Die angolanisch-namibischen Beziehungen umfassen die bilateralen Beziehungen zwischen Angola und Namibia. Sie sind direkte Nachbarn an der Westküste des Südlichen Afrikas und unterhalten seit 1990 offizielle diplomatische Beziehungen.Webseite des angolanischen Außenministeriums zu den diplomatischen Beziehungen zu Namibia, abgerufen am 6. März 2025

Ihre Beziehungen gelten als sehr gut und werden von beiden Seiten zunehmend intensiviert. Seit dem Ende des angolanischen Bürgerkriegs 2002 und der folgenden wirtschaftlichen Entwicklung Angolas nähern sich beide Staaten dabei auch über politische und Sicherheits-Themen hinaus zunehmend an. Neben vielfältigen historischen Bezügen sind Kooperationen in Infrastruktur, Naturschutz, Sicherheit und Politik wichtige Verbindungsglieder der beiden Länder, die durch die über 1.400 km lange Grenze zwischen Angola und Namibia verbunden sind. So haben beide historisch eine koloniale Vergangenheit und ihre Unabhängigkeitsbewegungen unterstützten sich gegenseitig in ihrem jeweiligen Unabhängigkeitskampf, was als wesentlichstes historisches und bis heute unvergessenes Bindeglied beider Staaten gilt. Heute arbeiten sie vor allem in Infrastrukturfragen, in Gesundheit, Bildung, Sicherheit und Politik zusammen. So planen sie beispielsweise mit der Bahnstrecke Tsumeb–Oshikango eine grenzüberschreitende Bahnverbindung und teilen seit 2016 mit der Iona-Skelettküste ein gemeinsames Naturschutzgebiet-Projekt. Ebenso bestehen gemeinsame ethnisch-kulturelle Beziehungen zwischen den Menschen im Süden Angolas und Norden Namibias, etwa zwischen den Uukwanyama und die gemeinsame Verehrung ihres Königs Mandume yaNdemufayo (1894–1917).

Grenznaher Handel und Migration sind weitere wichtige Berührungspunkte. Im Jahr 2019 lebten etwa 50.000 Angolaner in Namibia. Zudem arbeiten sie in verschiedenen internationalen Gremien und Organisationen zusammen, etwa in der Entwicklungsgemeinschaft des südlichen Afrikas, in der Afrikanischen Union und in verschiedenen Organisationen der Vereinten Nationen.

Auch die portugiesische Sprache ist ein Verbindungsglied: während sie in Angola Amts- und Umgangssprache ist, gehört die Portugiesische Sprache in Namibia zu den bedeutendsten Fremdsprachen. Seit 2014 hat Namibia Beobachterstatus in der Gemeinschaft der Portugiesischsprachigen Länder, zu deren Gründungsmitgliedern Angola gehört und in der es das größte afrikanische Land ist.

Geschichte Kolonialzeit bis 1975 bzw. 1990 mini|hochkant|Diogo Cão war der erste Europäer, der 1485/86 die Küsten beider Länder erreichte, und damit auch ihre spätere Kolonialisierung vorbereitete. Der Portugiese Diogo Cão und die ihm nachfolgenden portugiesischen Seefahrer und Entdecker kamen im 15. Jahrhundert als erste Europäer an den Küsten der heutigen Staaten Angola und Namibia an. Während sie in Angola jedoch Siedlungen gründeten und das Land danach jahrhundertelang portugiesische Kolonie blieb, kam es in Namibia dank der unwirtlichen Küsten zu keiner nennenswerten Besiedlung. Erst im 19. Jahrhundert ließen sich hier Portugiesen, Briten und Menschen aus dem deutschsprachigen Raum nieder. Ab 1885 wurde das heutige Namibia deutsche Kolonie. Nach dem Ersten Weltkrieg (1914–1918) kam es unter südafrikanische Verwaltung.

Während in Angola 1961 der portugiesische Kolonialkrieg ausbrach, nahmen die Unabhängigkeitsaktivisten in Namibia keinen bewaffneten Kampf auf, gleichwohl sie enge und gute Beziehungen insbesondere zur angolanischen Befreiungsbewegung MPLA unterhielten.

Bis zur portugiesischen Nelkenrevolution 1974 und der folgenden Unabhängigkeit Angolas 1975 bestimmten die portugiesisch-südafrikanischen Beziehungen das offizielle Verhältnis. Nach der angolanischen Unabhängigkeit 1975 prägte das angolanisch-südafrikanische Verhältnis die offiziellen Beziehungen, die auf Grund der Rolle Südafrikas im Bürgerkrieg in Angola lange angespannt blieben und mit Geschehnissen wie dem Angriff auf Cassinga (1978) oder der Schlacht bei Cuito Cuanavale (1988) einige besonders markante Tiefpunkte erreichte.

Die angolanische MPLA-Regierung unterstützte zudem den namibischen Befreiungskampf gegen Südafrika, was ebenfalls die Beziehungen stark belastete. So hatte die SWAPO, die in der MPLA einen ihrer engsten Unterstützer hatte, im angolanischen Cassinga ihren Hauptsitz, und namibische Freiheitskämpfer zogen sich auch auf angolanisches Gebiet vor den südafrikanischen Einheiten zurück.

Seit 1990 mini|hochkant|Flugzeug der TAAG Angola Airlines am Windhoek Hosea Kutako International Airport 2008: beide Staaten rücken in immer mehr Bereichen zunehmend zusammen. Am 21. März 1990 erklärte sich Namibia schließlich für unabhängig. Am 18. September 1990 nahmen Angola und Namibia offizielle diplomatische Beziehungen auf. Durch den anhaltenden Bürgerkrieg in Angola bis 2002 entwickelten sich die nunmehr freundschaftlichen angolanisch-namibischen Beziehungen nur wenig über die politisch-diplomatische Ebene hinaus, jedoch wurde nun die Migration ein zunehmendes Verbindungsglied: waren nach dem Ende der portugiesischen Kolonialverwaltung Angolas 1975 bereits einige tausend portugiesische Siedler und Portugal-treue Angolaner auch nach Namibia gegangen, so flohen nun einige zehntausend angolanische Bürgerkriegsflüchtlinge nach Namibia, etwa in das Flüchtlingslager Osire. Zuvor waren die meisten nach Angola geflüchteten Namibier, meist Unabhängigkeitsaktivisten, wieder zurückgegangen.

Nach dem Ende des Bürgerkriegs in Angola 2002 gingen nun auch viele der angolanischen Flüchtlinge zurück, und bis 2010 befand sich kein Angolaner mehr im Flüchtlingslager Osire. Im Zuge des Wiederaufbaus und des wirtschaftlichen Wachstums Angolas arbeiteten auch die beide Nachbarstaaten nun in verschiedenen Bereichen etwas stärker zusammen, und es kam zu Planungen gemeinsamer Infrastrukturprojekte. mini|hochkant|Camper am Grenzfluss Kunene: schon seit 1992 dürfen sich Staatsangehörige bis zu 60 km weit im jeweils anderen Land frei bewegen. Es stellten sich seither zwar auch offene Fragen und gelegentliche Streitpunkte heraus, etwa wenn die angolanische Seite vereinbarte grenzüberschreitende Infrastrukturprojekte nicht wie die namibische Seite einhalten konnte, oder wenn namibische Siedler sich auf angolanischer Seite immer wieder illegal Land aneignen, wie sie dies zuvor bereits auf namibischer Seite illegal taten, jeweils zum Nachteil der lokalen Bevölkerung und der Natur.Angola’s Beef With Namibia is Getting Real, Artikel vom 14. April 2024 der namibischen Zeitung The Namibian, abgerufen am 24. Januar 2026 Insgesamt jedoch nähern sich beide Staaten durch häufige Staatsbesuche, Konsultationen und zunehmender Kooperation, insbesondere wirtschaftlich, stetig an. So vereinbarten die Regierungschefs beider Staaten bei ihrem Treffen im Mai 2025 eine engere Zusammenarbeit ihrer Erdölwirtschaften,Angola e Namíbia reforçam parceria petrolífera - „Angola und Namibia verstärken ölwirtschaftliche Zusammenarbeit“, Juli 2025, angolanisches Nachrichtenportal TopAngola, abgerufen am 24. Januar 2026 und die Ende 2023 vereinbarten regelmäßigen Treffen ihres bilateralen wirtschaftlichen Forums (Comissão Bi-Nacional bzw. bi-national commission) institutionalisieren ihre Kooperationen in vielfältigen Bereichen weiter.Angola e Namíbia preparam assinatura de acordo em matéria de comércio de carnes - „Angola und Namibia bereiten Unterschrift unter Abkommen über Fleischhandel vor“, Mitteilung vom 10. Oktober 2023, Website der angolanischen Regierung, abgerufen am 24. Januar 2026Namibia, Angola’s senior officials meeting kicks off in Luanda, Nachricht vom Januar 2025 der öffentlich-rechtlichen namibischen NBC, abgerufen am 24. Januar 2026 Nach dem Tod Hage Geingobs, dem langjährigen Premierminister und späteren Staatspräsidenten Namibias, ging die erste Auslandsreise der folgenden Staatsoberhäupter, Nangolo Mbumba (2024)Angola e Namíbia reafirmam passos para fortalecimento das relações entre os dois países - „Angola und Namíbia bekräftigen Schritte zur Stärkung der Beziehung beider Staaten“, Nachricht vom 5. März 2024 des portugiesischen Fernsehsenders RTP África, abgerufen am 24. Januar 2026 und danach Netumbo Nandi-Ndaitwah (2025), jeweils als erstes nach Angola. Bis 2025 hatten die beiden Staaten bereits 60 bilaterale Abkommen abgeschlossen, zehn weitere waren Mitte 2025 bereits in Anbahnung. Das seit 1992 bestehende Abkommen, nachdem Staatsangehörige bis 60 km ins jeweils andere Land hinein sich frei bewegen dürfen, blieb dabei ebenfalls unverändert.

Diplomatie mini|hochkant|Die Botschaft Angolas in der namibischen Hauptstadt Windhoek. Angola unterhält eine Botschaft in der namibischen Hauptstadt Windhoek, die Angolanische Botschaft Windhoek. Dazu unterhält es zwei Konsulate dort, eines in Oshakati und eines in Rundu.

Namibia führt seinerseits eine eigene Botschaft in der angolanischen Hauptstadt Luanda. Dazu bestehen zwei namibische Generalkonsulate, in Ondjiva und in Menongue, und ein namibisches Honorarkonsulat, in Benguela.

Wirtschaft mini|hochkant|Die Jelas-Werft am Hafen von Luanda: Angolanischer Schiffsbau und über Angola weiterverkaufte Schiffe dominieren die Exporte des Landes nach Namibia, von wo vor allem landwirtschaftliche Erzeugnisse nach Angola gehen. Schon zu kolonialen Zeiten suchten Südafrika und Portugal durch Handelsannäherung und vor allem Infrastrukturprojekte durch die Nachbarschaft von Angola und Namibia eine wirtschaftliche Entwicklung voranzutreiben, zu nennen insbesondere das ambitionierte Kunene-Projekt. Durch die Unabhängigkeitsbewegungen in beiden Ländern und vor allem dem langen angolanischen Bürgerkrieg, und durch die folgende Neuausrichtung und unterschiedlich schnelle Konsolidierung der beiden nunmehr unabhängigen Staaten verzögerten sich größere Kooperationen und entsprechende wirtschaftliche Impulse für beide Seiten immer wieder oder wurden ganz aufgegeben. Heute streben beide, inzwischen weitgehend konsolidierten Staaten erneut eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit zum beiderseitigen Vorteil an. Zu nennen etwa das Straßenprojekt des Trans-Cunene Corridor und parallele, ebenfalls grenzüberschreitende Eisenbahnprojekte. Damit sollen insbesondere der Südosten Angolas an den namibischen Hafen Walvis Bay und der Norden Namibias an den angolanischen Hafen von Namibe (Moçâmedes) angeschlossen werden und damit Anschluss an die Weltmärkte bekommen, auf gleiche Weise sollen Sambia und der Süden der Demokratischen Republik Kongo einfache, schnelle und kostengünstige Anschlüsse an Häfen und damit an die Weltmärkte bekommen. Angola und Namibia sehen sich dabei auch als Protagonisten regionaler Integration und Entwicklung. Für die nötigen Absprachen zur Realisierung der Projekte treffen sich hochrangige Delegationen Angolas und Namibias inzwischen regelmäßig.Namibia explores more trade opportunities with Angola, Artikel vom 15. Oktober 2024 der namibischen Zeitung The Namibian, abgerufen am 5. April 2025 Auch frühere Ideen für gemeinsame Infrastrukturprojekte nehmen beide Staaten wieder auf. Im November 2024 etwa unterzeichneten beide Seiten ein Abkommen zur gemeinsamen Errichtung des Baynes-Wasserkraftwerks, das bereits Teil des Kunene-Projektes war. Neben dem von den staatlichen Elektrizitätsversorgern Nampower (Namibia) und PRODEL (Angola) und dem staatlichen angolanischen Stromnetzbetreiber Rede Nacional de Transporte de Electricidade (RNT) getragenen, mit 1,512 Mrd. US-Dollar veranschlagten Projekt hat die Regierung Angolas auch ein dazugehöriges, 270 km umfassendes Straßenbauprojekt für eine Verbindung zur Stadt Moçâmedes (Namibe) ausgeschrieben.Angola e Namíbia assinam acordo para construção da Barragem de Baynes - „Angola und Namibia unterzeichnen Abkommen zum Bau des Baynes-Wasserkraftwerks“, Mitteilung der angolanischen Regierung vom 19. November 2024, abgerufen am 5. April 2025