DDR-Literatur ist die Bezeichnung für die gesamte Literatur, die von Autoren der Deutschen Demokratischen Republik verfasst wurde und stark von staatlicher Zensur geprägt war.

Geschichtliche Entwicklung Die Entwicklung der Literatur in der DDR kann in verschiedene Phasen eingeteilt werden.DDR-Literatur MDR, mit Beschreibung der verschiedenen Phasen Die Aufbauliteratur der 1950er Jahre, die Ankunftsliteratur der 1960er Jahre, die relative Liberalisierung der 1970er Jahre und eine kritischere Literatur in den 1980er Jahren, sowie die Wendeliteratur des letzten Jahre 1989/90.

Aufbauliteratur (1949–1961)

Die Anfänge der DDR-Literatur gingen einher mit einer Reihe von antifaschistischen Werken heimgekehrter literarischer Emigranten.

Die Aufbauliteratur befasste sich thematisch mit dem Aufbau großer Industrieanlagen (besonders Chemiewerke). In den Erzählungen sind die Arbeiter die Helden und der Held der spezifischen Erzählung ist ein besonders qualifizierter und erfahrener (also meist etwas älterer) Arbeiter, der unter Schwierigkeiten hilft, das Werk aufzubauen, sich also durch eine besondere Leistung in der Arbeit auszeichnet. Meist treten auch Vertreter „der alten Kräfte“ auf. Das sind Saboteure, die den ökonomischen Erfolg des Sozialismus verhindern, und entlarvt werden oder in den Westen fliehen. Indem der Aufbau der Industrieanlage zuletzt erfolgreich ist und der Sozialismus „seinen Lauf“ nimmt, propagiert die Aufbauliteratur eine optimistische Perspektive. Es handelt sich um eine didaktische Literatur im Interesse des Aufbaus, die die Menschen dazu ermutigen soll, sich für die Sache des Sozialismus zu engagieren. Ein klassischer Vertreter ist hier z. B. Eduard Claudius mit seinem Werk „Menschen an unserer Seite“. Die Aufbauliteratur will und soll die Errungenschaften des Sozialismus und den Sieg über Faschismus darstellen.

Ankunftsliteratur (1961–1971) 1961–1965 Nach dem Bau der Berliner Mauer 1961 herrschte in den folgenden Jahren bis 1965 eine besondere Phase liberaler Kultur- und Jugendpolitik. Die SED-Führung versprach der Jugend im Jugendkommuniqué von 1963 mehr Selbständigkeit und Mitspracherecht. Gleichzeitig konnten kritische Musiker und Intellektuelle wieder öffentlich wirksam werden. Zu ihnen gehörte Wolf Biermann, der nach längerer Zeit wieder öffentliche Konzerte gab. Ebenso wurde die in den Jahren zuvor stark bekämpfte Beatmusik öffentlich zugelassen. Zudem wurde in der Wirtschaft das „Neue Ökonomisches System der Planung und Leitung“ (NÖSPL) eingeführt, das nach den 1950er Jahren eine Dezentralisierung und stärkere Eigenständigkeit der Betriebe mit sich brachte.

Auch in der Literatur gab es eine liberale Phase, die vom „Bitterfelder Weg“ geprägt war, der durch die Bitterfelder Konferenz von 1959 eingeleitet wurde. Dieser Bitterfelder Weg und die Tatsache, dass die DDR-Grenze vollständig geschlossen war und ein Arrangement mit den Verhältnissen der DDR unerlässlich wurde (es gab keinen Ausweg mehr) bildete die Grundlage der Ankunftsliteratur, welche besonders von Brigitte Reimanns Ankunft im Alltag von 1961 geprägt wurde. Typisches Beispiel ist Der geteilte Himmel (1963) von Christa Wolf. In der Literatur sind die Hauptfiguren nun meist jüngere, intellektuelle Menschen, die sich sowohl im Beruf als auch im Privaten bewähren müssen, z. B. auch bei Christa Wolf „Der geteilte Himmel“. In diesem Werk tritt noch eine weitere Tendenz zu Tage, nämlich dass zunehmend auch weibliche Hauptfiguren auftreten.

Siehe auch: Zirkel schreibender Arbeiter

1965–1971 Bereits vor 1965 nahmen die Restriktionen in der Kulturpolitik wieder zu – der Regimekritiker Robert Havemann wurde 1963 von der Universitätsparteileitung und 1964 komplett aus der Partei und der Humboldt-Universität ausgeschlossen, und auch die Freiheiten, welche das NÖSPL den Betrieben garantieren sollte, wurden nur zögerlich gewährt. 1965 schließlich endete auch eine Demonstration von Anhängern der Beat-Musik mit einer Massenfestnahme und entsprechenden Gerichtsverfahren. Im November des Jahres forderte nun der damalige Sekretär des Nationalen Verteidigungsrates, Erich Honecker, auf dem 11. Plenum des Zentralkomitees eine „saubere Leinwand“ und wetterte gegen schädliche Tendenzen, Skeptizismus und Unmoral. Folglich wurden 12 DEFA-Filme verboten, Biermann, Stefan Heym und Havemann erneut durch Verbote gegängelt. Ebenso kam die Literatur, welche auf der Linie des Bitterfelder Wegs lag, in Verruf und praktisch zu einem Ende.

Liberalisierung (1971–1976) Die Ablösung des Staatsoberhauptes Walter Ulbricht 1971 durch Erich Honecker war ein bedeutender Einschnitt für die DDR-Literatur. Es wird in diesem Zusammenhang von der „Zweiten Generation“ gesprochen. Honecker beschloss ein Liberalisierungsprogramm für die gesamte Kunst und Literatur. Dies bedeutete anfangs, dass den DDR-Schriftstellern mehr Freiheit zugesprochen wurde, solange die Basis des Sozialismus gewährleistet und in den Werken vorhanden war. Wichtig in diesem Zusammenhang ist der Begriff der „subjektiven Authentizität“, der durch Christa Wolf (beispielsweise Nachdenken über Christa T., 1968) stark geprägt wurde. In Christa Wolfs Konzept der „subjektiven Authentizität“ steht nicht mehr so sehr der Sozialismus im Vordergrund, sondern vielmehr die Probleme des Individuums in der sozialistischen Gesellschaft.

Als elfter Band der Buchreihe Geschichte der deutschen Literatur erschien 1977 im DDR-Verlag Volk und Wissen das Buch Geschichte der Literatur der Deutschen Demokratischen Republik, zu dessen Autoren u. a. Horst Haase und Hans Jürgen Geerdts zählen.

Stagnation und Widersprüche (1976–1989) Allgemeine Entwicklung Nach der Ausbürgerung Wolf Biermanns im November 1976 und dem Protest von namhaften DDR-Schriftstellern und Künstlern dagegen wurde die Kulturpolitik der DDR intoleranter und ideologischer.

Viele Schriftsteller verließen in den folgenden Jahren das Land, wie Sarah Kirsch, Erich Loest, Günter Kunert und Reiner Kunze. Andere blieben in der DDR, durften dort aber nicht mehr publizieren. Diese erhielten meist langfristige Ausreisevisa, mit denen sie beliebig oft zwischen Ost und West pendeln konnten, darunter Klaus Poche, Joachim Seyppel, Günter Kunert und Rolf Schneider, dort als Drei-Jahres-Visa bezeichnet sowie Stefan Heym und später auch Monika Maron.

In der DDR gebliebene Autoren wandten sich zunehmend historischen Stoffen zu, in denen sie in versteckter Form gegen die Zustände in der DDR kritisieren konnten. Günter de Bruyn berichtete

So entstanden Märkische Forschungen von Günter de Bruyn oder Kassandra von Christa Wolf, sowie Der König David Bericht und Ahasver von Stefan Heym (die beide trotzdem nicht in der DDR erscheinen konnten).

Nach dem Beginn der neuen Offenheit durch Michail Gorbatschow in der Sowjetunion verschärften sich die Spannungen in der DDR. Auf dem X. Schriftstellerkongreß 1987 kam dies in vielen kritischen Redebeiträgen zum Ausdruck.Passendes Wort, in Der Spiegel, 49/1987 Text, mit ausführlichem Bericht vom Schriftstellerkongreß Einige forderten eine Aussöhnung mit den weggezogenen und den verbotenen Autoren, andere ein Ende der Zensur in der DDR, wie Christoph Hein und Günter de Bruyn.1987: De bruyn und Hein fordern Einstellung der Zensur MDR, DDR-Literatur III, mit Zitaten aus der Rede von Christoph Hein Christa Wolf als bekannteste DDR-Schriftstellerin war gar nicht erst zum Kongress gekommen, da sie den Schriftstellerverband in der derzeitigen Verfassung für nicht mehr wirksam handlungsfähig hielt.

Untergrundliteratur

Andererseits verstärkte sich eine subversive Tendenz, die sich als „Untergrundliteratur“ oder Bohème bezeichnen lässt. Im Ostberliner Stadtbezirk Prenzlauer Berg bildete sich eine Szene von jungen Literaten, die auf die traditionelle Methode der Publikation durch Verlage verzichteten. Sie publizierten in kleinen Auflagen und gaben viele Lesungen (teilweise mit Musik), um ihre Werke verbreiten zu können. Sie orientierten sich an poststrukturalistischen Tendenzen aus Frankreich und wollten eine Literatur schaffen, „die die Stasi nicht versteht“. Diese DDR-Autoren bedienten sich also einer bewusst irrationalen Schreibweise, um eine Opposition zum bestehenden Literaturbetrieb und zu den DDR-Strukturen zum Ausdruck zu bringen.

Zu ihnen zählten u. a. Stefan Döring, Egmont Hesse, Jan Faktor, Johannes Jansen, Uwe Kolbe, Andreas Koziol, Leonhard Lorek, Lothar Feix, Detlef Opitz, Frank-Wolf Matthies, Bert Papenfuß-Gorek, Gino Hahnemann, Cornelia Schleime, Peter Brasch, Michael Rom, Ulrich Zieger. Die zeitweilig als Spiritus rectores im Zentrum dieser Szene stehenden Sascha Anderson und Rainer Schedlinski waren dabei als inoffizielle Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit sehr aktiv. Ein wichtiger literarischer Salon der Szene wurde von Ekkehard Maaß betrieben.

Wendeliteratur (1989–1990) In den Monaten im Herbst 1989 engagierten sich viele Schriftsteller auch in den vielfältigen Protesten. Bei der Alexanderplatz-Demonstration am 4. November sprachen Christa Wolf, Heiner Müller, Christoph Hein und anderen sehr deutlich ihre Kritik an der derzeitigen Situation und Vorschläge für eine demokratischere Gesellschaft.

Die grundlegenden gesellschaftlichen Veränderungen seit der Maueröffnung am 9. November brachten einerseits mehr Freiheiten des Publizierens, andererseits brachen für viele weniger bekannte Autoren die Absatzmöglichkeiten erheblich. Einige bisher verbotene Werke konnten nun erscheinen. Einige Autoren verarbeiteten die Einsichtnahme in ihre umfangreichen Bespitzelungsakten in literarische Werke, wie Deckname „Lyrik“ von Reiner Kunze oder Der Zorn der Schafe und Die Stasi war mein Eckermann von Erich Loest. Die Literatur der Wende oder Wendeliteratur ist nicht mit dem sogenannten Wenderoman zu verwechseln.

Das letzte Buch der DDR Das letzte in der DDR erschienene Buch war das von der Berliner Katzengraben-Presse herausgebrachte bibliophile Buch Ostberliner Treppengespräche von Jan Silberschuh mit Illustrationen von Hans Ticha. Es wurde in einer Auflage von 999 Stück hergestellt und am 2. Oktober 1990, um 23:59 Uhr, also eine Minute vor der Wiedervereinigung, ausgeliefert.

Neugestaltung (ab 1991)

In den folgenden Jahren ab 1990 mussten sich die ehemaligen DDR-Autoren nach den politischen Veränderungen auf die neuen Verhältnisse einstellen. Einigen gelang dies besser, wie Günter de Bruyn, die weiter erfolgreich publizieren konnten. Andere, vor allem regimetreue Autoren hatten dagegen nun erhebliche Absatzprobleme. Christa Wolf verlor ihren Nimbus als Ikone der DDR-Literatur durch Bekanntwerden einer kurzzeitigen IM-Tätigkeit in den 1960er Jahren, Stephan Hermlin wurden umfangreiche Fälschungen seiner Biographie vorgeworfen, andere Autoren wie Sascha Anderson wurden mit ihrer IM-Tätigkeit konfrontiert.

Gesellschaftliche Bedeutung Die Literatur hatte in begrenztem Maße die Möglichkeit, eine „kritische Öffentlichkeit“ in der DDR zu schaffen.Siegfried Lokatis: Die Hauptverwaltung des Leselandes. In: Leseland DDR. Aus Politik und Zeitgeschichte, 11/2009, S. 23–31, hier S. 25.DDR-Literatur II MDR, Absatz Leseland DDR Sie war auch ein Teilersatz für die eingeschränkte Presse- und Meinungsfreiheit. Schriftsteller konnten mit Werken und mit ihrem öffentlichen Auftreten versuchen, Einsichten und Beschreibungen der Gegenwart zu geben, die in anderen Ländern durch Öffentlichkeitsarbeit oder Journalismus erfolgen. Bücher wie Franziska Linkerhand von Brigitte Reimann, Guten Morgen, du Schöne von Maxie Wander oder Störfall von Christa Wolf beschreiben das Leben in der DDR so unmittelbar, wie dies in den offiziellen Medien in dieser Form nicht möglich war.