Der Angriff am Holocaust-Mahnmal in Berlin war ein islamistischer Terroranschlag am 21. Februar 2025. Ein 19-jähriger Flüchtling aus Syrien verletzte einen spanischen Touristen mit einem Messer schwer. Die Ermittlungsbehörden gehen von einem antisemitischen Tatmotiv aus.

Hergang Am Freitagabend vor der vorgezogenen Bundestagswahl gegen 18 Uhr attackierte ein Mann einen 30-jährigen spanischen Touristen im Stelenfeld des Berliner Holocaustmahnmals. Der Täter soll den Touristen mit einem Messer von hinten mehrfach in den Oberkörper und den Hals gestochen haben, wodurch dieser lebensgefährlich verletzt wurde."Angriff am Holocaust-Mahnmal in Berlin – 19-jähriger Syrer wollte „Juden töten“" welt.de, 22. Februar 2025 Das Opfer wurde notoperiert und wurde zeitweise in ein künstliches Koma versetzt. Gegen 20.45 Uhr wurde in der Nähe des Tatortes ein Tatverdächtiger von der Polizei festgenommen.

Tatverdächtiger Als tatverdächtig gilt Wassim al-M. aus Syrien. Er wurde laut offiziellen Dokumenten im Januar 2006 in der syrischen Kleinstadt asch-Schaddadi geboren. Er reiste, vermutlich über die Balkanroute kommend, am 9. Mai 2023 illegal nach Deutschland ein und wurde Sachsen zugewiesen. Weil er als minderjährig galt, kam er als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling in die Obhut des Jugendamtes Leipzig. Er beantragte Asyl und hatte seit Dezember 2023 einen Aufenthaltstitel nach § 25 Abs. 2 AufenthG. Im Oktober 2024 wurde er als Flüchtling anerkannt. Er hatte angegeben, in Syrien von Kräften des Assad-Regimes festgenommen und gefoltert worden zu sein. Zuletzt wohnte er in einer Flüchtlingsunterkunft in Leipzig. In dieser Unterkunft sollen viele Bewohner antisemitisches Gedankengut hegen und teils zu judenfeindlichen Taten aufgerufen haben. In einem Chat teilte er einem 17-jährigen Syrer mit, dass er „etwas vorhat und nach Berlin fährt“."Verdächtiger Chat des Attentäters: Messerstecher vom Holocaust-Mahnmal in Berlin gab Freund Bescheid" tagesspiegel.de, 3. März 2025 Der Tatverdächtige war wegen verschiedener Straftaten in Sachsen polizeibekannt. So wurde in vier Fällen wegen Körperverletzung gegen ihn ermittelt.

Die Untersuchungsbehörden gehen von einem antisemitischen Tatmotiv aus. Der Mann habe seit einigen Wochen den Plan verfolgt, Juden zu töten. Im Rucksack des Tatverdächtigen fand die Polizei einen Koran, einen Zettel mit Koranversen und einen Gebetsteppich. Man geht deshalb von einer islamistischen bzw. religiösen Motivation der Tat aus.

Ermittlungen Der Generalbundesanwalt übernahm am 24. Februar 2025 wegen der besonderen Bedeutung des Falles die Ermittlungen gegen ihn, da der dringende Verdacht besteht, das er aus radikal-islamistischer und antisemitischer Überzeugung – er teilt die Ideologie der islamistischen Terrororganisation Islamischer Staat (IS) – einen versuchten Mord begangen hat, wodurch die Innere Sicherheit der Bundesrepublik gefährdet wurde."Übernahme der Ermittlungen wegen des versuchten Mordes am Holocaust-Denkmal in Berlin" generalbundesanwalt.de, 24. Februar 2025 Am 28. Februar 2025 wurde ein neuer Haftbefehl vom Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs wegen des versuchten Mordes erlassen und die Untersuchungshaft angeordnet."Neuer Haftbefehl wegen des versuchten Mordes am Holocaust-Denkmal in Berlin erlassen und in Vollzug gesetzt" generalbundesanwalt.de, 28. Februar 2025

Am 27. Mai 2026 ließ die Bundesanwaltschaft den syrischen Staatsangehörigen Khalaf A. in Berlin festnehmen, weil er verdächtigt wird, den versuchten Mordanschlag unterstützt zu haben. Ihm wird Beihilfe zum versuchten Mord und zur gefährlichen Körperverletzung vorgeworfen. Er soll den Täter Wassim Al M. vor der Tat begleitet und ihn zur Umsetzung ermutigt haben."Festnahme wegen mutmaßlicher Beihilfe zum versuchten Mord am Holocaust-Denkmal in Berlin " generalbundesanwalt.de, 27. Mai 2026

Strafprozesse Am 18. Juli 2025 erhob die Bundesanwaltschaft vor dem Staatsschutzsenat des Kammergerichts Berlin Anklage wegen versuchten Mordes, gefährlicher Körperverletzung sowie versuchter Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung."Anklage wegen des versuchten Mordes am Holocaust-Denkmal in Berlin erhoben" generalbundesanwalt.de, 29. Juli 2025 Am 20. November 2025 begann die Hauptverhandlung."Kammergericht: Hauptverhandlungsbeginn in dem Staatsschutzverfahren gegen Wassim Al M. wegen eines mutmaßlich islamistisch und antisemitisch motivierten Messerangriffs am Holocaust-Mahnmal", berlin.de, 12. November 2025 Am 5. März 2026 wurde Wassim al-M. nach Erwachsenenstrafrecht zu 13 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Die Mordmerkmale der Heimtücke und niedriger Beweggründe waren verwirklicht. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.Kammergericht verhängt langjährige Freiheitsstrafe wegen islamistisch und antisemitisch motivierten Messerangriffs am Berliner Holocaust-Mahnmal (PM 12/2026) berlin.de, 5. März 2026

Am 21. August 2026 erhob die Bundesanwaltschaft vor dem Staatsschutzsenat des Kammergerichts Berlin Anklage gegen Khalaf A. wegen der Beihilfe zum versuchten Mord und zur gefährlichen Körperverletzung.Anklage wegen Beihilfe zum versuchten Mord am Holocaust-Denkmal in Berlin erhoben generalbundesanwalt.de, 9. September 2026.

Reaktionen Bundesinnenministerin Nancy Faeser forderte, der mutmaßliche Täter müsse mit aller Härte bestraft und „direkt aus der Haft abgeschoben werden“. Laut Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden, gehen die Verachtung der Erinnerung an die Schoah und der Hass auf Juden Hand in Hand mit einer fundamentalen Ablehnung der westlichen Werte.

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