Eplontersen ist eine synthetische kurzkettige Nukleinsäure, die als Arzneistoff eingesetzt wird. Eplontersen wurde 2023 zunächst in den USA, später in weiteren Ländern, zugelassen zur Behandlung der erblichen Transthyretin-vermittelten Amyloidose (ATTRv) mit Polyneuropathie (PN). ATTRv ist eine seltene Stoffwechselstörung, bei der es zu Eiweißablagerungen in Zellen und Geweben kommt.

Eigenschaften mini|hochkant=2|Vergleich Inotersen und Eplontersen (schematische Darstellung) Eplontersen ist ein aus 20 Nukleotiden bestehendes einzelsträngiges, modifiziertes Antisense-Oligonukleotid (ASO) mit Gapmer-Struktur, das am 5'-Ende mit einer triantennären N-Acetylgalactosamin(GalNAc)-Verbindung konjugiert ist. Die Oligonukleotidkomponente besteht aus DNA zu 10 Nukleotiden plus zwei flankierenden RNA-Regionen mit je 5 an der Ribose modifizierten Nukleotiden. Dort befindet sich anstelle der 2′-Hydroxygruppe eine 2′-O-(2-Methoxyethyl)gruppe (2′-O-MOE). Das Rückgrat enthält 13 Phosphorthioat- und 7 Phosphodieester-Bindungen. Alle Cytosin-Basen sind 5-methyliert (m5C). Die Basenfolge ist identisch zu der des ASO Inotersen. Der zusätzliche GalNAc-Ligand dient der Verbesserung der Aufnahme des ASO in die Leberzellen (Hepatozyten). Er ähnelt strukturell dem bereits in siRNA-basierten Wirkstoffen (z. B. Givosiran, Vutrisiran) verwendeten GalNAc-Liganden L96.

Pharmazeutisch wird der Wirkstoff als Natriumsalz (1:20) eingesetzt. Eplontersen-Natrium ist ein weißer bis gelber Feststoff und leicht löslich in Wasser und in Phosphatpuffer.

Wirkungsmechanismus Eplontersen wirkt als Antisense-Oligonukleotid, das heißt, dass die Basensequenz entgegengesetzt zu einer funktionalen Boten-RNA (mRNA) ist. Es bindet selektiv an die 3′-untranslatierte Region (3′UTR) der mRNA des Transthyretins (TTR), und zwar von der (normalen) Wildtyp- und der mutierten Form. Die dadurch rekrutierte RNAse H1 baut die TTR-mRNA in der Leber ab. In der Folge kommt es zu einer Reduktion von TTR im Serum und TTR-Proteinablagerungen in den Geweben.

Der GalNAc-Ligand ermöglicht die hochselektive Bindung an die Asialoglycoprotein-Rezeptoren (ASGPR), die reichlich auf der Oberfläche von Hepatozyten exprimiert werden. Dies führt zu einer schnellen Endozytose. Durch die Ligandenkonjugation wird die Wirksamkeit bezogen auf die Senkung der TTR-Spiegel um etwa das 30-fache gesteigert im Vergleich zu Inotersen.

Anwendungsgebiet Eplontersen ist angezeigt zur Behandlung der hereditären Transthyretin-Amyloidose (ATTRv) bei erwachsenen Patienten mit Polyneuropathie der Stadien 1 oder 2. Die Verabreichung erfolgt subkutan (Injektion in das Unterhautfettgewebe).

Nebenwirkungen und Anwendungsbeschränkungen Die häufigsten Nebenwirkungen während der Behandlung mit Eplontersen waren erniedrigtes Vitamin A (Retinol) und Erbrechen. Aufgrund des Wirkmechanismus ist eine Absenkung des Vitamin-A-Serumspiegels unter den Normalwert zu erwarten. Zu niedrige Vitamin-A-Spiegel sollten vor Behandlungsbeginn korrigiert werden; während der Behandlung sollte eine Vitamin-A-Supplementierung erfolgen.

Klinische Prüfung Wirksamkeit und Sicherheit von Eplontersen für die Behandlung der ATTR-PN wurden in einer randomisierten, multizentrischen, Open-label-Studie untersucht (NEURO-TTRansform), die insgesamt 168 erwachsene Patienten mit ATTRv-PN einschloss.

Sonstiges Eplontersen wird auch für die Behandlung der Transthyretin-vermittelten Amyloidose mit Kardiomyopathie (ATTR-CM) untersucht. Das Ologonukleotid-GalNAc-Konjugat wurde von dem amerikanischen und auf RNA-Therapeutika spezialisierten Biotechnologie-Unternehmen Ionis Pharmaceuticals entwickelt.

Handelsnamen und Zulassung Wainua (AstraZeneca): Dezember 2023 Wainzua (AstraZeneca): Oktober 2024, Februar 2025, März 2025

Einzelnachweise INN Recommended List 85, World Health Organisation (WHO), 6. April 2021.

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Teresa Coelho, Wilson Marques, Noel R. Dasgupta, Chi‐Chao Chao, Yeşim Parman, Marcondes C. França, Yuh‐Cherng Guo, Jonas Wixner, Long‐Sun Ro, Cristian Calandra, Pedro André Kowacs, John L. Berk, Laura Obici, Fábio Barroso, Markus Weiler, Isabel Conceição, Shiangtung W. Jung, Gustavo Büchele, Michela Brambatti, Jersey Chen, Steven G. Hughes, Eugene Schneider, Nicholas J. Viney, Ahmad Masri, Morie R. Gertz, Yukio Ando, Julian D. Gillmore, Sami Khella, P. James B. Dyck, Márcia Waddington‐Cruz, Anna Mazzeo, Aikaterini Papagianni, Mazen M. Dimachkie, Ioannis Zaganas, Edward Gane, Marco Luigetti, Lucía Galán Dávila, Michelle M. Mezei, Juan González Moreno, Pascal Cintas, Davide Pareyson, Rebecca Traub, Julie Khoury, Conrado J. Estol, Merrilee Needham, David Adams, Michael Polydefkis, Thomas H. Brannagan, Vera Bril, Shahram Attarian, Marcelo Rugiero, B. Jane Distad, Eleni Zamba Papanicolaou, Kon‐Ping Lin, Merrill D. Benson, Morton Scheinberg: Eplontersen for Hereditary Transthyretin Amyloidosis With Polyneuropathy. In: Journal of the American Medical Association. 2023, Band 330, Nummer 15, S. 1448. .

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Kategorie:Arzneistoff Kategorie:Nukleinsäure