Helmut W. Banz (* 21. Februar 1941Das Geburtsjahr wird in den Quellen uneinheitlich angegeben: koeln-im-film.de und mehrere Nachrufe nennen 1941; das den Nachlass verwahrende Filmmuseum der Landeshauptstadt Düsseldorf sowie der Verband der deutschen Filmkritik nennen 1942. in Wolfsburg; † 14. März 2012 in Köln) war ein deutscher Filmkritiker, Autor und Schauspieler. Von 1970 bis 2001 war er gemeinsam mit Gert Berghoff Betreiber der Cinemathek Köln.

Leben und Wirken

Frühe Jahre und Cinemathek Köln Helmut W. Banz engagierte sich in den 1960er Jahren im studentischen Filmklub der Universität zu Köln.Banz, Helmut W. In: koeln-im-film.de, abgerufen am 10. Februar 2025. In dieser Zeit studierte er Theaterwissenschaft; aus dem Jahr 1962 sind Seminarreferate zu Carl Sternheim und Alfred Kerr überliefert.Filmmuseum der Landeshauptstadt Düsseldorf, Nachlass Helmut W. Banz, Inv.-Nr. SLG.Banz 1 und 2 (Seminarreferate, 1962). Später war er Mitglied der Arbeitsgemeinschaft für Filmfragen (AGF), aus der 1967 die Cinemathek-Gruppe hervorging, die zunächst unregelmäßig im Wallraf-Richartz-Museum Filme zeigte.Cinemathek. In: koeln-im-film.de, abgerufen am 10. Februar 2025. Anfang der 1970er Jahre gehörte Banz der 1971 gegründeten Kölner Hochschulgruppe BAFIK (Basisgruppe Film Köln) an.Universitätsarchiv Köln (UA Köln), Zugang 679, Nr. 21 (Hochschulgruppe BAFIK – Basisgruppe Film Köln, gegründet 1971).

1970 gründete Banz gemeinsam mit Gert Berghoff und Alice Goetz als private Initiative den Cinemathek Köln e. V., der ab 1971 im Wallraf-Richartz-Museum seine regelmäßige Spielstätte fand.Hans Günther Pflaum, Hans Helmut Prinzler: Film in der Bundesrepublik Deutschland. Der neue deutsche Film. Herkunft/Gegenwärtige Situation. Ein Handbuch. Carl Hanser Verlag, München/Wien 1979, ISBN 3-446-12434-9, S. 117. Den Grundstock des filmhistorischen Programms bildete eine von Banz, Berghoff und Goetz zusammengetragene umfangreiche Filmsammlung, die seit 2008 vom Filmmuseum Düsseldorf verwahrt wird.Sammlung Alice Goetz-Berghoff und Gert Berghoff. In: emuseum.duesseldorf.de, abgerufen am 10. Februar 2025. Das Programm war betont breit angelegt und reichte von Klassikern der Filmgeschichte bis zu Raritäten; gezeigt wurde vor allem das, was die Betreiber für sehenswert hielten oder was andernorts nicht mehr zu sehen war.Max Annas: Cinemathek (Köln). In: cargo. Film/Medien/Kultur, Heft 43, abgerufen am 8. Juli 2026. 1976 gründete Banz gemeinsam mit Alice Goetz-Berghoff die MULI Filmtheater- und Vertriebsgesellschaft.Filmmuseum der Landeshauptstadt Düsseldorf, Nachlass Helmut W. Banz, Inv.-Nr. SLG.Banz 3 und 4 (Gründungsurkunde 1976 und Geschäftsunterlagen der MULI Filmtheater- und Vertriebsgesellschaft).

Ab 1986 befand sich die Cinemathek im Kölner Museum Ludwig. 2001 musste die Cinemathek eingestellt werden, nachdem sie ihren bisherigen Spielplatz im Museum verloren hatte; kurz darauf verstarb Gert Berghoff.

Filmkritiker Banz schrieb ab Mitte der 1970er Jahre Filmkritiken für die Kölnische Rundschau, den Kölner Stadt-Anzeiger, Die Zeit und die kurzlebige Filmzeitschrift Filme.Thomas Linden: Das Gedächtnis des Films. In: choices.de, März 2012, abgerufen am 8. Juli 2026. Als sich die Zeitschrift Filmkritik zunehmend der Filmgeschichte zuwandte, zählte Banz zu den Autoren der als Alternative verstandenen Zeitschrift Filme. In späteren Jahren verfasste er wöchentliche Kurzkritiken für die Boulevardzeitung Express.W wie Winchester. In: StadtRevue, März 2012, abgerufen am 8. Juli 2026.

Nach dem Ende der Cinemathek engagierte sich Banz ehrenamtlich im Kölner Filmclub 813, wo er über die Jahre verschiedene Film-Programme konzipierte. Seine letzte für den Filmclub 813 konzipierte Reihe war den Verfilmungen von Werken Cornell Woolrichs gewidmet; er gab ihr den Titel „First you dream then you die“, erlebte ihre Aufführung jedoch nicht mehr.Zum Tode des Filmvermittlers Helmut W. Banz. In: vdfk.de, Verband der deutschen Filmkritik, April 2012, abgerufen am 8. Juli 2026.

Helmut W. Banz starb am 14. März 2012 im Alter von 71 Jahren nach langer Krankheit an einem Krebsleiden in Köln und wurde auf dem Melaten-Friedhof beigesetzt.Helmut W. Banz in der Datenbank Find a Grave, abgerufen am 11. Februar 2025.

Über die Filmkritik hinaus arbeitete Banz als Dramaturg mit dem Kölner Regisseur Jürgen Heiter zusammen, unter anderem beim essayistischen Dokumentarfilm Der Photograph (2006) über den Fotografen Benjamin Katz.Helmut W. Banz. In: filmportal.de, abgerufen am 8. Juli 2026.

Nachlass und Sammlung Banz' schriftlicher Nachlass gelangte 2007 als Schenkung an das Filmmuseum der Landeshauptstadt Düsseldorf, das ihn seither verwahrt; er umfasst 20 Archiveinheiten, darunter Manuskripte, Filmkritiken sowie Unterlagen zum Filmclub 813 und zur Cinemathek Köln.Nachlass Helmut W. Banz. In: emuseum.duesseldorf.de, abgerufen am 10. Februar 2025; ergänzend Objektkatalog des Filmmuseums der Landeshauptstadt Düsseldorf (Bestand SLG.Banz), Eingang 1. Dezember 2007 (Schenkung). Darüber hinaus verwahrt das Museum eine umfangreiche Sammlung von Filmkopien in den Formaten 16 mm und 35 mm aus Banz' Besitz, die in mehreren Lieferungen zwischen 2001 und 2010 an das Haus kam; ihr Erhaltungszustand ist in Prüfberichten dokumentiert.Filmmuseum der Landeshauptstadt Düsseldorf, Sammlung Helmut W. Banz: Bestandslisten der Filmkopien (16 mm und 35 mm) mit Lieferungen 2001–2010 sowie Erhaltungszustandsberichte. Zu den überlieferten Materialien zählen auch Konzepte für Filmreihen und persönliche Bestenlisten, darunter eine Zusammenstellung der aus seiner Sicht 22 wichtigsten Filme des Jahrzehnts 2000–2010.Filmmuseum der Landeshauptstadt Düsseldorf, Nachlass Helmut W. Banz, Inv.-Nr. SLG.Banz 8 und 9 (Filmreihen-Konzepte, um 2010).

Filmografie

Schauspieler 2005: Die Quereinsteigerinnen 2010: Wellenreiter (Kurzfilm) 2010: Long Live the People of the Revolution 2013: Café Kontakt (Kurzfilm)

Drehbuch und Dramaturgie 1984/1996: Ende des Imaginären (auch Regie, Drehbuch und Sprecher) 2006: Der Photograph (Dramaturgie) 2008: Tod im Sommer 2010: Long Live the People of the Revolution 2012: 10 PM Lincoln Boulevard

Schriften (Auswahl)

mit Alice Goetz: Luis Buñuel. Eine Dokumentation. Verband der deutschen Filmclubs, Mannheim 1965. mit Alice Goetz: Le Film maudit. Filme aus dem Untergrund von 1921 bis 1968. Retrospektive Gregory J. Markopoulos. Stadt Köln, Köln 1968. mit Alice Goetz: Retrospektive: John Ford. Filmfestival NRW, Köln 1990. mit Ruth C. Häuber: Aus der Traumfabrik. Die Kunst der Filmphotographie. Museum Ludwig / Cinemathek Köln, München/Köln 1990. mit Annette Baack-Sy: Ôshima Nagisa. Japanisches Kulturinstitut Köln / Cinemathek Köln, Köln 1995. mit Joachim Kühn: Werkschau Udo Kier. Filmclub 813, Köln 2004. mit Marcus Seibert und Hans-Dieter Delkus: Werkschau Eric Rohmer. Filmclub 813, Köln 2005. mit Hans-Dieter Delkus: Jean Renoir. Filmclub 813, Köln 2007. mit Hans-Dieter Delkus: Hommage Lino Ventura. Filmclub 813, Köln 2007. mit Hans-Dieter Delkus: The Far Country. Amerikanische Western 1946–1962. Filmclub 813, Köln 2008. mit Hans-Dieter Delkus und Stefan Dornuf: Howard Hughes in Hollywood. Filmclub 813, Köln 2008.

Literatur Max Annas: Cinemathek (Köln). In: cargo. Film/Medien/Kultur. Heft 43.

Weblinks Helmut W. Banz in der Internet Movie Database (englisch) Helmut W. Banz bei filmportal.de Thomas Linden: Das Gedächtnis des Films. Nachruf. In: choices.de, März 2012. W wie Winchester. Nachruf. In: StadtRevue, März 2012.

Anmerkungen

Einzelnachweise

Kategorie:Filmkritiker Kategorie:Filmschauspieler Kategorie:Autor Kategorie:Person (Köln) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1941 Kategorie:Gestorben 2012 Kategorie:Mann