Elsie Shutt (* 1928 in New York City, Vereinigte Staaten) ist eine US-amerikanische Mathematikerin und Software-Unternehmerin. 1958 gründete sie Computations, Incorporated (CompInc.) und war in den USA Vorreiterin bei der Beschäftigung freiberuflicher Programmiererinnen.

Leben und Werk mini|DATAmatic 1000 Computersystem, Honeywell, Inc. 1957 Shutt war das einzige Kind eines Verkäufers bei der Ford Motor Company und einer Chemikerin. Sie wuchs in Baltimore auf und erhielt 1944 ihren Abschluss an der dortigen Eastern High School. Am Goucher College studierte sie Mathematik mit Chemie als Nebenfach. Mit einem Pepsi-Cola-Stipendium und einem anschließenden Lehrstipendium absolvierte sie ein Graduiertenstipendium am Radcliffe College und wurde dort die zweite weibliche Lehrbeauftragte. Während drei Sommerjobs lernte sie beim Aberdeen Proving Ground der US-Army in Maryland den Ordnance Discrete Variable Automatic Computer ORDVAC zu programmieren. Mit einem Fulbright-Stipendium studierte sie ein Jahr Mathematik in Nancy in Frankreich.

1953 kehrte sie in die USA zurück und wurde als Programmiererin bei der Raytheon Company in Waltham, Massachusetts, eingestellt. Sie war dort für die Entwicklung einer Software für das Computermodell Raycom (später Datamatic 1000) zuständig. Im November 1953 heiratete sie den Ingenieur Phiipp R. Shutt, mit dem sie drei Kinder bekam.

Als Shutt 1957 schwanger wurde, wurde sie per Gesetz dazu gezwungen, ihren Job aufzugeben. Da das Unternehmen Raytheon zu derselben Zeit beschloss, seine externen Programmierprojekte zu reduzieren, konnte Shutt freiberuflich Projektarbeiten für Kunden des Unternehmens übernehmen. Sie arbeitete etwa ein Jahr lang freiberuflich von zu Hause aus und in Zusammenarbeit mit ihrer Freundin Irma Wyman. Auch von Honeywell, einem Konzern, der sich mit Raytheon zu dem Computerunternehmen Datamatic Corporation zusammengeschlossen hatte, erhielt sie Aufträge. Als sie mehr Aufträge erhielt, als sie bewältigen konnte, nahm sie die Hilfe von Elaine Kamowitz und Barabara Wade in Anspruch, die bei Honeywell gearbeitet hatten, bis auch sie Kinder bekamen. Ursprünglich hatte Shutt geplant, dass sie freiberuflich arbeiten sollten, aber Honeywell befand dies als „zu viel Vertragsarbeit“.

Daher baute Shutt 1957 ihr eigenes Unternehmen, Computations Incorporated [Comp Inc] auf. Sie ist damit die erste Frau, die in den USA ein Software-Unternehmen gründete. Sie bot neben Computerprogrammierung auch Systemanalyse- und Designdienstleistungen an. Es war wahrscheinlich das erste Softwarehaus in den USA, das 1963 in Business Week porträtiert wurde und als „die schwangeren Programmierer“ bezeichnet wurde. Der Artikel enthielt ein gestelltes Foto von Shutt bei der Arbeit an ihrem Esstisch, mit Spielzeug im Vordergrund, mit dem Slogan Mathematik und Mutterschaft mischen.

Shutt leitete das Unternehmen mehr als 45 Jahre lang und stellte bevorzugt Frauen mit kleinen Kindern ein. Sie ließ die Firma bewusst nicht expandieren und beschäftigte nie mehr als 13 Mitarbeiterinnen. Sie legte Wert auf eine „Schreibtischprüfung“ zwischen den Mitarbeiterinnen, bei der jede den Code der anderen manuell überprüfte. Das Unternehmen schloss Verträge unter anderem mit Minneapolis-Honeywell, Raytheon, der Harvard University, der University of Rochester und der United States Air Force.

Literatur Jane Abbate: Recoding Gender. MIT Press, 2012, ISBN 978-0262018067. Betty Friedan: It Changed My Life: Writings on the Women's Movement. Harvard University Press, 1998, ISBN 978-0674468856.

Weblinks Software Entrepreneurs Elsie Shutt + Stephanie Shirley: Mothers of Invention, Inventive Mothers (englisch) When women stopped coding (Classic) (englisch) Women, Gender and Computing (englisch) Where are the missing women in tech? (englisch) Als Programmieren noch Frauensache war

Einzelnachweise

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