mini|Titelseite des Ausstellungskataloges in Berlin 1946 mini|Titelseite des Ausstellungskataloges in Düsseldorf 1946 mini|Titelseite des Ausstellungskataloges in München 1947 mini|Titelseite des Ausstellungskataloges in Wien 1947 Moderne französische Malerei () war eine Wanderausstellung, die 1946–1947 von der Militärregierung der Französischen Besatzungszone in Deutschland organisiert wurde. Die Ausstellung hatte ihre Premiere in Baden-Baden und war anschließend in Berlin, Mainz und Düsseldorf zu sehen. In leicht geänderter Zusammenstellung kamen weitere Stationen in Wien und München hinzu, sodass Menschen in allen vier Besatzungszonen die Werke sehen konnten. Die Ausstellung zeigte einen Überblick der Malerei in Frankreich vom Impressionismus bis zur zeitgenössischen Kunst. Dazu gehörten auch Werke von Künstlern, deren Arbeiten zuvor in Deutschland als „Entartete Kunst“ diffamiert waren. Neben der vordergründigen Präsentation der Kunstwerke ging es den Organisatoren auch um „eine geistige und moralische Umerziehung der Deutschen“.Tessa Friederike Rosebrock: Kurt Martin und das Musée des Beaux-Arts de Strasbourg, S. 288. Zugleich wollte sich Frankreich mit dieser großen Kunstausstellung gegenüber den anderen Besatzungsmächten in Deutschland als führende Kulturnation darstellen, wozu insbesondere die Stationen in Berlin und Wien mit ihrem Vier-Mächte-Status geeignet waren.Martin Schneider: Im Blick des Anderen. Die deutsch-Französischen Kunstbeziehungen 1945–1959, S. 44.
Die ersten Kunstausstellungen in der französischen Besatzungszone Die Rolle Frankreichs im Zweiten Weltkrieg wandelte sich von einem besiegten Land nach der Niederlage im Juni 1940 zu einer der vier Siegermächte zum Ende des Krieges 1945. Allerdings spielte es zunächst im Kreis der Alliierten nur eine nachgeordnete Rolle und wurde beispielsweise nicht zur Potsdamer Konferenz 1945 eingeladen. Seit Juni 1945 verfügte Frankreich jedoch über eigene Besatzungszonen in Deutschland und ebenso in Österreich.Chirine Hammouch: Les expositions d’art moderne présentées par les gouvernements américain et français en Allemagne occupée après 1945.
Die vier Besatzungsmächte versuchten in ihren Zonen neben der Entnazifizierung auch eine geistige und moralische Umerziehung der Bevölkerung zu bewirken. Frankreich, das sich in besonderem Maß als Kulturnation verstand, sah in der Kulturvermittlung ein wichtiges Instrument, um in seiner Besatzungszone einen entsprechenden Einfluss auszuüben.Tessa Friederike Rosebrock: Kurt Martin und das Musée des Beaux-Arts de Strasbourg, S. 289. Nach zwölf Jahren nationalsozialistischer Kulturpolitik mangelte es bis dahin vor allem der Jugend an Möglichkeiten, sich mit moderner Kunst auseinanderzusetzen.Tessa Friederike Rosebrock: Kurt Martin und das Musée des Beaux-Arts de Strasbourg, S. 283. Zuständig für das Ausstellungswesen in der französischen Zone war Raymond Schmittlein, Leiter der Erziehungsabteilung (Dierection de l’Education publique) der Militärregierung. Die Unterabteilung für Kunst (Service des Beaux-Arts) leitete seit April 1946 der Historiker Michel François.Chirine Hammouch: Les expositions d’art moderne présentées par les gouvernements américain et français en Allemagne occupée après 1945. Die französische Militärregierung organisierte im Zeitraum zwischen 1946 und der Gründung der Bundesrepublik Deutschland 1949 insgesamt etwa fünfzig Ausstellungen.Martin Schneider: Im Blick des Anderen. Die deutsch-Französischen Kunstbeziehungen 1945–1959, S. 22.
Eine erste Ausstellung zeitgenössischer Kunst in der französischen Zone fand bereits im Oktober 1945 in Überlingen statt. Walter Kaesbach, vormalig Direktor der Kunstakademie Düsseldorf, hatte dort die Ausstellung Deutsche Kunst unserer Zeit mit Werken des Expressionismus organisiert, bei der er auf Werke von Künstlern zurückgriff, die in der Umgebung des Bodensees lebten. Diese Schau entstand zwar aus Privatinitiative, wurde jedoch von der Militärregierung der Französischen Besatzungszone (Gouvernement militaire de la zone française d’occupation) unterstützt.Tessa Friederike Rosebrock: Kurt Martin und das Musée des Beaux-Arts de Strasbourg, S. 293. Die erste von der französischen Verwaltung organisierte Ausstellung fand im Mai 1946 in Baden-Baden statt, dem Sitz der Militärregierung. Unter dem Titel Frankreich – Baden im Spiegel der Geschichte 1660–1860 (France – Pays de Bade. Deux siècle d’histoire 1660–1860) thematisierte die Schau die wechselseitigen kulturellen Einflüsse zwischen Frankreich und der Markgrafschaft Baden und dem Großherzogtum Baden. Gezeigt wurden Gemälde, Möbel, Skulpturen und schriftliche Zeugnisse aus französischem und deutschem Besitz. Es folgte im Juni 1946 eine Ausstellung Meisterwerke mittelalterlicher Kunst in Baden in Freiburg im Breisgau.Tessa Friederike Rosebrock: Kurt Martin und das Musée des Beaux-Arts de Strasbourg, S. 294. In der Nachfolge der Vorjahresausstellung in Überlingen kam es ebenfalls im Juni 1946 zur Ausstellung Neue deutsche Kunst in Konstanz. Parallel hierzu veranstaltete das französische Kulturministerium (Éduaction Nationale) im Rahmen der Konstanzer Kunstwoche die Ausstellung Neue französische Malerei mit Werken von Pierre Bonnard, Raoul Dufy, Maurice Denis, Marie Laurencin und weiteren Künstlern. Ziel des Ministeriums war es, dem deutschen Publikum „Schritt für Schritt mit der in ihrer historischen Genese verpassten modernen französischen Kunst vertraut zu machen, indem sie die künstlerische Entwicklung vom ausgehenden Impressionismus bis hin zur konkreten Kunst“ aufzeigen wollte.Tessa Friederike Rosebrock: Kurt Martin und das Musée des Beaux-Arts de Strasbourg, S. 299.
Die Ausstellung Moderne französische Malerei in Baden-Baden Ursprünglich sollte im Spätsommer 1946 in Baden-Baden eine Ausstellung gezeigt werden, die zuvor vom 11. Juli bis 31. August des Jahres unter dem Titel 250 Artistes du Salon d’Automne im Wiener Kunstgewerbemuseum zu sehen war. Philippe Erlanger, Leiter der Abteilung für internationalen Kulturaustausch (Association française d’action artistique) im Pariser Erziehungsministerium, lehnte jedoch eine Ausstellung in Deutschland ab und entschied, die Kunstwerke stattdessen auf eine Tour durch Südosteuropa zu schicken.Martin Schneider: Im Blick des Anderen. Die deutsch-Französischen Kunstbeziehungen 1945–1959, S. 35. Raymond Schmittlein überzeugte daraufhin zunächst den Leiter der Militärverwaltung Émile Laffon von der politischen Bedeutung einer solchen Ausstellung in Deutschland und regte an, gegen „die Verzögerungs- und Blockadetaktik des Erziehungsministeriums, vor allem Erlangers zu protestieren“. Erst nachdem Militärgouverneur Pierre Kœnig beim Erziehungsministerium Einspruch erhoben hatte, erfolgte die entsprechende politische Unterstützung.
Der bei der Militärverwaltung für Museumsausstellungen zuständige Abteilungsleiter Bernard Poissonnier reiste kurzfristig nach Paris, um eine neue Liste mit Exponaten für eine Ausstellung zusammenzustellen. Aufbauend auf der Programmatik der französischen Ausstellung moderner Kunst in Konstanz wurde eine repräsentative Ausstellung für Baden-Baden vorbereitet. Der beschreibende Titel Moderne französische Malerei wurde hierbei weit ausgelegt und umfasste auch Werke ausländischer Künstler, die in Frankreich lebten, so der Niederländer Vincent van Gogh, der Spanier Pablo Picasso oder der Italiener Amedeo Modigliani. Unterstützt wurde Poissonnier in Paris von Jean Cassou, dem Direktor des Musée National d’Art Moderne. Zudem waren mehrere Pariser Galeristen sofort bereit, Kunstwerke zur Verfügung zu stellen. Schwieriger war es, von privaten Sammlern Leihgaben zu bekommen, da diese die Situation in Deutschland in der Nachkriegszeit häufig als zu unsicher ansahen oder „Ressentiments gegenüber dem Nachbarn“ hegten.Martin Schneider: Im Blick des Anderen. Die deutsch-Französischen Kunstbeziehungen 1945–1959, S. 36.
Zu den privaten Sammlern pflegte insbesondere der französische Kunstschutzoffizier Maurice Jardot (1911–2002), Leiter des Bureau des Beaux-Arts der Region Baden, gute Beziehungen.Tessa Friederike Rosebrock: Kurt Martin und das Musée des Beaux-Arts de Strasbourg, S. 300. Jardot arbeitete auf deutscher Seite mit Kurt Martin, dem Direktor der Kunsthalle Karlsruhe, zusammen.Martin Schneider: Im Blick des Anderen. Die deutsch-Französischen Kunstbeziehungen 1945–1959, S. 31. Dieser hatte im Zweiten Weltkrieg zudem das Musée municpal im besetzten Straßburg geleitet, wurde aber bereits 1945 von französischer Seite als unbelastet rehabilitiert.Tessa Friederike Rosebrock: Kurt Martin und das Musée des Beaux-Arts de Strasbourg, S. 253–257. Martin verfügte darüber hinaus über enge Kontakte zur amerikanischen Militärverwaltung, insbesondere zur Kunsthistorikerin Edith Standen, die seit März 1946 den Wiesbaden Central Collecting Point leitete. Auf diesem Weg konnten auch Kunstwerke aus der amerikanischen Besatzungszone, insbesondere aus deutschem Museumsbesitz, in der Ausstellung gezeigt werden.Tessa Friederike Rosebrock: Kurt Martin und das Musée des Beaux-Arts de Strasbourg, S. 300–301.
Die Ausstellung Moderne französische Malerei stand unter der Schirmherrschaft des Militärgouverneurs Pierre Kœnig; an der Ausstellungseröffnung am 17. September 1947 im Kurhaus Baden-Baden nahm der Generalverwalter Émile Laffon teil.Das Datum der Eröffnung wird mit 17. September 1946 angegeben in Tessa Friederike Rosebrock: Kurt Martin und das Musée des Beaux-Arts de Strasbourg, S. 301. Abweichend gibt es die Angabe 15. September 1946 in Chirine Hammouch: Les expositions d’art moderne présentées par les gouvernements américain et français en Allemagne occupée après 1945. Die Festrede hielt Kurt Martin. Dass ein Deutscher diese Rolle übernahm, war in der Nachkriegszeit außergewöhnlich.Tessa Friederike Rosebrock: Kurt Martin und das Musée des Beaux-Arts de Strasbourg, S. 301. Zur Ausstellung erschien ein Katalog in französischer und deutscher Sprache mit einem Vorwort von Michel François und einer Einleitung von Jean Cassou vom Musée National d’Art Moderne. Das Titelbild schmückte eine Schwarzweißreproduktion des Gemäldes Die Bierkellnerin von Édouard Manet, eine Auswahl weiterer Abbildungen gab es am Katalogende. Nach drei Wochen endete die Ausstellung in Baden-Baden am 8. Oktober 1946 und verzeichnete insgesamt 9000 Besucher.Martin Schneider: Im Blick des Anderen. Die deutsch-Französischen Kunstbeziehungen 1945–1959, S. 58. Sie wirkte, wie der Maler Heinz Tröskes lobte, „wie ein großer, freier Atemzug durch alle Zonen“.Martin Schneider: Im Blick des Anderen. Die deutsch-Französischen Kunstbeziehungen 1945–1959, S. 23. Ursprünglich Heinz Trökes: Moderne Kunst in Deutschland. In: Das Kunstwerk I/8–9/1946–47, S. 73. In seinem Abschlussbericht erörterte Michel François die Bedeutung der Ausstellung, da Frankreich eine „Mission“ zu erfüllen habe und sich „in seiner Gesamtheit“ präsentieren müsse, also nicht nur als militärische Macht, sondern auch als Kulturnation.Martin Schneider: Im Blick des Anderen. Die deutsch-Französischen Kunstbeziehungen 1945–1959, S. 36.
Leihgeber der Ausstellung in Baden-Baden