Die angolanisch-são-toméischen Beziehungen umfassen das zwischenstaatliche Verhältnis zwischen den zentralafrikanischen Staaten Angola und São Tomé und Príncipe.

Die Geschichte beider Länder ist seit ihrer Zugehörigkeit zum Portugiesischen Weltreich ab dem 15. Jahrhundert eng miteinander verbunden. São Tomé und Príncipe war unbewohnt, als es im 15. Jahrhundert von portugiesischen Seefahrern entdeckt und danach durch Portugiesen und später v. a. durch Sklaven und Siedler auch aus Angola besiedelt wurde. Diese Wurzeln teilen die beiden, in der heutigen portugiesischsprachigen Welt integrierten Länder, und sie prägen bis heute ihre kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Beziehungen. Auch die traditionsreiche gegenseitige Migration hat hier ihren Ursprung und ist heute ein weiteres bedeutendes Verbindungsglied, neben den engen Wirtschaftsbeziehungen, die allerdings von der Rolle Angolas als wichtigster Energielieferant und einflussreicher Gläubiger São Tomé und Príncipes dominiert werden.

Beide Länder sind Gründungsmitglieder der Gemeinschaft der Portugiesischsprachigen Länder (CPLP), gehören beide zu den afrikanischen Staaten mit Amtssprache Portugiesisch (PALOP), und arbeiten in verschiedenen internationalen Gremien und Organisationen zusammen, darunter die Golf von Guinea Commission, die Lateinische Union, die Gruppe der 77 und weitere UN-Unterorganisationen.

Neben ihren gegenseitigen Diasporas und ihren politischen und wirtschaftlichen Beziehungen besteht auch in Bereichen wie Sport und Kultur regelmäßiger Austausch, nicht zuletzt über länderübergreifende Medien und Institutionen des portugiesischen Sprachraums, oft aus Portugal.

Die angolanische Fluggesellschaft TAAG Angola Airlines unterhält direkte Flugverbindungen nach São Tomé und Príncipe.

Geschichte Bis 1974 mini|Westafrika mit den eingezeichneten portugiesischen Inselbesitzungen Kap Verde und São Tomé und Príncipe, Karte von Fernão Vaz Dourado aus dem Jahr 1571. Portugal entdeckte 1471 die unbewohnten Inseln São Tomé und Príncipe, besiedelte und kolonisierte sie. 1483 begann die Errichtung portugiesischer Handelsposten an der Küste Angolas, zunächst vor allem in Luanda und dessen Hinterland.

Die Begegnung der Sklaven der verschiedenen Heimatregionen des westlichen Afrikas, auch aus Angola, mit den portugiesischen Kolonialherren löste die erste Kreolisierung der Kolonialgeschichte aus. Die heute in São Tomé und Príncipe gesprochenen saotomensische, principensische und Angolar-Sprachen sind Kreolsprachen auf Basis des Portugiesischen und fanden darin ihren Ursprung. Das Angolar hebt sich dabei durch seine Ursprünge u. a. im Kimbundu aus Angola von den anderen Kreolsprachen von São Tomé und Príncipe ab.

Die Portugiesen betrieben vor allem auf São Tomé und Príncipe Plantagenwirtschaft, jedoch erlebte São Tomé und Príncipe im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts einen Niedergang, durch Sklaven- und Arbeiteraufstände und häufige Angriffe und Plünderungen durch niederländische und französische Piraten. Auch Angola und vor allem Luanda wurde mehrfach von französischen und vor allem niederländischen Piraten und Flotten angegriffen, erlitt jedoch keinen so tiefgreifenden Niedergang wie São Tomé und Príncipe.

Nach der Unabhängigkeit Brasiliens 1822 stieg die Aufmerksamkeit der portugiesischen Regenten und Investoren für São Tomé und Príncipe wieder, und es kam zu vielen Landenteignungen der meist kleinen Produzenten vor Ort. Man wandte sich nun dem Anbau von Kaffee und später immer massiver von Kakao zu. Ende des 19. Jh. stieg São Tomé und Príncipe zu einem bedeutenden Kakaoproduzenten auf, und die Plantagen benötigten immer mehr Arbeitskräfte. Die 1869 endgültige verbotene Sklaverei konnte diese nicht mehr liefern, so dass man begann, ab 1875 Arbeitskräfte auf dem afrikanischen Festland v. a. in Angola zu verpflichten. Um 1900 begann dann die systematische Rekrutierung von Kontraktarbeitern für die Kakaoplantagen in São Tomé und Príncipe. Bis 1908, nach anderen Quellen 1913 galt São Tomé und Príncipe als größter Kakaoproduzent der Welt, danach begann der massenhafte Anbau in anderen Ländern, insbesondere in westafrikanischen Gebieten, und in São Tomé und Príncipe setzte ein Verfall ein. mini|Im Konzentrationslager Campo do Tarrafal, zentrales politisches Gefängnis der portugiesischen Diktatur, in der auch Angolaner und São-Toméer inhaftiert und häufig auch gefoltert wurden. Während der semi-faschistischen Salazar-Diktatur in Portugal ab den 1930er Jahren erfuhr vor allem Angola eine wirtschaftliche Entwicklung, abzulesen u. a. an Bauten der 1940er bis 1960er Jahre. São Tomé und Príncipe mit dem anhaltenden Niedergang seiner Plantagenwirtschaft verlor dagegen weiter an Bedeutung.

1951 erhielt Kap Verde als erste Kolonie den Status einer portugiesischen Überseeprovinz, wenig später folgten São Tomé und Príncipe und Angola. Dieser Status war jedoch kaum mehr als kosmetischer Natur, und die aufkommende Unabhängigkeitsidee nahm in beiden Ländern weiter zu. So trafen etwa politisch gesinnte Studenten aus beiden Inselgruppen in der Casa dos Estudantes do Império in Lissabon zusammen, knüpften Kontakte und tauschten Unabhängigkeitsideen aus.

In dem Zusammenhang baute das Regime mit dem Campo do Tarrafal sein bereits 1936 eröffnetes politisches Gefängnis auf der kapverdischen Hauptinsel Santiago zu einem Konzentrationslager aus. Widerstandsaktivisten und politische Gefangene aus dem gesamten Kolonialreich und dem Mutterland, auch aus Angola und São Tomé und Príncipe, wurden hier interniert und häufig auch systematisch gefoltert, eine Reihe Häftlinge starb dabei.

Der ab 1961 in Angola ausgebrochene Portugiesische Kolonialkrieg sprang jedoch nicht auf São Tomé und Príncipe über, bedingt durch die auf den Inseln erfolgreiche, einfachere Unterdrückung der dortigen Unabhängigkeitsbewegungen durch Polizei, Verwaltung und Geheimpolizei. Sie wurden, wie Unabhängigkeitsaktivisten in allen portugiesischen Überseegebieten, verfolgt und in unmenschliche politische Gefängnisse in Kap Verde (Tarrafal), Angola (Lager São Nicolau) oder Mosambik (Machava-Gefängnis) gebracht oder nach Osttimor verbannt.

Seit 1974 Die linksgerichtete Nelkenrevolution am 25. April 1974 beendete schließlich die Diktatur in Portugal. In der Folge stellte das nunmehr demokratische Portugal den Kolonialkrieg ein, entließ seine afrikanischen Territorien in die Unabhängigkeit und stellte seine internationalen Beziehungen auf eine neue Grundlage. Insbesondere strebte das neue, progressive Portugal nun partnerschaftliche Beziehungen zu den neu entstehenden afrikanischen Staaten an und half bei deren Aufbau. In dem Zusammenhang wurden 1975 auch Angola und São Tomé und Príncipe von Portugal unabhängig. Am 19. Februar 1978 nahmen beide Staaten offizielle diplomatische Beziehungen auf.Webseite des angolanischen Außenministeriums zu den diplomatischen Beziehungen zu São Tomé und Príncipe, abgerufen am 1. März 2025

In den Anfängen des unabhängigen São Tomés und Príncipe sah sich die Einheitspartei Movimento de Libertação de São Tomé e Príncipe (MLSTP), die umgehend die Macht ergriffen hatte, innenpolitisch auch Kritik und ersten Unruhen gegenüber, so dass die neue Regierung 1978 zu ihrer Unterstützung angolanisches Militär ins Land rief und Premierminister Miguel Trovoada inhaftierte, der sich gegen die Präsenz angolanischen Militärs im Land positionierte. Die Angolaner blieben die folgenden eineinhalb Jahrzehnte zur Sicherung der Macht der MLSTP im Land.

Die zwei Staaten blieben insgesamt aber durch ihre gemeinsame Geschichte und die engen persönlichen Beziehungen weiter verbunden und näherten sich in den nächsten Jahrzehnten stärker an, insbesondere im Rahmen der Gemeinschaft der Portugiesischsprachigen Länder, die beide 1996 mitbegründeten. mini|hochkant|Unter São Tomé und Príncipes Premier Jorge Bom Jesus erfuhren die angolanisch-são-toméischen Beziehungen ab 2019 eine erneute Intensivierung. Seit Anfang der 2000er Jahre, vor allem nach Ende des Bürgerkriegs in Angola 2002 und der darauf folgenden wirtschaftlichen Erholung, wuchs das Engagement Angolas als ein bedeutender Partner und Kreditgeber für São Tomé und Príncipe. Bereits 2005 besprachen beide Staaten, neben einer engeren Zusammenarbeit in den Bereichen Verteidigung, Transport, Fischerei und Kommunikation, auch einen angolanischen Erlass von são-toméischen Schulden in Höhe von 21 Mio., ausgehandelt unter der Leitung von Célia Posser für die são-toméische Seite. Seither folgten weitere Vereinbarungen. So erreichte die são-toméische Außenministerin Elsa Pinto im Pariser Club 2023 Schuldenerlasse mit Angola und Portugal.São Tomé: Governo negoceia perdão da dívida com parceiros - „São Tomé: Regierung verhandelt Schuldenerlasse mit Partnern“, Artikel vom 9. August 2023 der portugiesischsprachigen Deutschen Welle, abgerufen am 19. März 2026

Zwischenzeitlich verloren ihre Beziehungen jedoch an Intensität. Nach dem Staatsbesuch des são-toméischen Premier Patrice Trovoada 2015 kam erst 2019 mit Jorge Bom Jesus wieder ein são-toméischer Regierungschef nach Angola zum Staatsbesuch. Damit aber folgte eine erneute Intensivierung ihrer Beziehungen, darunter die Wiederaufnahme ihrer strategischen Partnerschaft, eine angolanische Kreditlinie für Investitionen in São Tomé und Príncipe, Planungen für einen Besuch des angolanischen Unternehmensverbandes im Land und angolanische Zuschüsse zum Staatshaushalt der Inselrepublik.Angola volta a ser parceiro estratégico de STP e vai apoiar OGE 2019 - „Angola wird wieder strategischer Partner von São Tomé und Príncipe und wird den Staatshaushalt 2019 unterstützen“, Artikel vom 27. Februar 2019 des são-toméischen Nachrichtenportals Telanon.info, abgerufen am 3. Juli 2026

Bei ihrem Staatsbesuch in Angola unterzeichnete dann die são-toméische Außenministerin Edite Ten Jua am 21. Dezember 2020, dem Jahrestag der Entdeckung São Tomés, zusammen mit ihrem angolanischen Amtskollegen Téte António ein Abkommen über gegenseitige Visumfreiheit, womit der freie Verkehr von Waren, Dienstleistungen und Personen zwischen beiden Ländern vervollständigt wurde, als Teil ihrer zunehmenden Wirtschaftsbeziehungen.Angola abriu as suas fronteiras para São Tomé e Príncipe - „Angola öffnet seine Grenzen für São Tomé und Príncipe“, Artikel vom 21. Dezember 2020 des são-toméischen Nachrichtenportals Telanon.info, abgerufen am 3. Juli 2026