Anglity ( Angnitten) ist ein Dorf im Powiat Elbląski (Kreis Elbing) in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren. Es ist der Verwaltungseinheit Gmina Pasłęk (Stadt-und-Land-Gemeinde Preußisch Holland) zugeordnet. mini|Ehemaliges Gutshaus Angnitten in Anglity (2010)

Geographische Lage Das Dorf liegt im ehemaligen Ostpreußen, in der historischen Landschaft Oberland, etwa 85 Kilometer südsüdwestlich von Königsberg (heute russisch Kaliningrad), 23 Kilometer ostsüdöstlich von Elbing (polnisch Elbląg) und sieben Kilometer nordöstlich der früheren Kreisstadt Preußisch Holland (polnisch Pasłęk).

Geschichte Ortsgeschichte Die Ortschaft Angnitten wird urkundlich erstmals am 8. April 1335 in einem zu Marienburg vom Hochmeister Luther von Braunschweig ausgefertigten Dokument erwähnt, mit dem er den Söhnen des Herman Boryn die Hälfte der Güter Paskaynen (Peiskam) und die Güter Angliten (Angnitten) und Koke (Koken) sowie einen Teil der Güter Bonusdorff (Briensdorf) und in anderen Orten des Elbinger Gebiets zu kulmischem Recht bestätigt.Joachim Stephan: Die Handfesten des Elbinger Komtureibuches, in: Jahrbuch für die Geschichte Mittel- und Ostdeutschlands, Band 54, Saur, München 2008, S. 97 ff., insbesondere S. 118 (Google Books, eingeschränkte Vorschau).

Am Anfang des 17. Jahrhunderts saß Balzer von Radau („Radowen“) auf Angnitten und Koppeln, dem Kurfürst Johann Sigismund, Markgraf zu Brandenburg, am 27. Februar 1618 das Bauerndorf Caimen (polnisch Kajmy) erblich zu kulmischem Recht verschrieb.Georg Conrad: Regesten ausgewählter Urkunden des reichsburggräflich und gräflich Dohnaschen Majoratsarchivs in Lauck (Ostpr.), in: Altpreußische Monatsschrift, Band 32, Königsberg i. Pr. 1895, S. 519–554, insbesondere S. 547 (Google Books).

Im Jahr 1785 wird Angnitten, auch Anglitten oder Agnitten genannt, als ein adliges Vorwerk oder adliger Hof mit fünf Feuerstellen (Haushaltungen) bezeichnet, dessen Besitzer ein v. Rekowski ist.Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preußen. Teil I: Topographie von Ost-Preußen. Marienwerder 1785, Anhang: Volständige Topographie vom Ost-Preußischen Cammer-Departement, S. 7 (Google Books).

Wilhelm von Schrötter auf Angnitten heiratete am 19. Januar 1846 Friederike Marie Caroline Wilhelmine Reichsgräfin und Burggräfin von Dohna-Schlobitten (* 14. Mai 1818; † 8. Januar 1848). Aus der Ehe ging eine Tochter hervor, Amélie Friederike Karoline Freiin von Schrötter (* 29. November 1846 in Königsberg; † 20. Juli 1902 in Berlin). Sie wurde später Besitzerin des elterlichen Gutes Angnitten mit Warnikam (polnisch Warnikajmy) und Golbitten (polnisch Gulbity), zusammen etwa 408 Hektar. Am 2. Oktober 1865 heiratete sie auf Angnitten Ludwig Bodo Wilhelm Friedrich Freiherr von Minningerode. Ihr Mann wurde Reichstagsabgeordneter und war seit 1884 Mitglied des preußischen Staatsrats. Die Ehe blieb kinderlos. Das Gut Angnitten blieb bis 1945 im Besitz von Mitgliedern der Familie Minnigerode.

Am 1. April 1927 hatte das Rittergut Angnitten eine Flächengröße von 290 Hektar, und am 16. Juni 1925 hatte der Gutsbezirk 112 Einwohner. Zu gleichen Zeiten hatten das benachbarte Rittergut Kaymen eine Flächengröße von 294 Hektar und 54 Einwohner sowie das benachbarte Rittergut Koppeln eine Flächengröße von 354 Hektar und 73 Einwohner.Kurt Albrecht: Die preußischen Gutsbezirke, in: Zeitschrift des Preussischen Statistischen Landesamts, 67. Jahrgang, Berlin 1927, S. 344–477, insbesondere S. 374, 11. Preußisch Holland, Ziffer 30 und Ziffer 36 (Google Books). Das benachbarte Dorf Golbitten hatte im Jahr 1913 eine Gemarkungsfläche von 279 HektarGemeindelexikon über den Viehstand und den Obstbau für den Preußischen Staat. Band 1: Ostpreußen. S. 102, Ziffer 26 (Google Books). und im Jahr 1910 nur 78 Einwohner. Am 30. September 1928 wurden die Landgemeinde Golbitten und die Gutsbezirke Angnitten (teilweise), Kaymen und Koppeln (polnisch Kopina) zur neuen Landgemeinde Angnitten zusammengeschlossen.Amtsbezirk Angnitten (Territorial.de)

Angnitten gehörte im Jahr 1945 zum Landkreis Preußisch Holland im Regierungsbezirk Königsberg im Gau Ostpreußen des Deutschen Reichs. Angnitten war Sitz des Amtsbezirks Angnitten.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Region im Frühjahr 1945 von der Roten Armee besetzt. Anschließend wurde Angnitten zusammen mit der gesamten südlichen Hälfte Ostpreußens von der Sowjetunion besatzungsrechtlich der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen. Der Ortsname wurde zu ‚Anglity‘ polonisiert. In der Folgezeit wurde die einheimische Bevölkerung von der polnischen Administration aus dem Kreisgebiet vertrieben.

Demographie + Bevölkerungsentwicklung bis 1945 Jahr Einwohner Anmerkungen 1782 – auch Anglitten oder Agnitten genannt, adliges Vorwerk oder adliger Hof, mit fünf Feuerstellen (Haushaltungen), einem v. Rekowski gehörigJohann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preußen. Teil I: Topographie von Ost-Preußen, Anhang: Volständige Topographie vom Ost-Preußischen Cammer-Departement, Marienwerder 1785, S. 7 (Google Books). 1818 35 adliges BauerndorfAlexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preußischen Staats, Band 1: A–F, Halle 1821, S. 25, Ziffer 788 (Google Books). 1832 64 Vorwerk, mit sieben HäusernGeorg Friedrich Krause: Handbuch zu dem Atlas von Preußen in 27 Karten; oder: geographisch-statistisch-topographische Beschreibung der preußischen Mönarchie. Zweite Hälfte: Verzeichniß sämmtlicher Städte, Flecken, Dörfer, Weiler, Vorwerke etc. der Monarchie. Band I: A – E, Müller, Erfurt 1835, S. 63 (Google Books). 1858 94 Rittergut, mit einer Gemarkungsfläche von 753 Morgen; davon 91 Evangelische und drei Katholiken, in sieben WohngebäudenAdolf Schlott: Topographisch-statistische Uebersicht des Regierungs-Bezirks Königsberg, nach amtlichen Quellen. Hartung, Königsberg 1861, S. 116, Ziffer 4 (Google Books).1864 83 am 3. Dezember, Gutsbezirk, mit einer Flächengröße von 719,95 Morgen und sieben WohngebäudenPreußisches Finanzministerium: Die Ergebnisse der Grund- und Gebäudesteuerveranlagung im Regierungsbezirk Königsberg, 9. Kreis Pr. Holland, Berlin 1966, S. 2–9, Ziffer 3 (Google Books). 1867 92 am 3. Dezember, Rittergut 1871 90 am 1. Dezember, Rittergut, sämtlich Evangelische, in sechs WohngebäudenKönigliches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Preussen und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. December 1871 bearbeitet und zusammengestellt. Berlin 1874, S. 176–177, Ziffer 97 (Google Books). 1885 98 am 1. Dezember, Gutsbezirk mit einer Flächengröße von 189 Hektar; davon 95 Evangelische und drei KatholikenKönigliches statistisches Bureau: Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1885 und anderer amtlicher Quellen. I. Provinz Ostpreußen, Berlin 1888, S. 198–199, Ziffer 96 (Google Books). 1895 86 am 2. Dezember, Gutsbezirk mit einer Flächengröße von 189,2 Hektar; sämtlich Evangelische, in sieben WohngebäudenGemeindelexikon für das Königreich Preußen, Band 1: Provinz Ostpreußen, Berlin 1898, S. 198–199, Ziffer 92 (Google Books). 1910 85 am 1. DezemberAngnitten, Rittergut, Kreis Preußisch Holland, Regierungsbezirk Königsberg, Provinz Ostpreußen, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Angnitten (meyersgaz.org) 1925 112 Gutsbezirk, am 16. Juni 1925Kurt Albrecht: Die preußischen Gutsbezirke, in: Zeitschrift des Preussischen Statistischen Landesamts, 67. Jahrgang, Berlin 1927, S. 344–477, insbesondere S. 374, 11. Preußisch Holland, Ziffer 3 (Google Books). 1933 265 Landgemeinde 1939 277 Landgemeinde

Amtsbezirk Angnitten 1874 bis 1945 Am 28. Mai 1874 wurde Angnitten Amtsdorf und damit namensgebend für einen Amtsbezirk im Kreis Preußisch Holland. Zunächst gehörten ihm fünf Orte an, am Ende waren es drei:Rolf Jehke: Amtsbezirk Angnitten

Deutscher Name Polnischer Namen Anmerkungen Angnitten Anglity 1928 vom Gutsbezirk zur Landgemeinde verändert Golbitten Gulbity 1928 nach Angnitten eingemeindet Kaymen Kajmy 1928 nach Angnitten eingemeindet Kopiehnen Kupin Robitten Robity nach 1883: Koppeln Kopina 1928 nach Angnitten eingemeindet Warnikam Warnikajmy 1928 nach Angnitten eingemeindet

Im Jahre 1945 bildeten nur noch Angnitten, Kopiehnen und Robitten den Amtsbezirk Angnitten.

Religion Bis 1945 war Angnitten in die evangelische Stadtkirche Preußisch Holland in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union,Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente, Göttingen 1968, S. 472 außerdem in die römisch-katholische Pfarrei St. Josef in der Kreisstadt eingegliedert.

Heute gehört Anglity evangelischerseits zur St. Georgs-Kirche Pasłęk, einer Filialkirche der Pfarrei Ostróda (Osterode) in der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen, sowie katholischerseits – wie bisher – zur Pfarrei in Pasłęk im Dekanat Pasłęk I im Bistum Elbląg.

Verkehr Anglity liegt nördlich der Woiwodschaftsstraße 513 und ist von Kopina (Koppeln) aus direkt zu erreichen. Straßenverbindungen von Gulbity (Golbitten) und auch vom einstigen Warnikajmy (Warnikam) enden in Anglity.

Eine Bahnanbindung besteht nicht.

Baudenkmäler

Das Gebäude des Gutshofes stammt aus dem Jahr 1796 und befand sich im 19. Jahrhundert im Besitz der Freiherren von Minnigerode. Der einstöckige Bau mit Walmdach liegt an einem Teich. An der Vorderseite befindet sich ein zweistöckiger, von vier Säulen getragener Vorbau mit offenem Erdgeschoss. Letzter deutscher Besitzer war August Friedrich Freiherr von Minnigerode (1882–1947), Herr auch auf Neu Münsterberg (polnisch Nowe Monasterzysko). Es ist heute in Privatbesitz. Video vom Gutshaus Angnitten Der Bau steht unter Denkmalschutz.

Persönlichkeiten Katharine Sophie Albertine Caroline Reichsgräfin und Burggräfin zu Dohna-Schlobitten (* 18. Februar 1770; † 14. April 1864), Witwe des Karl Wilhelm von Schrötter (1748–1819), Kanzler des Königreichs Preußen, Mutter des Politikers Wilhelm von Schrötter, verstarb in AngnittenGothaisches genealogisches Taschenbuch der gräflichen Häuser auf das Jahr 1865, Jahrgang 38, Gotha 1864 (Google Books). Wilhelm von Schrötter (1810–1876), Landrat des Kreises Preußisch Holland (1845–1876), von Februar bis Mai 1849 Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung, verstarb in Angnitten am 29. Januar 1876 im 66. LebensjahrNekrolog, in: Wochenblatt der Johanniter-Ordens-Balley Brandenburg, Jahrgang 17, Nr. 12, Berlin, 22. März 1876, S. 66–67 (Google Books).Gothaisches genealogisches Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser, Jahrgang 47, Perthes, Gotha 1897, S. 932 (Google Books).

Literatur Angnitten, Rittergut, Kreis Preußisch Holland, Regierungsbezirk Königsberg, Provinz Ostpreußen, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Angnitten (meyersgaz.org) Golbitten, Dorf, Kreis Preußisch Holland, Regierungsbezirk Königsberg, Provinz Ostpreußen, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Golbitten (meyersgaz.org) Kaymen, Gut, Kreis Preußisch Holland, Regierungsbezirk Königsberg, Provinz Ostpreußen, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912 (meyersgaz.org) Koppeln, Gut, Kreis Preußisch Holland, Regierungsbezirk Königsberg, Provinz Ostpreußen, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912 (meyersgaz.org) Koken, Dorf, Kreis Preußisch Holland, Regierungsbezirk Königsberg, Provinz Ostpreußen, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Koken (meyersgaz.org)

Weblinks

Amtsbezirk Angnitten (Territorial.de) Angnitten (Ostpreussen.net) Angnitten (Gutshaeuser-ostpreussen.de)

Einzelnachweise