mini|Musiker mit den Gegenschlagstäben paiban. Aquarell vom Ende des 18. Jahrhunderts. Metropolitan Museum of Art Ban (, „Platte“, „flaches Brett“, auch „schlagen“) bezeichnet mehrere hölzerne Idiophone, die in der chinesischen Musik als Rhythmusinstrumente und Taktgeber eingesetzt werden. Hierzu gehören: paiban (, auch pai-pan, mit pai, „schlagen, klatschen“), verschiedene Klappern aus zwei oder mehreren miteinander verbundenen Gegenschlagstäben aus Hartholz oder Bambus, die in der chinesischen Musik weit verbreitet sind, guban, ein kombiniertes Perkussionsinstrument, bestehend aus einer Rahmentrommel bangu und einer paiban, von einem Musiker gespielt, bangzi (, auch bangban), in Nordchina zwei unterschiedlich große Hartholzklötze, die im regionalen chinesischen Operngenre Hebei bangzi als Taktgeber zusammengeschlagen werden (Gegenschlagstäbe), nanbangzi („südliche bangzi“), in Südchina seitlich geschlitzter langrechteckiger Holzblock, der in der Kanton-Oper mit einem oder zwei dünnen Schlägeln geschlagen wird, muyu (), ein Aufschlagidiophon, typologisch eine kleine Schlitztrommel, und sibao (), zwei in der alten Nanguan-Oper zusammen verwendete Klappern aus jeweils zwei gegeneinandergeschlagenen Bambusstreifen.
Herkunft und Verbreitung mini|Korybantentanz mit rhythmisch zusammengeschlagenen Schwertern und Schildern. Altgriechisches Relief aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. Vatikanische Museen Am Anfang rhythmischer Ausdrucksformen standen Schläge auf und mit dem eigenen Körper: Händeklatschen, Schlagen auf andere Körperteile und Fußstampfen. Die Erweiterung dieser rhythmischen Körperbewegungen mittels Klangwerkzeugen wie dem liegenden Schlagbalken führte an den Beginn der Instrumentalmusik. Curt Sachs (1928) stellt in seinem Entwicklungsmodell der Musikinstrumente den paarweise verwendeten Gegenschlagstäben die Waffen voran, die Tänzer bei rituellen Waffentänzen in den Händen hielten. Die frühesten Gegenschlagstäbe waren demnach bei den australischen Aborigines Paare von Bumerangs (knieförmige Wurfkeulen) in den Händen der Tänzer, die beim Zusammenschlagen kaum lauter geklungen haben dürften als Händeklatschen.
Eine Vase aus dem prädynastischen Ägypten zeigt Tänzerinnen, die ähnliche knieförmig gebogene Holzstäbe in den Händen halten. Später, im Alten Reich, wurden bei Tänzen anstelle der unpraktischen gebogenen Form gerade Rundhölzer verwendet, die nunmehr eine Rolle in Fruchtbarkeitstänzen angenommen haben.Curt Sachs: Geist und Werden der Musikinstrumente. (Berlin 1928) Nachdruck: Frits A. M. Knuf, Hilversum 1965, S. 15 So stellt ein Relief im Grab des Neferirtenef in Sakkara (2454–2296 v. Chr.) eine Reihe von jungen Männern dar, die mit weiten Schritten einen Tanzreigen aufführen und sich dabei mit Schlagstäben rhythmisch begleiten.Hans Hickmann: Ägypten. (Hrsg. Heinrich Besseler, Max Schneider: Musikgeschichte in Bildern. Band 2: Musik des Altertums. Lieferung 1) Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1961, S. 78
Im antiken Griechenland führten Korybanten (Ritualtänzer) einen Waffentanz auf, indem sie mit ihrem Schwert rhythmisch auf den Schild des nächsten Tänzers schlugen. In vielen Regionen erhielten die Schlagstäbe eine magische Funktion. Von den Luritja und Arrernte, zwei Stämmen der Aborigines in Australien, wurde berichtet, dass sie in einem mutmaßlich totemistischen Ritual mit Schlägen von rot bemalten Stöcken auf den Boden das Quaken der Frösche imitieren wollten. Die Kogi (Cágaba) in der Sierra Nevada von Kolumbien schlugen Stöcke in einem Ritualtanz, um Vögel von der Ernte abzuhalten. Sachs, 1965, S. 16 In Indien werden bei zahlreichen Volkstänzen Gegenschlagstäbe danda verwendet, bei einem „Schwerttanz“ symbolisieren diese den Kampf mit Schwertern der hinduistischen Göttin Durga gegen ihren Widersacher.
Laut dem Lüshi chunqiu, einer enzyklopädischen Schrift aus dem 3. Jahrhundert v. Chr., entstand die Musik in China aus einer göttlichen Kraft (taiyi), die zuvor auch die Welt erschaffen hatte. Nach anderen Schriften waren für die Erfindung der Musik vorzeitliche Kulturheroen verantwortlich. Daraus resultiert die Vorstellung, die Musik habe magische Fähigkeiten, um die Natur und die jenseitige Welt zu beeinflussen, weshalb Musik und Tanz bei religiösen Ritualen, zur Abwehr von Gefahren und zur Unterstützung vor Kriegseinsätzen aufgeführt wurden. Felszeichnungen aus vorgeschichtlicher Zeit und eine Zeichnung auf einer Tonschale (vor 3000 v. Chr.) zeigen möglicherweise von Schlag- und Blasinstrumenten begleitete Tänze.Martin Gimm: China. I. Vor- und Frühgeschichte (bis 21. Jahrhundert v.Chr.) 2. Anfänge und frühe Stücke der Musik. In: MGG Online, 9. Juli 2018 Die frühesten chinesischen Idiophone waren literarischen Quellen zufolge Klangsteine, der hölzerne Schlagkasten zhu, das Schrapinstrument yu und Glocken zhong. Die ältesten gefundenen Glocken sind aus dem 3. Jahrtausend stammende einfache Formen aus Ton. Im Buch der Lieder (Shījīng, entstanden 10.–7. Jahrhundert v. Chr.) werden neben Stimmpfeifen und Trommeln auch Klangsteine (ching) und von außen angeschlagene Glocken (chung) erwähnt. Die vielleicht ältere Glocke to war eine Handglocke mit einem hölzernen Klöppel im Innern. Ab der Mitte des 1. Jahrtausends v. Chr. scheint die Musik durch den Einsatz gestimmter Idiophone (Glockenspiel bianzhong und Klangsteinspiel bianqing) eine große Klangfülle erhalten zu haben.Hans Oesch: Außereuropäische Musik (Teil 1). (Carl Dahlhaus (Hrsg.): Neues Handbuch der Musikwissenschaft, Band 8) Laaber-Verlag, Laaber 1984, Kapitel I. Der chinesische Kulturbereich, S. 20, 28
Die mythischen Vorstellungen vom Ursprung der alten chinesischen Musik wurden von Dong Zhongshu (179–105 v. Chr.) und anderen konfuzianischen Gelehrten der Han-Zeit (207 v. Chr. – 220 n. Chr.) formalisiert und in aktualisierter Fassung festgehalten. Die Grundlagen der alten Musik finden sich im zu dieser Zeit entstandenen Musiktraktat Yueji, dem späteren 19. Kapitel im Buch der Riten (Jili). Die höfische Sakralmusik (yayue, „erhabene Musik“), die sich mit der Natur, den Geistern und Ahnen beschäftigte, war für die Zeremonien der konfuzianischen Kaiser von zentraler Bedeutung. Die bis heute gültige Klassifizierung der Musikinstrumente nach dem Material in Acht Klänge (bayin, „acht yin / Kategorien“) geht bis auf die frühe Zhou-Dynastie (ab dem 11. Jahrhundert v. Chr.) zurück. Darin gehören zur Kategorie mu („Holz“) unter anderem der Schlagkasten zhu, der Schraptiger yu, der Holzfisch mùyú und die Holzklötze bangzi.Martin Gimm: China. V. Qin- und Han-Dynastie (249 v.Chr – 220 n.Chr.). 1. Staats- und Sakralmusik. In: MGG Online, 9. Juli 2018
Bauform und Spielweise In den frühesten Quellen zur chinesischen Musikgeschichte werden keine hölzernen Klappern und Rasseln erwähnt, obwohl sie sehr wahrscheinlich seit jeher verwendet wurden. Die Quellen befassen sich mit der religiösen und staatlich-zeremoniellen Musik, während hölzerne Idiophone hauptsächlich in der weltlichen Unterhaltungsmusik und als Signalgeber gebraucht wurden.Walter Kaufmann, 1976, S. 112 Klappern kamen und kommen in den Orchestern verschiedener Operngenres (allgemein xiqu), als rhythmischer Begleiter von gesungenen Liedern, Versen, Tänzen und in kleinen Ensembles, die Geschichten erzählen (quyi), zum Einsatz. Der aus der Provinz Fujian stammende Maler Huang Shen (1687–1772) fertigte 1730 ein Album aus zwölf Blättern mit Genredarstellungen (fengsu tu) an, die Gaukler, Komödianten, Akrobaten und Musikanten darstellen. Auf mehreren Blättern bedienen sich die Akteure bei ihren Aufführungen einer in der hochgestreckten Hand gehaltenen Klapper.Stefan Möller: Zu Darstellungen von Gauklern und anderen fahrenden Spielleuten in einem Album des Huang Shen. In: Monumenta Serica, Band 49, 2001, S. 367–389
Eine Signalfunktion besaßen etwa Klappern, mit denen wie im mittelalterlichen EuropaVgl. Curt Sachs: Handbuch der Musikinstrumentenkunde (Leipzig 1930) Georg Olms, Hildesheim 1967, S. 5f Leprakranke wegen der Ansteckungsgefahr auf der Straße ihr Kommen anzeigen mussten. Ebenso machten Verkäufer auf Märkten, Bettler und Barbiere mit Rasseln und Klappern auf sich aufmerksam und bei Beerdigungen schlugen Trauergäste hölzerne Klangerzeuger. An den Eingangspforten von chan-buddhistischen Klöstern hingen Schlagbalken für Besucher, um sich anzumelden.
Paiban mit drei Stäben mini|hochkant|links|Zwei verbundene Stäbe einer paiban mit drei Stäben mini|Daoistisches Ensemble mit Querflöte dizi, Gongspiel yunluo, Mundorgel sheng, Sanduhrtrommel yaogu und rechts hinten paiban. Türkis-rote Wandmalerei im Tempel Yongle Gong, 1358 Klappern wurden bevorzugt aus Bambus oder aus Rotholz (Sandelholz und Palisander) angefertigt. Die manchmal fälschlich als Kastagnetten beschriebenen paiban sind Gegenschlagstäbe (Klappern), die aus zwei dünnen Rotholzplatten oder -stäben bestehen, die an einem Ende durchbohrt sind. Mit einer durch das Loch gezogenen Kordel werden die Platten lose zusammengehalten. Eine dritte unverbundene Platte dient zum Anschlagen der beiden anderen. Arthur Christopher Moule (1908) gibt für in Schanghai gemessene Exemplare eine Länge von 27 Zentimetern sowie eine Breite von 6,3 Zentimetern in der Mitte und 5,1 Zentimetern an den Enden an. Daraus ergibt sich eine leicht konvexe Form der Längsseiten. Es sind auch flachrunde Stäbe mit anderen Abmessungen in Gebrauch.
Der Spieler hält die beiden verbundenen Stäbe beweglich in der linken Hand mit der über den Daumen geschlauften Kordel. Mit dem ebenfalls mit der linken Hand fest umklammerten einzelnen Stab schlägt er durch eine Drehbewegung des Handgelenks gegen die beiden anderen Stäbe. Die paiban wurden und werden im Theater, rituell bei Beerdigungen, von Bettlern und in der Unterhaltungsmusik zur rhythmischen Begleitung von Liedern gebraucht.Arthur Christopher Moule, 1908, S. 18
Bei paiban, die in religiösen Zeremonien verwendet werden, ist häufig der Name oder der Text einer Hymne eingraviert. Jeder der sechs Sänger, die in einem konfuzianischen Ritual mitwirken, hält in einer Hand Schlagstäbe, die er bei jedem ausgesprochenen Wort gegen die andere Handfläche schlägt.J. A. van Aalst: Chinese Music. (China. Imperial Maritime Customs, II., Nr. 6) The Inspector General of Customs, Schanghai 1884, S. 74 Ein Wandgemälde im Yongle Gong, einem daoistischen Tempel in der Provinz Shanxi, aus dem Jahr 1358 zeigt ein daoistisches Musikensemble mit der Querflöte dizi, dem Gongspiel yunluo, der Mundorgel sheng, der zweifelligen Sanduhrtrommel yaogu und der Klapper paiban.Joseph S. C. Lam: China, People’s Republic of. II. History and theory. 4. Song to Yuan dynasties (960–1368). In: Grove Music Online, 2001
Paiban-Plattenklappern mini|hochkant|links|Paiban-Plattenklapper mit fünf Platten mini|Ein Musiker mit Plattenklappern paiban. Wandmalerei in den Mogao-Grotten, Tang-Dynastie, 618–907 Aus mehreren Platten bestehende Klappern sind in etlichen Variationen ebenfalls als paiban und unter weiteren beschreibenden Namen bekannt, darunter tanban (, „Sandelholz-Klapper“), muban (, „Brett-Klapper“), shuban (shou-pan, , „Tafel-Klapper“) und guban (). Plattenklappern besitzen an einem Ende zwei Löcher für die Schnur, mit der sie verbunden sind.