Iris Lienhard (* 19. Februar 1976 in Aarau, Kanton Aargau, Schweiz) ist eine österreichische Skibobfahrerin. Mit elf Weltmeistertiteln und zahlreichen Weltcupsiegen gehört sie zu den erfolgreichsten Athletinnen der nichtolympischen Sportart. Außerdem gewann sie zwischen 2001 und 2010 viermal den Skibob-Gesamtweltcup.

Biografie Iris Lienhard entstammt einer begeisterten Skibob-Familie im niederösterreichischen Pernitz. Ihr Großvater Otto Wlezcek gründete den SBC Pernitz-Unterberg, ihre Tante Petra Wlezcek (verheiratete Gamper) war ebenfalls als Skibobfahrerin erfolgreich und betreute sie später als ÖSBV-Bundestrainerin. Lienhard selbst verbrachte ihre ersten 17 Lebensjahre in der Schweiz, bevor sie zur Matura nach Österreich kam und ein Diplom als Touristikkauffrau erwarb. Danach lebte und arbeitete sie mehr als zehn Jahre lang in Griechenland, während sie im Winter von Österreich aus dem Skibobsport nachging.

Lienhard, die das Skibobfahren erst im vergleichsweise hohen Alter von 14 Jahren erlernt hatte, gewann bei den Weltmeisterschaften 1997 in Balderschwang ihre erste Bronzemedaille. Ein Jahr später kürte sie sich in Neukirchen am Großvenediger im Super-G erstmals zur Weltmeisterin und holte mit Slalom- und Kombinationssilber zwei weitere Medaillen. In St. Johann im Pongau konnte sie in Super-G und Riesenslalom erstmals zwei Goldmedaillen gewinnen. Darüber hinaus sicherte sie sich mit Abfahrtsbronze ihre einzige WM-Medaille in dieser Disziplin. Im folgenden Jahr gewann sie in Bischofswiesen zum ersten Mal in ihrer Karriere vier Medaillen, davon dreimal Gold (Super-G, Riesenslalom, Kombinationswertung). 2001 und 2002 entschied sie jeweils den Gesamtweltcup für sich, ehe sie einige Jahre Pause einlegte. 2008/09 kehrte sie an die Spitze der Weltcup-Gesamtwertung zurück, beendete damit die sechsjährige Siegesserie der Tschechin Alena Housová und gewann bei den Weltmeisterschaften in Ustroń zwei weitere Titel. Mit sechs Saisonsiegen verteidigte sie im nächsten Winter den Gesamtweltcup erfolgreich und errang in Kirchberg im Slalom ihren insgesamt zehnten Weltmeistertitel. Diesen konnte sie ein Jahr später in Nauders noch einmal verteidigen. Während sie mit dem Rücktritt spekulierte, gelangen ihr bei den beiden folgenden Weltmeisterschaften in Österreich und Tschechien weitere Silber- und Bronzemedaillengewinne.

In den folgenden Jahren nahm Lienhard nur sporadisch am Renngeschehen teil. Im März 2022 fuhr sie beim Weltcup auf dem Nassfeld hinter ihrer jungen Landsfrau Juliane Knauß zweimal auf den zweiten Platz. Im Rahmen der Weltmeisterschaften in Grächen holte sie im Alter von 47 Jahren – und erstmals seit zehn Jahren wieder – drei Silbermedaillen. Ein Jahr danach schaffte sie auf dem Nassfeld zwei weitere Podestplätze. Auch bei den Weltmeisterschaften in Lenggries verzeichnete sie drei Medaillengewinne, wobei sie die Goldmedaille im Riesenslalom um lediglich drei Hundertstelsekunden verfehlte.

Iris Lienhard zog von Piesting nach Goldegg im Pongau, wo sie als selbstständige Masseurin arbeitet. Sie ist Mutter von zwei Töchtern und betreut nebenbei die österreichische Schülernationalmannschaft im Skibob.

Erfolge Weltmeisterschaften 11 Goldmedaillen (3 Super-G, 4 Riesenslalom, 2 Slalom, 2 Kombination) 15 Silbermedaillen (3 Riesenslalom, 7 Slalom, 5 Kombination) 8 Bronzemedaillen (1 Abfahrt, 2 Super-G, 1 Riesenslalom, 2 Slalom, 2 Kombination) … Ustroń 2009: 1. Riesenslalom, 1. Kombination, 2. Slalom, 3. Super-G Kirchberg in Tirol 2010: 1. Slalom, 2. Riesenslalom, 2. Kombination, 4. Super-G Nauders 2011: 1. Slalom, 3. Kombination, 4. Riesenslalom, 5. Super-G Aigen im Mühlkreis/Deštné v Orlických horách 2012: 2. Riesenslalom, 2. Slalom, 2. Kombination, 3. Super-G Bad Hofgastein 2013: 2. Slalom, 3. Kombination, 4. Riesenslalom, 5. Super-G Grächen 2023: 2. Riesenslalom, 2. Slalom, 2. Kombination, 5. Super-G Lenggries 2025: 2. Riesenslalom, 3. Slalom, 3. Kombination, 6. Super-G

Weltcup-Platzierungen Saison Platz Punkte bis1999/00 ? 2000/01 1. ? 2001/02 1. ? 2006/07 12. 6 2007/08 4. 73 2008/09 1. 121 2009/10 1. 114 2010/11 2. 129 2011/12 5. 30 2012/13 8. 14 2016/17 8. 6 2021/22 4. 32 2023/24 6. 20

Weltcupsiege Lienhard errang ab der Saison 2004/05 folgende Weltcupsiege: Datum Ort Land Disziplin 19. Jänner 2008 Bad Ragaz Schweiz Riesenslalom 6. Dezember 2008 Kühtai Österreich Riesenslalom 24. Jänner 2009 Jablonec nad Jizerou Tschechien Riesenslalom 25. Jänner 2009 Jablonec nad Jizerou Tschechien Super-G 16. Jänner 2010 Neukirchen am Großvenediger Österreich Slalom 17. Jänner 2010 Neukirchen am Großvenediger Österreich Riesenslalom 18. Februar 2010 Wisła Polen Riesenslalom 19. Februar 2010 Wisła Polen Slalom 20. Februar 2010 Deštné v Orlických horách Tschechien Riesenslalom 21. Februar 2010 Deštné v Orlických horách Tschechien Slalom 5. Februar 2011 Lackenhof Österreich Slalom 11. Februar 2011 Nauders Österreich Slalom (WM) 11. März 2011 Aigen im Mühlkreis Österreich Super-G 14. Jänner 2012 Neukirchen am Großvenediger Österreich Slalom 15. Jänner 2012 Neukirchen am Großvenediger Österreich Riesenslalom

Weitere Erfolge 17 österreichische Staatsmeistertitel in verschiedenen Disziplinen

Auszeichnungen 2001: Silbernes Ehrenzeichen für Verdienste um das Bundesland Niederösterreich 2009: Sportlerin des Jahres (Niederösterreich)

Weblinks Offizielle Website WM-Medaillengewinnerinnen bis 2004 bei sport-komplett.de Gesamtweltcupsieger 1986–2003 bei sport-komplett.de Ergebnisse (ab 2004/05) auf der Website der Fédération Internationale de Skibob

Einzelnachweise

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