 wurde das Kirchengebäude schließlich fertiggestellt und eingeweiht. Bollé erneuerte das bestehende, vor allem nach barocken Grundsätzen gestaltete Gotteshaus mit einem eklektischen Ansatz, wobei bei der Gestaltung der Fassaden und Details deutlich größere Einflüsse des Klassizismus zu erkennen waren, in denen auch Elemente der Romantik und sogar des frühen Jugendstils klar zu Vorschein treten.

Hermann Bollé gestaltete die gesamte Kirche neu: die Ikonostase, Schnitzereien, Wandmalereien, den Kirchturm, die Böden, die Krypta, sodass von der ursprünglichen bescheidenen Kirche aus dem Jahr 1851 praktisch nur noch die Wände übrig blieben. Besonders gelungen ist ihm die Gestaltung der westlichen Kirchenfassade mit einem klassizistischen, von einem Tympanon auf zwei Säulenpaaren im pseudo-toskanischen Stil eingerahmten Portikus-Portal, das aufgrund der seitlichen Ausrichtung der Kirche zur Hauptstraßenfront leider praktisch unbemerkt blieb und zu Unrecht vernachlässigt wurde.