mini|Ralf Bergner Ralf Bergner (* 23. Juli 1950 in Breitenbach bei Zeitz) ist ein deutscher Maler, Grafiker und Illustrator, der für seine satirischen und detailreichen Zeichnungen bekannt ist. Er lebt und arbeitet in Berlin.

Leben und Werdegang Vor seinem Kunststudium absolvierte Ralf Bergner von 1967 bis 1969 eine Lehre als Elektromonteur. Anschließend leistete er von 1969 bis 1971 seinen Wehrdienst ab. Berufsbegleitend holte er an der Abendschule das Abitur nach und besuchte die Abendschule an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig.

Von 1977 bis 1982 studierte er Malerei und Grafik an der Hochschule für industrielle Formgestaltung Burg Giebichenstein in Halle (Saale) bei Frank Ruddigkeit und Willi Sitte. Anschließend absolvierte er von 1983 bis 1985 ein Zusatzstudium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig bei Karl-Georg Hirsch, um sich speziell der Buchillustration zu widmen. Seit dem Studium arbeitet Bergner freischaffend als Grafiker, anfangs in Halle (Saale), jetzt in Berlin-Köpenick.

Er war bis 1990 Mitglied des Verbands Bildender Künstler der DDR.

Künstlerisches Schaffen Bergners Werk ist geprägt von einer satirischen Auseinandersetzung mit menschlichen Verhaltensweisen und gesellschaftlichen Themen. Seine Zeichnungen weisen eine feine Linienführung und detailreiche Kompositionen auf. Oft handelt es sich um humorvolle, skurrile und stets feinsinnige Szenen. Der Künstler selbst beschreibt seine Arbeiten als „Bildergeschichten, die mehr als vordergründige Illustration oder bloßes Dekor sind“. In seinem Œuvre kombiniert er verschiedene Techniken wie Zeichnung, Radierung und Lithografie. Eine stilistische Nähe zu Wilhelm Busch und Daumier ist unverkennbar.

Auf einer Studienreise lernte Bergner den österreichischen Künstler Alfred Hrdlicka kennen, der einige seiner Zeichnungen erwarb. Aus dieser Begegnung entwickelte sich ein kontinuierlicher Austausch, ebenso wie mit dem Zeichner Paul Flora, der ebenfalls Bergners Arbeiten sammelte.

Bergner zeichnete auch Illustrationen für Verlage, u. a. den Kinderbuchverlag, den Eulenspiegel-Verlag, den Verlag Neues Leben und den Buchklub 65 und nach der deutschen Wiedervereinigung den Aphaia-Verlag Berlin, Renneritz-Verlag und Weidler Buchverlag Berlin, und für Zeitschriften, so Eulenspiegel und Die Zeit. Die Berliner Handpresse publizierte allein bis 2014 fünfzehn originalgrafisch illustrierte und im Bleisatz gedruckte Bücher mit seinen Illustrationen.

Der damalig Direktor der Graphischen Sammlung Albertina in Wien, Walter Koschatzky, äußerte sich 1993 in einem Brief anerkennend über Bergners Werk: „Übrigens darf ich Ihnen nach eingehender Betrachtung Ihrer Arbeiten nur meine Wertschätzung ausdrücken, Sie sind ein Zeichner vom besten Format (...).“ Christoph Tannert, Kurator und Autor, schrieb in einem Brief an den Künstler: „So zartfühlend und liebreizend, so traurig und rabenschwarz kann kaum ein Autor schreiben, wie dieser Künstler zeichnet.“Persönlicher Brief von Christoph Tannert an den Künstler, unveröffentlicht. Dagmar Reim, die Intendantin des RBB sagte über ihn: „Ob Motive aus Literatur, Geschichte oder Alltagsleben – Mittelpunkt der künstlerischen Betrachtung von Ralf Bergner ist stets das Menschliche, Allzumenschliche. (...) Es ist eine Freude, seiner Lust am Fabulieren, seiner subtilen Ironie, seiner überbordenden Fantasie betrachtend zu folgen.“

Weitere Rezeption „Da ist zum einen die minutiös fein durchgearbeitete Zeichnung, die – wenn sie zur Radierung wird – fast einen horror vacui impliziert … Bergners Bildfindungen entspringen einer reichen Phantasie und Einbildungskraft. Seine skurillen, oft krummbeinigen, langnasigen, großköpfigen, eigenwilligen Gestalten bewegen sich in einer eigenen Welt…“Vorwort zum Katalog der Ausstellung Bergners 2000 beim Halleschen Kunstverein. S. 6 und 8

Hans-Georg Sehrt

Ausstellungen und Sammlungen

Bergner hatte im In- und Ausland vor allem seit der Wiedervereinigung eine bedeutende Zahl von Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen, unter anderem im Käthe-Kollwitz-Museum in Berlin, im Stadtmuseum Naumburg und im Museum Otto Schäfer in Schweinfurt. Seine Arbeiten sind in bedeutenden öffentlichen Sammlungen vertreten, darunter im Deutschen Bundestag, im Kupferstichkabinett Berlin, in der Bayerischen Staatsgemäldesammlung, im Wilhelm Busch – Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst und in der Akademie der Künste Berlin. Zudem sind seine Werke in internationalen Sammlungen wie dem Karikaturmuseum Krems und dem Museum für zeitgenössische Illustrationen in Bozen zu finden.

Im März 2022 präsentierte das Literaturhaus Leipzig die Ausstellung Von Satyren und Launen. Die Ausstellung zeigte Zeichnungen, Radierungen, Lithografien und eine große Zahl von Büchern des Künstlers. In der Ankündigung hieß es: „Bergners Interesse gilt dem Menschen in der Geschichte. Er nimmt das Menschliche, oft auch das Allzumenschliche satirisch in den Blick, verfremdet es, betont Skurriles, schafft überraschende Zusammenhänge.“

Einzelausstellungen (Auswahl) Galerie Hallescher Kunstverein, 2000 Museum-Fürst-Pückler-Park Bad Muskau, 2001 Museum Soltau, 2002 Literaturhaus Berlin, 2003 Olaf Gulbransson Museum Tegernsee, 2004 Burg Beeskow, 2007 Kurt Tucholsky Literaturmuseum Rheinsberg, 2011 Museum-Otto-Schäfer Schweinfurt, 2012 Willi-Sitte-Galerie Merseburg, 2012 Museum Moritzburg Zeitz, 2013 Villa Irmgard Heringsdorf, 2015 Deutsches Märchen- und Wesersagenmuseum Bad Oeynhausen, 2016

Ausstellungsbeteiligungen (Auswahl)

1984: Berlin, Altes Museum („Junge Künstler der DDR“)

Junge Kunst in der DDR, Berlin 1985

1986: Magdeburg, Kloster Unser Lieben Frauen („Grafik in den Kämpfen unserer Tage“) 1986: Fürstenwalde, Altes Rathaus („Miniatur in der bildenden Kunst der DDR“)

Kleingrafik aus der DDR, St. Gallen 1987 X. Kunstausstellung der DDR, Dresden 1987/1988 Grafik zur Literatur aus der DDR, Paris 1988 Miniatur in der bildenden Kunst der DDR, Wien 1988 Zeichnung, Dürerhaus, Nürnberg 1999 Sammlung Fotter, Bayrische Akademie der Künste, München 2000 Illustration aus Europa, Schloss Maretsch, Branzoll 2001 TILL Forever, Bomann Museum, Celle 2007 30 Jahre Kunstverein Halle 2020 Dürers Drucke und die Zeitgenossen, Museum-Otto-Schäfer, Schweinfurt 2022

Museen und Sammlungen (Auswahl) Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin Sammlung Deutscher Bundestag Sammlung des rbb Bayrische Staatsgemäldesammlung Akademie der Künste Berlin Wilhelm-Busch-Museum Hannover Bawag Sammlung Wien Karikaturmuseum Krems Dokumentationszentrum für zeitgenössische Illustration Bronzolo Zeitgeschichtliches Forum Leipzig Angermuseum Erfurt

Literatur

Hans-Georg Sehrt: Kommunikation und Komik. Zu den spitzen Illustrationen und Bildern des Ralf Bergner. In: Illustration 63; 36(1999), Seiten 107–110 Dietmar Eisold (Hrsg.): Lexikon Künstler in der DDR. Verlag Neues Leben, Berlin, 2010, ISBN 978-3-355-01761-9, S. 67

Weblinks Literatur von und über Ralf Bergner im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek Website des Künstlers Iris Richter Ausstellung: Ralf Bergner malt Gedanken gegen den Strich in: Mitteldeutsche Zeitung vom 13. Mai 2013 Literaturhaus Leipzig | Haus des Buches | Katalog Ralf Bergner, Halle 2015

Einzelnachweise

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