mini|Titelblatt 1789, Band 1 – Walter von Montbarry (anonym, von Benedikte Naubert) Walter von Montbarry. Großmeister des Tempelordens ist ein historischer Roman von Benedikte Naubert, den sie anonym publizierte. Das Werk gilt als der erste bedeutende historische Roman in deutscher Sprache. Zusammen mit anderen Romanen Nauberts war er sowohl für die Romane Walter Scotts als auch in stilistischer Hinsicht für die Romane vieler anderer nachfolgender Autoren ein wichtiges Modell. 1786 erstmals erschienen beim Leipziger Verleger Johann Friedrich Weygand, war er sowohl innerhalb des deutschen Sprachraums als auch in Übersetzungen international außerordentlich erfolgreich und stilistisch einflussreich.

Entstehungskontext Walter von Montbarry erschien als drittes Werk Christiane Benedikte Nauberts im Jahr 1786 bei Johann Friedrich Weygand in Helmstedt. Aufgrund der geringen gesellschaftlichen Akzeptanz weiblicher Schriftstellerinnentätigkeit wurde der Roman anonym veröffentlicht, später publizierte die Autorin auch unter männlichem Pseudonym, um sich und ihre Texte vor Benachteiligungen zu schützen. Ihr Pseudonym unterlag über die Jahre vielen Spekulationen. Kurz vor ihrem Tod im Winter 1817 berichtete der Literaturprofessor Karl Julius Schütz in der Zeitung für die elegante Welt von der Begegnung mit Naubert und gab somit ihre Identität gegen ihren Willen Preis. In einer Epoche der zunehmenden Beteiligung von Frauen am öffentlichen Leben galt es für diese aber noch immer als unschicklich, unter dem eigenen bürgerlichen oder adligen Namen zu publizieren, Nauberts anonymes Schaffen ordnet sich in die Ordnung der Zeit ein, es entsprach der Normalität. mini|Daniel Caffé: Benedikte Naubert mit Pflegesohn (vor 1815) Naubert verfügte im Verhältnis zu ihren Zeitgenossinnen über ein überdurchschnittliches Bildungsniveau. Sie war eine geübte Autorin und veröffentlichte aus einer belesenen Schriftstellerexistenz heraus, sprach sich selbst allerdings die Rolle einer „Gelehrten“ ab. Ihrer schriftstellerischen Tätigkeit ging eine intensive literarische Arbeit und die Auseinandersetzung mit historischen Quellen voraus, dabei entwickelte sie ein eigenes, ethisch gegründetes Geschichtsbild. Der Roman Walter von Montbarry fällt in die frühe Schaffensperiode Nauberts, in der sie eine verhältnismäßig große Zahl an Werken veröffentlichte, um nach dem frühen Tod des Vaters Johann Ernst Hebenstreit den finanziellen Nöten der Familie abzuhelfen.

Der neuartige Roman knüpfte geschickt am zeitgenössischen Erfolg von Mittelalter- und Schauerromanen an und ging zugleich in vielerlei Hinsicht über dieses Genre hinaus. Das vermehrte Interesse der Gesellschaft an historischen Überlieferungen gegen Ende des 18. Jahrhunderts beeinflusste die Literatur maßgebend. Nicht zuletzt wegen ihrer literarischen Verknüpfung historischer Ereignisse und Akteure mit fiktiven Personen (Zwei-Schichten-Technik) gilt Naubert dabei als eine der Wegbereiterinnen des historischen Romans. Nicht zuletzt Georg Lukács schrieb wie viele andere diese stilistische Modernisierung („der mittlere Held“) allerdings einseitig Walter Scott zu.

Gleichzeitig übte die Autorin in ihren Romanen immer wieder subtile Gesellschaftskritik, vor allem (aber keineswegs ausschließlich) in Bezug auf das vorherrschende Ideal von Weiblichkeit. Durch die Einbettung weiblicher Schicksale in konkrete historische Begebenheiten mit dem Ziel der Prüfung ihrer Tugendhaftigkeit treten Frauen als selbstständige Akteurinnen in Erscheinung und verlassen somit die Sphäre des „Privaten“, um die Handlung aktiv mitzugestalten. Naubert begibt sich mit ihren weiblichen Charakteren somit auf eine Gratwanderung zwischen dem Entsprechen gesellschaftlicher Ideale und der Kritik an denselben. Die Akteurinnen bieten der weiblichen Leserschaft eine Identifikationsmöglichkeit und relativieren gleichzeitig gesellschaftliche Ansprüche.

Historischer Hintergrund Das 12. Jahrhundert war eine Epoche, die durch weitreichende politische, religiöse und gesellschaftliche Spannungen geprägt war. In dieser Zeit stand der Konflikt zwischen Papst- und Kaisertum im Mittelpunkt der europäischen Machtverhältnisse, wodurch eine einheitliche christliche Weltordnung eine bloße Utopie blieb. Während sowohl der Papst als auch der Kaiser den Anspruch auf universale Herrschaft erhoben, entwickelte sich ein fortwährender Konflikt zwischen dem Klerus und dem herrschenden Militäradel. Die weltliche Machtstruktur dieser Epoche basierte auf drei Säulen: dem Gottesgnadentum, der Stammesherrschaft sowie dem römischen Staatswesen. mini|Europa in der Zeit des Dritten Kreuzzugs 1190 Der kaiserlich-papale Machtkampf verstärkte die politische Zersplitterung in Deutschland und Italien, deren Auswirkungen bis in die Neuzeit nachwirkten. Während das byzantinische Reich eine klarere Machtstruktur unter dem Modell des Cäsaropapismus bewahrte, blieb das westliche Christentum von anhaltenden Konflikten zwischen geistlicher und weltlicher Autorität geprägt.

Eine zentrale Rolle in den Reformbestrebungen des Hochmittelalters spielte Papst Gregor VII., der durch seine Dictatus Papae eine Loslösung der Kirche von weltlicher Herrschaft forderte. Innerhalb des Episkopats bestanden unterschiedliche Positionen zwischen Anhängern kaiserlicher Kontrolle und Verfechtern einer päpstlichen Theokratie. Mit dem Wormser Konkordat von 1122 wurde erstmals eine formelle Trennung der Herrschaftsbereiche von Kaiser und Kirche anerkannt, jedoch hielt der Kaiser weiterhin an seinem universellen Herrschaftsanspruch fest, was sich in der Selbsternennung Konrads III. zum Augustus widerspiegelte.

In diesem Kontext entstand in Deutschland eine apokalyptisch-messianische Vorstellung vom Kaisertum, die das Reich als Erfüllung der christlichen Endzeit sah. Diese Überzeugung prägte das politische Handeln vieler Herrscher und Theologen der Zeit. Die Ritterorden, insbesondere die Templer, waren nicht nur militärische Akteure in den Kreuzzügen, sondern auch tief in die inneren Konflikte zwischen Papsttum und Kaisertum verwickelt.

In England führte die normannische Eroberung von 1066 zu einer zentralisierten Herrschaft unter Wilhelm dem Eroberer, der 1086 alle Lehenshalter in Salisbury auf den Treueid verpflichtete und große Ländereien unter direkter Kontrolle behielt. Mit dem Domesday Book wurde im selben Jahr eine umfassende Steuererfassung eingeführt, die zur Grundlage der königlichen Verwaltung wurde. Unter Heinrich II. (1154–1189) wurden königliche Beamte anstelle von Feudalsheriffs eingesetzt, das Gerichtswesen reformiert und mit der Assize of Clarendon (1166) sowie der Assize of arms (1181) zentrale Maßnahmen zur inneren Ordnung getroffen. Der Konflikt zwischen Heinrich II. und Thomas Becket eskalierte 1170 mit dessen Ermordung, was zu wachsendem Widerstand gegen die königliche Kirchenpolitik führte. Gleichzeitig verstärkte sich die Rivalität zwischen England und Frankreich, da die Plantagenets große Teile Frankreichs kontrollierten und Heinrich II. Expansionspläne in Toulouse verfolgte, während Richard Löwenherz seine Herrschaft hauptsächlich den Kreuzzügen widmete. In Frankreich festigten die Kapetinger ihre Macht schrittweise, obwohl sie im 11. Jahrhundert noch stark von regionalen Fürsten abhängig waren. mini|Titelblatt 1792, Band 2 – Walter von Montbarry (anonym, von Benedikte Naubert) Philipp I. (1060–1108) konnte die königliche Domäne durch Erwerbungen wie Gâtinais und Bourges erweitern. Unter Ludwig VI. (1108–1137) wurde die königliche Autorität durch die Bekämpfung von Raubrittern gestärkt, was ihm die Unterstützung der Kirche einbrachte. Ludwig VII. (1137–1180) förderte wirtschaftliche Entwicklungen durch Rodungen und gewährte Städten neue Freiheiten, wodurch Paris als Handelszentrum wuchs. Philipp II. August (1180–1223) expandierte die königliche Herrschaft territorial, indem er große Gebiete der Plantagenets zurückgewann, insbesondere die Normandie. Während seiner Herrschaft wurde das Feudalsystem stärker an die Krone gebunden, und königliche Beamte übernahmen eine größere Verwaltungsrolle. Die wirtschaftliche Entwicklung Frankreichs setzte sich fort, mit neuen Steuermaßnahmen und der Förderung des Handels, insbesondere in Paris.

Die Ereignisse des Hochmittelalters zeigen eine tiefgehende Auseinandersetzung zwischen geistlicher und weltlicher Macht sowie die allmähliche Konsolidierung von Staaten wie England und Frankreich. Die Rivalität zwischen Papsttum und Kaisertum, die Konflikte zwischen Adel und Königtum sowie die wirtschaftliche und territoriale Entwicklung Europas prägen diese Epoche. Historische Elemente wie die Machtkämpfe zwischen Kirche und Monarchie, die militärische und verwaltungstechnische Stärkung von Herrschaftsgebieten sowie die Expansion von Städten und Handelsnetzwerken bildeten zentrale Faktoren für die weitere Entwicklung Europas. Naubert greift in ihrem Werk verschiedene zentrale Themen des Hochmittelalters auf, ohne dabei eine direkte historische Analyse vorzunehmen. Ihr Roman nutzt den Konflikt zwischen geistlicher und weltlicher Macht sowie historische Elemente wie die Rivalität zwischen Papst und Kaiser oder die Rolle der Ritterorden als narrativen Hintergrund. Darüber hinaus spielt auch die Auseinandersetzung zwischen England und Frankreich eine wesentliche Rolle in ihrer Darstellung, indem sie die politischen Spannungen und deren Auswirkungen auf verschiedene gesellschaftliche Schichten beleuchtet. Diese Aspekte werden mit fiktionalen Handlungselementen verwoben, die den historischen Kontext atmosphärisch verdichten und in die literarische Erzähltradition des 18. Jahrhunderts einordnen.

Inhalt – Kapitelübersicht mini|Titelblätter 2007, Walter von Montbarry (Benedikte Naubert), hrsg. von Sylvia Kolbe Weder die Originalausgabe noch die Neuausgabe von 2007 enthalten ein Inhaltsverzeichnis. Gerade bei diesem Roman musste man diese Orientierung besonders vermissen. Alle Seitenangaben im Folgenden beziehen sich auf die Neuausgabe, besorgt von Sylvia Kolbe.

Band 1 1.01: Hunberga von Montbarry, 12-18: Die Erzählperson stellt Figuren vor: Hunberga ist die Frau von Theoderich, einem Kreuzfahrer. Sie hat am Hof von Walter Clifford gelebt und wohnt nun auf Montçon. Philip ist Theoderichs Sohn. Er hat Remigia zur Frau. Walter und Blondel sind Hunbergas (Zieh)Söhne.

1.02: Walter und Blondel, 18-22: Blondel ist 15, Walter 10. Walter wird als klug beschrieben, Blondel als musikalisch. Es wird erzählt, Theoderich sei während der Kreuzzüge zu Reichtum gekommen.

1.03: Die Weihnachtsfeier, 22-26: An Weihnachten sind die Reichen wohltätig. Auf die schwierige Beziehung zwischen Hunberga und Remigias Töchtern, Anna und Edita, wird eingegangen.

1.04: Die Pilgerin, 26-33: Andreas, Hunbergas Bruder, erscheint. Im Auftrug von Raimund bittet er Hunberga, dessen Tochter, Matilde, aufzunehmen.

1.05: Eine dreifache feste Freundschaft wird geschlossen, 33-37: Blondel erzählt Matilde von Walter und von sich selbst. Er stammt aus England, wo er bei Walters Mutter lebte. Nachdem ihr jüngster Sohn gestohlen worden war, schickte sie beide Burschen zu Hunberga.

1.06: Ein sehr ernsthaftes Gespräch, 37-41: Andreas fordert von Philip Geld für die Kreuzzüge ein. Hunberga versucht zu begütigen, bietet ihm ihre Juwelen an und bittet, Montçon verlassen zu dürfen.

1.07: Dicht an unsere Freuden schliessen Tod und Untergang sich an, 42-45: Nachdem Philip Andreas beleidigt hat, tötet Philip ihn, worauf er Montçon verlässt.

1.08: Eine unerwartete Entscheidung, 45-50: Um Andreas wird getrauert.

1.09: Ursachen und Folgen der Erscheinung von Graf Philips Töchtern, 50-58: Philip und Remigia werden von den Söhnen des Königs von England und dem König abgewiesen. Papst Alexander schickt sie ins Kloster. Ihre Töchter werden von Hunberga aufgenommen.

1.10: Die Schwestern erregen grosse Verfolgungen wieder die drei Freunde, 58-65: Jahre vergehen. Walter ist schwermütig; Blondel entscheidet, Minstrel zu werden.