Die Geschichte von Billmerich ist bekannt seit der Zeit der ersten urkundlichen Nennung von Billmerich im Jahr 890. Der Ort entstand als Ansiedlung von Bauern, die die nähere Umgebung mit Lebensmitteln versorgten. Später siedelten sich Handwerker an, die für die Landwirtschaft benötigt wurden. Um 1750 kam der Bergbau dazu. Bis zur Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen am 1. Januar 1968 hatte Billmerich eine Eigenständigkeit mit Bürgermeister sowie einer Gemeindevertretung und gehörte zur Stadt Fröndenberg. Heute ist Billmerich ein Stadtteil der Stadt Unna.Erich Rieke: Billmerich Vergangenheit und Gegenwart der Gemeinde 890 - 1990. (= Schriftenreihe der Stadt Unna. Band 21). Unna 1990, ISBN 3-927082-21-X, S. 7–9.
Allgemeines mini|Auszug aus dem Werdener Urbar mit der Ersterwähnung von Billmerich als „Bilimerki“ (am Ende der Zeile 2 mit Umbruch nach Zeile 3) Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes Billmerich als Bilimerki im Werdener Urbar datiert aus dem Jahre 890. Die Urkunde war im Besitz des Klosters Werden (siehe Abbildung 1). Das Kloster besaß auch den heute nicht mehr lokalisierbaren Ortsteil „Ostbilimerki“. 1330 wurde ein Ortsteil „Hillering“ urkundlich in der Lehnsurkunde für den Edelherrn Lambert van der Rure genannt: „... eyner halven Hove Holtes in der Belemerke, dey behoren in dat Gut to Hildernich ...“.Erich Rieke: Billmerich Vergangenheit und Gegenwart der Gemeinde 890 - 1990. (= Schriftenreihe der Stadt Unna. Band 21). Unna 1990, ISBN 3-927082-21-X, S. 7–9.
Billmerich gehörte im Spätmittelalter und der Frühen Neuzeit in eigener Bauerschaft (Beelmarcke) im Amt Unna zur Grafschaft Mark. Laut dem Schatzbuch der Grafschaft Mark von 1486 hatten die 10 Steuerpflichtigen in der Bauerschaft zwischen 1 und 6 Goldgulden an Abgabe zu leisten.Aloys Meister: Die Grafschaft Mark, Festschrift zum Gedächtnis der 300-jährigen Vereinigung mit Brandenburg-Preußen. 2. Band, Dortmund 1909, S. 26 – Auszug aus dem Schatzbuch der Grafschaft Mark von 1486 (Bauerschaft Billmerich). Im Jahr 1705 waren in der vergrößerten Bauerschaft (Baurschaft Belmericke) 21 Steuerpflichtige mit Abgaben an die Rentei Wetter im Kataster verzeichnet.Willy Timm: Kataster der Kontribuablen Güter in der Grafschaft Mark 1705. (= Westfälisches Schatzungs- und Steuerregister. Band 6). Münster 1980, S. 57.
Im 19. Jahrhundert gehörte die Landgemeinde Billmerich bei der Errichtung der Ämter in der preußischen Provinz Westfalen zum Amt Unna, dann zum Amt Unna-Kamen im Kreis Hamm. Im Jahr 1885 gab es in der Landgemeinde Billmerich auf 660 ha Fläche, davon 446 ha Ackerland, 16 ha Wiesen, 51 ha Holzungen, 12 Wohnplätze, 114 Wohnhäuser mit 158 Haushaltungen und 890 Einwohnern.Gemeindelexikon für die Provinz Westfalen. Berlin 1887, S. 74–75. (digitale-sammlungen.de)
Anlässlich der Erteilung der Kreisfreiheit für die Stadt Hamm am 1. April 1901 wurde aus dem Kreis der Landkreis Hamm. Nach einer Gebietserweiterung im Jahr 1929 wurde dieser im Oktober 1930 in Kreis Unna umbenannt. Am 1. Januar 1968 wurden die bisherigen Gemeinden Afferde, Billmerich, Hemmerde, Kessebüren, Lünern, Massen, Mühlhausen, Siddinghausen, Stockum, Uelzen und Westhemmerde in die Stadt Unna eingemeindet.Willy Timm: Unna 1968 – Die kommunale Neugliederung der Stadt Unna und ihre Vorgeschichte. Verlag Hellweg-Bücherei, Unna 1993, ISBN 3-87298-057-2.
Bauerngeschichte Um 890 hatte die Abtei Werden, im Gebiet der heutigen Stadt Essen, Besitz in Billmerich und Ostbillmerich.Erich Rieke: Billmerich Vergangenheit und Gegenwart der Gemeinde 890 - 1990. (= Schriftenreihe der Stadt Unna. Band 21). Unna 1990, ISBN 3-927082-21-X, S. 7ff. Im ältesten Werdener Urbar wurden Lehnsgüter erstmals erwähnt. Wie das Kloster Werden an die bäuerlichen Besitzungen gelangt war, ist unbekannt. Nach 877 wurde das Kloster dem Reich übertragen und danach die Grundbesitze systematisch erfasst.
Zu Anfang des 13. Jahrhunderts war das Recht, den Zehnten von Billmerich einzuziehen, Eigentum des Kölner Erzbischofs, der den Grafen Otto von Tecklenburg damit belehnt hatte. Um 1220 wurden im Werdener Urbar zwei Bauernhöfe aus Billmerich mit Abgaben verzeichnet: Tieze vom Hof in „Bilemerc“ und Betto in „Bilemerke“. 1232 verzichtete der Graf von Tecklenburg gegenüber dem Erzbischof zugunsten des Klosters Fröndenberg auf den Zehnten in „Belemerke“. 1233 verzichtete auch die Witwe Gertrud von Bilemerke auf ihre Ansprüche, worauf Erzbischof Heinrich I. von Köln den Zehnten dem Kloster Fröndenberg übertrug. Um 1294 verkauften die Adligen Johann und Arnold von Hövel dem Kloster Fröndenberg ihre Eigentumsrechte an einem Hof in „Luttiken Bilemeriken“. Um 1330 erhielt der Edelherr Lambert van der Rure ein Lehen im Billmericher Ortsteil Hillering.
Die älteste Aufstellung der Bauernhöfe in Beelmarcke (Billmerich) von 1486 stammte aus dem Schatzbuch der Grafschaft Mark: - Schult van Westhaven (Hof Westhoff) - Haigedorne - Hermann Laerman - Hans Laittengaen - Jan in den Dyck (Hof Dieckmann) - Henrik und Derick Bosehaver - Derich Beymer - Burgemeister (Hof Mester) - Henrick Latengaen In früheren Zeiten waren die Namen an den Hof gebunden, nicht aber an die Familien, so dass damit das Alter des Hofes bewiesen wird, aber nicht das der Familien. In dieser Auflistung wurden nur die zehn besteuerten Höfe genannt.
Neben der Abtei Werden waren das Kloster Fröndenberg und Kloster Scheda die ältesten und bedeutendsten Grundherren in Billmerich. Bereits 1253 besaß das Kloster Scheda dort einen Hof. 1283 schenkte der Edle Hermann van Witten dem Kloster Fröndenberg „area in Belemerke“ (Gebiete/Gelände in Billmerich), 1296 übertrug der Edelmann Wilhelm von Ardey dem Kloster das „Ghevehardincgut zu Belemerke“. Weitere Höfe werden nach Aussterben des Adelsgeschlechts von Billmerich an die beiden Klöster gelangt sein.
Lehnsherr Kloster Fröndenberg
Nach Fröndenberg gehörte der Hof Boese (heute Espeloer – siehe Abbildung: östliche Sicht auf das Haupthaus mit Blick über einen der ehemaligen 5 Löschteiche). 1613 wurde der Hof im Gewinnbuch des Stiftes Fröndenberg urkundlich erstmals genannt. Im Pachtvertrag von 1719 steht, dass Melchior Quabeck, genannt Böse, den Hof von Bauer Budde übernahm. Nach den Preußischen Reformen und dem Regulierungsedikt entrichtete Thomas Böse 1851 die letzte Jahrespacht in Naturalien und befreite durch Zahlung einer Ablösesumme von 886 Talern, 4 Silbergroschen und 6 Pfennig den Hof von dieser Last. Heute (2024) gehört der Hof der Fam. Espeloer und wird landwirtschaftlich als Nebenerwerbsbetrieb genutzt.
Der Hof Budde (heute Lategahn – siehe Abbildung – südliche Sicht auf das Haupthaus (rechts) und der Pferdestall (links)), den 1553 Heinrich Budde, 1666 Peter Budde bewirtschaftete, war zu einer jährlichen Pachtzahlung sowie einer „Binnenpacht“ an das Stift Fröndenberg veranlagt. Die Ablösung zahlte Diedrich Friedrich Budde 1842. Das jetzige Hauptgebäude wurde 1837 erstellt. Heute (2024) gehört der Hof der Fam. Eckehard Lategahn und wird landwirtschaftlich als Nebenerwerbsbetrieb genutzt.
Der Hof Burgemeister (Mester, heute Pferdehof Weidekat – siehe Abbildung – südliche Sicht auf das Haupthaus (links) und den angrenzenden Pferdestall), 1486 schon im märkischen Schatzbuch genannt, war auch nach Fröndenberg hörig und musste eine Pacht von 4 Gulden errichten. Als Hofpächter werden genannt 1549 Dirick Bormester, 1666 Albert Burmeister. Die Ablösung dieser Verpflichtung erfolgte 1852. Fam. Schmiemann erwarb zwischenzeitlich den Hof und verkaufte ihn an Wilhelm Mester. Der Hof Mester besteht bis heute und wird als Pferdehof von Fr. Weidekat betrieben.
Die Jahrespacht 1666 von Hof Ellerickmann (Ellerkmann) ging an das Kloster Fröndenberg. Der Hof existiert heute nicht mehr, er brannte 1945 ab. Von dem 200 Morgen großen Hof ist das meiste Land verkauft worden. Den Hof und den Rest des Landes kaufte Franz Korte. Ebenfalls nach Fröndenberg abgabepflichtig war der Hof Lategahn. Der Name Lategahn besteht schon im 15. Jahrhundert. Das Schatzbuch der Grafschaft Mark von 1486 verzeichnet einen Hans Laittengaen sowie Hendrick Latengaen. 1666 wird ein Bewirtschafter Johann Lategahn genannt. In der Zeit um 1950 war der Pächter Heinemann. Heute lebt dort eine Familie Kötter (siehe Abbildung: westliche Sicht auf das Haupthaus (hinten rechts) und die Unterstände für Bauern-Gerätschaften (links)).
Der sechste Billmericher Hof, der nach Fröndenberg hörig war, war der Kotten Möller, heute Klusenwirth. 1666 besaß ihn Merten Möller, 1984 pachteten ihn die Eheleute Johann Schock und Elßken Schmidt, 1725 lebten dort Wessel Gothard Middendorp aus dem Amt Hamm und seine Frau Ursula Pielken.
Lehnsherr Kloster Scheda Der Hof Frygge, sonst auch Hof Schriver oder Hof Wedebrock genannt, gehörte als Lehngut der Abtei Werden dem Kloster Scheda. 1522 belehnte der Abt von Werden den Propst zu Scheda mit dem „Schryvers Hove zu Belemarke“. 1547 / 1563 wurde Pacht an das Kloster Werden entrichtet. 1666 saß auf dem Hof Johann Frieg, 1853 Kaspar Diederich Frieg, der die Pachtverpflichtung des Hofes gegenüber dem Kloster Scheda ablöste.
Der „Osthof tho Bylemarke“ (Albers - siehe Abbildung: östliche Sicht auf das Haupthaus (links) und die Kuhställe (rechts)) ist urkundlich seit 1397 bekannt. 1666 bewirtschaftete Johnann Schult Osthoff den Hof, und 1763 pachteten ihn Caspar Osthoff und seine Frau Catharina Margarethe. Diese Last löste Franz Osthoff 1852 ab. Als Sohn dieses letztgenannten Franz wurde am 18. April 1847 hier auf dem Hofe der spätere Professor Dr. Hermann Osthoff geboren, den man als einen „den bedeutendsten Vertreter der vergleichenden Sprachwissenschaft seiner Zeit“ rühmte. Im Jahr 1917 übernahm die Familie Josef Albers den Osthof. Heute (2024) betreibt die Fam. Bernhard Albers Land- und Viehwirtschaft und gehört zu den 3 größten verbliebenen Betrieben in Billmerich.
Der Schulze-Westhoff (Gut Westhoff der Fam. Lange bzw. heute Fam. Rehpenning - siehe Abbildung: südwestliche Sicht auf das Haupthaus (links) und die Pferdeställe (rechts)) gehörte ebenfalls zum Kloster Scheda. Alt erster Besitzer ist urkundlich aus dem Jahr 1217 eine Familie Thidericus de Billemerke genannt. Um 1450 war das Gut der größte Hof in der Umgebung. Im Schatzbuch von 1486 wird dieser Hof „Schult van Westhaven“ genannt. 1666 bewirtschaftete Jobst Plater Schulte den Westhoff. Zu diesem Hof gehörten die beiden Kotten Berg und Bittmann. 1917 kaufte Fritz Lange den Hof. Im Jahr 1927 wurde das alte Hauptgebäude durch einen Brand zerstört. Danach wurden die heutigen Gebäude errichtet. Hans-Georg Lange verkauft 1974 den Westhof an den Landwirt Klaus Rehpenning aus Hagen. Sein Sohn Klaus-Ulrich Rehpenning bewirtschaftet bis heute den Hof.
Sadelhof zu Altendorf mini|Bauernhof Sedler der Familie Spielfeld, 2006 Einem geistlichen Grundherrn unterstand der Hof Sedler, früher Stockebrands Gut (seit 1900 Hof Spielfeld - siehe Abbildung: Luftbild südwestlicher Sicht auf das Haupthaus – im Vordergrund – und die Scheune (rechts)), der ein Behandigungsgut, also ein Gut, bei dem der aufsitzende Bauer ein erbliches Nutzungsrecht hatte, des zur Abtei Werden gehörigen Sadelhofs Altendorf war. 1666 bewirtschaftete Johann Sadler den Hof. 1797 waren die Eheleute Heinrich Willhelm Sadler und Katharina Elisabeth Hohenschwerdt mit dem Hof „behandigt“. Die jährlichen Abgaben an Altendorf waren auf 10 Scheffel Hafer, ein halbes Schwein und 21 Groschen 8 Pfennige an Geld festgesetzt. 1853 zahlte Johann Heinrich Wilhelm Sadler die Ablösesumme von 288 Talern. 1892 war die Fam. Settler Gründungsmitglied des Landwirtschaftsvereins. Der Hof Settler kam durch Heirat an den Bauern Gustav Spielfeld, der den Hof mit einer Gesamtfläche von 21 ha betrieben hat. 2006 wurden die Hofgebäude abgerissen und die gesamte Hoffläche neu bebaut.