mini|hochkant|Das Freese’sche Haus in der Breiten Straße 97

Johann Carl William Freese (* 1828 in Oldesloe; † 12. Oktober 1899 in Lübeck) war ein lübeckischer Tuchhändler, wurde Seniorchef und Mitglied der Bürgerschaft.

Leben Laufbahn Freese war der Sohn eines dänischen Zollbeamten in Oldesloe und kam 1839 als Lehrling in die Tuchhandlung von Julius Grabau nach Lübeck. 1849 wurde er dessen Teilhaber und 1863 alleiniger Inhaber, bevor er sich 1886 zurückzog.

Nach seinem Rücktritt zog die Familie in die Alfstraße 7 und zum 1. April 1889 in die Schillerstraße 3. Die Breite Straße 97 wurde ein Heim für 8 neue Wohnparteien und der Schankwirt Joh. Joach. Christ. Wien schloss im Folgejahr seine Restauration in dem Haus. Freese war noch als Sachverständiger für Kaufmännische Buchführung, sowie als Beauftragter des Finanzdepartents bei den Ziehungen der Lübeckischen Staats-Lotterie tätig.

Freeses Interesse an den lübeckischen Öffentlichen Angelegenheiten und seine konziliante Weise zeichneten ihn aus.

Wenige Tage nach einem Schlaganfall verstarb Freese nach kurzer, schwerer Krankheit am 12. Oktober 1899. Seine Trauerfeier fand am 15. Oktober 1899 in St. Petri statt.

Kaufmannschaft Auf der Versammlung der Handelskammer am 5. Juni 1874 gab deren Präses Cay Dietrich Lienau bekannt, dass er nicht für eine Wiederwahl zur Verfügung stünde. Infolgedessen schlug die Handelskammer Johannes Fehling, Freese und Johannes Albrecht Suckau der Kaufmannschaft zur Wahl des neuen Präses vor. Local- und vermischte Notizen. In: Lübeckische Blätter; 16. Jg., Nummer 45, Ausgabe vom 7. Juni 1874, S. 268. Bei der Wahl am 30. Juni 1874 erhielten Suckau 105, Fehling 59 und Freese 16 Stimmen. Local- und vermischte Notizen. In: Lübeckische Blätter; 16. Jg., Nummer 52, Ausgabe vom -. Juli 1874, S. 306.

Auf der Versammlung der Kaufmannschaft am 29. Juni 1875 wurde von den Senatoren Ludwig Wilhelm Minlos und Carl Heinrich Sievers, dem ersten Stellvertreter des Präses Freese, August Rehder und 36 anderen Mitgliedern der Antrag gestellt, das Ehrengehalt des amtierenden Präses Suckau von 2000 Courantmark auf 4000 ℳ zu erhöhen. In Namentlicher Abstimmung stimmte die Versammlung mit 68 gegen 44 Stimmen zu.Versammlung der Kaufmannschaft. In: Lübeckische Blätter; 17. Jg., Nummer 52, Ausgabe vom 30. Juni 1875, S. 303. Zur Umrechnung multiplizierte man die vollen Courantmark mit 2, setzte sich die zuerst ergebende Ziffer nach rechts vorweg und die folgenden Ziffern direkt unter die zu multiplizierende Zahl und summierte dann die Summen.Umsetzung von Courant in Reichsmark. In: Lübeckische Blätter; 17. Jg., Nummer 17, Ausgabe vom 21. Februar 1875, S. 91.

In der am 25. Juni 1880 turnusmäßig stattfindenden Versammlung der Kaufmannschaft fanden für die turnusmäßig ausscheidenden Mitglieder der von ihr zu bestellenden Handelskammer Neuwahlen statt. Für den ausscheidenden Präses wurden von Seiten der Kammer DFerdinand Dahlberg, Freese und Suckau vorgeschlagen.Versammlung der Kaufmannschaft. In: Lübeckische Blätter, 22. Jahrgang, Nummer 46, Ausgabe vom 9. Juni 1880, S. 272. Freese wurde erster Stellvertreter des Präses.

In der Generalversammlung der 1881 gegründeten Kaufleute-Witwen-Kasse vom 28. Februar 1891 wurde Freese als abgehendes Vorstandsmitglied in denselben wiedergewählt. Alle Mitglieder der Kaufmannschaft konnten Mitglied der Kasse werden. Deren sich steigernde Leistungsfähigkeit legte es allen Kaufmannschaftsmitgliedern nahe, von dem Recht des Beitritts zu den derzeit 88 Mitgliedern zu Gunsten ihrer Ehefrauen Gebrauch zu machen.Kaufleute-Witwen-Kasse. In: Lübeckische Blätter, 33. Jahrgang, Nummer 18, Ausgabe vom 4. März 1891, S. 104.

Kongress deutscher Volkswirte Mit der Intention das Interesse an lokalen wirtschaftlichen Fragen anzuregen und die dortige Kenntnis der Volkswirtschaftslehre zu verbreiten, wurde 1869 die Austragung des Kongresses in Lübeck angeregt. Am 6. März 1870 konstituierte sich in der Kaufmannschaft das Lokalkommitee zur Abhaltung des Kongresses der deutschen Volkswirte im Folgejahr. Zu dessen Vorsitzenden und Stellvertreter wurden die Senatoren Wilhelm Brehmer und Philipp Wilhelm Plessing, Freese zum Schatzmeister und Heinrich Dettmer zum Schriftführer erwählt. Zur Einsetzung der erforderlichen Ausschüsse ergänzte man das Komitee anschließend auf 24 Mitglieder. Local- und vermischte Notizen. In: Lübeckische Blätter; 12. Jg., Nummer 20, Ausgabe vom 9. März 1870, S. 111.

An dem 12. volkswirtschaftlichen Kongress vom 28. bis 31. August 1871 nahmen auch Mitglieder aus außerdeutschen Städten wie Pesth, Tiflis und Uppsala teil.

Der zum Vorsitzenden des Kongresses gewählte Karl Braun wies in seiner Rede auf die aus der Neugestaltung der politischen Verhältnisse dem volkswirtschaftlichen Kongress erwachsende Aufgaben hin. In der sich daran anschließenden Debatte wurde die Fortentwicklung der internationalen Handelspolitik thematisiert.

Am Folgetag war der Münzfrage gewidmet. Es referierten hierzu John Prince-Smith und Hermann Weibezahn. Adolf Soetbeers Antrag, dass die reine Goldwährung der Reform des Münzsystems unter Zulassung eines Übergangsstadiums zugrunde gelegt werden soll, wurde angenommen. Es wurde beschlossen, dass die definitiv einzuführende Münze nach dem Dezimalsystem einzuteilen wäre. Zur allgemeinen Goldrechnungseinheit sei nur eine solche zu wählen, die in ganz leicht berechenbaren Verhältnis zur Talerrechnung stehe. Die Zulassung der Vierteilung der kleinsten Dezimalmünze. Der Feingehalt der hauptsächlichsten deutschen Goldmünze sei so zu normieren, dass der Wert ihres Zehntels, welchen die Rechnungsmünze zu bilden haben werde, 20 Sgr sei. In Lübeck sollte dies erst 1888 mit dem Beitritt zum Deutschen Zollverein eintreten.

Wilhelm Brehmer wurde als Mitglied des neu gebildeten Ständigen Ausschusses als Vorstand gewählt. Der zwölfte volkswirtschaftliche Congreß in Lübeck. In: Lübeckische Blätter; 13. Jg., Nummer 71, Ausgabe vom 1. September 1871, S. 393–395.

Als zwei Jahre vorher angeregt wurde, den Kongress in Lübeck abzuhalten, war das Ziel, die Kenntnisse der Volkswirtschaftslehre in Lübeck zu verbreiten. Danach wurde die Gründung der lokalen volkswirtschaftlichen Gesellschaft angeregt. Heinrich Dettmer„D“: Gründung einer volkswirtschaftlichen Gesellschaft in Lübeck. In: Lübeckische Blätter; 13. Jg., Nummer 72, Ausgabe vom 6. September 1871, S. 397. Wer sich hinter „D“ verbarg ist noch unklar. Hinter „P.“ verbarg sich Carl Theodor Plessing ergo erscheint die Entschlüsselung nicht ganz aussichtslos.

Wirtschaftsförderer Auf der am 31. März 1871 stattgefundenen Generalversammlung der Aktiengesellschaft Casino wurden Freese, Baudirektor Carl Julius Krieg und Heinrich Alphons Plessing wieder zu Mitgliedern des Verwaltungsrates und Joachim Ed. Scheele zum Revisor erwählt. Von den Obligationen der Prioritäts-Anleihe wurden die Nummern 454, 401 und 380 ausgelöst. Den 1869/70er Einnahmen von 9830 Lübische Mark an Miete, 3000 an Staatsbeihilfe und 176 diverse standen Ausgaben in Höhe von 9367 Zinsen, 1724 Reparaturen und 1417 diverse gegenüber. Local- und vermischte Notizen. In: Lübeckische Blätter; 13. Jg., Nummer 27, Ausgabe vom 2. April 1871, S. 156. Auf der Generalversammlung am 28. März 1874 wählte man Freese wieder in den Verwaltungsrat. Local- und vermischte Notizen. In: Lübeckische Blätter; 16. Jg., Nummer 25, Ausgabe vom 28. März 1874, S. 156.

Am 26. März 1878 waren im Hause Freese vom Verwaltungsausschuss Herren der Aktiengesellschaft Casino, die Mitglieder der Bürgerschaft waren, und andere sich für das Theater Interessierende eingeladen, um die Wahl des neuen Theaterdirektors zu besprechen. Von den 17 Bewerbern kamen jedoch nur drei Carl Wilh. Jul. Waldmann (Lübeck), Richard Jesse (Kiel) und Martin Wihrler, in die engere Wahl kamen. Der Letztgenannte hatte am Vortag seine Bewerbung zurückgezogen, das er sich mit dem Theater Chemnitz geeinigt hätte. Die weitere Verhandlung drehte sich darum, ob dem Theater wie im Vorjahr eine Subvention in gleicher Höhe gewährt werden würde. Die Majorität war der Ansicht, dass dies hinreichend wäre und dass ein zukünftiger Direktor auch damit auskommen würde. Eine Minorität bezweifelte dies und begründete dies weitsichtig damit, dass bei den großen Ansprüchen selbst bei einer Subvention in doppelter Höhe die Stellung des Direktors immer eine sehr schwierige sein werde.Local- und vermischte Notizen. In: Lübeckische Blätter, 20. Jahrgang, Nummer 25, Ausgabe vom 27. März 1878, S. 148.

Am 16. Mai 1871 wurde im Casino unter dem Vorsitz des Senators Georg Friedrich Harms abgehaltenen Konstituierende Versammlung der Lübecker Feuer-Versicherungsgesellschaft das Statut angenommen. Zu Mitgliedern des Verwaltungsrates wurden Heinrich August Carl Krohn (Vorsitz), Salomon Lazarus Cohn (Stellvertreter), Heinrich Joachim Ludwig Possehl, sowie J. Conr. Warnecke und Julius Alexander Schnars aus Hamburg. Zu Revisoren wurden Freese und Johannes Fehling erwählt. Local- und vermischte Notizen. In: Lübeckische Blätter; 13. Jg., Nummer 40, Ausgabe vom 17. Mai 1871, S. 228.

Im April 1883 trat C. Böse für den ausscheidenden Freese in den Vorstand der Aktiengesellschaft. Local- und vermischte Notizen. In: Lübeckische Blätter; 25. Jg., Nummer 30, Ausgabe vom 15. April 1883, S. 180.

Politik Der lübeckischen Bürgerschaft gehörte Freese in den Jahren von 1859 bis 1883 und von 1885 bis 1891 an.

Am 16. Juni 1883 gingen von 1267 Wahlberechtigten etwa 70 % zur Wahlurne. Die vom Vaterländischen Verein aufgestellte Kandidatenliste errang einen glänzenden Sieg. Keiner der von der fortschrittlichen Seite Aufgestellten erhielt auch nur die Hälfte der Stimmen die die Kandidaten der Vaterländischen erhielten. Freese erhielt nur zwei Stimmen und war kein Bürgerschaftsmitglied mehr.Bürgerschaftswahl im Johannis-Quartier und in der Vorstadt St. Jürgen. In: Lübeckische Blätter, 25. Jahrgang, Nummer 48, Ausgabe vom 17. Juni 1883, S. 277. 1885 wurde er wieder Mitglied der Bürgerschaft. 1891 waren in den vier Wahlbezirken der Stadt nebst Vorstädten 30 Vertreter zu erwählen. Der Vaterstädtische Verein schlug auf Grund der in den Quartiersversammlungen 7 Gelehrte, 14 Kaufleute und 9 Gewerbetreibende vor. Freese war nicht mehr vorgeschlagen worden.Zur Bürgerschaftswahl. In: Lübeckische Blätter, 33. Jahrgang, Nummer 45, Ausgabe vom 7. Juni 1891, S. 270–271.

Wortführer Für die Jahre 1869 bis 1871 wurde Freese erstmals als ein Vertreter des Wortführers ins Präsidium der Bürgerschaft gewählt.

Ein zweites Mal wurde er in der Sitzung am 19. Juli 1875 stattfindenden Neuwahl der Wortführer erwählt. Albrecht Priess wurde mit 67 von 77 Stimmen Wortführer, zu seinem ersten Stellvertreter Hermann Lingnau mit 67 von 83 und Freese mit 70 von 85 zum zweiten Stellvertreter für zwei Jahre gewählt.Verhandlungen der Bürgerschaft. In: Lübeckische Blätter, 17. Jahrgang, Nummer 58, Ausgabe vom 21. Juli 1875, S. 329.

Bürgerausschuss Im Bürgerausschuss wurde Freese zweimal zu dessen ersten Stellvertreter des Wortführers gewählt.

Zur Erinnerung an den Großen Krieg wurde schon 1871 auf dem Niederwalde die Errichtung eines Nationaldenkmals beschlossen. Anfang 1872 wurde aus Heinrich Classe, Gustav Georg Eschenburg, Freese, Johann Heinrich Harms, Heinrich Christ. Koch, Graf Alexander Luckner, die Senatoren Christian Theodor Overbeck und Heinrich Alphons Plessing sowie August Wichmann das lübeckische Komitee zur Entgegennahme der Spenden gebildet.Local- und vermischte Notizen. In: Lübeckische Blätter, 14. Jahrgang, Nummer 1, Ausgabe vom 3. Januar 1872, S. 4.