Björn Nussbächer (* 15. Juli 1976 in Ebersberg) ist ein deutscher Bildhauer und Medienkünstler. Er arbeitet mit performativer Installation, Videokunst und skulpturalen Interventionen, die Fragen zu Identität, Grenzen und gesellschaftlichen Transformationen untersuchen.

Leben Nussbächer wurde in Oberbayern geboren, wuchs aber in München auf. Er machte Abitur am stàdtischen Luisengymnasium. Er absolvierte von 1999 bis 2001 eine Zimmererausbildung in Tübingen. Von 2004 bis 2005 lebte und arbeitete Nussbächer in Paris als Stipendiat von „Inwent“. Von 2006 bis 2009 studierte Nussbächer an der Gerrit Rietveld Academie in Amsterdam unter anderem bei Christiaan Bastiaans und Dineke Blom. Prägend für seine künstlerische Praxis wurden ausgedehnte Reisen durch Europa, Nordafrika und Asien, die er ab 1996 dokumentarisch in Fotografien, Zeichnungen und Kurzfilmen festhielt. 2012 besuchte er Nordamerika und hielt sich unter anderem in New York, Montreal, Nelson (British Columbia) und auf Big Island, Hawaii auf. 2018/19 arbeitete und forschte er zu einem indigenen Projekt in Taiwan. 2019 nahm er als „Koebi“ an der „Setouchi-Triennale“ in Japan teil. Er ist außerdem praktizierender Judoka. Seit 2023 ist er Mitglied des Werkraumkollektivs Klybeck in Basel, wo er interdisziplinäre Kooperationen zwischen Technologie und Medienkunst initiiert. Er wohnt und arbeitet in München und Basel.

Werk Konzeptuelle Grundlagen Nussbächers Schaffen kreist um die Dekonstruktion von Grenzen – sowohl physischer Architekturen als auch soziokultureller Normen. Sein 2010 entwickeltes Konzept der „Voyage-lage“ fusioniert Reiseerfahrungen mit Collage-Techniken, um ephemere Spuren menschlicher Interventionen sichtbarer zu machen. Dieser Ansatz verbindet nomadische Recherchemethoden mit ortsspezifischen Interventionen, bei denen Materialien aus lokalen Kontexten in skulpturale, filmische oder performative Werke transformiert werden. Die künstlerische Arbeit fokussiert sich auf transgressive Prozesse, welche die Wahrnehmungsfähigkeit und das Bewusstsein ausweiten. Nussbächer betrachtet die Kunst als berechtigten Weg der Erkenntnis, durch den persönliches Wissen entsteht und der Allgemeinheit verfügbar gemacht wird. Auf Grundlage von Gaston Bachelards Untersuchungen strebt er danach, Energie in visueller Form darzustellen und bedient hierzu transgressive Prozesse. Da es hierfür keine Parameter gibt wechseln sich Wissenschaft und Vorstellungskraft ständig ab. Nussbächers künstlerische Praxis zeichnet sich durch einen prozesshaften, forschenden Ansatz aus, der sich bewusst von der Produktion rein objektbasierter Werke distanziert. Diese Herangehensweise positioniert ihn als Grenzgänger zwischen künstlerischer Produktion und akademischer Forschung.

Skulpturen „Palais“ (2006). Die scheinbar willkürliche Anordnung der Balken inszeniere einen „ständigen Suchprozess nach neuer Form“, der Hierarchien zwischen Planung und Zufall auflöse. Van Berkum wies darauf hin, dass viele Follies zu konventionell umgesetzt werden und somit das utopische Potential von Follies als „architektonische Provokationen“ verfehlen. Nussbächers Arbeit stelle eine Ausnahme dar, da sie „die Grenze zwischen Skulptur und funktionslosem Bauwerk radikal verwische“. Van Berkum vergleicht dies mit Bernard Tschumis Folies im Parc de la Villette, die ebenfalls „Architektur als offenes Experiment“ begreifen. „Das neue Nationaltrikot“ (2009). Die Skulptur aus Draht, Hartholz und Orangenschalen weist auf die Macht nationaler und kommerzieller Symbolik im Kontext sportlicher Großveranstaltungen hin. „cooking together“ (2011) Die Ausstellung dokumentiert einen Ansatz zur kollektiven Kunstproduktion. Das Festhalten der eigenen Autorschaft wird gegen eine intensive gemeinsame Zeit getauscht. So wie beim Kochen entstehen hier neue Gerichte als Metapher für Innovation um diese humorvoll zu hinterfragen. 2019 nahm Nussbächer als Koebi (Freiwilliger) an der Setouchi Triennale in Japan teil. Hierbei verdeutlicht er seinen Ansatz der kulturellen Immersion als wesentlichen Bestandteil künstlerischer Praxis. „warming up“, und „crossing the line“ (2021) sind raumübergreifende Installationen und setzten sich mit Grenzen als physisches, politisches und psychologisches Phänomen auseinander.

Video-Arbeiten „If I cannot dance …“ (2021) Die Arbeit greift die Kommerzialisierung traditioneller Rituale der Resilienz auf und stellt sie Instagram-tauglichem Spektakel moderner Körperpolitik gegenüber. Dabei verschwimmen die Grenzen zwischen Ekstase und Gewalt fließend. Cross-Border-Slam (2020) verarbeitet essayistisch die geschlossenen Grenzübergänge zwischen Deutschland, Frankreich und der Schweiz während der Covid-19-Pandemie. Die Videoarbeit setzt sich mit verwaisten Grenzposten und den Begegnungen mit lokalen Anwohnern auseinander.

Gruppenausstellungen 2006: International FollyDock Contest, Rotterdam 2006: „Kunstrasen 2006 – Ersatzbank der Gefühle“, Zentrum für zeitgenössische Kunst Halle 2006: "If I cannot dance , I don t want to be part of your revolution", Theaterperformance Leiden 2006/7 "Just in time", Stedelijk Museum Amsterdam , Radio Rietveld in the Stedelijk , radiopiece "the perfect storm" 2009: „residue“ Tppt, Paris, in situ performance "Palais de Tokio"Paris 2010: „Atmosphere“, StudioFroh Berlin 2011: „Cooking Together“, Outpost Slotervaart, Amsterdam 2017–2018: Ateliers ouverts, Strasbourg/Mulhouse 2021: „Songs from the End of the World“, E-Werk Freiburg (Regionale 21)

Residenzen und Forschungsprojekte 2019: Setouchi Triennale, Japan 2020: Werkraum Warteck pp, Basel 2021: Collectif des Possibles, Wesserling 2023–2025: Atelier Klybeck, Werk-Raumkollektiv 2025: Le mouvement regeneratif

Einzelnachweise und Anmerkungen

Kategorie:Medienkünstler (Schweiz) Kategorie:Videokünstler (Schweiz) Kategorie:Bildhauer (Basel) Kategorie:Performancekünstler (Schweiz) Kategorie:Zeitgenössische Kunst Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1976 Kategorie:Mann