mini|Solweig Steller

Solweig Steller (geb. Wassersteiner, * 11. Februar 1942 in Berlin; † 19. November 2019 in Berlin) war eine deutsche Stadtplanerin, die in den 1980er Jahren die Neugestaltung des Ost-Berliner Stadtzentrums entscheidend mitprägte.

Leben Nach dem Abitur an der Polytechnischen Oberschule Ernst Thälmann machte sie eine Ausbildung zur Möbeltischlerin (1960–1962). Danach begann sie ein Studium an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, Fachrichtung Architektur bei Selman Selmanagić (1962–1967), das sie als Dipl.-Architektin abschloss. Von 1967 bis 1968 war sie Projektantin (Planerin) in der PGH Bau-Ost Berlin-Mahlsdorf und von 1968 bis 1973 Stadtplanerin im Bereich Städtebau und Architektur im Bezirksbauamt Berlin.

Im Jahr 1973 wurde sie Mitglied im Bund der Architekten der DDR, in dem 1977 die Berufung in die Zentrale Frauenkommission beim Bundesvorstand des Bundes der Architekten folgte. Ab 1975 Mitarbeit in der Gutachtergruppe Möbel beim Amt für industrielle Formgestaltung (AIF) des Ministerrates. Von 1974 bis 1989 arbeitete sie im Büro für Städtebau und wurde dort zunächst Stellvertretende Bereichsleiterin Gesellschaftsbau und Stadtzentrum (1974–1976), und von 1976 bis 1983 Bereichsleiterin. Schließlich war sie von 1983 bis 1989 Hauptarchitektin Stadtzentrum Berlin-Mitte.

Nach der Wende war sie kurzzeitig von Februar bis Oktober 1990 Leiterin des Referates Forschung und Wettbewerb im Ministerium für Bauwesen, Städtebau und Wohnungswirtschaft und wurde anschließend von November 1990 bis 1991 vom Bundesministerium für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau übernommen. Von 1991 bis 1992 arbeitete sie als Immobilienberaterin in der Aengevelt Immobilien GmbH & Co. KG. Von 1992 bis 1998 folgte die berufliche Selbständigkeit in der eigenen Firma „Kontor für Immobilien, Bauberatung und Grundstücksverwertung“.

Persönliches Im Jahr 1967 wurde ihr Sohn Christian geboren. 1972 heiratete sie den Textilgestalter Gert Steller (1924–1988), die Ehe wurde 1987 geschieden. 1976 wurde sie Mitglied der SED. Von 1996 bis zu seinem Tod war sie mit dem ehemaligen Generalstaatsanwalt der DDR Günter Wendland (1931–2003) verheiratet.

Werk/Wirken mini|Plattenbau an der Otto-Grotewohl-Straße, heute Wilhelmstraße In den 1970er Jahren änderte die DDR-Regierung ihr städtebauliches Leitbild. Ost-Berlin sollte zwar weiterhin modern, aber im neo-historischen Stil gestaltet werden. Wichtige Projekte waren dabei der Aufbau der kriegszerstörten Friedrichstraße, in der seit 1945 einige Nachkriegsbauten errichtet wurden, es aber immer noch viele Freiflächen gab, der Aufbau des Gendarmenmarktes (Platz der Akademie) auch im Hinblick auf das 750-Jahr-Jubiläum, sowie der Wohnungsbau in der grenznahen Wilhelmstraße (Otto-Grotewohl-Straße).

1986 erschien in der Zeitschrift Für Dich Solweig Steller auf der Titelseite mit der Überschrift „Ihr Bauplatz ist die Friedrichstraße“. Darin hieß es:

mini|hochkant|Friedrichstraße gegenüber Friedrichstadt-Palast Die Verantwortung für den Entwurf lag bei Generalbaudirektor Ehrhardt Gißke und beim Büro für Städtebau unter Leitung von Heinz Willumat sowie der Hauptarchitektin Solweig Steller, die auch die Koordination der endgültigen Entwürfe mehrerer Architektenkollektive übernahm (Helmut Stingl).

Auszeichnungen

Sie gehörte mit Norbert Blum, Arno Fischer, Peter Flierl (* 1929), Hans Gutheil, Margret Middell, Friedrich Nostitz, Werner Stötzer und Peter Voigt zum Kollektiv für die bildhauerische, bildkünstlerische und architektonische Gestaltung des Marx-Engels-Forums Berlin und erhielt mit diesen 1986 den Nationalpreis II. Klasse. 1980 erhielt sie mit Edith Diehl und Ortwin Foth den Architekturpreis der Hauptstadt der DDR für das Wohngebiet Am Tierpark.

Werke/Schriften

Selman Selmanagic: Festgabe zum 80. Geburtstag am 25. April 1985. Texte von Iris Grund, Dietmar Kuntzsch, Lothar Neumann, Solveig Steller, Sonja Wüsten. Steller, Solveig: Zur Entwicklung des Stadtzentrums der Hauptstadt der DDR Berlin. In: Bauakademie der DDR 1989.

Weblinks

Anything Goes? (PDF; 0,2 MB) Berliner Architekturen der 1980 er Jahre auf berlinischegalerie.de

Einzelnachweise

Kategorie:Stadtplaner (Berlin) Kategorie:Architekt (DDR) Kategorie:Architekt (Berlin) Kategorie:Träger des Nationalpreises der DDR II. Klasse für Kunst und Literatur Kategorie:SED-Mitglied Kategorie:DDR-Bürger Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1942 Kategorie:Gestorben 2019 Kategorie:Frau