Der Kunstverein Erlangen e.V. (kurz KVE) ist ein gemeinnütziger Verein mit Sitz in Erlangen, der sich der Vermittlung zeitgenössischer Kunst widmet, indem Wechselausstellungen in einer eigenen Galerie gezeigt werden. Seit seiner Gründung im Jahr 1904 engagiert sich der Verein für die Präsentation, Vermittlung und Unterstützung aktueller künstlerischer Positionen und zählt heute zu den etablierten Kunstvereinen in Bayern. Der Verein hat derzeit etwa 500 Mitglieder. Er gehört der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Kunstvereine (ADKV) an.

Geschichte

Gründung und frühe Jahre (1904–1933) Der Kunstverein Erlangen wurde im Februar 1904 als Abteilung des Gemeinnützigen Vereins (GVE) gegründet und hatte schon im ersten Jahr über 400 Mitglieder. Wie viele Kunstvereine im Deutschen Kaiserreich entstand er aus dem Wunsch heraus, zeitgenössische Kunst zu fördern und einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Er trat dem Verband süddeutscher Kunstvereine bei und stellte im 1722 erbauten Langen Haus aus; allein im Gründungsjahr zeigte er rund 1000 Werke von über 200 Künstlerinnen und Künstlern, darunter mindestens 48 Frauen. 1914 präsentierte er 52 Gemälde von Gabriele Münter.

In den 1920er-Jahren präsentierte der Kunstverein Werke moderner Künstler wie Paul Klee, Emil Nolde, Max Pechstein, Oskar Kokoschka, Käthe Kollwitz und Max Beckmann. Zwischen 1922 und 1924 fanden vielbeachtete Ausstellungen statt, die unter anderem Federzeichnungen von Heinrich Vogeler sowie Werke von Max Liebermann, Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff und Christian Rohlfs zeigten. Veranstaltet wurden sie in der Orangerie von Studenten und Doktoranden des Kunsthistorischen Seminars, die dazu eine „Kunstgeschichtliche Arbeitsgemeinschaft“ gegründet hatten; bis 1924 fanden 20 Ausstellungen statt, danach kam der Betrieb weitgehend zum Erliegen. Am 19. Dezember 1930 wurde der Kunstverein als eigenständiger Verein außerhalb des GVE neu gegründet. Den Vorsitz hatte zunächst Friedrich Haack, dann Hermann O. J. Müller, der eine im „Volkstum“ wurzelnde „gesunde Kunst“ forderte.Neben der Präsentation überregional bedeutender Kunstströmungen boten insbesondere die Weihnachtsausstellungen eine Plattform für regionale Kunstschaffende.

1989 initiierte der Kunstverein die Gründung des Fördervereins Kunstmuseum Erlangen, aus dem später das eigenständige und mittlerweile städtische Kunstmuseum Erlangen hervorging.

Der Kunstverein Erlangen während der Zeit des Nationalsozialismus (1933–1945)

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933 unterstand der Kunstverein Erlangen der Reichskulturkammer, die eine Gleichschaltung der Kunst- und Kulturbetriebe durchsetzte. Die zuvor gezeigten Werke moderner Künstler wurden als „entartet“ eingestuft und entfernt.

Die Gleichschaltung des Vereins erfolgte unter der Leitung des Psychiaters Hermann O. J. Müller. Müller erklärte im Oktober 1933, eine „Gleichschaltung“ sei unnötig, da der Verein „schon immer in eindeutiger Weise den völkischen Gesichtspunkt in der Kunstpflege betont“ habe. Zu den Aufnahmekriterien gehörte nun „arische Abstammung“; die Mitgliederzahl sank von 150 (1933) auf 131 (1934). Unter seiner Leitung wurde in Erlangen die sogenannte „Mannheimer Schreckenskammer entarteter Kunst“ gezeigt – eine Ausstellung, die moderne Kunst diffamierte und Teil der nationalsozialistischen Kulturpolitik war. Diese Ausstellung gilt als eine der frühesten deutschlandweiten Vorreitermodelle für die spätere Kampagne gegen „Entartete Kunst“.

Die Auswahl aus der Mannheimer Ausstellung „Kulturbolschewistische Bilder“ mit Werken unter anderem von Max Beckmann, Marc Chagall, Otto Dix, George Grosz und Paul Klee war vom 23. Juli bis 13. August 1933 in der Orangerie zu sehen; in Erlangen wurden den Werken in diffamierender Absicht Arbeiten psychisch Kranker gegenübergestellt. Bis 1945 veranstaltete der Verein rund 60 Ausstellungen, bis 1936 in der Orangerie, danach im Schulhaus am Hugenottenplatz und ab 1939 im ehemaligen Haus der Freimaurerloge in der Universitätsstraße; die letzte, „Fränkische Künstler“ im Juni 1944, zählte über 4500 Besucher. Müller wurde 1945 von der US-Militärregierung verhaftet und entzog sich der Strafverfolgung durch Suizid.

Christian Kazner war während der NS-Zeit im Kunstverein aktiv und trug nach 1945 zur Wiederaufnahme der Vereinstätigkeit bei. Die genaue Bedeutung seines Wirkens in dieser Zeit ist noch nicht abschließend erforscht.

Der Zahnarzt Kazner (1893–1971) hatte 1944 eine führende Stellung im Verein übernommen und war von 1950 bis 1962 Vorsitzender.

Nach dem Zweiten Weltkrieg versuchte der Kunstverein eine Rückbesinnung auf die unterbrochene Tradition der modernen Kunst. Am 9. September 1945 wurde mit der „Erlanger Herbstausstellung für bildende Kunst“ eine Kunstausstellung eröffnet, die verfemte Künstler zeigte. Allerdings kann diese Ausstellung nicht als eigentliche Produktion des Kunstvereins bezeichnet werden.

Organisiert hatte die von der US-Militärregierung genehmigte Schau im Pathologischen Institut der Maler Hermann Wilhelm; sie war vermutlich die erste Kunstausstellung der Nachkriegszeit auf dem Gebiet der späteren Bundesrepublik. 1950 wurde der Kunstverein nach mehreren gescheiterten Anläufen wiedergegründet, unter anderem auf Initiative des Bildhauers Hans Gügel. Er berief sich auf die Ausstellungen der frühen 1920er-Jahre und überging die NS-Nähe seines Vorgängers.

Entwicklung seit 1950 Ab den 1950er-Jahren veranstaltete der Kunstverein regelmäßig Ausstellungen an wechselnden Orten. Später nutzte er die „Kunststube“ in der Wasserturmstraße (1963–1971) und die „Kleine Galerie“ im Palais Stutterheim (ab 1972); am 2. Februar 1996 eröffnete er die „Neue Galerie“ in der Hauptstraße 72.

Von 1969 bis 1999 richtete der Verein auf Schloss Weißenstein in Pommersfelden die Biennale „Zeitgenössische Kunst in Franken“ aus, bei der ab 1993 der Kunstpreis der Nürnberger Nachrichten verliehen wurde. Mitglieder des 1970 gegründeten „Zentrums für künstlerische Kommunikation“ (ZEKK), die zugleich im Kunstverein aktiv waren, kritisierten dessen hierarchische Strukturen öffentlich als „unerträglich“. Gemeinsam mit einem 1989 gegründeten Förderverein, der anfangs unter anderem in der Neuen Galerie ausstellte, setzte sich der Kunstverein für ein Museum regionaler Kunst ein, das 1998 als Kunstmuseum Erlangen eröffnete.

Mit Erlangens Partnerstädten pflegte der Verein einen Kunstaustausch, etwa mit einer Ausstellung in Rennes 1980 und dem Projekt „Vertrautes im Fremden. Erlangen – Wladimir“ 2002. Zum 100-jährigen Bestehen zeigte er 2004 eine Jubiläumsausstellung im Palais Stutterheim.

Gegenwart Der Kunstverein Erlangen organisiert in der durch ihn betriebenen Galerie ein vielseitiges Ausstellungsprogramm mit Einzel- und Gruppenausstellungen, die einen Querschnitt aktueller künstlerischer Strömungen abbilden. Neben regionalen Positionen präsentiert der Verein auch überregionale und internationale Kunstschaffende, darunter Nina Kluth, Ryo Kato und der britische Comickünstler Steven Appleby.

Zudem engagiert sich der Verein in der Kunstvermittlung, organisiert Künstlergespräche, Vorträge und Workshops und fördert den Austausch zwischen Kunst und Gesellschaft.

Zusammenarbeit und Vernetzung Der Kunstverein Erlangen kooperiert mit Museen, Galerien sowie weiteren kulturellen und Bildungseinrichtungen, wie der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg, um den Dialog über zeitgenössische Kunst zu fördern. Neben dem Ausstellungsprogramm organisiert der Verein regelmäßig Exkursionen zu bedeutenden Kunstausstellungen im süddeutschen Raum.

Kooperationen bestanden unter anderem 2021 mit dem internationalen figuren.theater.festival und 2023/24 mit dem Stadtmuseum Erlangen bei der Ausstellung „ERLANGEN und die KUNST“. Außerhalb Erlangens stellte der Verein 2024 im Reitstadel Neumarkt im Austausch mit dem Kunstkreis Jura aus und 2026 in der Werkstatt Frey in Pettensiedel (Eckental).

Ausstellungsformate und Preise Der Kunstverein Erlangen präsentiert jährlich einen Herbstsalon, eine jurierte Mitgliederausstellung, in der zeitgenössische Werke der Vereinsmitglieder in wechselnden Räumlichkeiten (etwa im Kunstpalais oder Kunstmuseum Erlangen) gezeigt werden. Er löste 2017 die traditionelle Winterausstellung ab, die als jährliche Mitgliederschau unter anderem im Kunstpalais stattfand (2011 mit 75 Künstlern). Ergänzend dazu verleiht der Verein seit 2009 den VR‑Kunstpreis, der Nachwuchskünstlerinnen und -künstler aus der Metropolregion für innovative künstlerische Ansätze auszeichnet und ihnen eine Ausstellungsmöglichkeit bietet.

Darüber hinaus nimmt der Kunstverein seit der 4. Ausgabe kontinuierlich an der Biennale der Zeichnung in der Metropolregion Nürnberg teil.

Bekannte Mitglieder

Publikationen Helmut Haunstein (Hrsg.): 100 Jahre Kunstverein Erlangen: Beiträge zur fränkischen Kunstgeschichte 1904–2004, Kunstverein Erlangen, 2004, ISBN 3-925978-74-7. Peter Wagensonner: Lebensbäume_Lebensräume, Kunstverein Erlangen, 2007, ISBN 978-3-938903-11-7. Hans Barthelmeß (1887–1916): Ein Künstler am Beginn der Moderne, Kunstverein Erlangen, 2016, ISBN 978-3-930035-22-9. Künstler zu Konfuzius: Ausstellung anlässlich des zehnjährigen Jubiläums des Konfuzius-Instituts Nürnberg-Erlangen, Kunstverein Erlangen, 2018, ISBN 978-3-0005-2458-5. Bernd Nürnberger, Bernd Böhner (Hrsg.): Künstler in Erlangen, Kunstverein Erlangen, 2017, ISBN 978-3-00-058023-9. Betreten verboten? Kunstverein Erlangen, 2013, herausgegeben vom Kulturtransporter Nürnberg, ISBN 978-83-934799-1-7.

Weblinks Website des Kunstvereins Erlangen Instagram-Account des Kunstvereins Erlangen Kunstverein Erlangen auf Visit Erlangen Kunstpalais Erlangen – Partnerausstellungen Ausstellungstexte „ERLANGEN und die KUNST“ des Stadtmuseums Erlangen (2023/24)

Einzelnachweise

Erlangen Kategorie:Verein (Erlangen) Kategorie:Vereinsgründung 1904