Julian-Jakob Kneer (* 1992 in Basel, Schweiz) ist ein Schweizer Künstler, der in Basel und Paris lebt. Kneer inszeniert im Zentrum seines Werkes anhand eines maskierten Antihelden eine düstere Erzählung über Stars, Narzissmus, Sehnsucht und Selbstzerstörung.

Werdegang Im Jahr 2019 erhielt Kneer den Meisterschülertitel für Bildhauerei an der Universität der Künste in Berlin, bei Monica Bonvicini.

Werk Kneer untersucht die Kontingenz tradierter soziokultureller Symbol- und Zuordnungssysteme. Ein zentrales Thema seiner Arbeit ist die Untersuchung des Unterbewussten und abnormer sowie pathologischer Abweichungen aus einer bürgerlich-normativen Perspektive. Dies umfasst sowohl obskure körperliche Praktiken wie Paraphilien und Fetische als auch alltägliche und populärkulturelle Artefakte und Phänomene, die häufig jenseits konventioneller Vorstellungen von „gutem Geschmack“ liegen. Ein Schlüsselbegriff in Kneers Werk ist Ambivalenz, da er irritierende Synthesen aus hoch- und subkulturellen Referenzen, Tradition und Gegenwart schafft und eine unvoreingenommene Gegenüberstellung scheinbar gegensätzlicher Ästhetiken ermöglicht. Diese Synthesen rufen gleichzeitig Gefühle von Begehren und Abstoßung hervor.

In seinen Werken und Selbstporträts tritt Kneer wiederholt mit einer Silikon-Maske auf, die sein Gesicht imitiert. Als Teil der Geschichte seiner ambivalenten namenlosen Doppelpersönlichkeit dient sie ihm als Objekt, um sich von seinen eigenen Meinungen, Gefühlen und Positionen zu distanzieren. Anhand dieses Antihelden, der auch als Alter Ego oder Doppelgänger gelesen werden kann, untersucht Kneer die negativen Aspekte der Celebrity-Kultur, Narzissmus und Selbstzerstörung.

In seinen Installationen, Filmen und Skulpturen greift Kneer immer wieder auf die visuellen Codes der Film- und Popkultur zurück. In seiner Serie „BASTARDS“ präsentiert er monochrom bedruckte Silberspiegel mit maßgefertigten verzinkten Rahmen, die jeweils mit geschichteten Collagen scheinbar zufälliger Filmplakate versehen sind. Durch die Mischung vorgefertigter, widersprüchlicher Erzählungen werden diese Blockbuster-Filmplakate zu zeitgenössischen Artefakten, die die gesellschaftlichen Konstruktionen von richtig und falsch, Kunst und Pop, Krankheit und Gesundheit infrage stellen.

Ausstellungen (Auswahl)

Einzelausstellungen

2016 International blood drinker (with Clémence de La Tour du Pin), Gärtnergasse, Wien, Österreich 2017 Ushirode, Geadert Hronjec Collection, Berlin 2017 Sub rosa, 1.1., Basel, Schweiz 2018 Jugend ist Trunkenheit ohne Wein, BIKINI, Basel, Schweiz 2018 Wicked games, ROOM E-10 27, Berlin 2019 Sublime, Galerie Lucas Hirsch, Düsseldorf 2019 Frottage, Limbo, Berlin 2020 Ever After, Shore Gallery, Wien, Österreich 2021 High-Rise Berlin, Schinkel Pavillon, Berlin 2021 Julian-Jakob Kneer, Galerie brunand brunand, Berlin 2021 Solo Booth, Liste Art Fair, Shore Gallery, Schweiz 2022 SHOOTING STAR, Blue Velvet Projects, Zürich, Schweiz 2023 BASTARDS (NEVERLAND), Shore Gallery, Wien, Österreich 2023 SHOOTING STAR: ENCORE, Miettinen Collection, Berlin 2023 BASTARDS, Blue Velvet Projects, Zürich, Schweiz 2024 Prodigy, Kunsthalle Košice, Košice, Slowakei

Gemeinschaftsausstellungen

2016 TransArt Triennale, Uferstudios, Berlin 2016 Episode 9: Dinner Room Terravore, Oslo10, Basel, Schweiz 2017 CRIB 2 (in cooperation with Yves Scherer), Galerie 95, Biel, Schweiz 2018 Gentle Heterodoxy – Social Body and its Enchantments, fffriedrich, Frankfurt am Main 2019 In-visible Realness, PS120, Berlin 2019 Teen Ranch, Main Street, Toronto, Kanada 2019 Cold Prey, Lubov Gallery, New York, USA 2019 Tending Towards, AMOQA, Athen, Griechenland 2019 3hd / Creamcake, Postbank-Hochhaus, Berlin 2020 Situation 1 und andere, Kunsthalle Basel, Basel, Schweiz 2026 Anti Heroes. Jakob Collection, Villa Merkel, Esslingen am Neckar

Literatur

2019 Kunstmagazin Parnass: JULIAN-JAKOB KNEER BEI LIMBO, BERLIN 2019 Frankfurter Rundschau: Ein Kokon für die Kunst, von Christina Lenz

2019 OFLUXO: Even After, von Nele Ruckelshausen

2019 PASSE-AVANT: Julian-Jakob Kneer, Die Ruinen der Dekadenz, von Dennis Brzek

2020 Badische Zeitung: Auch die Kunst vor Ort muss ins Netz, von Annette Mahro und Hans-Dieter Fronz 2021 Berlin Art Link: Total Work of Art: Julian-Jakob Kneer at brunand brunand, von Samuel Staples 2022 FLAUNT: JULIAN-JAKOB KNEER - AND NO MESSAGE COULD HAVE BEEN ANY CLEARER, von Nele Ruckelshausen

2022 GATA: BEHIND THE MASK: Q&A with Julian-Jakob Kneer, von Mizuki Khoury 2022 PW-MAGAZINE: Love Yourfeld: Julian-Jakob Kneer SHOOTING STAR, von Samuel Staples 2022 STUDIO Magazine: Julian-Jakob Kneer, SHOOTING STAR, von Pierre-Alexandre Mateos und Charles Teyssou 2022 Das Wetter: Ausgabe 28 – Julian Jakob Kneer Cover 2023 Tagesspiegel: Mode macht Kunst: Balanceakt zwischen Produkt und Einzelstück, von Grit Thönnissen 2023 Mousse Magazine: Julian-Jakob Kneer “BASTARDS (NEVERLAND)” at Shore Gallery, von Nele Ruckelshausen 2023 gallerytalk: Kunstgriff: 8 Highlights der Kunstmesse Art Düsseldorf, von Anna Meinecke

Einzelnachweise

Kategorie:Installationskünstler (Schweiz) Kategorie:Schweizer Kategorie:Geboren 1992 Kategorie:Mann