mini|Das Museum am ehemaligen Standort in der Soho Factory in Warschau-Praga, 2025 Das Neon-Museum () in Warschau widmet sich der Dokumentation, dem Erhalt und der Ausstellung von Neon-Leuchtreklamen aus der Zeit der Volksrepublik Polen. Es befindet sich im Kultur- und Wissenschaftspalast. Es ist das bislang einzige Museum dieser Art in Polen und eines von nur wenigen weltweit.

Die mehr als 200 ausgestellten Exemplare der Lichtwerbung, die von polnischen Künstlern vor allem in den 1960er und 1970er Jahren entworfen wurden, wiesen einst auf Geschäfte, Kaufhäuser und Cafés hin.

Das Museum gehört zu den beliebtesten Touristenattraktionen Warschaus.Tara John, The glowing neon signs post-Communist Poland nearly forgot, 6. November 2019, CNN Style (in Englisch, abgerufen am 24. Februar 2025) Im Jahr 2018 besuchten täglich bis zu 400 Personen das Museum. Im selben Jahr waren es anlässlich der Europäischen Museumsnacht 2014 sogar 16.000 Besucher.Geoff Tibballs, Neon Museum, Warsaw, in: The World's 100 Weirdest Museums, ISBN 978-1-4721-3696-1, Little, Brown Book Group, London 2016 (in Englisch) Zwei Jahre vorher und damit zwei Jahre nach der Eröffnung waren es zum gleichen Anlass 6000 Besucher in einer Nacht.Giulia Weijerman, Neon Muzeum Warsaw, 25. November 2023, pom-magazine.nl (in Englisch, abgerufen am 24. Februar 2025) Durch die vielen Postings der Museumsbesucher gehörte es im Jahr 2021 bei Instagram zu einem der meistgenutzten Fotostandorte Warschaus.Julia Prosinger, Was bald wieder auf der Reiseliste stehen sollte: Neon und Sushi in Warschau, 26. Mai 2021, tagesspiegel.de (abgerufen am 25. Februar 2025)

Hintergrund mini|Reklame aus den 1970ern: das Gesundheits- und Schönheitsinstitut „Izis“ an der Warschauer Marszałkowska-Straße 55/73 Obwohl Neonwerbung schon vor dem Zweiten Weltkrieg in Polen existierte, erlebte diese Beleuchtungsform ihren Höhepunkt während des Kalten Kriegs. Die Kampagne zur Neon-Beleuchtung Polens spielte eine wichtige Rolle bei den Versuchen der Regierung, sozialistische Ideologie mit einem modernen Stadtbild zu verbinden. Düstere, häufig noch kriegsbeschädigte Städte erstrahlten mit bunten Leuchtreklamen, die von führenden Künstlern der Zeit entworfen worden waren. Diese oft kreativen Beleuchtungen wurden jahrzehntelang zu einem festen Bestandteil des Nachtbilds polnischer Städte. Die zentral gesteuerte „Aktion Neonreklame“ führte zur Montage der Leuchtwerbung im städtischen Raum gemäß genau vorgegebener Pläne; die Schilder wurden von der Größe und Farbe her in einer sich nicht überlappenden Anordnung ganzen Straßenzügen so angepasst, dass sie zum integralen Bestandteil der jeweiligen Gebäudearchitektur wurden.

Nach Ausrufung des Kriegsrechts im Jahr 1981 wurde die energie-intensive Reklame abgeschaltet, die Logos und Schriftzüge verkamen. Gänzlich verloren sie nach der politischen Wende von 1989 an Beliebtheit. Im Rahmen der wenig regulierten Kommerzialisierung in der neugewonnenen marktwirtschaftlichen Freiheit wurden sie als Relikte einer vergangenen Zeit betrachtet und durch Billboards, Citylights und andere moderne Formen der Außenwerbung ersetzt.

mini|Provisorische Zufahrt zum ehemaligen Standort mit Hinweis auf das Neon-Museum und ein benachbartes Restaurant, 2025 mini|Das nachproduzierte Cepelia-Logo an einem Neubau in der Warschauer Grzybowska-Straße 37

Museumsgeschichte und Sammlung Seit dem Jahr 2005 beschäftigen sich die polnische, damals in London lebende Fotografin Ilona Karwińska und der britische Graphiker David S. Hill mit der historischen Neonbeleuchtung Warschaus. Zunächst wurden von den beiden erhaltene, vom Abbruch betroffene Exemplare fotografiert und dokumentiert. Das daraus entstandene Buch fand großes Interesse und rückte die Thematik in das Bewusstsein der Öffentlichkeit. Karwińska und Hill begannen nun auch das Sammeln von demontierten Leuchtreklamen. Ab 2012 konnte ein Teil dieser Exponate in einer ehemaligen Fabrikhalle gezeigt werden. Die Eröffnung des Museums fiel zeitlich mit dem Entstehen der polnischen Hipster-Bewegung und dem Aufstieg von sozialen Medien wie Instagram zusammen.

Die neuerweckte Popularität dieser Lichtkunst führte auch zu einem Wiederaufleben der Nachfrage von Geschäftsinhabern nach solchen Objekten, um ihre Verkaufsstellen mit solchen Neonschildern im Retro-Stil auszustatten.

Neben den gezeigten Exponaten unterhält das Museum ein umfangreiches Dokumentationsarchiv, in dem Fotografien und Originalpläne zu Logos, Schriftzügen und deren Anbringung enthalten sind. Im Museum werden Workshops für Schulklassen, Fachvorträge und Filmvorführungen abgehalten. Nachdem zunächst vor allem Neon-Reklamen aus Warschau in die Sammlung aufgenommen wurden, werden seit ein paar Jahren auch Exponate aus anderen polnischen Städten wie auch aus dem Ausland (Deutschland, Ungarn, Tschechien) gesammelt.Anna Kondek-Dyoniziak, Neony z dawnego DT Sezam wzbogaciły kolekcję stołecznego Muzeum Neonów, 18. Mai 2018, dzieje.pl (in Polnisch, abgerufen am 21. Februar 2025) Auch werden Ausstellungen im Ausland organisiert – so bereits in London, Luxemburg und Amsterdam. Im Jahr 2013 wurde gemeinsam mit dem Energieanbieter RWE Polska einen Neonschild-Designwettbewerb („Neon dla Warszawy“) ausgeschrieben.Monika Łazuk, Pięć prac w finale konkursu „Neon dla Warszawy”, 9. Mai 2013, rp.pl (in Polnisch, abgerufen am 25. Februar 2025)

Das Neon Museum ist eine private, eingetragene Stiftung (Fundacja Neon, KRS 0000386300); es erhält keine regelmäßige öffentliche Förderung. Die Finanzierung erfolgt neben Spenden über Einnahmen aus dem Eintrittskartenverkauf.

Neben dem Erhalt nicht mehr verwendeter Schilder hat die Museumsleitung eine Kampagne „Akcja Renowacja!“ (Aktion Renovierung!) zum Schutz der letzten verbliebenen, historisch bedeutsamen Neonschilder in ihrer ursprünglichen städtischen Umgebung ins Leben gerufen. Eines der Schilder, das restauriert und an seinen ursprünglichen Standort zurückgebracht wurde, ist das Logo des roten Cepelia-Hahns in der Grzybowska-Straße 37 in Warschau. Das beliebte Symbol wurde in Zusammenarbeit mit dem polnischen Immobilienentwickler Matexi Polska originalgetreu restauriert und mit einem neuen Slogan „Razem rozświetlamy miasto!“ (Gemeinsam erleuchten wir die Stadt!) versehen.

Im Jahr 2025 wurde bekanntgegeben, dass das Museum in den Kulturpalast umziehen wird. Die Eröffnung fand am 1. August 2025 statt.

mini|Im Innern des ehemaligen Standortes; die Kawiarnia (Café) Jaś i Małgosia (Hänsel und Gretel) war eine Warschauer Institution in den späten 1960er Jahren mini|Schriftzug des ehemaligen Hotels Saskis mini|Am Ende der Ausstellungshalle hängt das Neon-Logo der Warschauer Syrena (Meerjungfrau) Sammlung Die Dauerausstellung umfasst Hunderte vollständig restaurierter Neonschilder. Viele davon wurden von bedeutenden polnischen Künstlern entworfen – die teilweise der polnischen Plakatschule angehörten. Dazu zählen Jan Boguslawski, Maksymilian Krzyżanowski, Zbigniew Labes, Tadeusz Rogowski und Jan Mucharski.Projektantki Światła, Website des Museums (in Polnisch, abgerufen am 21. Februar 2025)Nadja Sayej, It’s All Aglow Inside The Museum of Neon Signs, 7. November 2017, printmag.com (in Englisch, abgerufen am 21. Februar 2025)

Zu den im Museum gezeigten bekannteren Neonschriften gehören:

Das ebenfalls ausgestellte Schild Karina war aus den Buchstaben des Werbeschriftzugs Tkaniny dekoracyjne für die Produktion des Filmes Pokłosie von Władysław Pasikowski angefertigt worden.

Instagram Die ausrangierten Werbeschilder sind beliebte Instagram-Motive.Nostalgische Leuchtspuren, 11. Januar 2018, Spiegel Online (abgerufen am 24. Februar 2025) Das Museum gehört zu den meistgenutzten Plätzen für Selfies oder Gruppenfotos in Warschau;Selfie Game: Warsaw's Top Instagram Spots!, inyourpocket.com (in Englisch, abgerufen am 24. Februar 2025) es rangiert damit unter den Top 10 der Stadt.Neonleuchten-Museum Warschau: Ein Hit auf Instagram, 22. Januar 2020 (abgerufen am 21. Februar 2025) Nach Angabe des Tagesspiegels soll das Museum sogar zu den meistgenutzten Fotospots weltweit gehören. Fotos werden vor allem vor der Warschauer Seejungfrau (ein früheres Symbol öffentlicher Bibliotheken) oder dem Schriftzug Berlin angefertigt.Antonia Kasparek, Trendmetropole mit Historie: Warschau hat sich neu erfunden, 19. Oktober 2022, waz.de (abgerufen am 21. Februar 2025)

Internationale Pressestimmen Zu dem Museum wurde vielfach in internationalen Medien berichtet. So berichteten Wallpaper, Vogue, Tatler und Time. BBC News Europe führte bereits 2013 ein Interview mit der Museumsgründerin. Lila Allen, Neon style in Cold War Poland, 15. März 2013, BBC News Europe (in Englisch, abgerufen am 24. Februar 2025) Die britische The Times bezeichnete das Museum im Jahr 2018 als ein „Highlight“, welches eine kompakte und schillernde Fundgrube an Schildern aus der Zeit des Kalten Krieges sei.Nicola Trup, Warsaw city guide: the Big Weekend, 15. Juli 2018, thetimes.com (in Englisch, abgerufen am 25. Februar 2025) Der ebenfalls britische The Guardian nahm das Museum im Jahr 2020 in eine Liste von zwölf sehenswerten Museen in Europa auf.The Guardian lists Warsaw’s Neon Museum among Europe’s best, 17. Januar 2020 Auch in die 2016er Ausgabe des Verzeichnisses The World's 100 Weirdest Museums wurde es aufgenommen. The Independent empfahl einen Besuch in der Soho Factory, um die weltgrößte Sammlung von Neonreklamen aus der Zeit des Kalten Krieges zu bewundern.Tamara Hinson, Warsaw city guide: Where to eat, drink, shop and stay in Poland's capital, 9. Juli 2018, independent.co.uk (in Englisch, abgerufen am 21. Februar 2025) CNN Style veröffentlichte im Jahr 2000 ein Video zum Museum.The neon signs post-Communist Poland nearly forgot, 2020, CNN Style (in Englisch, abgerufen am 23. Februar 2025)

Im Reiseteil der The New York Times wird das Neon-Museum als eine der interessantesten Kulturinstitutionen Warschaus bezeichnet, dessen Sammlung einen faszinierenden Einblick in die Schnittstelle von Kunst und sozialistischer Organisation in der Volksrepublik Polen biete.Charly Wilder, 36 Hours in Warsaw, Poland, 23. Dezember 2015, The New York Times (in Englisch, abgerufen am 21. Februar 2025) In einem Reisebericht in der Los Angeles Times war der Redakteur vom Museum fasziniert – eine Gruppe leidenschaftlicher Sammler bewahre und stelle historische Neonzeichen aus.Andrew Bender, Milk bars in Warsaw give you a taste of the Polish capital’s retro revival, 6. September 2016, latimes.com (in Englisch, abgerufen am 21. Februar 2025)

Der französische Le Figaro beschrieb das Museum als eine „brillante Privatsammlung von Neonschildern“.Bérénice Debras, En Pologne, un surprenant voyage au bout de la nuit, 4. Oktober 2024. Le Figaro Magazine (in Französisch, abgerufen am 24. Februar 2025) Die in Katar herausgegebene Gulf Times berichtete 2018 unter der Überschrift „Polen holt seine kommunistischen Neonschilder aus dem Schrotthaufen“.Natalie Skrzypczak, Poland plucks its communist neon signs from the scrapheap, 4. Februar 2018 (in Englisch, abgerufen am 21. Februar 2025)