Die elektrischen Tagebaulokomotiven Bo Bo 44t 328 kW wurden 1909 bis 1925 bei AEG in 55 bekannten Exemplaren gefertigt. Die Lokomotiven wurden für verschiedene Tagebaue verwendet. Nach 1955 wurde die Mehrzahl ausgemustert und verschrottet.

Geschichte Grube Marga Senftenberg Nachdem vorher 2 elektrische Lokomotiven von den Siemens-Schuckertwerken verwendet wurden,Holger Neumann, Matthias Fiedler, Der Tagebau Meuro und die Kohlebahnen um Senftenberg 1960–2003, Herdam Verlag, Quedlinburg-Gernrode 2024, ISBN 978-3-933178-49-7, Seite 11 beschafften 1909 die Ilse Bergbau AG und deren Grube Marga die ersten beiden Lokomotiven der Serie mit den Fabriknummern 753 und 754. Die Lokomotiven können als eine Weiterentwicklung der AEG Bo Bo 36t angesehen werden, die 1908 noch von einigen Gesellschaften beschafft wurden. Ab 1910 wurden zu den beiden Lokomotiven AEG 753/754, die die Betriebsnummern Marga 3 und 4 erhielten, bis 1913 insgesamt 13 Lokomotiven beschafft, sie erhielten die Nummern bis zur Marga 15. Diese ersten Lokomotiven besaßen geringfügig weniger Leistung bis 276 kW, danach besaßen sie die angegebenen 328 kW.

Die Lokomotiven wurden bei der Grube Marga noch bis 1920 weiterbeschafft, insgesamt 19 Lokomotiven beschaffte die Gesellschaft bis zur Nummer 21 (AEG-Fabriknummer 2028).Auflistung der von AEG gefertigten Lokomotiven auf www.werkbahn.de (kann als CD kostenpflichtig erworben werden) Auch wurde ungefähr ab dem Jahr 1918 (Fabriknummer 2027) ein neuer Wagenkasten, bei dem die typische AEG-Form mit abgerundeten Seitenblechen zu sehen und die Sichtverhältnisse für den Lokführer verbessert wurde, verwendet. Als nach 1955 die Fahrleitungsspannung einheitlich auf 1200 V umgestellt wurde,Holger Neumann, Matthias Fiedler, Der Tagebau Meuro und die Kohlebahnen um Senftenberg 1960–2003, Herdam Verlag, Quedlinburg-Gernrode 2024, ISBN 978-3-933178-49-7, Seite 78 wurden die noch vorhandenen Lokomotiven ausgemustert. Die Auflistung der vorhandenen Altbaulokomotiven zeigt noch 1957 Lokomotiven AEG mit 44 t, jedoch mit 368 kW Leistung für 1200 V Fahrdrahtspannung.

F. C. Heye Glashütte und Braunkohlewerke 1910 beschaffte die Glashütten und Braunkohlenwerke F. C. Heye in Annahütte mit den Fabriknummern 943 und 944 zwei Lokomotiven und setzte sie bei der Brikettfabrik und Kohlebahnen in Annahütte ein. Die Lokomotiven waren auf der Kohlebahn vom Tagebau Heye zur Brikettfabrik Heye II eingesetzt.Internetseite über die Brikettfabrik Heye II auf www.Kuladig.de Nummerierungen und Verbleib sind nicht bekannt.

Grube Marie–Anne Kleinleipisch 1912 bis 1925 beschafften die zur BUBIAG gehörende Grube Marie Anne zunächst 7 Lokomotiven mit den Fabriknummern 1255–1259, 1712, 2970 zunächst 7 Lokomotiven von der AEG, die die Bezeichnungen 46–51 sowie 60 erhielten, für die weiteren 9 Lokomotiven mit den Bezeichnungen 61–69 lieferten die AEG lediglich die elektrische Ausrüstung mit den Fabriknummern 2971 bis 2979. Der Mechanikhersteller und Verbleib der Lokomotiven ist nicht bekannt.

Tagebau Treue im Helmstedter Braunkohlenrevier 1 und 2 Die Lokomotiven 1119 und 1120 wurden 1912 an den Lokomotivhändler Döring und Lehrmann geliefert und wurden zuerst bei der Grube Clara in Neupetershain eingesetzt. 1921 erfolgte ihre Umstationierung in den Tagebau Treue im Helmstedter Braunkohlerevier, wo sie die Betriebsnummern 1 und 2 erhielten. Sie waren die ersten elektrischen Lokomotiven im Helmstedter Braunkohlenrevier und leistungsfähiger als die Dampflokomotiven.Joachim Ihme, Heinz-Jürgen Weist: Die Bahnen der Braunschweigischen Kohlen-Bergwerke (BKB) Helmstedt, Verlag Barteld, Berga/Elster 2021, ISBN 978-3-935961-25-7, Seite 61 Sie wurden bis 1955 eingesetzt, bis die Umstellung im Helmstedter Braunkohlenrevier auf das Spannungssystem von 1200 V erfolgte.Joachim Ihme, Heinz-Jürgen Weist: Die Bahnen der Braunschweigischen Kohlen-Bergwerke (BKB) Helmstedt, Verlag Barteld, Berga/Elster 2021, ISBN 978-3-935961-25-7, Seite 203

Tagebau Witznitz Der Tagebau Witznitz erhielt 1912 mit den Fabriknummern 1385 bis 1387 und im Jahr danach mit der 1402 vier Lokomotiven. Bezeichnungen und der Verbleib sind nicht bekannt.Frank Barteld: Kohlebahnen im Bornaer Revier, Verlag Barteld, Berga/Elster 2011, ISBN 978-3-935961-14-1, Seite 38 Der benachbarte Tagebau Dora und Helene bekam 1922 zunächst 5 Lokomotiven mit den Fabriknummern 2381–2385. 1924 folgten dann noch 3 Lokomotiven mit den Fabriknummern 2866, 2872, 2873 und 1925 eine letzte mit der Fabriknummer 2874.

Grube Theodor Die zur Aktiengesellschaft Sächsische Werke gehörende Grube Theodor erhielt 1920 mit den Fabriknummern 2027 sowie 2028 und 2159 sowie 2160 4 Lokomotiven, nachdem sie vorher einige AEG Bo Bo 36t besessen hatte. 1921 folgten mit den Maschinen 2272 sowie 2273 und 2280 sowie 2281 die restlichen der insgesamt 8 Lokomotiven. Die beiden ersten Maschinen wurden später an die Ilse Bergbau AG für die Grube Marga abgegeben, die AEG 2272 war 1949 im Tagebau Freiheit vorhanden.

Technik mini|left|Bauform der Tagebaulokomotive 44t 500V ungefähr ab Fabriknummer 2027 Die Lokomotiven gehörten mit zu den ersten elektrischen Tagebaulokomotiven. Ihre Form, der tief liegende mittlere Führerstand und die beiden flach gehaltenen Vorbauten, wurde für viele folgende Lokomotiven verwendet. Gegenüber den AEG Bo Bo 36t wurde die Halterung der Stromabnehmer auf den Vorbauten gewählt, der Achsstand in den Drehgestellen verringert und die Leistung der elektrischen Fahrmotoren vergrößert. Die AEG-Lokomotiven hatten einen Aufbau mit stabilem Rahmen sowie Drehgestellrahmen und angenietetem Blechoberbau sowie jeweils zwei asymmetrisch liegende Stromabnehmer, damit die Bagger die Wagen von oben beladen konnten. Diese Bauweise war bei AEG bis in die Zeit des Zweiten Weltkrieges vorherrschend, während andere Hersteller wie Henschel & Sohn und BBC schon frühzeitig auf einen Haupt- sowie vier Seitenstromabnehmer setzten.

Die Antriebsmotoren in Tatzlagerbauart waren eigenbelüftet. Die großen Räder waren im Drehgestell mit jeweils einer Blattfeder pro Seite ohne Federausgleich abgefedert. Die Mittelpufferkupplung war an den Drehgestellen befestigt. Die ersten Lokomotiven hatten vor den Stirnfenstern angeordnete Druckluftbehälter. Diese wurden später an den Stirnseiten angeordnet. Ebenfalls kennzeichnend sind die Laufgitter an der Stirnseite der Lok.

Die elektrische Ausrüstung bestand aus Gleichstromtechnik, wo über die elektrische Spannung von der Fahrleitung über den zentral gelegenen Nockenfahrschalter mit der Widerstandssteuerung die elektrischen Fahrmotoren angetrieben wurden, die als Reihenschlussmaschinen ausgeführt waren und vollständig gekapselt mit Eigenkühlung waren.Georg Klein: Die deutsche Braunkohlenindustrie 1, Handbuch für den deutschen Braunkohlenbergbau, in Die deutsche Braunkohlenindustrie, Halle 1933. Die Druckluft für die Druckluftbremse wurde von zwei Kompressoren erzeugt, die Luftbehälter wurden zuerst auf den Vorbauten gelagert, die Scheinwerfer davor. Ungefähr ab 1918 war dann die Bauform wie im Hanfland abgebildet, vorherrschend. Die Stromabnehmer besaßen zuerst eine Kontaktwalze anstatt der heute gebräuchlichen Schleifleiste. Die Lokomotiven waren mit Druckluftbremse, elektrischer Bremse und Handbremse ausgerüstet.

Siehe auch

Grube Marga, erster bekannter Einsatzort der Lokomotiven

Literatur

Allgemeine Elektrizitäts-Gesellschaft: Elektrische Tagebaulokomotiven, 1952, BTJ 5741 Archiv W.D. Richter Holger Neumann, Matthias Fiedler, Der Tagebau Meuro und die Kohlebahnen um Senftenberg en 1960–2003, Herdam Verlag, Quedlinburg-Gernrode 2024, ISBN 978-3-933178-49-7, Seite 7 ff. Curt Hanfland, Der neuzeitliche Maschinenbau, 4. Teil, Die Verkehrsmaschinen, Literaturwerke Max Lippold, Leipzig, 1929

Weblinks

Internetseite über einen ehemaligen Einsatzort der Lokomotiven auf dem Tagebau Heye auf www.kuladig.de

Einzelnachweise

Kategorie:Elektrolokomotive für Gleichstrom 550 V Kategorie:Triebfahrzeug (Deutschland) Kategorie:Schienenfahrzeug (AEG) Kategorie:Tagebaulokomotive Kategorie:Triebfahrzeug (Helmstedter Braunkohlerevier)