Zaza-Gorani ist eine kleine genetische Einheit innerhalb des Nordwestzweiges der iranischen Sprachen. Es besteht aus zwei relativ eng verwandten Sprachen, dem Zaza (auch Zazaki oder Dimli) und dem Gorani. Zazaki wird von 2 bis 3 Millionen Menschen im Osten der Türkei gesprochen, Gorani von etwa 500.000 in Iran und im Irak.

Klassifikation Die folgende Klassifikation beschreibt die genetische Stellung der Zaza-Gorani-Gruppe innerhalb der nordwestiranischen Sprachen, auch in Relation zu den kurdischen Sprachen. Die Darstellung enthält zusätzlich die dialektal-geographische Gliederung der Sprachen Zazaki und Gorani. Einen Gesamtüberblick über die iranischen Sprachen und ihre Klassifikation bietet der Artikel Iranische Sprachen.

Klassifikation des Nordwestiranischen - Dialekte des Zaza und Gorani

Nordwestiranisch   24 Sprachen, 31 Mio. Sprecher Medisch: Medisch † (altiranisch) Parthisch: Parthisch: † (mitteliranisch) Kaspisch Gilaki-Mazenderani: Gilaki (1,3 Mio.), Masanderanisch (2,2 Mio.), Gurgani † Semnani: Semnani, Sangisari, Sorchei, Lasgerdi (zusammen 50 Tsd.) Taleshi: Taleshi (1 Mio.) Azari: Iranisch-Azari („Süd-Tati“) (220 T) Kurdisch Kurmandschi (Nordwest-Kurdisch) (15–20 Mio.) Sorani (Zentral-Kurdisch, Kurdi) (4 Mio.) Südkurdisch (3 Mio.) Zaza-Gorani Zaza (alternativ: Zazakî, Dimlî, Kirmançkî, Kirdkî, „So Be“) (2–3 Mio.) Norddialekt (Kirmançki; Alevi-Dialekt) Zentraldialekt (Zazakî oder Kirdkî; Şafii-Dialekt) Süddialekt (Dimli; Hanefi-Dialekt) Gorani (500 Tsd.) Bajalani: Qasr-e Shirin, Zohab, Bin Qudra, Quratu, Khanaqin, Mossul-Provinz Schabaki: Ali Rach, Khazana, talara, auch Mossul-Provinz Gorani: Halabja, Suleimanije, Topzawa, Sprachinseln zwischen Mossul und Khanaqin Sarli: Nördl. Mossul-Provinz, Kirkuk-Provinz Hawrami: Iran.-Kurdistan, Hawraman, Kermanschah (Iran) Belutschi: Belutschisch (Baloči) (7 Mio.)

Möglicherweise bilden Zaza-Gorani und Belutschi eine eigene genetische Einheit („Hyrkanisch“), diese Ansicht wird aber nicht von allen Forschern geteilt.

Die Klassifikation in Ethnologue entspricht nicht dem aktuellen Stand der Wissenschaft (vgl. CIL). Generell tendiert Ethnologue dazu, aus Dialekten separate Sprachen zu machen. „Kirmanjki“ und „Dimli“ sind nur alternative Bezeichnungen des Zazaki, die anderen genannten „Sprachen“ sind Dialekte des Gorani.

Gemeinsame Merkmale Die Sprachen Zazaki und Gorani teilen gemeinsame lautliche und grammatische Eigenschaften, diese wären z. B.Mackenzie, David Neil: The dialect of Awroman (Hawraman i Luhon) Grammatical sketch, texts, and vocabulary. Kommissionaer: Munksgaard (København), 1966 (online).:

Lautverschiebungen

der xw-Diphthong, der in Kurdisch, Mittelpersisch und Sogdisch bekannt ist, wird wie in BelutschiN. A. A Collett: A grammar, phrase book and vocabulary of Baluchi: (as spoken in the Sultanate of Oman). Online: https://dsal.uchicago.edu/dictionaries/collett/. 2nd ed. Camberley. 1986. Vokabeln: wash „fein, glücklich, süß“, warag, wārt „trinken, essen, verlieren (ein Spiel usw.)“, als w wiedergegeben (in Parthisch als wx geschriebenProf. Dr. Jost Gippert: Die historische Entwicklung der Zaza-Sprache. Online: https://titus.uni-frankfurt.de/personal/jg/pdf/jg1996f.pdf. S. 152. Frankfurt. 1998.): weş „gut, wohl“, Gor. wārdey, Zaz. werdene „essen“ und wār „nieder“.

innerlautliches f verschiebt sich zu w: Gor. verwe/werwe, Zaz. vewre „Schnee“ (avestisch vafra-), hewt „sieben“ und Gor. kewtey, Zaz. kewtene „fallen“.

Endungen

viele maskuline Wörter besitzen wie in Altiranisch den Ausgang -e (iranistische Schreibweise: -a): nāme „Name“, şıwāne „Schäfer“ und Gor. mılle, Zaz. merre „Maus“.

die weibliche Genusendung -e wird in den beiden Fällen Rectus und Obliquus gleichzeitig benutzt: Gor. wāle, Zaz. wāye „Schwester“ (Wurzelwort: wā-), gāme „Schritt“ und şewe „Nacht“.

Grammatik

die Personalendung der 3. Pers. sg. in Verben im Präsens ist bei beiden Sprachen -o: Gor. mıkero, Zaz. keno „er tut“ und bıkero „dass er tut“. beide Sprachen unterscheiden in der 3. Pers. sg. in den Personalpronomen zwischen feminin und maskulin: Zaz. o „er“ (gebeugt: ey), ā „sie“ (gebeugt: āye) und Gorani ēd „er“, ēde „sie“. es existiert ein identisches Passiv, z. B. Gorani vāčīyā/wāčīyā "(es) wurde gesagt" und Zazaki vācīyā.

Zazaki besitzt an manchen Stellen grammatische Besonderheiten, die in manchen kaspischen Sprachen vorkommen, aber nicht in Gorani, wie z. B. den Präsensmarker -(e)n-, z. B. Zazaki (ez) vānān „ich sage“, Semnani (Aftari-Dialekt) (a) vānnīPaul, Ludwig: Zazaki: The position of Zazaki among the westiranian languages. Wiesbaden. 1998. S. 173. , aber Gorani (mın) mıwāču/mıvāčān (mit dem Präfix mı-, was in Persisch als mī- bekannt ist).

Literatur Joyce Blau: Gurani et Zaza. In: Rüdiger Schmitt (Hrsg.): Compendium Linguarum Iranicarum. Reichert Verlag, Wiesbaden 1989, ISBN 3-88226-413-6. Zülfü Selcan: Grammatik der Zaza-Sprache. Nord-Dialekt (Dersim-Dialekt). Wissenschaft & Technik Verlag, Berlin 1998, ISBN 3-928943-96-0. Ludwig Paul: Zazaki. Grammatik und Versuch einer Dialektologie (= Beiträge zur Iranistik. Band 18). Wiesbaden 1998.

Einzelnachweise

Weblinks www.ethnologue.com über Zaza-Gorani (engl.)

Kategorie:Westiranische Sprachen Kategorie:Neuiranische Sprachen Gorani